Toronto, 06. – 11.02.2020

Für die erste Zeit in Toronto hatte ich mir im „Only Backpacker’s Inn“ Hostel ein Bett in einem 4-Bett Zimmer gebucht. Das Hostel war mir von einer anderen Reisenden empfohlen worden und da die Auswahl meist größer ist, sind Empfehlungen nie verkehrt. Der einzige Nachteil; das Hostel liegt in East York, welches gut 20 Minuten von Downtown (Innenstadt/Altstadt) entfernt liegt. Da der Nahverkehr in Toronto aber gut funktioniert und alle 3-5 Minuten die Metro fährt, sollte das kein Problem darstellen. Aber erstmal ankommen. Ich hatte vorher schon Kontakt zu einigen Couchsurfern, die mir ein paar Tipps bezgl. der Anreise mitgegeben hatten. Somit wusste ich, dass es besser ist, wenn man sich eine „presto“ Karte zulegt, die man dann immer wieder mit Geld auflädt und so die Fahrten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln bezahlt. Union Station ist sozusagen der Hauptbahnhof in Toronto. Von dort fahren dann auch die Züge und Busse in alle Richtungen. Dort stieg ich dann vom UP-Train in die Metro um, musste noch einmal umsteigen und an der Danforth Station war ich dann endlich am Ziel.

Gleich um die Ecke befindet sich das Hostel, welches zudem noch einen eigenen Pub und ein Café betreibt, welche meist gut gefüllt sind. Die Kuchen und Teilchen werden selbst gemacht und im Pub bekommt man interessante lokale, als auch internationale Biere; wie z.B. Pale Ale, Stout, Pils, Craft Beer uvm.. Da dort kein Essen serviert wird, ist es gestattet, dass man sein Essen mitbringen oder auswärts bestellen kann. Sonntags gibt es das Bier vergünstigt und die Rechnung scheint locker aufzugehen. In East York befindet sich zudem der griechische Stadtteil Torontos. Die kleine Kaufläden, Bistros, Restaurants, Imbiss-Läden und Kneipen sind dann aber doch internationaler aufgestellt. In den Bars, Pubs gibt es immer wieder Musik oder auch Comedy-Veranstaltungen. Kanada an sich ist bekannt für seine internationale Kultur, da viele Menschen aus aller Welt sich über die Jahrzehnte/Jahrhunderte dort niedergelassen haben. Besonders bemerkbar macht sich das in den Großstädten wie Toronto und Vancouver. Weiter östlich in der Hauptstadt von Kanada, Ottawa, erstreckt sich die Grenze zum französischen Teil namens Quebec. Zwar ist es in den Städten Montreal und Quebec-Stadt auch etwas internationaler, aber auf dem Land bemerkt man deutlich, die Leute sind stolz auf ihre Französisch und so kann es schon mal sein, dass man mit Englisch leider aufgeschmissen ist, denn sie verstehen einen (angeblich) nicht. Tja, erinnert mich dann doch auch irgendwie an die Franzosen in Europa… Daher auch eigentlich nicht mein Plan, dieses Mal in diesen Teil zu reisen, aber alles ist natürlich möglich.

Nachdem ich mein Zimmer bezogen hatte, erstmal organisieren, schauen was in der Nähe ist, wo genau was liegt und dann zusehen, dass ich mir eine SIM Karte organisieren und meinen Bank-Account eröffne. Wenn man mit einer Arbeitserlaubnis kommt, lohnt es sic allemal ein Bankkonto zu eröffnen, nicht nur, weil es damit einfacher wird zu bezahlen, auch wenn man einen bezahlten Job hat, muss das Geld ja irgendwo hin überwiesen werden und das geht meist nicht (ohne Verbindung mit weiteren Kosten) auf das eigene Konto in Deutschland. In den Work & Travel Gruppen auf Facebook wurde explizit auf die CIBC Bank hingewiesen, da die speziell für Work&Travel und Young Professionals ein Konto anbieten, dass im ersten Jahr keine Kontoführungsgebühren erhebt und somit kostenfrei ist. Innerhalb Torontos sind viele Filialen vertreten und zum Glück war die nächste gleich zu Fuß für mich zu erreichen. Also war schon klar, welches Ziel ich am nächsten Morgen ansteuere. Plan soweit – Bank-Account eröffnen, dann Richtung Stadt laufen, die Umgebung entdecken. Sehen, wie die Leute dort leben und ob die Stadt, mit einer Bevölkerung von 2,93 Millionen Menschen, mich auch so überfordert, wie viele der Großstädte in Südamerika. Mit auf meinem Zimmer war (natürlich) ein Deutscher, der bei DHL eine Ausbildung macht und die Möglichkeit bekommen hat im Ausland eine Zeit arbeiten zu dürfen und ein etwas außergewöhnlicher Amerikaner, der mit seinen 74 Jahren durch Hostels zieht mit Krücke und SEHR wenig Gepäck – nicht gerade wintertauglich und schon gut benutzt. Er hatte viel zu erzählen aus seinem Leben, seinen bisherigen Reisen und seinen Sichtweisen. Interessant aber manches Mal musste ich dann doch auf Durchzug schalten, weil ich müde von der Anreise war und mental auch mal eine Pause brauchte. So suchte ich ab und an das Weite und war froh mal meine Ruhe zu haben.

