Auszeit – Chile – Woche 29 + X

Da waren es also noch gut 1 ½ Wochen bis ich Chile verlassen und nach Buenos Aires fliegen würde. Irgendwie etwas surreal: Mein letzter Beitrag von der Hacienda aus Chile also.

Die Woche startete vielversprechend, ein Besuch bei den Pferden und gleich mal ein Pferdchen geschnappt, um eine Runde zu reiten. Die Pferde standen Gott sei Dank auf der Hälfte des Weges und durften sich am Hafer laben. Wobei wir sie dort immer fern halten sollten, damit der frische Hafer nicht gefressen wird, jetzt dann also doch? Rene muss man manchmal wohl auch einfach nicht verstehen.

Dann gleich noch das Pferd besucht, welches unser Koch gerade noch trainiert. Leider stand der Arme alleine auf der anderen Weide und begrüßte mich lautstark am Zaun. Ich gab ihm ein paar Streicheleinheiten, doch als ich dann auf die Weide kam, wollte er erstmal Verstecken spielen. Ja ja, so sind sie die lieben Jungs.

In dieser Woche stand hauptsächlich Frühschicht auf dem Programm und am Wochenende dann meine letzte Mehrtages-Reittour. Zusätzlich hatte ich mich noch mit Tanja für einen letzten Ausritt verabredet. Und wie es der Zufall so wollte, fragte mich Katharina, ob ich nicht mit zu Meret reiten möchte, um das Lula (Mula-Fohlen) zu besuchen. Ein wunderbarer Abschluss also.

Gegen Nachmittag holten wir die Pferde von der Weide und nachdem alles gepackt und die Pferde gesattelt waren ging es über die Straße Richtung Seron. Ich hatte mich für Sirius entschieden, da ich ihn noch nie geritten bin und er auf der Straße das perfekte Pferd ist – ruhig und entspannt. Ausgenommen er entdeckt etwas, was ihm nicht geheuer ist, da macht er gerne mal einen weiten Bogen um einen Busch oder einen großen Stein. Zusammen ging es dann also entlang der Straße zu Meret und Rambo. Nach einigen Stopps für Feigen, Fotos und Videos erreichten wir das Gelände und durften schließlich zu Mula Lula, deren Mutter und sogar Großmutter auf die Weide. Und was soll ich sagen, es ist sooo flauschig und sooo süß. Gerade mal gut eine Woche alt und findet sich schon zurecht.

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Meret lud uns noch auf ein paar Getränke ein und nach gut einer Stunde machten wir uns wieder auf den Weg zurück zur Hacienda. Die Pferde waren dann auch deutlich schneller unterwegs und wir beschleunigten den Rückweg noch mit ein paar Galoppstrecken. Zur Dämmerung waren wir dann zurück, dich die Pferde mussten natürlich noch zur Weide gebracht werden, gut, dass sie nicht allzu weit weg standen. In der Küche noch schnell das Abendessen geschnappt und ab Richtung Bett. Musste ja schließlich wieder zur Frühschicht.

Für vormittags war dann noch eine Reittour von 2 Stunden geplant und da wir alle Pferde benötigten, begleitete ich Rene und holte sie mit ihm zusammen. Fraglich, wie er sonst alle Pferde zusammen holt, aber so war es für ihn einfacher.

Auf dem Campingplatz hatte sich eine Familie einquartiert und wollte gern eine kürzere Reittour machen. Es ging dann also auf die Route des Sternenritts, denn da ist man etwa 2 Stunden unterwegs. Auch interessant diese Route mal bei Tag zu sehen. Ich war allerdings froh, dass es nur eine kurze Route war, denn die Sonne war wieder verdammt stark und man kam schnell ins Schwitzen. Aber der Ausblick auf das Tal war die Mühe wert und ein weiteres Mal zu Pferd diese Woche, was will man sich da beklagen.

