Auszeit – Chile/Argentinien – Woche 30 +/-

Jetzt ging es für mich also wieder auf Reisen. Ein gemischtes Gefühl; einerseits die Freude, dass es endlich weiter geht, dann aber auch ein wenig Wehmut, ein paar Ängste die mitschwingen. Schließlich war ich nun drei Monate an einem Ort und musste jetzt wieder die Seile lösen, die einem irgendwie Sicherheit gegeben haben. Aber gerade das ist das, was das Reisen irgendwie ausmacht oder auch das Leben eben. Lernen mit den unterschiedlichsten Situationen umzugehen und seinen Weg zu finden.

Nach einer holprigen Fahrt durch die Berge erreichten wir also Vicuña. Von Weitem schon ein schöner Platz. Definitiv besser touristisch erschlossen, als das Tal um den Rio Hurtado. Die Pisco-Felder ziehen sich entlang der Berge bis ins Tal hinein. Die Trauben werden ebenfalls für Rosinen genutzt. Sie werden in der Sonne getrocknet. Eine aufwändige Arbeit, die von Helfern per Hand durchgeführt wird.

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Ich hatte mich, auf Empfehlung, im Hostal Michel einquartiert. Ein gemütliches Hostal, mit schönem Garten und einer Terrasse, auf der man abends den Blick in die Sterne genießen kann. Gleich an der Rezeption traf ich auf Adriana aus Miami. Wir waren im gleichen Zimmer und verstanden uns gleich auf Anhieb. Dann erstmal Sachen abladen und schauen, was die Stadt zu bieten hat. An der Rezeption bekam man gute Tipps, was in der Nähe liegt, wie man zu einem Aussichtspunkt oberhalb der Stadt kommt und was sich ebenfalls lohnt anzusehen. Zwei weitere Frauen wollten ebenfalls ins Museum von Gabriela Mistral und zum Aussichtspunkt, also machten wir uns dann zusammen auf den Weg. Schon auf dem Weg zum Museum fiel mir auf, dass auch in diesem Ort tolle Street Art an den Häuserwänden gibt. Vielleicht schaffe ich es ja eine kleine Fototour zu machen. Das Museum war in fünf Minuten zu erreichen und war kostenfrei. Ich kannte Gabriela Mistral zuvor nicht, hatte nur durch einen Gast von ihr erfahren. Sie war eine große Dichterin und hat viel für die Bildung getan, sich für die Frauen in Chile eingesetzt. Eine interessante Person.

Hinter dem Museum gibt es einen tollen Garten, mit vielen Blumen und Bäumen, der zum Verweilen einlädt.

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Nach dem Besuch des Museums legten wir noch kurz eine Eis-Pause ein, denn das Helado Artesenal musste unbedingt probiert werden. Dann ging es geradewegs Richtung Friedhof, denn dort wollten die anderen sich gerne umschauen, nicht wirklich meins, und von dort weiter Richtung “Mirador”. Wir waren uns uneinig über den Weg und kurzer Hand fragte Adriana ein paar Einheimische nach dem Weg. Sie kommt ursprünglich aus Kolumbien, somit ist Spanisch für sie kein Problem. Nach circa 30 Minuten waren wir am Gipfel angekommen und es bot sich uns ein wunderschöner Blick auf das Tal. Ja, schon schön hier.

Irgendwann meldete sich bei uns der Hunger und wir machten uns wieder auf Richtung Zentrum. Auf dem Weg trafen wir einen Künstler, der gerade dabei war für die Jesus-Figur des Kreuzweges die Hand zu bauen. Auch das erste Mal, dass ich sowas zu sehen bekomme.

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Im Zentrum

 angekommen mussten wir uns entscheiden, was wir denn nun essen wollten und landeten schließlich in einem kleinen Imbiss, mit sehr netten Inhabern. Die Auswahl an Essen war allerdings nicht sehr vielfältig, sodass ich mich für Fleisch mit Reis entschied. Dann kamen das Essen aber mit Pommes und die kann man hier in Chile echt nicht essen, einfach zu kurz frittiert. Reis also nachgeordert und am Ende war ich satt, wenn es auch nicht super lecker war.

Adriana hatte für abends noch einen Platz für eine Observatorium-Tour reserviert und musste das Ticket noch abholen. Vor Ort bekam sie dann leider die Info, dass wahrscheinlich keine Tour statt finden wird, da der Himmel einfach zu bewölkt war. Nach gut 30 Minuten Wartezeit war dann endgültig klar, aus der Tour wird heute nichts. Dabei war sie extra dafür her gekommen. Dann, hoffentlich am nächsten Abend. Wir entschieden uns dann noch den gemütlich auf der Terrasse mit Bier und Wein ausklingen zu lassen und tauschten uns über unsere Reisen aus. Sie war ebenfalls alleine auf Langzeit-Reise unterwegs und es war interessant ihre Erfahrungen und Sichtweisen zu hören. Die anderen Mädels, übrigens aus der Schweiz und Russland, gesellten sich auch dazu. Ein aufregender Tag ging zu Ende.

Mittwoch, 28.02.2018:

Am nächsten Tag hatte ich zwei Optionen zur Auswahl: Fahrrad mieten und von Vicuña aus eine 4-stündige Tour zu einer Pisco-Destillerie, einem Krishna-Tempel, einer Bierbrauerei und einer der ältesten Dörfer der Tals zu machen, oder Fahrrad mieten, mit dem bis nach Pisco Elqui fahren, sich das Örtchen anschauen und dann mit dem Fahrrad zurück fahren. Keine einfache Entscheidung. Aber Adriana und ich entschieden uns dann für die lokale Tour, denn von Pisco Elqui zurück braucht man gut um die 6 Stunden und das war mir definitiv zu viel.

Also Räder gemietet und erstmal ein Café mit ordentlichem Kaffee gesucht, denn ohne geht es für mich nicht.