07.02.2020 – Erste Eindrücke

Am nächsten Morgen dann erstmal entspannt gefrühstückt und geschaut ob es sich wirklich lohnt zu Fuß Richtung Zentrum zu laufen. Denn ich schaue mir gern die Umgebung zu Fuß an, anstatt mit der Metro durch den Untergrund zu sausen. Auf dem Weg konnte ich dann gleich in die Filiale der CIBC vorbei schauen, um mein Bankkonto zu eröffnen. Entlang der Danforth Ave reihen sich verschiedene kleine Läden, Shops, Bistros, Restaurants, Bars und man bekommt hier alles, was man zu Leben braucht. Nach gut 10 Minuten erreichte ich die Filiale. Um Zugang zur Filiale zu bekommen, musste ich dann meine CIBC Karte vorweisen, was mir natürlich nicht möglich war. So dauerte es einen Moment, bis der Sicherheitsbeamte verstand, was ich wollte und erst durch ein freundliches Wink und den Worten „Come in“ von einer der Mitarbeiterinnen wurde ich dann hinein gelassen. Ja, hohe Sicherheitsauflagen in Kanada. Die Leiterin der Filiale übernahm dann persönlich mein Anliegen und nach 15 Minuten war das Prozedere erledigt und ich hatte meine Unterlagen und die Debit-Karte in meiner Hand. Die VISA Karte bekommt die Filiale zugeschickt, sodass ich in ein paar Tagen diese dann auch endlich in den Händen halte, was allerdings so zwischen 3-5 Tage dauern kann. Somit fraglich, ob ich es schaffe, bevor ich am 11.02. meine Reise fortsetze. Dann ging es zu Fuß weiter Richtung Downtown Toronto. Ich folgte einer groben Richtung und orientierte mich über Google Maps. Denn auch wenn ich aktuell noch keine kanadische SIM Karte hatte, GPS funktioniert natürlich trotzdem. Ich kreuzte schöne Wohngebiete, einen kleinen Park, indem die Kinder sich zum Schlittenfahren trafen und Hundehalter die ihre treuen Gefährten ausführten in einem der vielen Freilauf-Bereiche der Stadt. Schließlich erreichte ich eine kleine Anhöhe von der man einen schönen Blick auf die Skyline des Zentrums hat und folgte dem „Discovery Walk“ weiter Richtung des Zentrums. Wirklich was „discovern“ konnte ich da jetzt aber nicht, aber es führte mich wenigstens weiter zu meinem Ziel. Ich war vermutlich gut 30 – 45 Minuten unterwegs, bis ich schließlich das Zentrum erreichte. Hier würde ich mit Sicherheit auch einen der vielen Shops finden, die die SIM Karten verkaufen oder gleich einen der Anbieter ansteuern, um herauszufinden, welches der beste Anbieter für mich sein würde. Zwar hatte ich mich in den Facebook Gruppen schon ausgiebig dazu informiert, aber die Angebote verändern sich ja immer wieder, daher einfach direkt nachfragen. Wirkliches „Pre-Paid“, dass man also einen Geldwert auf die Karte lädt und das dann einfach verbraucht, wie man es benötigt, gibt es in Kanada nicht. Man muss sich für einen „Plan“ entscheiden und hat dann für einen Monat entsprechend Datenvolumen, Gesprächsminuten, SMS etc. inklusive. Dabei kann man zwischen Standard (nur Gespräche und Text) und bis zu vielen GB an Daten, unlimitierte Telefonate Kanada weit und SMS international wählen. Dabei kostet der teuerste Plan gut um die 75 $ und bietet dann, je nach Anbieter, 8 GB Datenvolumen. Im Vergleich zu unseren Preisen ganz schön teuer! Für mich war vor allen Dingen wichtig, ob die Reichweite des Netzanbieters ausreichend ist, um in ganz Kanada (oder zumindest den Städten und näherer Umgebung) erreichbar zu sein. Es gibt drei große Netzanbieter (Provider) BELL, TELUS & ROGERS und wiederum andere Unternehmen, über die man dann die entsprechende Tarife buchen kann. Natürlich gibt es auch „Billig“-Anbieter, aber meist ist die Netzanbindung dann nur in den Städten gegeben, aber nicht im Umland. Aber ich wollte jetzt auch nicht Unmengen an Dollar ausgeben, nur, damit ich (evtl.) überall erreichbar bin. Also, erstmal grundlegend informieren und vergleichen. Das grenzt allerdings in einer Stadt wie Toronto gleich an einen Marathon, aber gut, aktuell reicht mir auch das freie Wifi, dass hier in jedem Tim Horton’s, Starbucks, Shopping Malls und den meisten TTC-Stationen zur Verfügung steht. Während ich durch die Straßen spazierte fiel mir auf, dass viel demonstriert wurde, anscheinend von Lehrern und es ging um die Lernmöglichkeit für alle Kinder ohne hohe Kosten und nicht nur in kleineren Klassen, was aktuell ein großes Thema in Toronto und wahrscheinlich auch ganz Kanada ist. Ich finde eine gute Schulbildung sollte auch allen zugänglich gemacht werden und nicht nur Bürgern mit viel Geld. Ebenso die indigenen Völker Kanadas haben diese Probleme. Sie leben in Reservaten, wo sie zwar keine Steuern zahlen, aber auch keinen Zugang zu einer guten Bildung haben, die es meist nur in den Städten gibt und anscheinend mit viel Geld in Verbindung steht. Traurig, dass es das in der heutigen Zeit noch gibt. Nachdem ich nun schon einige Zeit unterwegs war, spazierte ich weiter Richtung Union Station entlang der Hochhäuser und alten Gebäude und ich muss sagen, am Tage wirkt die Stadt für mich ziemlich trist. Besonders im Grau des Winters unter der Wolkendecke. Viele der Fassaden der Gebäude bestehen nur aus reinem Beton ohne Farbe oder Verzierungen. Vermutlich den Witterungen wegen, aber schön finde ich es jetzt nicht. Die Bürotürme sind meist alle verglast und teilweise ist alles so dicht bei einander gebaut, dass man nicht mehr weiss, wo oben und unten ist. Das geniale an der Sache – in Downtown und um die Union Station herum sind fast alle Gebäude irgendwie mit einander verbunden, d.h. wenn es draußen zu kalt oder nass ist, sucht man sich den nächsten Eingang und kann über die Flure der Center meist zu den Verbindungen gelangen und läuft so trockenen Fußes durch die Stadt. Gute Idee! Auch nach Ladenschluss und nachts möglich.

