Kanada 2020: Die letzten Vorbereitungen und los…

Im Januar wurde es dann ernst – die letzten Möbel mussten noch unter die Leute gebracht werden, die Wohnung weitestgehend ansehnlich wieder her gerichtet und meine persönlichen Dinge noch sicher verstaut werden. Somit haben diese 4 Wochen sicherlich die meisten Kräfte geraubt. Gut, dass ich auch da tatkräftige Helfer hatte – auf diesem Wege nochmal vielen Dank! Wenn ich mir jetzt vorstelle, ich hätte in der Zeit noch fest gearbeitet, dann hätte man mich kurz vor meiner Reise erstmal in eine Kur schicken müssen. Ich war zwar schon nahe am Rande des Wahnsinns, aber noch weit genug weg vom Abgrund.

In den letzten Tagen war es dann nochmal strubbelig, vieles räumt man dann nochmal von links nach rechts, um es dann doch wieder woanders zu verstauen – Tetris at it’s best!
Aber das stand mir dann auch irgendwann Unterkante Oberlippe. Schnauze voll! Naja, ich habe es mir ja auch irgendwie so ausgesucht – dann muss ich da auch durch. Wehmut war aber keine mit im Spiel – zumindest bei der Wohnungsaufgabe. Sicher, Abschied ist eigentlich nie einfach, aber ich war froh, als ich das endlich hinter mir hatte. Auf eine neue, aufregende, interessant Zeit, die sicherlich nicht nur ihre Höhen hat. Aber wie heisst es so schön, man wächst an seinen Aufgaben. Und meine mir sehr liebe Freundin Christina hat es sich natürlich nicht nehmen lassen und viele meiner Freunde zusammen getrommelt und mir einen schönen Brunch zum Abschied beschert – was wäre man ohne solche tollen Freunde?

Nachdem ich dann am 01.02. meine Schlüssel an meine Nachmieterin übergeben hatte, war der Haken also endlich gesetzt. Die darauf folgende Tage wollte ich noch nutzen, um ein paar letzte Besuche abzustatten und mein Gepäck vorzubereiten. Gleich mal für eine Nacht bei Christina einquartiert, ein letzter Mädelsabend, bevor ich mich auf meine nächste lange Reise begab. Dann nochmal bei meinen Eltern für zwei Nächte, mit einem letzten Besuch bei meiner Schwester und ihrer Familien und schließlich noch zu einer weiteren Freundin, die mich erst darauf gebracht hatte Work & Travel in Kanada überhaupt zu machen. Da sie an dem Tag vor meiner Abreise Geburtstag hatte, war klar, wo ich die vorletzte Nacht verbringen werde. Die letzten Tage bei meinen Eltern verbrachte ich vorwiegend damit die letzten Sachen zu verpacken und es irgendwie hinzubekommen, alles Notwendige zu verstauen, wie es eben geht. Auch wenn ich schon einmal auf Reisen war, dieses Mal war es eine besondere Herausforderung, schließlich packt man für Sommer und Winter, denn natürlich musste ich im Winter starten und würde, zumindest für den Zeitraum des Visums, auch wieder im Winter enden. Da blieb mir nicht anderes übrig als schließlich gemischt zu packen. Mein Backpack war (wieder mal) gut gefüllt, und mein neuer Daypack war auch seinen Stauraum wert. Zusätzlich hatte ich noch meine Reisetasche gut gepackt, in der Hoffnung, jemand könnte sie mir mitbringen, wenn man mich mal besuchen kommt. Verschicken mit DHL ist zwar ggf. möglich, aber doch recht teuer, somit lohnt es sich wahrscheinlich nur, wenn es wirklich notwendig ist – mal abwarten.

Mein Flug war also für den 06.02.20 von Frankfurt aus gebucht, direkt nach Toronto, ohne Zwischenstopp. Allerdings startet der Flug schon um 9 Uhr und die Vorstellung, dass ich dann vermutlich um 5 Uhr am Bahnhof sein müsste um pünktlich am Flughafen zu sein, brachte mich dann doch auf Idee, dass ich mich nach einer Bleibe bei einem Couchsurfer umschauen sollte. Gesagt, getan und schon nach kurzer Zeit hatte ich mehrere Angebote. Schließlich hatte ich mich entschieden, das Bahnticket war auch schnell gebucht – es konnte also fast losgehen. Aber, damit ich auch bloß nichts vergesse, erstmal eine Liste an Dingen/Aufgaben erstellt. Bei der Einreise wollen die „Commission Officer“ einiges an Unterlagen sehen, neben dem POE (permit of entry) Schreiben, das man erhält, wenn man die Bestätigung erhalten hat, gehören unter anderem der ein aktueller Auszug des Kontostandes und ggf. die bereits eingereichten Dokumente mit in die Reiseunterlagen. Da ich für sowas gern gut vorbereitet bin, war das natürlich auch rechtzeitig erledigt, check!