Frisch gestärkt machten wir uns auf den Weg und hatten so unsere Probleme die Strecke zu finden, denn beschildert ist die Route nicht. Am Abend zuvor hatten wir noch Freundschaft mit einem Hunde-Paar geschlossen, die uns morgens am Tor schon wieder begrüßt hatten und uns von da an nicht mehr von der Seite wichen. Wie schon in den anderen Städten zuvor lebten hier viele Hunde auf der Straße. Wahnsinnig, wie viele Hunde es hier gibt. In keinem anderen Land bin ich bisher auf so viele Straßenhunde getroffen. Die Einwohner geben ihnen Trinken und Fressen, aber ich denke ein sicheres Zuhause wäre da sicherlich besser. 

Auf dem Weg schloss sich dann noch ein weiterer Hund an und nun mussten wir auf der Straße gut aufpassen, denn die Hund liefen natürlich mitten und quer über die Straße, anstatt sich am Rand aufzuhalten. Aber es war für die Autofahrer sicherlich auch ein lustiges Bild das Gespann bei der Fahrt zu sehen. Dann erreichten wir, nach gut 30 Minuten Fahrt die Pisco-Distillerie. Kurze Wartezeit und wir konnten uns der nächsten Tour anschließen. Die Tour war auf Spanisch und somit hatte ich die Chance mein Verständnis weiter zu prüfen.

Fakt: In mühevoller Arbeit wird der Wein in mehreren sich wiederholenden Prozessen zu Pisco gebrannt. Dabei wird viel Wert darauf gelegt, dass es ein reines Produkt wird, welches keinerlei Chemie enthält und die entsprechenden Stoffe entzogen werden. Und was machen die Menschen damit? Neben Pisco Sour trinken hier viele ebenfalls Pisco-Cola und damit ist die mühevolle Arbeit für die Katz, denn Cola ist ja quasi nur Chemie mit Zucker.

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Nach der Tour gab es noch eine kleine Verkostung – ebenfalls produziert wird dort; Mango Sour und Maqui Sour. Sehr lecker, besonders eisgekühlt. Aber etwas kaufen wollte ich nicht, denn wo bitte sollte ich das noch hinpacken. Mein großer Backpack ist leider schon voll und im Daypack wollte ich es nicht zusätzlich noch mit rumschleppen.

Wir machten uns weiter auf den Weg und hatten wieder die Probleme den richtigen Weg zu finden, denn Beschilderung war Fehlanzeige. Dann landeten wir plötzlich vor dem Krishna-Tempel und wurden freundlich empfangen. Man erklärte uns den Sinn dahinter, die Lage und wie der Alltag in solch einem Tempel aussieht. Für mich das erste Mal mit dieser Religion in Kontakt zu kommen. In dem Tempel hier gibt es nur Männer, aber auf der Welt gibt es ebenfalls Orte wo nur Frauen leben oder eben auch gemischt, dabei kommt es aber zu keinerlei sexuellen Kontakten. Zum Abschluss noch ein kleiner Aufstieg zu einem der Aussichtspunkte, ein paar Fotos gemacht und weiter ging die Reise.

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Wir trafen auf dem Weg ein Mädchen, dass zu Fuß nach Pisco Elqui unterwegs war. Da hat sie sich aber was vorgenommen, für mich wäre das keine Option. Aber so macht eben jeder seins.

Schließlich erreichten wir den Ort “Diaguitas” und fragten uns durch zur Brauerei. Eines der besten Biere der ganzen Region. Eine Tour gab es allerdings erst wieder in einer Stunde und da wir noch einiges an Wegstrecke vor uns hatten, entschieden wir uns dafür, lieber nur etwas zu trinken und dann weiter zu fahren. Adriana wollte auch gern noch zu einem Weingut fahren, um dort einen guten Wein für ihre Eltern mitzunehmen. Aber ob wir das schaffen würden, war noch nicht klar. Nach dem Bier noch eine kleine Runde durch die Stadt gedreht, nach etwas essbarem gesucht und weiter ging die Fahrt. Die Hunde waren weiter unsere treuen Begleiter und ich hatte Angst, dass der Hündin etwas passieren könnte, denn sie blieb immer mehr zurück. Also wartete ich ab und an auf sie, denn irgendwie hatte das Gefühl Verantwortung für sie zu haben. So zog sich der Rückweg etwas und als wir dann auf eine richtige Straße trafen, wurde es gefährlich für die Hunde, denn weiterhin liefen sie mitten auf der Straße und die ein oder andere Situation hätte auch anders ausgehen können.

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Endlich erreichten wir Vicuña und ziemlich verschwitzt und geschafft landeten wir am Hostal. Die Hunde suchten sich direkt den Schatten und ich sorgte erstmal dafür, dass sie Wasser bekamen.

Dann stand noch die Frage aus, was wir zu Abend essen würden und suchten uns den nächsten Supermarkt. Adriana fragte an der Ticket-Verkaufsstelle nochmal nach einer Observatoriums-Tour, doch auch an diesem Abend standen wohl zu viele Wolken am Himmel. Schnell zurück ins Hostal und dann machten wir uns daran Spaghetti zu kochen, des Backpackers Lieblingsessen, aber mit Carbonara Soße. Während des Essens trafen wir dann auch wieder auf die Mädels vom Tag zuvor und sie machten sich auf zu einer Observatoriums-Tour, anscheinend hatte sich das Wetter gedreht und es fanden doch Touren statt. Adriana entschloss sich kurzer Hand dazu mit den beiden mitzugehen, für mich keine Option, schließlich hatte ich schon die Möglichkeit auf der Hacienda genutzt.