Ich hatte mich für nachmittags mit einem der Couchsurfer verabredet, der mir ein wenig die Umgebung zeigen, bzw. mich bei meinem Stadtrundgang begleiten wollte. Allerdings gestaltete sich das mit dem Treffen mit Danish dann doch schwieriger als gedacht, da die Wifi-Verbindung nicht so recht funktionieren wollte und ich auch nicht so ganz wusste, wo ich mich jetzt genau befinde, da eben an der Union Station mehrere Gebäude miteinander verbunden sind und auch die Station mehrere Etagen hat. Nach einiger Zeit konnten wir uns dann aber doch finden und es ging gleich zu Fuß zum CN-Tower (Canadian National Tower). Das Wahrzeichen der Stadt und stolze 553 Meter hoch. In ihm befinden sich mehrere Aussichtsplattformen, eine ist sogar mit einem Glasboden ausgestattet, sowie ein Drehrestaurant, einen Weinkeller und sogar eine Spielhalle. Als besondere Erlebnis kann man auf dem EdgeWalk einmal um den Turm herum gehen und wird dafür in einem Klettergeschirr gesichert. Aber mit einem Preis von $ 225 CAD + Steuern doch ein etwas teures Vergnügen. Der generelle Eintritt, der den Zugang zur Ausstellung und zu zwei der Aussichtsplattformen gewährt, liegt auch schon bei $ 39 CAD, alles weitere kostet extra. Man hat noch die Möglichkeit mit dem City-Pass eine Vergünstigung zu erhalten, aber dann auch nur in Verbindung mit anderen Sehenswürdigkeiten, die man sich ansehen kann. Ich hatte aber zum Beginn meiner Reise nicht wirklich den Kopf und die Muße dazu das noch mit einzubinden, gerade auch weil ich nur ein paar Tage vor Ort hatte.

Um die Union Station herum knubbelt sich alles ein wenig, sodass man quasi einige der Sehenswürdigkeiten auf kurzer Strecke erreichen kann. Neben dem CN Tower befinden sich das Roger Centre, das John Street Roundhouse (ein Ringlokomotivschuppen) und das Aquarium, welche viele Touristen jährlich besuchen. Unweit davon befindet sich der Yachthafen der Stadt, mit einer Promenade, die nicht nur im Sommer Aktivitäten und Veranstaltungen zu bieten hat. Direkt an der Union Station liegt zudem die Scotiabank Arena, eine Mehrzweckhalle, in der regelmäßig Eishockey- und Basketball-Spiele stattfinden. Und sie ist das Zuhause der Toronto Maple Leafs. Da musste natürlich gleich mal ein Foto mit den Stars und Alt-Ehrwürdigen festgehalten werden. Wie der Zufall es so wollte, fand am gleichen Abend ein Spiel der besagten Mannschaft statt. Aber die tickets für solche Spiele gehen gleich ebenso gut ins Geld und man kommt mit Glück an Tickets um die $ 90 CAN und ist dann aber auch weit entfernt vom Geschehen, denn die Hallen sind riesig. Dann lieber in eine Bar in der Nähe gehen und sich das Spiel dort ansehen.

Ich hatte mich aber für später noch mit einem anderen Couchsurfer verabredet und so ging es dann zu späterer Stunde in Richtung des Stadtteils St. Lawrence. Die Winterbeleuchtung lässt die Stadt freundlicher erscheinen und Hunde scheinen hier wirklich einen besonderen Status zu haben, denn in einem der kleinen Grünflächen gibt es sogar einen Brunnen mit verschiedenen Hunde-Figuren – verrückt. Nach gut 20 Minuten Fußweg erreichte ich dann den Wohnkomplex indem David wohnte. Gut, dass an der Ecke ein Tim Horton’s war, somit konnte ich ihn kontaktieren, denn so recht verstanden hatte ich nicht, wie man in die Eingangshalle kam. Erst war ich durch Zufall drin, dann wusste ich aber nicht, ob es das richtige Gebäude war und wie ich zu seiner Wohnung komme, um ihn dort abzuholen. Schließlich kam er dann runter und wie zogen direkt los. Durch mehrere Straßen und Gassen ging es dann zum historischen Distillery Destrict, indem aktuell ein Light Art Kunstwerke ausgestellt waren. Dieser District ist Fußgängerzone mit malerischen Gebäuden aus dem 19. Jahrhundert, in denen sich einst eine große Whiskey-Brennerei befand. Wie passend, gerade kurz vor meiner Abreise in Deutschland war ich noch beim Parkleuchten im Gruga-Park gewesen. Da konnte ich dann gleich mal meine neue Kamera ausprobieren und ein paar der Werke fotografisch festhalten. Da es doch sehr kalt war wärmten wir uns noch mit einer leckeren, heißen Schokolade auf, die hier immer besondere leckere Toppings haben. *mjami*

