Auszeit – Chile – Woche …

…ja, gute Frage – welche Woche ist es denn nun? Inzwischen haben sich die Wochen etwas verschoben und ich bin irgendwo zwischen 15 und 16 gelandet – wenn ich mich nicht irre. Aber das werde ich dann nochmal nachrechnen :). Am Frankfurter Flughafen angekommen, begab ich mich also mit Sack und Pack zur Gepäck-Aufgabe von LATAM. Zunächst wollte ich auch noch geklärt haben, ob mein Backpack denn dann in Madrid auch weiter geleitet wird, oder ob ich das noch veranlassen muss. Der nette Herr an der Gepäckabgabe meinte dann, dass die Flüge ja über LATAM gebucht wurden und dann das Gepäck auch den Anschluss-Flug erreichen wird. Gut, dann wollen wir dem Herrn mal glauben. Jetzt war ich natürlich viel zu früh am Flughafen und musste mir die Wartezeit noch gut vertreiben – da kam ein Geocache in der Nähe ganz recht – bei dem bescheidenen November-Wetter war der Cache schnell gefunden, denn keine Muggels waren weit und breit in Sicht.

Dann noch gemütlich einen Kaffee getrunken, Rucksack sortiert und ab ging es Richtung Sicherheits-Check. Auch der war kein Problem, sodass ich schnell am Gate war und noch genügend Zeit, um die Wasserflasche aufzufüllen und letzte Grüße zu senden. Jetzt war der Tag der Abreise also gekommen und bisher verlief alles gut. Schon spannend so eine große Reise. Am Gate saßen einige Touristen, die wohl eine Gruppenreise gebucht hatten, u.a. von Studiosus – dort hatte ich auch schon mal Informationen zu den Touren angefragt, aber die liegen da schon sehr über meinem Budget. Schließlich wurde das Gate geöffnet und nach Gruppen wurde man dann in die Maschine gelassen. Ich war bei der ersten gleich dabei – perfekt. In der Maschine gab es dann großes Staunen. Was für ein Flieger! Wie ich später feststellte, handelte es sich dabei sogar um einen „Dream Liner“. Ich kann LATAM wirklich nur jedem ans Herz legen bei Trans-Atlantikflügen. Groß, geräumig, viel Platz auch in der Economy, entsprechende Beleuchtung und die Fenster lassen sich per Knopfdruck verdunkeln. Was es nicht alles gibt. Somit war der nächste Teil der Reise sehr angenehm.

Der Flug verging schnell und in Madrid hieß es dann leider Abschied nehmen von der Maschine. Mal schauen, was Iberia zu bieten hat. Schon vom Terminal aus konnte man die Maschine sehen. Allerdings war sie von außen schon eher klein und machte nicht unbedingt einen „neuen“ Eindruck. Und ich sollte Recht behalten. Das Interior war sehr alt (alleine schon die braunen Polster der Sitze) und der komplette Innenraum machte den Eindruck, als wäre die Maschine geradewegs aus den 70ern gelandet. Na, ganz großes Kino – da wollte ich doch schnell wieder in den Dream-Liner. Zwar hatte ich einen Gang-Platz, aber dieser stellte sich während des Fluges als nicht ganz so vorteilhaft heraus, da ich nahe der Toiletten saß und die Leute einfach nicht ihre Auge auf den Gang gerichtet hatten. Somit stolperte immer irgendwer über meine Füße oder stieß mich auf irgendeine Weise an – meine Laune war im Keller. An Schlaf war erst recht nicht zu denken und so schaute ich erst einen Film, versuchte der Musik zu lauschen und später zog ich mir einfach die Decke über den Kopf – wenigstens war es dadurch etwas dunkler. Also, Iberia ist NICHT zu empfehlen, schon gar nicht für Langstrecke! Das Essen… ich will gar nicht näher drauf eingehen. 13 Stunden und 20 Minuten..können echt verdammt lang sein. Da hat mir meine Glückszahl zum ersten Mal KEIN Glück gebracht.
Dann war endlich wieder Land in Sicht und schließlich flogen wir über die Anden. Schon ein toller Anblick.