Nachdem ich den Abwasch erledigt hatte, drehte ich noch eine Runde um den Block und schaute nach unseren Hunden. Die hatten sich aber inzwischen schon wieder verzogen und ich fand sie nicht mehr, auch nicht am Hauptplatz, wo sich die meisten Hunde aufhalten. Eine kurze Rast am Platz, ein paar Streicheleinheiten für die Hunde und am Liebsten hätte ich einen von Ihnen mitgenommen. Dann ging es zurück zum Hostal, der Tag hatte mich gut geschlaucht. Plan für den nächsten Tag: Eventuell zum Weingut mitfahren, das hatte Adriana nicht mehr geschafft und danach dann weiter nach La Serena. Adriana musste ebenfalls dorthin, weil von dort aus ihr Nachtbus Richtung Valparaíso ging.

 

Donnerstag, 01.03.2018:

Beim Frühstück schmieden wir den Plan für den Tag. Zunächst Richtung Weingut, dann zurück nach Vicuña, noch die Schmuckhändler abklappern, meine Sachen holen und dann mit dem Bus auf nach La Serena. Sie hatte ihre Sachen noch im Hostel in La Serena und somit stand meine Bleibe für die kommende Nacht auch fest. Hostel “Valle de Elqui”, so musste ich nicht noch extra nach einem suchen. Mit dem Bus fuhren wir dann zum Weingut… eines der besten der Region und Bio! Allerdings doch sehr klein und nach einer kurzen Gustation durften wir dann noch einen Blick in den Raum der Herstellung werfen. Ähnlich wie beim Pisco stehen dort große Behälter in denen die Trauben weiter verarbeitet werden. Aber alles nur in kleiner Ausführung, denn das Weingut besitzt nur etwa 6 Hektar und dementsprechend wird auch produziert. Adriana kaufte noch einen Wein und dann ging es zurück an die Straße. Da Hitch Hiking hier im Tal gut funktionieren soll, versuchte ich dann mal mein Glück. Aber es fuhren meist Touristen vorbei, oder die Laster/Autos hatten keine Plätze frei. Tja, erster Versuch also gescheitert, denn schon nach kurzer Zeit kam der Bus um die Ecke und sammelte uns ein.

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Zurück in Vicuña suchten wir uns einen Imbiss für ein schnelles Mittagessen und danach schlenderten wir über den Markt. Doch für mich war nichts dabei, was ich hätte kaufen wollen. Abgesehen davon, dass ich auch nicht wirklich etwas brauchte.

Dann schnell noch meine Sachen aus dem Hostel geholt und wieder Richtung Busterminal. Die Busse nach La Serena fahren hier regelmäßig und im Abstand von 30 Minuten. Lange warten muss man also nicht. Der Nächste war unserer, während der Fahrt genoss ich die Aussicht, auf das Tal, den Stausee und die Berge. Zum vorerst letzten Mal.

In La Serena ging es die letzten Meter dann zu Fuß zum Hostel. Beim Zutritt muss man seinen Namen nennen, falls man schon gebucht hat, oder eben schon eingecheckt hat. Bei uns reichte dann auch das “Hola”. Platz hatten sie für mich noch, sodass ich schnell die Sachen ins Zimmer bringen und mich frisch machen konnte. Auf zur ebenfalls letzten Runde in La Serena. Mein Couchsurf-Buddy José hatte leider keine Zeit, weil seine Tochter bei ihm zu Besuch war, also machte ich mich zusammen mit Adriana auf Richtung Strand. Nochmal den Sand unter den Füßen spüren und die Seele baumeln lassen. Aber zum Strand war es ein weiter Weg und schließlich ergatterten wir ein günstiges Taxi. Dann endlich die Beine am Strand ausstrecken, den Wein vom letzten Abend, gut getarnt in einer Cola Flasche, geteilt und über dies und jenes philosophiert. Auch nochmal Zeit die letzten Wochen/Monate Revue passieren zu lassen. Viel erlebt, viel gesehen und Neues gelernt. Aber auch weniger gute Zeiten hinter mich gebracht und versucht zu verarbeiten. Was das Leben halt so alles mit sich bringt. Und doch immer wieder die Frage im Off – Warum? Aber manches Mal bleibt die Frage eben unbeantwortet.

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Wieder zurück im. Hostel musste ich dringend etwas essen und schaute, was ich aus dem Rest meiner Nudeln und dem “Free stuff” in der Küche zaubern konnte. Wenig später kam auch Adriana dazu, die vorher noch schnell geduscht hatte, aber leider ewig braucht um ihre Haare zu bändigen. Da bin ich doch froh, dass meine Haare zwar Pflege, aber nicht solch einen Aufwand benötigen. Andere Gäste und andere freiwillige Helfer aus dem Hostel hatten sich auf der Dachterrasse versammelt und spielten eine Version von Uno, aber mit einem Skatblatt. Ganz verstanden habe ich das bis zum Ende aber nicht. Aber lustig anzusehen allemal.

Da ich aber am nächsten Morgen früh raus musste, verabschiedete ich mich zeitnah ins Bett. Ein früheres Frühstück hatte ich angefragt, denn mein Flug ging um 10 Uhr und spätestens um 8:30h wollte ich dort sein.

Freitag, 02.03.2018:

Nach einer dich recht kurzen Nacht war ich zeitig auf den Beinen und derjenige welche, mit dem ich wegen des Frühstücks gesprochen hatte, war leider nicht im Dienst. Dann also nochmal freundlich gefragt und für mich gab es dann ein schnelles Frühstück mit Müsli, Joghurt, St und Kaffee.. Brot noch schnell eingesteckt und ab Richtung Hauptstraße. Die Nebenstraßen waren voll, sodass ich lieber gleich zur Hauptstraße lief. Aber wo finde ich die Straße für die andere Richtung? Kurz Google Maps gecheckt und der Weg war klar. Ein Collectivo war auch schnell gefunden und es ging auf Richtung Flughafen. Im Verlauf der Fahrt wechselten die Fahrgäste und schließlich nahmen ein paar ältere Damen neben mir Platz, die dem Fahrer anscheinend kannten, oder eben Quasselwasser getrunken hatten. Na, so wurde die Fahrt wenigstens noch ganz amüsant. In Laufweite ließ mich der Fahrer dann aussteigen und ich war pünktlich am. Check-In, der hier an Computern gemacht wird, jediglich das Gepäck muss dann noch aufgegeben werden. Auch das war schnell erledigt und dann hieß es warten auf den Einlass durch die Sicherheitskontrolle. Wie mir bereits bekannt, hat man in Südamerika nicht die Vorgaben, die wir in Europa haben. Es ist sogar mehr spezialisiert. Aber Wasser und andere “normale” Flüssigkeiten sind kein Problem. Dann war noch genügend Zeit eine Runde im Wartebereich zu drehen und schließlich war Boarding angesagt. Mein Flug nach Buenos Aires führte über Santiago, wo ich dann in eine andere Maschine wechseln musste. Aufenthalt in Santiago ab Landung ca 3:30h. Genug Zeit, um dann noch vor Ort zu Mittag zu essen und vielleicht auch endlich mal wieder an meinem Beitrag für den Blog weiter zu schreiben, denn dazu war ich während der letzten Tage so gar nicht mehr gekommen.

Und für Buenos Aires hatte ich mich bereits mit einem Couchsurfer in Verbindung gesetzt, der mich für die komplette Zeit aufnehmen konnte. Perfekt, zunächst. Der Flug nach Santiago verlief reibungslos, war aber auch gefühlt so schnell vorbei, das es fast schon sinnlos war, sich häuslich einzurichten. Am Flughafen in Santiago war viel los und ich musste mich erstmal sortieren. Denn für International Amschlussflüge muss man einmal komplett raus aus dem Terminal-Bereich und muss nochmal erneut durch eine Sicherheitskontrolle. Dann ist aber auch wiederum kein Wasser erlaubt. Na toll, also schnell mal eine 1,5 l Flasche leeren. Ja, so kann man seinen Flüssigkeitshaushalt auch aufstocken. 🙂 Vorher gab es noch schnell einen Ausreisestempel für Chile und meine Aufenthaltsgenehmigung war dahin. Erste Seite wurde abgetrennt, den Rest dürfte ich behalten. Ob ich das je wieder brauche?

Dann hatte ich noch genügend Zeit mich im Duty Free umzuschauen, ein paar lustige Fotos zu machen und mir einen Platz für mich und mein Tablet zu suchen.  Auf dem Weg lief ich einem Mann gleich mehrmals über den Weg, der beim ersten Treffen meinte, ich sollte doch glücklicher aussehen – mhh.. Ja, vielleicht, aber ich war ja gerade auf der Suche, da kann ich schon mal nicht glücklich aussehen. 😂

Schließlich saß er am gleichen Ort und nutze die Gelegenheit mich wieder anzusprechen und einige Fragen zu stellen. Kurz und knapp geantwortet, nett gelächelt und wieder meinen Sachen gewidmet. Störte ihn nicht wirklich, aber irgendwie verstand er wohl, dass ich nicht weiter mit ihm reden wollte.

 

Dann war es Zeit fürs Boarding. Aufgeteilt nach Sitzreihen musste man sich entsprechend vor dem Durchgang platzieren. Es dauerte zunächst etwas, doch dann ging es endlich los. First Class/Business und Familien zuerst. Irgendwann ging es dann für uns nicht mehr weiter aber die Zeit schritt voran. Auf dem Bildschirm stand schon etwas von “Last Call”.. Dann “Gate closing”. Aber keinerlei Info an uns Gäste. Langsam wurden mehr und mehr Gäste ungeduldig und fragten beim Personal nach. Aber auch die hatten keine Ahnung. Ich schaute dann irgendwann mal in meiner App nach, aber da hieß es dann nur, Flug verspätet, weitere Informationen in 15 Minuten. Dann weitere 20 Minuten. Schließlich hieß es dann in weiteren 40 Minuten. Gut, dass es für mich nur nach Buenos Aires ging. Ich informierte meinen Couchsurfer und versuchte entspannt abzuwarten. Irgendwann bekam ich die Info, dass es anscheinend Probleme mit der Klimaanlage des Flugzeugs gab und die Innenraum-Temperatur zu hoch war. Inzwischen waren gut 1 ½ Stunden vergangen, noch keine neue Info. Weitere Passagiere von anderen Fliegern, die am selben Terminal einsteigen sollten, wurden zu anderen Gates gebeten und irgendwann wurden dann Guthabenkarten verteilt, damit man sich etwas zu Trinken oder zu Essen holten konnte. Aber $ 6990 CLP sind nicht wirklich viel für eine Mahlzeit am Flughafen. Ich war inzwischen mit einer Frau neben mir ins Gespräch gekommen, die aus der Schweiz kommt, gerade aber auf der Reise nach Cordoba war und ihren Bus in Buenos Aires nicht verpassen wollte. Dabei unterhielten wir uns auch über das Reisen, denn sie war vorher in Neuseeland gewesen und besucht jetzt ihren Sohn in Argentinien. Gerade als wir uns dann etwas zu Trinken holen wollten, ging plötzlich das Boarding los. Okay, dann eben ohne Extra in die Maschine.

Direkt in der Maschine war die Wärme noch deutlich spürbar und der Pilot stellte auch erstmal alles aus, sodass es schön kuschelig wurde. Hätte nur noch ein Aufguss gefehlt. Ein Fächer müsste her, gleich mal den Flyer der Sicherheitsanweisungen umfunktioniert. Lange passierte wieder nichts. Dann kamen die Stewards mit Wasser rum und irgendwann wurden die Maschinen wieder eingeschaltet und auch die Klimaanlage schien wieder zu funktionieren. Na, dann kann es ja endlich losgehen. Das Entertainment-Programm hatte einige Filme zur Auswahl, also gleich mal geschaut, was mir die Zeit gut vertreiben würde. Dann erhielten wir einen Zettel, der mir erstmal Rätsel aufgab. Was die alles von einem wissen wollten, sogar die Infos über das eigene Mobiltelefon. Aber dann war schnell klar, man muss den Zettel nicht unbedingt ausfüllen. Gut, dann lassen wir das.