Inzwischen war es schon recht spät und da ich doch recht geschafft vom Tag war und nicht genau wusste, wie lange ich zum Hostel brauchen würde, brachte David mich noch zur nächsten Haltestelle der „Streetcars“, was bei uns die Straßenbahn ist. Die nächste Bahn kam sehr flott und ich war froh im Warmen zu sein. Allerdings, wie ich feststellen durfte, war das die Bahn in die verkehrte Richtung, bzw. sie drehte nahe an der Distillery wieder und kehrte um. Also, ein zweiter Versuch und weil ich mir bei der Haltestelle für den Umstieg nicht sicher war, stieg ich dann auch wieder zu früh aus – ich brauche dringend eine kanadische SIM Karte. Dann war ich endlich an der richtigen Station. Reicht auch für heute.

08.02.2020 – Kensington Market – Toronto Island

Neuer Tag – neue Mission. Ich brauchte nun auch mal Lebensmittel, Waschmittel für die nächsten paar Tage, also zog ich los zum nächsten größeren Store und machte meine Besorgungen. Die Küche im Hostel ist so groß, dass mehrere Leute gleichzeitig kochen können. Umso geselliger wird es in der Küche und man trifft auf Gäste aus aller Welt. Immer wieder interessant, auf wen man so trifft. Einige leben tatsächlich im Hostel, während des Jobs in der Stadt, weil es einfach günstiger ist, als sich ein Apartment zu mieten, bzw. ein Zimmer in einer WG. So traf ich auf Reisende aus Mittelamerika, Irland aber auch Kanada. Es gibt einige Händler, die Gemüse von Ost nach West transportieren, weil sie es dort besser verkauft bekommen. Ich hätte auch schon eine Mitfahrgelegenheit nach British Columbia haben können, aber der Typ war mir nicht ganz geheuer und ich hatte ja eh schon einen anderen Plan.

Da das Wetter sonnig war und ich nicht mal ein Viertel von Toronto gesehen hatte, entschied ich mich mehr in den Westen der Stadt zu fahren und mir Kensington Market und China Town anzusehen. Angeblich soll es sogar 3-4 China Towns geben. Ich fuhr mit der TTC Metro ein paar Stationen und machte mich dann zu Fuß weiter auf den Weg, gerade auch weil ich so nochmal bei Sonnenlicht die Stadt sehen konnte. In einem der vielen Tim Horton’s traf ich mich dann mit Indra, einem weiteren Couchsurfer, der selbst gerne fotografiert und weiss, wo man hier die besten Graffitis und Street-Art Künste finde kann. Durch China-Town ging es dann zum Kensington Market – einem alternativen Stadtviertel, indem es viele kleine Bistros, Bars, Cafés, Pubs und Geschäfte gibt – natürlich aus der ganzen Welt, also bunt und vielfältig. Im Sommer ist hier bestimmt einiges auf den Straßen los. Jetzt im Winter ist es eher ruhig, aber die Läden haben teilweise geöffnet. Da der Hunger sich dann auch irgendwann bemerkbar machte, entschlossen wir uns spontan in einen Taco-Bar zu gehen. Eine breite Auswahl an Burritos und Tacos machte die Entscheidung für mich (mal wieder) nicht einfacher. Aber dann einfach für zwei Sachen entschieden und nach einer kleinen Wartezeit hatte ich meine Bestellung vor mir. Frisch und wirklich sehr lecker.

Wir zogen weiter durch die Straßen und schließlich wollte Indra mir dann noch die Straße in dem Viertel zeigen, die wohl sehr bekannt ist für die Graffitis und Bilder, die stetig wechseln. Es kann also sein, dass die Kunstwerke, die wir dort gesehen haben, jetzt schon nicht mehr existieren. Hier eine kleine Auswahl der Graffitis und Street Art Kunstwerke:

Indra hatte dann noch andere Verabredungen und ich hatte mir schon überlegt, dass ich gerne nach Toronto Island fahren würde, um von dort eine tolle Sicht auf die Skyline zu haben und ein wenig „aus der Stadt“ raus zu sein. Danish hatte ich schon vorher gefragt, ob er Lust hätte mitzukommen und so trafen wir uns wieder an der Union Station, dieses Mal ohne lange einander suchen zu müssen – jetzt wusste ich ja, wo man sich gut treffen konnte. Es war inzwischen Nachmittag und man merkt die Temperaturen werden wohl eisig werden. Gut, dass ich vorbereitet war und entsprechend viele Lagen angezogen hatte. Nur die Fotos, die ich dann mit der Kamera machen wollte, könnten heikel werden, da ich dazu meine Handschuhe ausziehen muss – aber mal abwarten. Noch lachte die Sonne vom Himmel.