Und dann hieß es auch final Abschied nehmen von meinen Eltern. Bei uns in der Familie nicht immer ganz einfach und für mich irgendwie weniger schwer. Vermutlich aber auch, weil es endlich mal Zeit wird richtig „fliegen“ zu lernen – ohne Mama und Papa als Back-up. Klar, ich komme sehr gut selbst zurecht, aber mehrere 1000 KM weit entfernt, ist man dann auch einfach nochmal anders auf sich alleine gestellt. Also, eine liebevolle Umarmung an Papa und mit Backpack und Daypack zog ich los in mein nächstes Abenteuer, oder sagen wir mal, ich fuhr zur vorletzten Station, aber es fühlte sich schon nach Reise an. Dann gab es zum Abschied von meiner Mama noch ein kleines Geschenk mit auf den Weg – damit ich auch ja nicht vergesse, wo ich her komme. Wer sagt denn, dass ich nicht wieder komme? Nur, weil man mal länger und auf unbestimmte Zeit auf Reisen geht… 😉 Aber ich habe mich sehr über das Geschenk gefreut und natürlich passt der „Pottring“ wie angegossen – vielen Dank, Mama!
Ich werde hin hüten wie meinen Augapfel.

Der Pottring

Den letzte Abend in Essen verbrachte ich dann also bei meiner Freundin Merja und wir quatschen ausgiebig in die Nacht und somit in ihren Geburtstag rein. Als kleine Erinnerung an unsere Reise nach Brasilien, gab es eine kleine Collage mit den Highlights der Reise. Ja, wir beiden sind reiselustig, aktiv und gern in der Natur und von ihr hatte ich eben auf die Idee übernommen für Work & Travel nach Kanada zu gehen. Sie hatte tolle Erlebnisse und Erfahrungen während ihrer Tour dort gemacht und jetzt werde ich hoffentlich ebenso tolle Erlebnisse, besondere Momente haben und Erfahrungen fürs Leben machen. Am nächsten Morgen noch schön zusammen gefrühstückt und nach der obligatorischen „Hunde-Runde“ ging es für mich dann mit dem Zug nach Frankfurt.
Mein Couchsurfer-Host Micha wohnt in Niederrad, nur zwei Stationen mit der S-Bahn vom Flughafen entfernt. Perfekt, um am nächsten Morgen rechtzeitig am Flughafen zu sein. In Frankfurt musste ich am Hbf dann in eine S-Bahn umsteigen und da hieß es dann erstmal, dass die angegebene Bahn nicht in Niederrad hält. Mhhh.. ok, wie komme ich dann jetzt dahin? Ein RE wäer die nächste Möglichkeit gewesen, aber den hätte ich nicht in 3 Minuten schaffen können, denn voll bepackt ist man nicht mal eben von den unteren Etagen wieder ganz oben bei den großen Zügen. Dann einfach mal schnell einen Herrn vom Sicherheitspersonal befragt und siehe da, es gibt mehrere S-Bahnen, die in Niederrad halten (wäre ja auch komisch, wenn nicht!) und somit war ich dann nach weiteren 20 Minuten endlich am Zielbahnhof. Von dort noch 10 Minuten zu Fuß und …. dann auch noch mehrere Stockwerke zu Fuß hinauf! Gut, mein Training für den Tag hatte ich dann auch gleich erledigt. Micha öffnete mir freundlich die Tür und ich hatte eine riesige Couch im Wohnzimmer für mich – sehr gut! Ein andere Bekannter von mir arbeitet aktuell in Frankfurt und meinte, wenn es zeitlich passen würde, könnte man sich ja noch auf einen Äppelwoi treffen?! Da ich eh noch zu Abend essen wollte und es eh noch nicht ganz fest stand, ob und was wir kochen wollten, fragte ich kurzerhand, ob er was dagegen hätte, wenn wir einfach in der Nähe irgendwo was essen gehen würden. Hatte er nicht und schließlich kehrten wir sann zu dritt in einem schönen, urigen Restaurant ein und verbrachten einen angenehmen Abend zusammen. Micha selbst war auch schon in Australien und Neuseeland als Work & Traveller unterwegs und da waren die Themen für den Abend schnell gefunden. Ein angenehmer Mensch, bei dem man beruhigt auf der Couch nächtigen kann.