 

Am Flughafen in Santiago angekommen ging es dann recht zügig bis zur Passkontrolle – ja, BIS zur Passkontrolle. Im Flugzeug hatte ich einen Zettel erhalten, indem ich kurz meine Personalien und Grund des Aufenthalts eintragen musste. Dieser sollte nun also geprüft werden. Doch das dauerte.. und dauerte…die Schlange wurde gefühlt nicht kürzer und mit jeder weiteren Kurve verließ mich meine sowieso schon knappe Geduld. Mein Kontakt aus Chile war bereits seit 9 Uhr am Flughafen – hoffentlich kann er warten! Ich hatte zuvor ja Befürchtungen gehabt, dass sie von mir einen Rückflug o.ä. sehen wollen, damit sie nicht denken, ich möchte ins Land immigrieren – aber ein kurzes „Back-Packing“ und der Stempel war im Pass. Jetzt habe noch einen kleinen Zettel, den ich gut aufbewahren muss, denn ich darf ja hier nur 90 Tage bleiben. Werde dann zwischendrin mal nach Argentinien oder Bolivien rüber, danach bekommt man die 90 Tage ja wieder von neu.Schließlich war es geschafft. Dann schnell etwas Geld umgetauscht und auf zur Rucksack-Suche. Auch nicht so einfach, vor allen Dingen, wenn die Hilfskräfte am Flughafen nicht wirklich helfen wollen. Dann hatte ich den Bereich von LATAM aber doch im Blick und mein Rucksack war zum Glück auch da. Schnell einen Wagen genommen und ab Richtung Ausgang. Hier durfte dann nochmal das ganze Gepäck durch den Scanner – man könnte ja was Verbotenes einführen.

Dann aber endlich raus und Luis war auch noch da. Super! Er orderte uns ein Taxi und handelte einen fairen Preis aus – wunderbar, wenn man solche Leute hat. Couchsurfing.com sei Dank! Da war ich nun also in Chile und konnte es nicht recht glauben – aber aufgrund des „Nicht-Schlafen-Könnens“ befand ich mich eh in irgendeinem Parallel-Universum. Die Sonne strahlte und es waren gut 27 Grad – und das im November! Der Verkehr in und um Santiago ist fast so schön wie auf der A40 bei uns. Voll, laut und man braucht Zeit! Gut, dass ich keine Termine mehr habe und nur zum Appartement muss. Und ebenso gut, dass Luis mich vom Flughafen abgeholt hat – das macht das ganze etwas entspannter. Aber was sich mir da für ein Straßenbild bot, war schon eine andere Welt. Wie ich später erfuhr, sind wir aber auch durch das ärmste Viertel von Santiago gefahren, dass nahe am Flughafen liegt.

Am Appartement-Haus angekommen, half der Portier schnell und S31 war ebenfalls schnell gefunden. Die Klingel funktionierte nicht, also half nur Klopfen. Dann wurde mir auch geöffnet und ich konnte endlich meine Sachen los werden und mich frisch machen. Luis wartete noch geduldig. Jetzt hatte ich ja auch noch den ganzen Tag Zeit – und bloß nicht vom Jetlag umarmen lassen – also raus, ab Richtung Supermarkt und vielleicht noch etwas Essen?! Ja, „mal eben“ zum Supermarkt – kannste knicken. Entweder man fährt mit der Metro oder man läuft. Luis bevorzugt das Laufen – gut, ist ja herrliches Wetter. Ich war immer noch nicht ganz angekommen, aber da musste ich jetzt einfach durch. Im Supermarkt erstmal das Nötigste gekauft und ab zurück zum Appartement. Luis musste dann auch schon los und ich musste sehen, was ich jetzt noch mit dem Tag anfange – also ab die Gegend um das Appartement herum erkunden. Direkt vor der Tür liegt ein riesiger Park – da lässt es sich bestimmt gerade gut drin aushalten. Direkt im Park liegt auch der nächste Freizeit-Park – perfekt, wenn er nicht bis zum 24.12. geschlossen hätte. Aber wer weiss, vielleicht komme ich ja nochmal hierher? Sag niemals nie! Der Park ist wirklich sehr schön und bietet eine Menge an Freizeitgestaltung. Ja, hier fahren sie auch tatsächlich noch mit Inlineskates durch die Gegend oder die verliebten Paare tummeln sich auf den Wiesen – wie ich im Laufe der nächsten Tage feststellen sollte, tun das sehr sehr viele Paare – schrecklich ;).