Wir landeten dann passend zum Sonnenuntergang. Dann erstmal wieder am Flughafen zurechtfinden und kurze Wartezeit bei der Visastelle. Mein Rucksack hatte Gott sei Dank auch den Weg nach Buenos Aires gefunden. Weiter Richtung Zoll und Ausgang. Und Dank meines deutschen Passes konnte ich einfach passieren, alle anderen mussten ihre Taschen nochmal inspizieren lassen. Tja, manchmal hat es was Gutes aus Deutschland zu kommen.

Jetzt musste ich nur sehen, wie ich vom Flughafen in die Stadt komme. Viele Möglichkeiten hatte ich nicht: Bus, Taxi oder Uber. Aber Uber und Taxi waren definitiv überteuert. Der Bus war dann doch die günstigste Alternative, aber der hält nur an bestimmten Haltestellen und der Couchsurfer, Jeremías wollte sich an der Ecke zu einer Hauptstraße treffen. Wie ich von der Station dahin kommen würde, entweder laufen oder Taxi. Dann aber hörte ich von Jeremías plötzlich nichts mehr und mein WhatsApp funktionierte natürlich nur mit WiFi. Bargeld hatte ich auch noch keins, weil ich die chilenischen Pesos erst vor Ort tauschen wollte und musste mich erstmal auf die Suche nach einer Tauschmöglichkeit machen. Zwar ist der  Flughafen nicht groß, aber auf den ersten Blick konnte ich nichts finden. Vermutlich gab es bevor man den Zoll durchquert eine Möglichkeit, aber das hatte ich in der Eile nicht wahrgenommen. Also erstmal zur Info, da bekam ich dann eine kurze und knappe Beschreibung, ab in die Banco Nacional und sich dann schön in die Schlange stellen. Ich nutze die Zeit um andere Leute vor Ort nach der günstigen Alternative, Sicherheitsleute wurden hinzugezogen, aber alle waren sich einig – mit dem Bus geht es am günstigsten. Allerdings für $ ARG 260. Im Gegensatz zu Chile eine andere Nummer. Aber das Argentinien teuer werden würde, hatte ich ja gewusst.

Inzwischen hatte ich versucht über eine Couchsurfer Gruppe, in die ich vorher eingeladen wurde, einen Platz für die Nacht zu bekommen. Ich hatte schon überlegt die Nacht erstmal auf dem Flughafen zu verbringen, da bin ich dann wenigstens sicher und muss nicht nachts durch die Straßen von Buenos Aires irren.

Da stand ich nun also an einem mir unbekannten Flughafen, in einem noch unbekannten Land und das Spanisch war wieder ganz anders. Der Tag hatte seine Spuren hinterlassen – und was mache ich nun? Ich hoffte auf ein “Wunder”.

Ich war hin und hergerissen und die Zeit schritt natürlich weiter vorwärts. Dann hatte ich sich endlich jemand gemeldet, der mir für eine Nacht eine Herberge bieten konnte. Super, noch schnell ein Datenpaket für einen Tag angefordert, damit ich auch irgendwie noch Kontakt halten konnte. Allerdings sind 200 MB auch so gut wie nichts und waren schnell verbraucht. Aber ich hatte alle Infos, denn der Couchsurfer schickte mir seinen Standort und erklärte mir, wie ich in das Haus kommen kann. Dann also schnell zur Haltestelle, das Ticket gekauft und erstmal wieder warten. Endlich kam der Bus um die Ecke. Gepäck abgegeben und ab in den Bus. Was für ein Tag, so hatte ich mir das ja nun wirklich nicht vorgestellt. Ja, mir war zum Heulen zumute.

Dan plötzlich klingelte mein Telefon, aber ich kannte die Nummer nicht. Ne, lieber nicht dran gehen. Der andere Couchsurfer namens Bernado, war es aber nicht. 5 Minuten später klingelte es wieder. Dieses Mal ging ich dran und es war Jeremías, der Couchsurfer, bei dem ich für meine Zeit in Buenos Aires geplant hatte zu bleiben. Er sagte, er sei am Treffpunkt und wo ich denn sei!? Ähm.. Hallo? Im Bus vielleicht? In dem Moment war das Fass voll. Warum meldet er sich erst nicht mehr auf meine Fragen und lässt mich warten und meint ich würde dann einfach so Richtung Stadt fahren mal gucken, ob da wer ist, oder wie?

Ich orderte ihn zur Bushaltestelle, die von dem Bus angefahren wird. Denn da in der Gegend, nahe Retiro, dem Hauptbahnhof von Buenos Aires, soll es nachts gar nicht sicher sein. Kurz nachdem der Bus angekommen war, tauchte auch Jeremías auf. Gut, dann konnte ich dem anderen Couchsurfer Bescheid geben, dass er nicht auf mich warten braucht. Was für eine Aufregung, eigentlich um nichts, aber so läuft das manchmal. Zusammen. Ging es dann zum Hauptbahnhof und vor dort mit dem Bus, bzw. Collectivo, zu seiner Wohnung. Ich war erst etwas irritiert, denn in Chile sind Collectivos eher wie Taxis und in Argentinien sind das aber die Busse. Also, noch ein weiterer Unterschied. Oh je, ob ich das alles auf die Reihe bekomme..

Schließlich erreichten wir sein Apartment und ich war froh, ein eigenes Bett haben zu können und endlich meine Beine in die Waagerechte zu legen.