Zu dieser Zeit fährt nur eine Fähre, allerdings den ganzen Tag zwischen Toronto und dem nördlichen Teil der Insel. Bei Ankunft erstmal die Karte der Insel abfotografiert und die Fahrtzeiten gecheckt. Denn, wenn wir spät fahren würden und ggf. noch die Fähre verpassen würden – das wäre nicht so optimal. Ein paar Menschen wohnen das ganze Jahr über auf der Insel oder sind zumindest auch im Winter ab und an vor Ort. Es gibt sogar eine Feuerwache auf der Insel. Die Menschen aus der Stadt kommen dann zum Ski-Langlauf auf die Insel, oder für ausgedehnte Spaziergänge. Im Sommer hat die Insel einiges mehr zu bieten; wie z.B. einen Freizeitpark, Bootstouren, Strände, Angelmöglichkeiten oder man mietet sich ein Kanu und paddelt um die Insel herum. Die kleinen Häuser die in diesem Teil der Insel stehen, scheinen teilweise bewohnt zu sein oder sind wahrscheinlich eher Ferien- & Wochenend-Häuser für die Sommer-Saison. Bei einigen Häusern könnte man aber auch denken, dass sie lange nicht mehr bewohnt sind oder zugepackt mit allerhand Zeugs und dienen mehr als Lagerhaus. Die Frage nur, warum? Wahrscheinlich ist es hier auch, wie in vielen Gebieten, eine teuere Angelegenheit, wenn man umbauen oder renovieren möchte und dazu braucht man das nötige Kleingeld. Toronto ist sogar aktuell die teuerste Stadt Kanadas und Ontario an sich auch mit eine der teuersten Provinzen – na, da habe ich mir ja einen guten Startpunkt gewählt.

Nachdem wir eine gute Stunde unterwegs waren, erreichten wir etwa die Mitte der Insel und den „View-Point“ auf die Skyline der Stadt. Passend zur untergehenden Sonne, hüllte es die Stadt nun in ein besonderes Licht und nach und nach erstrahlten die vielen Lichter der einzelnen Gebäude. Passend zur „blauen Stunde“ konnte ich also nun Fotos von der sich spiegelnden Skyline im Wasser knipsen, bis schließlich die Dunkelheit hereinbrach, was für uns das Zeichen war wieder zum Hafen zurück zu gehen. Schließlich würde der Fußmarsch nochmal gut 20-30 Minuten dauern! Die gesamte Insel wirkte wie ein Lost-Place, einsam und verlassen. Keine Tiere, kaum Menschen und eine Eiseskälte. Bestimmt ein völlig anderes Bild als im Sommer. Noch ein weiterer Stopp an einer anderen Aussichtsmöglichkeit und schließlich waren wir nach einem langen arsch endlich wieder am Hafen angekommen. Gut, dass es eine Möglichkeit gab geschützt in einem Container auf die Fähre zu warten, denn der eisige Wind und die kalten Temperaturen waren nicht mehr ganz so angenehm. Auf der Fähre konnte ich dann nochmal ein paar nähere Schnappschüsse der Skyline erzielen und natürlich musste auch ein lustiges Selfie her. Naja, zumindest fand ich mich lustig. 😉

Auf dem Weg zurück wählten wir dann die erste Möglichkeit um innerhalb einer der Malls uns auf den Weg im Warmen zur Union Station zu machen. Schon interessant, wenn man in gläsernen Verbindungen oberhalb der Straßen durch die Gebäude läuft, aber bei der Kälte, die dieses Jahr auch nicht mehr auf den Minus-Temperaturen unterwegs ist, wie sonst, eine gute Sache. Der Weg führte uns dann auch oberhalb an der Arena vorbei und gerade fand ein Basketball-Spiel statt. Da der Weg an den VIP Lounges vorbei führte und die Türen geöffnet waren, konnte man durch die Glaswände eine Blick hinein werfen und sehen, wie riesig die Halle an sich ist. Nicht mal das Spielfeld war zu sehen, aber man konnte einen Teil der riesigen Video-Wall im Inneren sehen. Die Halle war voll und ich kann mir vorstellen, dass die Stimmung da schon besonders ist. Also, noch ein „Must-Do“ für mein Kanada Abenteuer – ein Basketball-Spiel oder Eishockey-Spiel einmal live erleben – auch wenn das leider etwas teuer sein wird.

Etwas verkühlt ging es dann wieder zurück zum Hostel. Gut, dass ich Lebensmittel eingekauft hatte, so konnte ich mir ein schnelles Reisgericht kochen (ok, Uncle Bens in der Micro) und einen gesunden grünen Smoothie zubereiten. Das Rezept dazu hatte ich mir von einem anderen Hostel-Gast abgeschaut. Hinein kommen: Salat, Grünkohl, Avocado, Birnen und Blaubeeren. Das ganze wird mit Wasser in einen Mixer kurz püriert und fertig. Gesund und lecker – und für das Winter-Wetter in Kanada sicherlich nicht die schlechteste Idee um die Abwehrkräfte zu stärken. Was stand für den nächsten Tag auf dem Programm? Ich war mir noch nicht ganz sicher. Die Wetterprognosen waren nicht die Besten und ich wollte gerne zu den Scarborough Bluffs fahren. Eine Klippenformation an der Küste weiter östlich in Scarborough. Im Flugzeug hatte ich dazu einen Bericht gelesen und im Winter sicherlich bei schönem Wetter auch einen Besuch wert. Aber da ich auch immer noch keine SIM Karte gekauft hatte und ich nicht so recht wusste, welche da denn jetzt die richtige Lösung für mich sein könnte, wollte ich das auf jeden Fall noch erledigt haben. Ich verbrachte den Abend damit meine Fotos zu sortieren und endlich mal meinen Blog zu aktualisieren. Man kommt ja sonst nicht dazu…

09.02.2020 – What’s next?

