Mein nächstes Abenteuer – Work & Travel in Kanada 2020

Die Vermutungen sollten sich bestätigen – lange hielt es mich nicht in der Heimat. Nachdem ich vor meiner Arbeit nicht die Chance, noch das Geld und auch nicht den Mut hatte, stand mein Entschluss schnell fest. Erste Langzeit-Reiseluft hatte ich während meiner 9-monatigen Auszeit ja geschnuppert und wenn nicht jetzt, wann dann? Ende 2018 öffneten online die Pools für das Work & Travel Visum für Kanada und ich erstellte mir umgehend einen Account. Eigentlich erstmal nur mit dem Hintergedanken; mal sehen, wie der Prozess so funktioniert und was man alles so benötigt, schließlich gibt es mehrere Runden und wahrscheinlich würde ich eh nicht bei der ersten Runde gezogen werden. Denn nach dem neuen Los-Verfahren kann es unter Umständen natürlich auch „Glück“ sein. Es stehen ca. 4000 Plätze zur Verfügung und da es jährlich einen weltweiten Ansturm auf diese Plätze gibt, ist die Wahrscheinlichkeit eigentlich auch recht gering.

Um dennoch möglichst gut informiert zu sein, bietet es sich an online auf anderen Blogs und Hilfeseiten nachzulesen, was nun wirklich alles gebraucht wird. Die Grundsätze dazu haben sich über die Jahre wenig geändert, aber inzwischen müssen noch mehr Details geliefert werden. Nachdem man sein Profil im Pool erstellt hat, muss man sich regelmäßig einloggen und prüfen, ob man Schreiben mit Informationen erhalten hat und Aufforderungen nachkommen. Folgende Dokumente sollte man in dieser Zeit vorbereiten und entsprechend der Abfrage liefern/hochladen, natürlich auf Englisch/ggf. übersetzen lassen:

> Lebenslauf
> Familien-Situation, Informationen über Eltern und Geschwister
> Reise-Historie
> Führungszeugnis; nicht älter als 3 Monate und wenn man in einem anderen Land länger als 6 Monate gelebt habt, benötigt man von diesem Land ebenfalls einen „Criminal Record“
> Biometrische Fotos


Und nicht genug davon, darf man auch noch online Formulare ausfüllen, die das Ganze dann auch nochmal bestätigen! Doppelt hält eben besser. Dabei darf der schulische Werdegang auch nicht außer Acht gelassen werden und wo man wie lange, wann gearbeitet hat, welche Position man genau hatte und und und… ein wahnsinniger Aufwand, aber gut, was tut man nicht alles! So sieht „The road to IEC“ auf einer vereinfachten Darstellung aus:

Und wenn man dann alles eingereicht hat, muss man regelmäßig den Account prüfen und irgendwann trudelt dann die Einladung zur Abgabe der biometrischen Daten ein. Ich konnte sie Gott sei Dank in Düsseldorf abgeben, da sie dort vor Kurzem erst eine entsprechende Stelle eingerichtet hatten. Man kann ohne oder mit Termin dorthin gehen, dann wird neben den Fingerabdrücken nochmal ein Foto von einem gemacht – das soll es dann aber auch gewesen sein. Noch die Gebühren für alles bezahlt und dann heisst warten und hoffentlich bald freuen. Bei mir war es dann am 14. Februar 2019 soweit – statt eines Liebesbriefs erhielt ich an diesem Tag meinen „Letter with Work Permit“ – die Freude war groß und ich hatte ein neues Ziel vor Augen – Kanada 2020!

Auch wenn ich nun die Möglichkeit hatte so schnell wie möglich zu starten, wollte ich nicht überstürzt loseilen und mir lieber die Zeit nehmen alles mit Bedacht zu regeln und mich gut vorzubereiten. Der „Berg“ an Aufgaben und Erledigungen war auch einfach so groß, dass ich das bewusst entscheiden und nicht auf Teufel komm‘ raus die Reise antreten wollte. Was stand also nun alles vor mir: Den Job kündigen, die Arbeit kündigen, versuchen all mein Hab & Gut weites gehend zu verkaufen, Freunde und Familie behutsam darauf vorbereiten, dass ich mich doch nochmal auf den Weg machen – dieses Mal aber ohne sicheren Hafen und doppelten Boden. Eine weise Entscheidung? Keine Ahnung, aber wenn nicht jetzt, wann dann? Durch meine vorherigen Erfahrungen in Europa und Südamerika war ich mir sicher, dass ich das schon irgendwie regeln würde und auch mal ohne „Plan“ auf reisen zu sein – denn Pläne ändern sich doch wieder unterwegs und ohne einen ist man dann doch flexibler. Und man macht schließlich genug Pläne und meine waren bisher nicht so optimal oder lösten sich dann doch wieder in wohl gefallen auf. Die Vorstellung ein Jahr durch Kanada zu reisen, ohne vorher konkret zu wissen wann man wo sein wird – ein kleines Abenteuer, was aber sicherlich am Ende unvergesslich sein wird. So viele andere Menschen auf dieser Erde reisen „einfach“ um die Welt, vielleicht bringt mir das auch ein Stück weit Gelassenheit mit auf dem Weg.