Samstag, 03.03.2018:

Mein erster Morgen also in Bs As. Es gab ein typisch argentinisches Frühstück: Kuchen, Mate und Kaffee! *yeah*… 🙈

Dann machten wir uns auf nach San Telmo, Puerto Madero, danach zum Plaza de Mayo und noch ein paar Schritte entlang der Altstadt. Insgesamt waren wir gut 5 Stunden unterwegs. Besuchten einen Antikmarkt, verweilten ein wenig in einem der Parks und schauten uns noch im Museum des …. um. Die Altstadt war bis dato der schönste Teil von Buenos Aires. Ansonsten empfand ich die Stadt einfach nur als laut, wuselig und dreckig. Gut, nach einer langen Zeit in der Sierra in Chile, war das natürlich ein totaler Gegensatz und wahrscheinlich musste meine Seele erstmal ankommen. Mit Jeremías gestaltete sich die Verständigung eher schwierig und es schien mir auch so, als wenn er nicht wirklich Lust hat mit mir durch die Gegend zu ziehen. Oftmals brauchte er “Pausen” und wirklich etwas erklären und zeigen wollte er auch nicht. Anscheinend hat er den Sinn von Couchsurfing noch nicht ganz verstanden.

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Auf dem Rückweg machte ich den Vorschlag, dass man doch zusammen kochen könnte und schnell waren wir uns einig. Als wir dann aber bei ihm waren, schaltete er erstmal den Fernseher ein und lange passierte einfach nichts. Irgendwann fragte ich dann nochmal nach, aber erstmal hatte er noch keinen Hunger. Beim zweiten Mal dann raffte er sich auf und holte bereits vor gekochte Sachen aus dem Kühlschrank, die nur noch aufgewärmt werden musste. Ahso!? Ohhkay. Das hatte ich mir auch anders vorgestellt. Hier läuft echt einiges anders.

Wir schauten noch einen Film, er verabschiedet sich allerdings früh ins Bett und ich schaute den Film alleine zu Ende.
Alles klar. Dann mal, gute Nacht.

Sonntag, 04.03.2018:

Sonntags findet jetzt in der Saison die Feria de Matadero statt. Ein Markt in einem Stadtteil von Buenos Aires, auf dem man alles zum Thema Gauchos, Folklore und Artesania zu sehen bekommt. Also natürlich ein Muss für mich während meines Aufenthalts. Jeremías wollte aber lieber seine Oma besuchen, die demnächst auf Reise ist und es war für ihn also die letzte Möglichkeit sie nochmal zu besuchen. Gut, gehe ich halt alleine. Er brachte mich noch zur Haltestelle, die nicht wirklich für jeden zu erkennen ist (ein Aufkleber der Busnummer an der Häuserwand). Vorher hatte ich mir noch die “Sube” Karte gekauft, denn nur damit zahlt man hier für den öffentlichen Nahverkehr. Also Guthaben aufladen, dem Busfahrer sagen wo man hin möchte und dann die Karte an ein Lesegerät halten. Sollten wir vielleicht in Deutschland auch mal einführen. Spart viel Zeit!

Der Busfahrer sollte mir Bescheid geben, wenn wir an der Feria sind, da ich ja keine Ahnung hatte, an welcher Haltestelle ich aussteigen muss. Hat er natürlich nicht getan, aber ich bemerkte, dass wir in Mataderos waren und als ich viel Volk und Stände an einem Park sah, dachte ich mir, dass es nicht weit sein kann. Ich lag richtig. Von dort waren es nur 5 Minuten zu Fuß zur richtigen Feria. Und dann tauchte ich ein in die Welt der Gauchos, Tänzer und der Folklore. Leider waren aber weit und breit keine Pferde in Sicht. Ich schlenderte über den Markt, ließ mich Treiben und entdeckte das ein oder andere Souvenir, probierte an den Ständen und schaute den Leuten beim Tanzen zu. Leider war es ziemlich heiss an dem Tag und die Bühne stand genau in der Sonne. Lange aufhalten konnte man sich da nicht. Ich dreht noch ein paar Runden und musste schließlich wieder zurück.

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Jeremías wollte abends zu einem Fußballspiel von River (leider keine Karten für Nicht-Mitglieder zu bekommen) und da er keinen zweiten Schlüssel hatte, mussten er natürlich zu Hause sein, um mich rein lassen zu können. Er meinte so gegen 16 Uhr wäre er wieder da. Ich suchte nach dem Bus um zurück zu fahren und nachdem der Erste mich einfach an der  Straße ignoriert hatte, fuhr ich mit dem nächsten wieder zurück. Eine Markierung der Wohnung hatte ich mir vorher in Google Maps gesetzt und nach weiteren 10 Minuten zu Fuß war ich wieder an der Wohnung. Jeremías aber nicht und nachdem ich ihm dann eine Nachricht geschickt hatte, kam eine Antwort zurück, dass er noch unterwegs sei und wahrscheinlich in 40 Minuten vor Ort sei. Na, super! Es kann ja nur noch besser werden. So war ich also eingeschränkt in meiner “Freiheit”. Ich entschloss mich dazu noch am selben Tag in ein Hostel in der Nähe zu wechseln. So konnte ich wieder für mich entscheiden und musste mich nicht auf jemand anderen verlassen, auf den man sich eben nicht verlassen konnte.

Als Jeremías endlich auftauchte, teilte ich ihm meine Planänderung mit und für ihn war das natürlich kein Problem, wäre mir aber auch egal gewesen. Dann bestand er noch darauf mich zu begleiten und wir verabschiedeten uns am Hostel. Da ich gerne abends mal ausgehen wollte, fragte ich in der Couchsurfing-Gruppe nach, ob jemand in der Nähe unterwegs sei. Und tatsächlich wollte ein paar aus der Gruppe noch in San Telmo was trinken gehen. Perfekt. Zu Fuß machte ich mich später auf den Weg und ich merkte, dass die Distanzen auch in Buenos Aires schon ein gehöriger Unterschied sind. Ich sagte einem der Gruppe ich sei so in 15 Minuten da. Schließlich brauchte ich aber fast 30 Minuten. 😂