Das Wetter zeigte sich an diesem Tag leider auch wieder nicht von der besten Seite. Eigentlich hatte ich noch auf dem Plan nach Scarborough an die naheliegende Steil-Küste am Lake Ontario zu fahren, denn die „Scarborough Bluffs“ scheinen im Sommer ein beliebtes Ausflugsziel für die Einwohner von Toronto zu sein und bestimmt sind sie im Winter auch nett anzusehen. Dennoch konnte ich mich nicht recht entscheiden und so nutzte ich den Tag eher um die erste Ladung Wäsche zu waschen und zu verfolgen, was aufgrund der aktuellen Streiks mit den Bahnverbindungen von Via Rail wohl passieren wird. Geplant hatte ich mit dem Zug von Toronto aus nach Port Hope zu fahren, aber besser ich halte schon mal Ausschau nach sogenannten „Rideshares“, also andere Autofahrer, die dieselbe Route haben oder Städte anfahren, die im Osten liegen und einen dann für entsprechende Beteiligung mitnehmen. Oder vielleicht gleich selbst ein Auto anlegen? Ich hatte das ja eh schon für mich in Erwägung gezogen. Zufälliger Weise waren zwei Mädels aus Deutschland gerade Toronto, die sich bald auf die Heimreise machen würde und ihren Van verkaufen, schon umgebaut, sodass ich quasi nicht noch selbst den Umbau irgendwie stemmen müsste. Allerdings hatten sie den Verkauf schon von ein paar Tagen auf Facebook eingestellt und ich war mir nicht sicher, ob der Van überhaupt noch verfügbar war. Meine Wäsche war inzwischen auch gewaschen und wie ich leider feststellen durfte, hatte ich dann von 3 vorher vollständigen Paaren jeweils nur noch einen in der Hand – bitte?? Also, ich kenne das ja, dass mal einer verloren geht – aber gleich 3? Tja, was soll mir das jetzt nur sagen…

Da sonntagabends das Bier in der Bar günstiger angeboten wird, hatte ich mich abends mit einem weiteren Gast des Hostels verabredet. Ein lustiger Geselle, der gerade mit seinem Kühltransporter auf dem Weg Richtung Westen war, um dort Gemüse zu verkaufen und auszuliefern. Der Trick dabei, er stellt die Mischungen der Gemüse-Sorten selbst zusammen und verbringt quasi ganze Tage damit die Karotten zu sortieren und die Besten der Besten zusammen zu stellen. Hat ein bisschen was von einer männlichen Variante von Cinderella. Er wollte mich dann auch davon überzeugen, dass ich doch gerne mit ihm fahren könnte, denn sein Weg führte ihn ja schließlich in den Westen und es würde sicherlich eine lustige Tour werden! Im Laufe des Abends verstand ich dann auch immer mehr, WIE lustig sie denn werden würde und das fand ich dann aber auch so gar nicht mehr lustig. Also, gute Fahrt Junge, aber ohne mich! Außerdem hatte ich ja schon andere Pläne.

10.02.2020 – Downtown die 3. und bitte

Beim Frühstück traf ich auf Anne-Lise, eine Französin, die auch mit dem Work & Travel Visum in Toronto gestartet ist und nun ca. einen Monat hier verbringen will, bevor ihr Freund ihr nachreist. Da sie im Bezug auf Jobsuche ein paar Tipps bekommen hatte, wo sie ihr Resumé kostenlos ausdrucken lassen kann und sie auch noch ein paar Dinge zu erledigen hatte, fragte ich sie, ob sie etwas dagegen hätte, wenn ich mich anschließen würde, denn schließlich brauchte ich ja auch noch meine SIM Karte und auf mein kanadisches Konto musste ja jetzt auch mal Geld drauf. der Vormittag verging somit wie im Flug, ich hatte endlich Geld auf dem Konto, aber leider immer noch keine SIM Karte, weil die bisherigen Angebote einfach nicht meinen Vorstellungen und Budget entsprachen. Wieder im Hostel wollte Anne-Lise erstmal noch zu Mittagessen und hatte danach schon weitere Pläne. Aber nachmittags wollten wir dann noch schauen, ob wir uns nicht in der Stadt treffen wollten. Inzwischen hatte ich auch Antwort von den Mädels erhalten, die den Van verkaufen wollten und wir verabredeten uns für nach dem Mittagessen. Sie nannten mir den Standort des Wagens, wo wir uns dann zur Probefahrten treffen wollten. Allerdings gestaltet sich sowas dann gerne auch mal komplizierter, als vorher gedacht. Da ich ja noch keine kanadische SIM Karte mein Eigenen nennen konnte, musste ich schauen, dass ich immer ein Wifi in der Nähe habe. Und prompt passierte es, dass ich mit der Metro zu weit gefahren bin, dann hatten sich die beiden auch noch mit der Adresse des Parkplatzes vertan und ich irrte etwas durch die mir unbekannten Straßen. Bis ich schließlich neben einer CIBC Filiale stand und endlich wieder Wifi hatte – wie hat man das eigentlich früher ohne Smartphone & Handys gemacht? Achja, Stadtpläne und so.