Im September/Oktober startete ich dann mit den meisten Vorbereitungen; Wohnung rechtzeitig kündigen und selbst Nachmieter für die Wohnung finden, denn ich wollte meine Wohnung gerne mit möglichst viel Inventar weitergeben. Alles andere muss irgendwie verkauft werden, über Facebook Markets, ebay Kleinanzeigen, nebenan.de – es gibt so viele Möglichkeiten in der heutigen Zeit.

Wie bekomme ich meine Versicherungen gekündigt oder still gelegt? Welche sollte ich behalten? Wie sieht es mit der Auslandsreisekrankenversicherung aus? Auch hier bietet das Internet natürlich unendlich viele Möglichkeiten und bei Reisen nach Kanada muss berücksichtigen, dass durch die hohen Kosten der medizinischen Versorgung die Versicherung natürlich teurer wird. Also dauerte es seine Zeit, bis eine engere Auswahl getroffen war. Schließlich musste ich dann irgendwann eine Entscheidung treffen und mit der Education60 von der HanseMerkur [Werbung] ist man da auf jeden Fall an der richtigen Adresse.

Nächster Punkt: Kreditkarte – welche lohnt sich, hat ggf. Versicherungen dabei, ist im ersten Jahr kostenlos? Der Urwald an Möglichkeiten ist ebenfalls hier sehr groß – aber auch da findet man irgendwann die Richtige.

Es standen noch viele weitere Punkte auf meiner Liste „der zu erledigenden Notwendigkeiten“ – diese wurde nach und nach kleiner. Eine Nachmieterin war schnell gefunden, mein Mobiliar und weitere Besitztümer konnte ich nach und nach verkaufen.
Schließlich hatte ich einen Flug gebucht und es waren nur noch gut drei Monate, bis es für mich auf die große Reise ging. Aber nervös war ich irgendwie noch gar nicht – alle um einen herum stellen einen dieselben Fragen und meine Antworten darauf lauteten meist immer gleich – es wird Zeit für eine Veränderung, meine Wohnung ist schon länger nicht mehr „meine“ Wohnung und ja, natürlich ist es nicht schön Freunde und Verwandte „zurück“ zu lassen, aber vermutlich habe ich nur dieses eine Leben und niemand anders kann mich glücklich machen oder die Entscheidung treffen, wie ich mein Leben zu leben habe. Und wenn ich eines gelernt habe in den letzten Jahren, dann ist es auf sich selbst und die eigene Intuition zu hören und ihr zu folgen. Selbstvertrauen war nie meine Stärke, aber irgendwas in mir macht sich laut bemerkbar und zeigt mir, welchen Weg ich gehen sollte. Also warum nicht einfach mal folgen und sich treiben lassen? Mit Sicherheit wird das auf Gefahren mit sich bringen – aber ich möchte auch leben und erleben und das tue ich nicht von der Couch aus oder den ganzen Tag hinterm Bildschirm.

Leben passiert unterwegs…

Nach und nach minimierte sich nun also alles – die Weihnachtszeit konnte ich nochmal nutzen um Freunde und Familie zu sehen und ein bisschen die Zeit daheim zu genießen, bevor es dann in die letzten Vorbereitungen ging. Eine Zeit voller Erlebnisse und Erfahrungen, die ich mit auf meine Reise nehmen würde. Meistens kommt es anders und zweitens..als man denkt! Menschen kreuzen deinen Weg, die man vielleicht schon eher hätte treffen sollen, aber aus irgendeinem Grund laufen sie einem genau erst dann über den Weg! Dann heisst es also „deal with it“ – da machste nix!

Meine Wohnung hatte ich zu Ende Januar gekündigt, meinen Job zu Ende des Jahres – somit hatte ich einen Monat Zeit, alles zu regeln, die Wohnung ansehnlich zu hinterlassen und mein letztes Zeug, meist persönliche Dinge, noch irgendwo unterzubringen. Einen Storage wollte ich mir aber dafür nicht mieten, denn das waren zusätzliche Kosten, die ich gerne vermeiden wollte. Kurz vor Schluss hatte ich dann noch das Glück bei einem lieben Arbeitskollegen einen Teil des Kellers belegen zu dürfen – zwar nicht gerad um die Ecke, aber sauber, trocken und GANZ viel Platz – man muss auch mal Glück haben im Leben ;).

Nachdem das nun also auch geregelt war, konnte ich entspannt den letzten Monat in der Wohnung angehen. Während der Zeit zig mal die Kleidung aussortiert, einen Wohnungsflohmarkt veranstaltet und Stunden damit verbracht Sachen online zu verkaufen oder auch zu verschenken. Auch in der Familie und bei Freunden – so bleibt ein Teil von mir auch irgendwie daheim. (Ja, natürlich bleibt Essen meine Heimat – aber es wird Zeit in die Welt raus zu gehen) – und wie sagt meine Ma‘ immer so schön – Reisende soll man nicht aufhalten – alles klar, ich bin dann mal weg….



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