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Am nächsten Tag hatte ich mich mittags mit Luis verabredet. Er wollte mir gern Downtown zeigen. Netter Weise holte er mich an der Metro-Station nahe meiner Bleibe ab. Mit der Metro zu fahren ist günstig und auch ein Erlebnis – zur Rush Hour sollte man keine Probleme mit Körperkontakt haben. Die Bahnen fahren hier alle paar Minuten und es gibt unterschiedliche Tarife, je nach Tageszeit. Fährt man morgens ganz früh, oder abends ganz spät, ist es am günstigen mit CLP $ 640. Um nach Downtown zu kommen, genauer gesagt zum „Plaza de Armas“ mussten wir zwei Mal umsteigen – und ich war froh, dass ich das nicht alleine machen musste – sonst wäre ich wahrscheinlich etwas herumgeirrt. Aber nach ein paar Mal fahren hat man das System dann auch verstanden. Einfach mit der Masse gehen, dann kommt man schnell ans Ziel. Die Einwohner von Santiago halten sich meist strikt an die Wegführungen und die Stationen sind sehr sauber – allerdings gibt es an den Gleisen keine Mülleimer, dazu später mehr. Am Plaza de Armas ist man im Herzen von Downtown. Auf dem Platz treffen sich die Männer zum Schach spielen, quatschen, Mittagspause genießen oder man schaut sich eine der Vorführungen in den kleinen Pavillons an. Die Carabineros sind hier sogar auf Pferden unterwegs. Am Platz befinden sich die Kathedrale von Santiago, das Museum über die Geschichte Chiles und die Hauptpost. Alles im Kolonialstil gehalten – ein Unterschied teilweise zum restlichen Stadtbild. Sonntags haben die Museen sogar gratis geöffnet – nur leider findet am kommenden Sonntag die Wahl für den/die neue/n Präsidenten/in statt und da hat dann alles geschlossen. Trotzdem liegt die Wahlbeteiligung meist nur bei gut 25% – denn wählen können die Chilenen auch nur in ihrem Heimatort und meist sind sie am Wochenende unterwegs. Das heisst mein evtl Rückweg aus Valparaíso könnte lang werden.

Entlang der Gassen in Downtown gibt es viele kleine, günstige Läden und da ich evtl noch Sneaker kaufen wollte, zogen wir durch die Galerien und die Straßen, auf der Suche nach gut aber günstig. Allerdings gibt es dort eher mehr günstig, als gut, oder sie haben meine Größe nicht. Zu Mittag gab es dann ein „Sandwich Italiano“ – ähnlich eines „Completos“ (Hot Dog auf chilenische Art), allerdings mit Fleisch, statt Wurst. Viieeel Soße, viel Guacamole und Mayonnaise. Dazu dann noch Pommes – nicht wirklich gesund, schmeckt aber ganz gut. Die Chilenen essen gerne Brot und somit gibt es viele Variationen. Rund, klein, eckig, mit oder ohne Vollkorn, glutenfrei … Es gibt kaum ein Essen, welches nicht mit Brot serviert wird oder in einem Teigmantel fritiert wird. Z.B. Empenadas con Queso, mit Fisch, Fleisch, vegetarisch und und und. Ich muss hier auf jeden Fall noch einiges probieren.

Luis hatte leider nicht allzu lange Zeit und somit verbrachte ich den Rest des Tages alleine und machte mich neben der Suche nach Schuhen, auf den Weg zu, „Cerro Santa Lucia“ – ein kleiner Berg mitten in der Stadt, von dem man aus einen ersten schönen Blick über Santiago hat. Eine kleine Kirche, Reste einer kleinen Festung sind umgeben von einem schönen Park.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Auf dem Rückweg wurde ich dann auch noch in puncto Schuhen fündig. Der erste Tag war interessant, aber auch anstrengend. So richtig angekommen war ich noch nicht – anscheinend hat der lange Flug doch seine Spuren hinterlassen.