Die beiden hatten natürlich vergeblich vor Ort nach mir gesucht, bis sie festgestellt hatten, dass sie mir den falschen Standort gesendet hatten. Dann wurde ich aber netterweise mit dem Auto abgeholt und zum eigentlich Treffpunkt gebracht. Der Van hatte schon gut 267.000 km auf dem Tacho und die beide waren vermutlich schon die 4. Besitzer. Gemeldet war der Van in British Columbia, also müsste man auf jeden Fall einen Out of Province Check machen, bevor ich das Auto überhaupt in Ontario anmelden könnte. Aber gut, erstmal eine Probefahrt. Die meisten Autos in Amerika haben ein Automatik-Getriebe und bei diesem älteren Chrysler war die Schaltung dann direkt am Lenkrad – allerdings ohne jegliche Beschriftung. Da ist Feingefühl gefragt, aber nach ein paar Fahrten sollte das auch kein Thema mehr sein. Die Fahrt verlief gut, der Wagen zeigte zunächst keine großen Auffälligkeiten. Aber ich war mir auch noch unsicher. Auch weil ich nicht genau wusste, wie schnell man den Wagen jetzt auf mich registrieren könnte und ob da nicht noch einige weitere Kosten auf mich zukommen würden. Da wusste ich auch noch nicht, dass mich dieses Thema die nächsten Wochen weiter begleiten wird. Zwar hatte ich ja schon gehört, dass Ontario mit die teuerste Provinz ist, um ein Auto anzumelden, aber das Auto hätte ich für einen guten Kurs haben können. Jedoch, wenn da noch viele weitere „versteckte“ Kosten auftauchen, dann kann das schon ordentlich an meinem Budget nagen. Zudem hätte ich noch einiges am Innenraum machen müssen, um es irgendwie gemütlich zu machen. Den beiden war das ziemlich egal gewesen, die hatten es einfach so für sich genutzt, Matratze und Schlafsäcke dazu, fertig. Ich hatte mir meinen kanadischen Van aber irgendwie anders ausgemalt – aber gut, dann hätte ich erstmal ein Auto und wäre flexibler. Die Pro’s und Kon’s eines Autokaufs, besonders in Ontario, werden mich noch genug Zeit kosten. Also nicht eine Entscheidung über’s Knie brechen, die man dann vielleicht auch schnell wieder bereuen würde. Also bedankte ich mich erstmal bei den Mädels und wir verblieben so, dass ich recherchiere, was alles von meiner Seite getan werden müsste und die beide wollten sich darüber informieren, ob ich mit der BC Plate ggf. bis nach Quebec fahren könnte, denn da ist alles wesentlich einfacher und günstiger.

Da es nun doch schon später war als gedacht, fragte ich bei Anne-Lise erstmal an, ob sie noch in der Stadt unterwegs sei. Sie war auch gerade erst auf dem Weg von ihrer Verabredung, sodass wir uns an der Union Station treffen konnten. Auf der Suche nach der „Path“ Mall, mussten wir feststellen, dass „Path“ eher das Wegenetz ist, dass die Metro Stationen, Büro-Gebäude und kleiner Malls miteinander verbindet – aber eine große Shopping-Mall suchten wir zunächst vergebens. Dann mit etwas Glück hatte ich den richtigen Blick und wir betraten eine große Shopping-Mall, die viele der bekannten Läden beheimatet – hier sollte es ja jetzt wohl auch eine SIM-Karte für mich geben? Bei den großen Netzbetreibern direkt gab es natürlich nur horrende Preise und die jeweiligen anderen Anbieter hatten auch hier nicht das, wonach ich suchte. Es kann doch nicht so schwer sein einen Pre-Paid SIM Karte zu bekommen, wo der monatliche Plan nicht die 50$ Marke sprengt? Dann wird es wohl doch Lucky Mobile werden und ich muss auf dem Heimweg noch bei Dollarama vorbei schauen, denn dort gibt es diese Karten nur zu kaufen oder eben online mit Versand – was außer Frage stand. Wir nahmen uns Zeit die Mall in Ruhe anzuschauen. Ein paar Läden luden ein besichtigt zu werden, aber nachdem man die Preise (z.B. bei roots) dann Schwarz auf Weiss gesehen hatte, sind wir rückwärts wieder aus den Läden raus – was sind denn das bitte für Preise? Jetzt verstand ich auch, warum hier alle so „heiß“ darauf sind zu den „Value Villages“ und den „Thrift Stores“ zu fahren. Der Weg aus der Mall führte uns dann schließlich an einem herrlich duftenden Schokoladen-Geschäft vorbei. Vitrinen gefüllt mit diversen Tafel-Kreationen, Äpfel getaucht in Schokolade, teils gefüllt mit Dulce de Leche und und und. Wer kann da schon „Nein“ sagen? ICH! Ja, ich konnte widerstehen! Gut, mag wohl an den Preisen gelegen haben. Anne-Lise hingegen konnte das nicht und nahm sich ein kleines Schoko-Tortelette mit. Vollkommen durch und durch Schokolade – klein, aber hoch-„kalorig“! Ein letzter Schlenker vorbei an der Eisfläche an der Cityhall in Toronto, ein paar Fotos wurden natürlich auch wieder geknipst und dann ging es schließlich wieder zurück zum Hostel.