Und dann war es also soweit: Der Wecker klingelte doch recht früh, aber ich wollte ja auch in Ruhe zum Flughafen fahren, Koffer abgeben und mich dann auf den langen Flug vorbereiten. Denn wer mit Lipödem zu tun hat weiss, entsprechende Strümpfe anzuziehen kann ein ganz schönes Prozedere sein. Natürlich war ich zu früh am Flughafen, kam direkt beim Schalter für Air Canada aus und der Backpack war schnell aufgegeben – Online Check-In sei Dank! Bevor es dann durch die Sicherheitskontrolle ging, noch schnell ein Kaffee und ein Brötchen auf die Hand, so ganz ohne, geht ja dann auch nicht. Bei der Sicherheitskontrolle müssen die Leute hinter mir auch gedacht haben: Mein Gott, was hat die denn noch alles dabei?! – Ja, Kanada im Winter heißt; Zwiebel-Look extrem. Alles an, was geht und was NICHT mehr in den Backpack gepasst hat. Ja, „light trekking & travel“ ist nicht so ganz meine Stärke und ich habe mich schon echt minimiert. aber was ich alleine an technischen Sachen dabei habe und dann noch dies und jenes von Freunden und Familie – da muss der Pulli dann schon am Rucksack angebracht werden, weil er einfach keinen Platz mehr gefunden hat. Ich frage mich echt, wie viele andere Langzeit-Reisenden das machen – die haben bestimmt Mary Poppins Taschen…

Irgendwann hatte ich dann auch alles wieder einsortiert, angezogen, umgeschnallt und verstaut und dann ging es auch schon langsam Richtung Gate – noch eine große Tüte Haribo eingepackt (die sind teuer in Kanada!) und natürlich war mein Gate dann noch ein gutes Stück zu Fuß entfernt. Als ich am Gate ankam, standen schon einige Passagiere in Schlangen und warteten auf den Einlass – ok, dann aber mal schnell noch für kleine Königstiger und noch „mal eben“ die Strümpfe an! Und das hätte Loriot wahrscheinlich nicht besser machen können. Wir alle kennen Flughafen-Toiletten – die Kabinen sind nicht die Größten! Und wenn mann noch so viel Handgepäck dabei hat…wer kann sich die Szene jetzt vorstellen? Ein kleiner Türhaken an der Kabinenseite, der dann mit Jacken und Schal bestückt wird und an der anderen Seite lehnt der Tagesrucksack: Man selbst sitzt nun auf der Toilette und versucht sich irgendwie der Jeans zu entledigen, stößt dabei natürlich an Tür und Kabinenseite an. Dann der erste Strumpf, der erstmal irgendwie über den Fuß gezogen werden muss, gefühlt eine Größe hat von einem Kleinkind-Socken und den soll ich jetzt hier noch bis über den Oberschenkel bekommen? Gut, eigentlich benutzt man dafür entsprechende Handschuhe, aber dafür war nun wirklich kein Platz mehr..
Schweißtreibende Angelegenheit kann ich euch sagen! Irgendwann war dann auch das andere Beine geschafft. Hose wieder an, Sweater und Jacke an, Schal umgelegt, Rucksack nicht vergessen und irgendwie aus dieser Kabine raus! Noch immer eine Schlange an Passagieren, aber ich war noch nicht an der Reihe. Heute wird man nach Nummern, Zonen, Farben oder ähnliches eingeteilt, damit es auch schön geordnet von Statten geht. Dann blieb also noch Zeit für ein „Goodbye“-Selfie für Freunde und Familie.

Diese Maschine bringt mich also rüber.

Ich hatte einen schönen Fensterplatz bekommen, natürlich an den Tragflächen, aber immerhin! Und wie so oft, eines vergisst man ja dann doch immer! Ich wollte mir noch gute In-Ear Kopfhörer holen, für Flugzeug, Handy und Co. Zwar hatte ich auch In-Ear Kopfhörer besorgt, aber natürlich ohne Kabel, die helfen einem nur im Flugzeug nichts. Tja, da hatte ich also den Salat. Ein Übersee-Flug und ich konnte keinen der Filme mit Ton mir anschauen? Das wäre ein Desaster gewesen. Ich hatte schon mit der Überlegung gespielt, ob es evtl. welche an Board zu kaufen gibt, da kamen die netten Stewardessen schon mit Kopfhörern der Airline vorbei. Na, Gott sei Dank! Die werde ich in Ehren halten!