Neuer Morgen – neuer Tag. Wie angekündigt war der Morgen bedeckt, evtl sollte es sogar regnen. Ich musste dringend einkaufen und machte mich in der Nähe auf die Suche eines Supermarktes. Zuvor hatte ich Google befragt und machte mich dann zu Fuß auf den Weg. Teilweise wirkten die Straßen auf mich etwas bedrohlich, da kaum Leute unterwegs waren, oder wenn, schauten sie mich etwas irritiert an – ja, man sieht mir halt an, dass ich nicht aus Südamerika bin. Dennoch sollten die Menschen in Santiago durchaus auch Menschen aus anderen Ländern kennen. Anscheinend ist man aber trotzdem noch ein „Exot“. Beim ersten Supermarkt war ich mir nicht sicher, ob man, ähnlich wie bei uns in der Metro, nur mit entsprechender Karte zahlen kann und somit machte ich mich auf den Weg zum Nächsten. Kleine Verkaufsläden und viele Straßenstände. In Chile sind die Märkte auf den Straßen sehr beliebt, denn hier gibt es vieles günstig und die Bauern verkaufen ihre eigenen Lebensmittel. Der andere Supermarkt war für mich wesentlich vertrauter und Getränke und Essen für die nächsten Tage war schnell eingekauft. Dann zu Fuß wieder zurück und langsam wurde es warm. Die Sonne schien inzwischen. Morgens und abends ist es noch sehr kalt, über den Tag wird es aber aufgrund der Sonne sehr warm. Das sollte man bedenken, wenn man den Tag über unterwegs ist.

Zu Mittag schnell eine Tütensuppe und eine kleine Pause eingelegt. Danach entschied ich mich noch zum „Cerro San Cristobal“ zu fahren – ein weiterer Berg, aber viel größer und mit der bekannten Marien-Statue – ähnlich wie der Jesus in Rio, nur viel viel kleiner. Der Weg mit der Metro war schnell klar und ich suchte mir für den Weg noch ein paar Caches raus, schließlich wollte ich zumindest ein paar Länderpunkte sammeln. Aber das Caches stellte sich hier noch komplizierter raus, als bereits in Spanien. Der erste Cache führte mich zu einer kleinen Nebenstraße mit bunten Häusern, davon waren einige Hostels, die viel von Backpackern aufgesucht werden. Doch leider konnte ich hier trotz längerer Suche nichts finden – sehr schade. Also auf zum Berg, denn inzwischen war es Nachmittag und ich wollte nicht erst im Dunkeln wieder zurückfahren. Den Berg kann man zu Fuß, mit dem Fahrrad, einer Seilbahn oder dem Funikular erklimmen. Eine lange Schlange befand sich am Eingang des Funikular, jedoch fuhren nur Busse, da der Funikular aufgrund von Wartungsarbeiten geschlossen war. Nach etwas Warterei entschied ich mich dann doch fürs Laufen – wählte aber erstmal den falschen Weg und landete am Zoo. Ich sah wohl etwas hilflos aus, denn ein netter Koch kam auf mich zu und erklärte mir wie man zum „El Piso“ – der Spitze des Berges kommt. Der Weg war schließlich gefunden und wenn ich dann mal meine Trekking-Schuhe angehabt hätte, wäre es wahrscheinlich einfacher gewesen. Fiese Steigung, viele Steine, ab und an ausgetretene Pfade. Nach und nach hatte man einen weiten Blick über Santiago und dann konnte ich nochmal sehen, wie groß Santiago ist – aber gut, 6 Millionen Menschen müssen ja auch irgendwo wohnen. Auf dem Weg tauchte dann plötzlich etwas vor meinen Füßen auf, was ich so nicht erwartet hatte – gut, dass ich immer auch auf den Boden schaue, wenn ich laufe – sonst hätte es böse enden können.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Schließlich an der Spitze angekommen – hat man einen atemberaubenden Blick über ganz Santiago – man kann eigentlich nur Staunen. Das Wetter war inzwischen auch so gut, dass man sehr weit sehen konnte. Solch eine Stadt hatte ich zuvor noch nicht von Oben gesehen – Wahnsinn. Auch hier gab es unterhalb einen kleinen Cache, aber der wollte sich mir nicht zeigen. Die Sonne bahnte sich langsam ihren Weg und da die Seilbahn leider an einem völlig anderen Platz endet, musste ich den Weg wieder zurücklaufen. Gut, dass es bergab meist schneller und für mich auch besser geht. Die Chilenen nutzen diesen Weg aber auch als Joggingstrecke und das sogar mehrmals hintereinander – ich könnte das nicht!