Der Tag war lang gewesen und unsere Beine nun auch müde. Aber halt, nicht vergessen noch bei Dollarama vorbei zu schauen – die SIM Karte hatte ich dann endlich gekauft und leider auch ein paar Cookies, die sind aber auch einfach zu lecker. Wieder im Hostel dann erstmal ab unter die Dusche und die Reste verbrauchen, also einen Salat „mit allem“ – weisste Bescheid. Die Lage bei Via Rail hatte sich auch noch nicht verändert, gut dass ich noch kein Ticket gebucht hatte. Aber eine Alternative? Mir wurde noch die App „Poparide“ empfohlen, auf der andere ihre Fahrten und Mitfahrgelegenheiten einstellen, aber leider sollte es für mich nach Port Hope keine geben. Also hatte ich selbst ein Gesuch eingestellt, ebenso auf Kijiji (ebay-kleinanzeigen in Kanada), allerdings ohne Rückmeldung bisher. Ich schrieb Lin, (der Dame bei der ich für die nächsten 3 Wochen über workaway Arbeit gefunden hatte) eine Nachricht, dass es wohl nicht am nächsten Tag kommen könnte, da Via Rail leider aufgrund der Streiks in Belleville den Zugverkehr zwischen Ottawa und Toronto still gelegt hat und ich versuchen werde auf dem schnellsten Wege irgendwie nach Port Hope zu kommen.

Da rückte das Auto wieder in den Vordergrund und ich versuchte zu recherchieren, was denn nun alles erledigt werden muss, damit ich das Auto in Ontario registriert bekomme. Dabei stieß ich dann auf eine Seite von „Service Ontario“ und hatte schlussendlich folgende Informationen:

Für Fahrzeuge, die NICHT in Ontario registriert sind, muss folgendes erledigt und vorgelegt werden;
>> „Out of province check“ – nur erfolgreich abgeschlossen
>> „Safety check“ – der nachweist, dass das Auto straßentauglich ist
>> „History record“ – alle Reparaturen die jemals an dem Auto vorgenommen wurden, sowie Unfälle des Wagens
>> Kaufvertrag mit beiden Unterschriften
>> Nachweis über die Versicherung die dem Wagen entsprechend abgeschlossen sein muss
>> national/intern. Führerschein >> muss zur Ontario Lizenz umgetauscht sein!
Tja, das würde ich dann wohl in so kurzer Zeit nicht mehr schaffen. Da müsste also eine andere Lösung her.

11.02.2019 – Auf zum „Hafen der Hoffnung“

Nachdem klar war, dass kein Zug nach Port Hope fahren würde, musste also eine Alternative her. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln käme ich wahrscheinlich bis zum Stadtrand und dann? Per Anhalter wollte ich es jetzt nicht unbedingt probieren, auch wenn das sicherlich irgendwie geklappt hätte. Lin fragte mich dann, warum ich denn nicht den Bus vom Flughafen nehmen würde? Tja, das war dann wohl die einzige Alternative, allerdings musste ich dafür dann erstmal wieder in die andere Richtung fahren. Da das zeitlich dann auch noch knapp wurde, konnte ich nicht mehr bei der Bank vorbei schauen, um die VISA Karte abzuholen. Also, musste ich dahin auch noch eine E-Mail schreiben, mit der Bitte mir die Karte nachzuschicken. Dafür brauchte ich dann aber natürlich auch die Adresse des Hofs. Wieder ein „To-Do“ mehr auf meiner Liste. Ja, für alles Mögliche ist auch hier gute Organisation gefragt. Auch wenn es teilweise echt ziemlich lästig ist. Aber watt mutt, datt mutt! Bei Google Maps hatte ich dann noch gesehen, dass ich nicht zwingend mit dem UP Train zum Flughafen fahren muss, sondern auch die Metro und einen Bus nutzen kann und nicht weder 12 $ extra löhnen muss. Gute Sache!
Im Bus traf ich dann auf eine ältere Dame, die erstaunt war, mit wie viel Gepäck ich durch die Gegend reise. Sie war sehr daran interessiert, warum ich in Kanada bin, was ich genau mache und wohin ich gerade unterwegs war. Ja, das sind die besonderen Momente solcher Reisen, man trifft auf fremde, freundliche Menschen und kommt ins Gespräch. Sie war gerade auf dem Weg zum Flughafen um ihre Schwester abzuholen und dann würde es zusammen auf einen Besuch zu Freunden gehen. Sie gab mir ihre E-Mail Adresse, dann könnte ich ihr dahin schreiben. Ob ich das wohl vergessen würde…
An der Bushaltestelle am Flughafen, die nur durch ein kleinen Hinweis an einem Pfeiler angedeutet war, hatte ich dann aber noch gut 20 Minuten Zeit, bis der Bus kam. Eine andere Dame wartete ebenfalls auf den Bus, sie war gerad aus Mittelamerika zurück gekommen und war selbst eine Viel-Reisende. Somit hatte ich einen weiteren netten Plausch, bevor es dann auf die 1 1/2 Fahrt ging. Ich war gespannt, was mich genau in Port Hope erwarten würde. Die letzte Kommunikation mit Lin war etwas fragwürdig für mich. Sie hatte unter anderem gemeint, wenn mir die Anreise zu kompliziert sei, dann muss ich nur ein Wort sagen und wir stornieren den Aufenthalt. Schon da hatte ich geahnt, es wird nicht einfach werden.

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