Schließlich trafen wir uns dann am Plaza… den ich von der Tagestour am Tag zuvor schon kannte. Zwei Mädels aus Deutschland waren auch dabei, wunderbar. Auf dem Platz würde später schließlich noch Tango getanzt und auch andere Musik wie Rockabilly-Jive fand Anklang bei den Tänzern. Irgendwann tauchten dann plötzlich Menschen mit Trommeln auf und verwandelten eine andere Ecke des Platzes zu einer weiteren Tanzfläche. Die Leute hatten Spaß, waren fröhlich und ich merkte wieder, es war eine richtige Entscheidung gewesen in ein Hostel zu wechseln. Nach und nach verabschiedeten sich die anderen und ich ging noch zusammen mit…, ebenfalls ein Couchsurfer, noch Tacos essen. Netterweise begleitete er mich dann auch noch bis zum Hostel, denn ganz sicher fühlte ich mich nachts noch nicht, obwohl ich bisher nur gehört hatte, dass die Straßen nicht sicher sind, selbst aber noch nichts dergleichen gesehen hatte.

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Montag, 05.03.2018:

Da Buenos Aires ungefähr die Größe von Berlin hat, gibt es natürlich viel zu sehen und ich entschied mich dazu am nächsten Tag mit dem Rad unterwegs zu sein. Abends wollte ich dann in ein anderes Hostel in einem anderen Stadtteil einchecken. Während der ganzen Zeit hatte ich zudem noch Kontakt mit Mariel gehabt, einer anderen Couchsurferin, die mir mit Rat und Tipps zur Seite stand. Mit ihr wollte ich mich dann abends endlich mal auf ein Bier treffen, um mich auch ebenfalls bei ihr für alles zu bedanken. Schon im Vorfeld hatte sie mir eine Reihe von Tipps geschickt, mit Links und allerhand weiteren Informationen.

Meine Sachen ließ ich im Hostel und dann ging es mit einem Citybike auf Richtung La Boca. Die Gegend in der der Tango geboren sein soll und wo Maradona seine Künste auf dem Rasen gezeigt hatte. Ich war gespannt, aber auch hier sollte ich vorsichtig sein, denn die Gegend sollte ebenfalls zwielichtig sein. Ok, dann Augen auf, Sachen sicher verstaut und los ging die Fahrt. Das Fahrrad besaß allerdings keine Gänge und ich war froh, dass Buenos Aires meist ebenerdig ist und ich keine großen Hügel zu bewältigen hatte.

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Nach gut 30 Minuten Fahrt erreichte den Stadtteil. Das Stadion war schnell gesichtet und ich machte mich auf die Suche des Haupteingangs. Irgendwie hatte ich auch hier etwas Spektakuläres erwartet, aber von Außen machte das Stadion nicht ganz so viel her. Rein kam man nur, wenn man wohl auch ins Museum geht. Ein paar Schnappschüsse an den Geschäften gegenüber des Haupteingangs und weiter Richtung Caminito, der Straße in La Boca, die wohl eigens für die Touristen so erhalten wurde. Vorbei an alten Häusern und ein paar Street-Art Gemälden, erreichte ich schließlich das Ziel. Ein paar Touristen waren unterwegs, aber vermutlich ist hier gegen Abend mehr los. An den Ecken warteten Tangotänzer für ein Foto und Künstler verkaufen ihre Gemälde und Skulpturen. Die Häuser sind schön bunt und viele Restaurants und Bars laden zum verweilen ein. Klein, aber fein. Mich störten nur die Kellner und Leute, die immer wieder versuchten die Touristen in eines der Restaurants zu locken. Eindeutig zu touristisch für mich. Ich machte ein paar Fotos, schaute mich im Viertel ein bisschen um, machte mich dann aber wieder auf den Weg Richtung Zentrum. Ich wollte nochmal am Naturreservat vorbei, in der Hoffnung, dass es geöffnet ist. Allerdings wurde mir an der Fahrradstation gesagt, dass es montags zu Aufräumarbeiten geschlossen ist, aber vielleicht habe ich ja Glück?

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Dann also mit dem Fahrrad erstmal aus Boca wieder raus finden. Ich dreht mich tatsächlich einmal im Kreis, die Straßenführung mit dem Rad ist einfach zu verwirrend. Teilweise gibt es Radwege, teilweise schaut man, dass man irgendwie einen Platz zum Fahren findet. Dann gibt es immer wieder überall Baustellen und schließlich endet man in einer Sackgasse. Und, wie vorher schon bemerkt, die Wege sind hier oft weiter, als man zunächst denkt.

Dann endlich war ich am Ziel und was soll ich sagen, natürlich war das Reservat geschlossen. Ich hatte also kein Glück. Entlang der Promenade fuhr ich weiter Richtung Zentrum und machte Halt an den Denkmälern wichtiger Personen von Argentinien. Interessant, wer da alles so verewigt ist. Dann fuhr ich weiter Richtung Innenstadt und erreichte schließlich, nahe des Plaza de Mayo, das Zentrum. Viele enge Straßen, gesäumt von vielen Leuten, Fahrrad-, Roller- und Autofahrern. Das Publikum hier sah schon mehr nach dem aus, wie ich es mir gedacht hatte: Gut gekleidet und gestylt, vielleicht gerade in der Mittagspause oder auf dem Weg zu einem Termin. Das war also schon ein etwas anderes Buenos Aires. Die Stadt hat also viele Gesichter.

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Ich brauchte dringend Wifi und fand schließlich ein Starbucks-Café – meine Rettung!! Ich kontaktierte nochmal Mariel, sagte ihr wo ich mich befand und wir machten eine Uhrzeit für den Abend aus.

Nach einer kurzen Pause fuhr ich langsam zurück Richtung Hostel. Auf meinem Weg lag noch DER Obelisk, vor dem zur Zeit auch die Olympischen Ringe aufgestellt waren. Dann schaute ich mir noch den Plaza del Congreso an und brachte schließlich das Rad wieder zur Station zurück. Noch ein Pläuschchen mit den Jungs vom Laden gehalten und ab zum Hostel um die die Sachen zu holen. Das Handy musste noch aufgeladen werden und so nutze ich die Zeit noch kurz zu schauen, wie ich in den Stadtteil Palermo komme und wo sich dort die Hostels befinden.