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Zurück Richtung Metro – entlang der Partymeile in Santiago im Stadtteil Bellavista. Eine Bar neben der anderen, meist mich Live-Musik, großen Plätzen und einer Masse an Getränke-Angeboten. Die jüngeren Chilenen feiern hier auch unter der Woche. Abends sollte man hier aber besser nicht alleine unterwegs sein – gut, dass es noch nicht allzu spät war. Ein kleiner Schlenker in eine Gasse und es taten sich plötzlich ein paar teure Restaurants auf – voll mit Leuten. Hier kann es also um die Ecke auch völlig anders aussehen. Im Norden und Osten der Stadt sind die schönen und reicheren Stadtteile Santiagos, wie z.B. auch Providencia – die wollte ich mir auf jeden Fall auch noch anschauen. Nach einem langen und anstrengenden Tag ging es wieder zurück zum Appartement und ich war froh um die Ruhe, denn die Stadt ist einfach nur hektisch, laut und voll. In solch einer Großstadt könnte ich glaube ich nicht leben – kommt vielleicht aber auch auf den Stadtteil an.

Ich hatte noch eine Entscheidung zu treffen – Valparaíso und Viña del Mar besuchen oder nicht. Da ich einen netten Kontakt über Couchsurfing hatte, der mir gerne seine Couch geben wollte, entschied ich mich dafür und plante somit von Freitag bis Sonntag dorthin zu fahren – mit dem Bus ab Alameda. Von dort fahren die Bus in den Westen und Norden.

Donnerstag hatte nun Luis wieder ein paar Stunden Zeit für mich. Wir besuchten den Parque de las Esculturas und bei einigen Kunstwerken dachte ich mir mal wieder – ist das Kunst, oder kann das weg? In Santiago gibt es viele Parks und Grünanlagen und die Einwohner der Stadt wissen das auch zu schätzen und liegen meist in den Mittagsstunden unter den Bäumen und frönen ihrer Siesta. Scheint hier auch absolut Tagen Standard zu sein. Ich war nun schon seit 2 damit beschäftigt mir eine Pre-Paid Karte für Chile zu besorgen und natürlich sollte das nicht einfach werden. Gerade einen Monat zuvor wurde ein neues Gesetz erlassen, dass jeder, der ein Handy aus dem Ausland besitzt, dieses zertifizieren lassen muss. D.h. man muss ein Formular ausfüllen, sämtliche Daten angeben, am besten noch den Kaufbeleg mitschicken und die IMEI Nr. des Geräts wissen. Dann muss man eine E-Mail mit allen Anhängen an eine der Zertifizierungs-Stellen schicken und hoffen, dass es klappt. Also ging es dann Richtung Sky Castanero Mall, um dort in einem Store nochmal nachzufragen, ob denn mein Handy nun eine Pre-Paid SIM bekommen kann. Gut, dass Luis mir da auch wieder helfen konnte, aber mit Händen, ein bisschen Englisch und gebrochenem Spanisch kam ich dann zum Ziel. Die SIM war meine, jetzt musste ich nur noch warten, bis sie funktionierte. Denn erst danach kann man die Aktivierung vornehmen. Abends das Handy neu gestartet und ich konnte loslegen – dachte ich. Mit dem spanischen Menü kam ich nicht ganz klar – also am nächsten Tag nochmal zum Claro Shop! Da kommt Freude auf…