Wir starteten dann schließlich mit gut 30 Minuten Verspätung, da anscheinend andere Airlines Vorrang hatten aufgrund anderer Verspätungen. Aber gut, ich hatte keinen Anschlussflug, um den ich mir Sorgen machen musste und es morgens los ging, würde ich mittags in Toronto sein – genug Zeit, um das Visum zu aktivieren, die SIN (Steuernummer in Kanada) zu erhalten und sich dann auf den Weg zum Hostel zu machen.
Neben mir in der Reihe hatte ich einen Inder und einen Kanadier sitzen und schon nach kurzer Zeit kamen wir ins Gespräch. Wie ich hinterher festgestellt habe, haben wir uns nicht mal gegenseitig vorgestellt – aber was sind schon Namen, wenn man sich (wahrscheinlich) eh nicht wiedersieht. Der Inder war in meinem Alter und auf dem Weg Verwandte in Toronto zu besuchen und war schon viele Stunden unterwegs und das dann gleich für seinen allerersten Flug! Und in seiner Heimat waren es gerade 40 Grad C° und in Toronto gut um die -10! Das ist mal ein extremer Klimawechsel innerhalb eines Tages! Der Kanadier kam gerade von einer Geschäftsreise aus Italien, wo er gerad mal zwei Tage Aufenthalt hatte. Da ist man nicht mal mehr richtig angekommen und schon wieder auf dem Rückweg. In der heutigen Zeit, sollte das ja eigentlich auch per Video-Call/Online-Meeting zu erledigen sein, anstatt dass man viele tausende KM hin und her fliegen muss. Aber gut, ich bin ja schließlich auch mit dem Flugzeug unterwegs und habe mir keine Kabine auf einem Frachter gemietet. Wo kein Kläger…

Der Flug verging somit auch wie im Flug und nachdem wir dann 3 x Board-Service hatten, war der Tomatensaft auch getrunken und ich war bereit für mein Abenteuer. Zusammen mit dem Inder ging es dann zur Border Control und ich befürchtete schon Schlimmes, denn auf meiner letzten Reise nach Kanada haben wir gut eine Stunde dort in der Schlange stehen müssen, weil einfach so viele Touristen auf dem Weg nach Kanada waren. Dieses Mal war es erstaunlich leer und ich hatte kaum Zeit noch meine Unterlagen aus dem Rucksack zu holen und schon war ich dran. Im Flugzeug musste man zuvor einen Zettel ausfüllen, mit den eigenen Daten, wie lange man in Kanada bleiben würde und ob man Waffen, Fleisch oder ähnliches bei sich hat. Fast schlimmer, wie in den USA! Ich legte den Zettel vor, kurzer Blick, eine Markierung quer drüber und es hieß „You are good to go!“ – ich war etwas verwirrt und fragte nochmal nach, wegen des Visums, aber er sagte nur wieder „You are good to go“ – ernste Miene – okokok, verstanden! Also, erste Kontrolle *check* – den abgezeichneten Zettel muss man dann erneut einem Kontrolleur vorzeigen, bevor es zum Gepäck geht oder eben nicht, denn dort wird man direkt zu den Canada Customs Officers geschickt, Gepäck also danach holen. Auch hier eine kurze Wartezeit und man wird aufgerufen. Anscheinend haben die Officers hier ein anstrengendes Leben, denn gelächelt wird gar nicht, wie war das noch mit der Freundlichkeit? Naja, sie machen ja auch nur ihren Job. Ich hatte dann einen älteren Herrn, der mich irgendwie an das Faultier aus Zoomania erinnert hat….😌👀 
Gut, wenn man es nicht eilig hat! Er zeigte auf den POE und meinte „This document please“ – ok, hatte ich eh schon parat! Dann fragte er mich, was ich beruflich mache bzw. gemacht habe und machte seine Eingaben im PC. Den Pass wollte er dann als Nächstes haben. Ich wartete geduldig auf die nächsten Fragen und hatte meine Papiere parat. Irgendwann stand er auf, holte das Visum aus dem Drucker, klärte mich kurz über die Gültigkeit des Visums auf, Stempel drauf, in den Pass getackert und fertig. Verwies mich für die S.I.N dann an einen Beamten um die nächste Ecke und „goodbye“ – (hatte ich da etwa ein kleines Lächeln im Gesicht gesehen??) Beim nächsten Beamten dann einen Zettel mit Initials und einer Adresse in Kanada ausgefüllt (interessiert hier wohl auch keinen, ob das eine Hosteladresse ist) und nach 3 Minuten hatte ich dann meine S.I.N. in der Tasche. Dann nochmal den Zettel aus dem Flugzeug vorzeigen, um zum Gepäck zu kommen..and that’s it! Mein Gepäckstück drehte mit Glück noch seine Runden, ansonsten kann es auch sein, dass es irgendwo neben dem Band steht..Oder schon eingesammelt wird… Mit dem UP Train ging es dann für 12 $ in die Stadt. Man kann allerdings auch mit einen Bus bis zur Kipling Station fahren und kommt dann auch ohne Probleme mit der Linie 2 direkt in die Stadt! (Fahrpreis 3,10 $, Gültigkeit 3 Stunden im ganzen TTC Gebiet!)

Fazit: Man macht sich viel zu oft verrückt mit unnötigen Befürchtungen. Just do it and go for it! Gelassenheit werde ich sicherlich noch hinzugewinnen!

Da isset – jetzt kann es los gehen!

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