Etwas später machte ich mich dann auf zur nächsten Bushaltestelle und nach gut 30 Minuten Fahrt hatte ich Palermo erreicht. Nur wo muss ich jetzt genau aussteigen? Ich fragte andere Fahrgäste, doch die hatten mich entweder falsch verstanden, oder keine Ahnung. Denn wie Google Maps es gezeigt hatte, hätte ich am Park aussteigen müssen, aber sie meinten ich müsste noch weiter fahren. Hätte ich mal nicht darauf gehört. Ich bat also den Busfahrer mich an der nächsten Möglichkeit rauszulassen. Super, noch mehr zu laufen. Mit Sack und Pack gar nicht so einfach und für meine Verabredung war ich eh schon spät dran.

Dann also schnell den Weg ausfindig gemacht und ab zum Hostel. Das Art Factory Hostel liegt mittendrin und ist von Außen bereits mit einem Zeichen von “Bett und Bier” zu erkennen. Drinnen taucht man dann in ein altes Buenos Aires ein und ich kam in einem “Mixed dorm” für 10 Personen unter. Mein Budget für die Nacht wollte ich nicht unnötig ausreizen. Hätte ich das hier mal getan. Denn das Bad war schrecklich und wie es sich herausstellte, war ich nur mit Kerlen auf dem Zimmer. Eine Klimaanlage gab es auch nicht, nur einen Deckenventilator, der klappernde Geräusche von sich gab. Und das soll eines der besten hier sein?? Ohje.

Mariel wartete bereits mit ihrer Freundin in der Cervezeria “Baum” auf mich. Ich machte mich schnell zu Fuß auf den Weg und unterschätzte, mal wieder, die Entfernung. Ob ich das noch lernen werde?

Endlich angekommen, wurde ich herzlich begrüßt. Ich war froh, nach der Horror-Tour der letzten Tage. Wir verbrachten einen netten Abend zusammen, wechselten noch zu einem anderen Pub, wo Fußball gezeigt wurde, so konnte ich wenigstens etwas von der Euphorie mitnehmen, wenn ich schon keine Chance auf ein Ticket für ein Spiel hatte. Mariels Freundin Romina war mit dem Auto da, so konnten mich die beiden wieder zum Hostel fahren und ich musste nicht noch nachts durch die Stadt laufen.

Dienstag, 06.03.2018:

Früh war ich auf den Beinen. Während der Nacht hatte ich kaum ein Auge zugemacht. Es war einfach zu warm und die anderen im Zimmer waren nicht unbedingt leise.

Mein Plan für den Tag – mit einer anderen Couchsurferin, Debo,  nach Tigre fahren. Ein bekannter Ausflugsort weiter im Norden der Provinz. Da sie einen kleinen Sohn hat, war der natürlich mit dabei. Wir trafen uns in der Nähe von Retiro und machten uns dann zusammen auf die Suche des richtigen Zugs. Sie selbst sprach ein bisschen Deutsch und so konnten wir uns sehr gut verstehen. Half mir aber auch mit ein paar Worten im argentinischen Spanisch.

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Die Fahrt nach Tigre dauert ca. eine Stunde. Dann erreicht man einen schönen Ort, der für viele hier wohl ein Ausflugsziel ist. Mit einem Fluss, der für die Menschen, die außerhalb auf den  Inseln leben die Transportstrecke ist. Wie andere ein Auto, nutzen die Inselbewohner die Boote um ein und aus zufahren. Wir spazierten entlang der Promenade und gingen dann weiter zur Puerto de Frutos. Hier gibt es allerhand Läden mit Souvenirs, Möbeln aber auch Lebensmitteln. Da die Saison aber schon fast vorbei zu sein scheint, ist unter der Woche einfach so gut wie nichts los. Viele Läden waren geschlossen und ich hatte mir zunächst mal wieder etwas ganz anderes darunter vorgestellt. Ich dachte wir kommen irgendwo an einen Strand und können es uns da gemütlich machen. Aber Fehlanzeige. Schließlich setzten wir uns noch in Café und machten uns danach langsam wieder auf Richtung Bahnhof. Auf dem Weg suchte ich noch nach einem Cache und hatte ihn schließlich in der Hand. Der Hinweis passte zwar so gar nicht, aber egal, ich hatte ihn ja gefunden.

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Am Fluss entlang ging es dann wieder zum Bahnhof. Ich entdeckte Bootsfahrten, die interessant gewesen wären, denn da hätte man mal Einblick in eine andere Welt bekommen, wie die Menschen dort in der Natur leben. Aber gut, vielleicht beim nächsten Mal?

Ich fragte Debo ob sie vielleicht Lust hätte, mich am nächsten Tag auf meiner Tour durch Palermo zu begleiten und sie meinte, sie hätte “Kind frei” und es ließe sich bestimmt einrichten. Während unseres gemeinsamen Tages erfuhr ich, dass sie schon mal in Deutschland unterwegs gewesen war und unglaublich gern nach Deutschland auswandern wollte. Aber einen Job hat sie bisher nicht gefunden und ebenfalls in Argentinien ist sie nun schon eine Zeit arbeitslos. Es stimmte mich alles etwas traurig, denn sie ist getrennt vom Vater des Kindes, allerdings im Einklang, und kann sich aber keine eigene Wohnung leisten. Ein paar Stationen vor Retiro stieg sie dann aus, da sie zu ihrer Mutter musste, bei der sie aktuell mit ihrem Sohn lebt. Ich hoffe für sie, dass sie ihren Weg finden wird.

Auf dem Weg zum Hostel dann noch ein paar Einkäufe erledigt und nach dem Abendessen ging es schließlich früh ins Bett. In der Hoffnung die Nacht besser zu schlafen.

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