Mit gepackten Sachen ging es dann also zur bekannten Metro-Station. Luis holte mich ab und wir fuhren gemeinsam zu seiner Wohnung. Erst vor Kurzem ist eine neue Metro-Linie gestartet. Das verkürzte die Fahrt. Ab der Station Los Leones hieß es dann Laufen. Luis nutzt die Busse nicht gern und preferiert die Strecke zu Laufen. Es sind ja auch nur gut 15-20 Minuten. Somit konnte ich mir aber auch einen Teil des Wohngebiets zu Provedencia näher anschauen. Viele Hochhäuser, jedoch wohnen dort auch die etwas besser Betuchten. Am Wohnkomplex angekommen ging es dann in den 8ten Stock. Luis hat eine nette Wohnung mit Balkon. Auf den ersten Blick sehr schön, aber wenn man näher hinschaut, dann sind da doch einige Reparaturen nötig. Aber das wird hier glaube ich auch etwas anders gesehen. Da kann schon mal was rosten, die Decke kommt irgendwo ein Stück runter, oder man hat gleich ein Loch in der Decke. Glaube als Deutsche hätte ich hier so meine Schwierigkeiten eine Wohnung zu finden. Direkt nebenan gibt es eine Gemeinschaftsterrasse mit kleinem Pool. Der Ausblick ist Dank des 8en Stocks auch nicht Verachten, wenn die anderen Hochhäuser nur nicht im Blickfeld stehen würden.

Schnell die Sachen abgeladen und umgepackt. Dann ging es zurück zur Sky Mall, denn ich wollte mein Handy noch aktiviert bekommen, bevor ich die Reise nach Valparaíso antrete. Am Ende sollte es dann endlich funktionieren. Noch Guthaben aufladen und los ging es. An der Metro-Station verabschiedete sich Luis dann plötzlich von mir. Ich dachte eigentlich, dass er mich zur Bus-Station begleiten würde – na gut, dann muss ich das alleine finden. Die Station war mir ja bekannt. Nach  gut 15 Minuten Fahrt war ich dann an der Station angekommen und es war auch klar ersichtlich, wo die Busse zu finden sind. Noch kurz nach der Abfahrtsposition gefragt und schnell einen Kaffee zum Start – ich hatte bisher noch keinen gehabt. Der Bus war pünktlich und ich hatte einen Platz in der ersten Reihe in der ersten Etage. Perfekt um von dort bei der Fahrt die Gegend betrachten zu können. Schließlich gesellte sich noch ein Peruaner dazu. Gott sei Dank konnte er Englisch – mit  meinem jetzigen Spanisch kann ich noch nicht wirklich eine Unterhaltung führen. Während der Fahrt erzählte er mir von seinem Job, seinem Land und Lima, die Hauptstadt Perus. Dort bekommt man wohl nur selten die Sonne zu sehen, denn Lima ist so lokalisiert, dass es fast immer bewölkt ist und es viel nieselt. Das macht die Stadt also nicht sehr interessant oder gar besuchenswert. Aber in meinem aktuellen Plan steht sie ja eh nicht auf dem Programm. Die Fahrt führte vorbei an Estancias und einigen Weingütern, viel „Gegend“ und führte zuletzt sogar schon durch Viña del Mar.

So konnte man schon mal einen ersten Eindruck von der Stadt gewinnen. Viel los und auch hier tummeln sich die Menschen auf den Wiesen, Grünstreifen, unter den Bäumen. Beide Städte haben auch Wohngebiete an den Bergen – sieht schon interessant aus. Schließlich kam Valparaíso in Sicht und das Stadtbild war ähnlich wie in Santiago: Eng und viel. Zudem hat Valparaíso einen bedeutenden Hafen an dem viele Transport-Schiffe anlanden – Klein-Hamburg sozusagen. Jimmy, so hieß der Peruaner, und ich zogen dann zusammen durch die Stadt. Er war nur den heutigen Tag hierhergekommen, aber ich wollte gern das Nachtleben und natürlich auch noch Viña del Mar sehen. Da reicht  ein Tag nicht wirklich zu aus. Ich hatte aber nicht wirklich einen Plan, was es hier Sehenswertes gibt und so liefen wir einfach drauf los. Jimmy erkundigte sich nach den Hauptplätze und dem Zentrum und gut 15 Minuten zu Fuß erreicht man einen Platz von dem aus einige Straßen mit kleinen Läden, Cafés und weiteren Einkaufsmöglichkeiten abzweigen. Alles in allem finde ich die Städte immer sehr unübersichtlich. Und ich brauche erstmal ein bisschen um mich daran zu gewöhnen. Mir ist eine großzügige Aufteilung einfach lieber. Aber das ist natürlich auch eine Sache der Gewohnheit. Bevor wir weiter zogen, wollten wir erstmal etwas essen und da es sich hier um einen Küstenort handelt, sollte man natürlich den Fisch probieren. Auch wieder mit Hilfe der Bewohner fanden wir schließlich ein Restaurant und aßen dort zunächst Empenadas mit Meeresfrüchten und lokalen Fisch. Sehr lecker! Gestärkt ging es dann weiter und per Zufall trafen wir dann auf einen der Funikulare. Die Verbinden für Fußgänger die unteren mit den oberen Stadtteilen. Gleich hatte man auch einen schönen Überblick auf die Städte. Mir gefielen hier vor allen Dingen die alten Bauten und vergangenen Zeiten und die Street Art Kunstwerke an den Wänden. Manchmal nur per Zufall in kleinen Gassen zu finden. Wir zogen weiter unsere Runde und trafen dabei auf Straßenmusik, klassische Musik und sogar auf Feuerwehrwagen aus Deutschland. Hier ein paar Eindrücke des Tages:

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Gegen 21 Uhr wollte mich Richar, mein Kontakt über couchsurfing, an der Bus-Station abholen, da er vorher noch arbeiten musste. Dann konnte ich gleichzeitig Jimmy wieder verabschieden, denn sein Bus fuhr um 21.15 wieder retour.

Mit dem Mini-Bus ging es dann zur Wohnung von Richar. Mini-Busse sind hier neben Collectivos, Taxis und der Metro, ein viel genutztes Transportmittel. Allerdings sollte man schauen, dass man einen Sitzplatz bekommt, denn die Fahrten können recht abenteuerlich werden. Hier ist sich jeder selbst der Nächste und wenn die Fahrer eines können, ist es ordentlich Gas geben und abrupt abbremsen. Dann durch das Gewusel dieser Stadt, entlang kleiner Stände und letztendlich kamen wir dann an der Wohnung an. Die teilt sich Richar mit zwei weiteren Jungs. Und auch hier merkt man wieder, es ist zwar eigentlich alles vorhanden, was benötigt wird, aber der Zustand der Möbel und Ausstattung ist dann doch eher Mangelhaft. Schimmel und Rost sind hier „normal“. Oder auch jegliche Art von Konstruktionen, damit es halt irgendwie hält. Also auch das ist schon eine kleine Bewährungsprobe für mich. Ich bin ja bei sowas eigentlich nicht so empfindlich – dachte ich! Aber anpassen an die gegebene Situation kann ich mich dann doch erstaunlich gut. Andere hätten hier wahrscheinlich die Flucht ergriffen. Schnell zauberte Richar ein Omlett auf den Tisch mit Schinken und Käse. Dann versuchte ich mich in meinem Spanisch und er sich mit Englisch. Sogar ein paar Brocken/Sätze Deutsch konnte er. Wir verbrachten einen netten Abend zusammen und zeigte mir dann noch seinen Teil der Stadt bei Nacht. Hier sind vorwiegend Studenten unterwegs. Man trifft sich auf der Straße, sitzt zusammen, trinkt dabei auch gern mal was und macht sich eine schöne Zeit.

 

Es ging irgendwann nachts ins Bett – auf die Uhr hatte nicht mehr geschaut. Morgens musste er dann aber wieder relativ „früh“ aufstehen, da er zur Arbeit musste und ich beschloss, mir dann Viña del Mar anzusehen. Zusammen fuhren wir noch Collectivo, da seine Arbeitsstelle, er ist Koch in einem Hotel, ebenfalls in Viña del Mar war. Start bei Reloj de las Flores, dann die Küste entlang. Ein kurzer Abstecher in die Stadt, denn mir war eine kleine Burg aufgefallen, die ich mir gerne näher anschauen wollte. Doch leider kam man nicht hinein. Nur von einer kleinen Aussicht konnte man einen näheren Blick erhaschen. Wieder runter an die Küste, entlang einer sehr langen Promenade, an der Künstler ihre Ware anboten. Hier musste man dann schon mal ab und an auf Handlanger ein Auge halten. Schließlich war auch der lange Stadtstrand in Sicht und auf einem langen Holzsteg konnte man einen Blick vom Wasser auf die Küste werfen. Hier tummeln sich meist an den Wochenenden viele Leute aus dem Inland und aus Santiago – quasi das Sehen & Gesehen werden spielt hier eine große Rolle. Aber diese Promenade mit dazu gehörigen Grünflächen macht auch einen sehr schönen Eindruck. Mich zog es dann noch ein Stück weiter, denn ich hatte einen Cache auf meiner Karte gesichtet – sollte das mein erster Fund in Chile werden?

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Erst vermutete ich den Zugang an der falschen Seite des Berges, doch dann wagte ich einen Blick auf die andere Seite und fand den beschriebenen Zugang. Allerdings war es nicht ganz so einfach dem Weg weiter zu folgen und auch hier war die T-Wertung mal wieder zu niedrig. Aber letztendlich war ich dann doch noch erfolgreich und konnte mich endlich in meinen ersten Fund in Chile eintragen. Da ich keinen Kulli dabei hatte, nutze ich ein Streichholz – Not macht halt erfinderisch. Vom Berg aus hatte man eine wunderbare Aussicht auf die nähere Umgebung. Den Strand zur Rechten wollte ich dann gleich noch für eine kleine Siesta nutzen und mal das Wasser testen.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Endlich hatte ich wieder Sand unter den Füßen und ich hoffte auf eine gute Abkühlung – die war dann aber doch zuuuu kalt.. Das Wasser war eisig. Keine Ahnung wie die Chilenen das abkönnen, aber selbst für mich war es einfach zu kalt. Da reichten schon die Füße und ich war direkt abgekühlt. Der Wind tat nun auch sein Übriges und ich machte mich schnell wieder auf den Rückweg. Ein Eis wollte ich mir trotzdem noch gönnen und zu Fuß ging es dann Richtung Zentrum von Viña del Mar – entlang der Hauptstraße zur Einkaufsmall. Ja, diese Stadt gefällt mir schon mehr.

Ich wollte noch in den Stadtpark gehen, auf Empfehlung. Doch gerade als ich den Park betreten hatte, wurde ich leider wieder zum Tor geschickt, denn in 5 Minuten würde der Park leider schließen. Sehr schade, aber ich war auch ehrlich schon genug gelaufen. Richar hatte noch eine gute Stunde zu Arbeiten, so schaut ich mir die Einkaufsstraße von Viña del Mar und die dazu gehörigen Geschäfte an. Hier tummelt sich viel Volk und ein Straßenclown belustigte die Passanten mit Pantomime und Verkehrsregelung. Ein Spaß der besonderen Art.

Schließlich ging es dann im Mini-Bus zurück nach Valparaíso – Richar wollte doch lieber selbst kochen. Es gab leckere Pasta mit flambierten Hähnchen und dazu leckeren Weisswein, den ich gespendet hatte. Dann kam ein Freund von ihm vorbei und ich wurde schließlich mit auf eine Geburtstagsparty genommen, nur ein paar Blocks weiter. Da konnte man dann mal sehen, wie Chilenen feiern – u.a. zu der Musik der 90er 😊 Dabie lernte ich auch zwei Deutsche kennen, die in Valparaíso ein Auslandsemester absolvieren und total begeistert sind. Ja, als Student kann man schon ein entspanntes Leben haben. Die Party neigte sich dann irgendwann dem Ende zu und es ging (endlich) wieder ins Bett bzw. Couch.

Ich hatte für den nächsten Mittag ein Ticket zurück nach Santiago. Nach einem starken Kaffee brachte Richar mich noch zu Bus und er meinte, er würde mich dann in den Anden besuchen kommen – na, warten wir mal ab. Die Fahrt zurück verging schnell und Luis holte mich netter Weise von der Bus-Station ab. Dann ging es ab in sein Appartement und ich konnte endlich mal den Pool nutzen und meine Wäsche waschen…

Was für eine aufregende Woche. Aber da kommt bestimmt noch viel viel mehr…

Please follow and like us:

Gerne hier kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.