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Am nächsten Tag hatte ich frei und nachmittags kam Tanja dann für unseren Ausritt vorbei. Die Pferde, Coral und Pihuenche, hatte ich bereits geholt, so konnten wir schnell die Pferde satteln und uns auf den Weg machen. Ich wollte nochmal auf die andere Seite des Tals, also ging es Richtung Inka Trail, und dann zurück am Fluss entlang. Die Pferde waren allerdings alles andere als ruhig. Anscheinend hatte bei den beiden der frische Hafer einiges an Energie gespeichert. Sobald Coral auf freien Wegen war, tippelte er nur so vor sich hin und es war anstrengend ihn ordentlich zu führen. Eine kurze Abkühlung im Fluss und danach ließen wir die Pferde im Corral an unserem Haus erstmal nur galoppieren. So hatte ich aber wenigstens die Chance ihn ruhig zu halten. Doch auch nach gut 15 Minuten war die Energie noch wie zu Beginn. Wir entschieden uns nochmal in die Berge zu gehen, um dort nochmal die Pferde arbeiten zu lassen. Aber selbst da wollte Coral ständig traben und Nächte es mir nicht einfach. Am Ende waren er und ich gut durchgeschwitzt und zurück zur Weide ritt ich ihn nur mit Trense, anders wäre er wahrscheinlich wieder durch gegangen.

Danach ging es an die letzten Vorbereitungen für die Cabalgata. Mittags hatte ich schon den Nachtisch gemacht und angefangen alles zu vorzupacken. Als Nachtisch hatte ich mich für süße Empanadas mit Schokoladenfüllung entschieden. Der Teig ist ähnlich wie bei Churros, die Füllung wird mit Dekor-Schokolade, Milch und weiteren Zutaten zusammen gekocht. Die Empanadas werden dann in Öl gebraten und in Zucker gewälzt. Sehr kalorienhaltig, aber auch sehr lecker. Mein Reitgast, Christien, kam aus Amsterdam. Sie reist meist alleine und nimmt sich ebenfalls viel Zeit für ihre Reisen, verbindet dies dann meist mit Reittouren. Während ihres Aufenthalts in Chile, war sie ebenfalls in San Pedro und auch im Süden schon zu Pferd unterwegs gewesen.

Voller Vorfreude ging es dann gegen 10:30 Uhr los. Die Strecke kannte ich bereits von meiner ersten Mehrtagestour und somit konnte ich mich dieses Mal mehr auf den Ausblick konzentrieren. Der Rückweg aus Maitenes über Seron war mir hingegen noch nicht bekannt und ich war gespannt, was mich da erwarten würde. Da wird nur zu dritt unterwegs waren, ging es flott voran, wobei Ranjerita und Chacay eher träge unterwegs waren. Hat der Hafer etwa seine Wirkung verfehlt? Nach der Mittagspause ging es weiter in die Sierra, entlang den Hügeln mit unterschiedlichen Farben, ähnlich denen in Bolivien. Bei unserem Aufstieg sah ich dann plötzlich große Vögel an den Gipfeln kreisen. Waren das endlich Condore? Rene war sich da ganz sicher. Ich glaubte da aber nicht wirklich dran. Denn auf den gut 2000 Höhenmetern trifft man sie vielleicht im Winter an, wenn weiter oben keine Nahrung zu finden ist. Joten waren es aber auch nicht. Leider hatten wir kein Fernglas dabei und es blieben nur Vermutungen. Doch es war toll die Tiere anmutig durch die Luft fliegen zu sehen. Ja, auch dafür bin ich hierher gekommen. Und natürlich hatte ich meine Nikon wieder nicht dabei, war ja klar!

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Dann frischte der Wind plötzlich auf und wir mussten achten, nicht unsere Sombreros zu verlieren. Aber jeder Wind war bei der Wärme eine Wohltat. Schließlich erreichten wir unser Outdoor Camp am späten Nachmittag. Rene kümmerte sich wieder um die Pferde und ich schaute, dass ich alles für das Abendessen vorbereitete, die Satteltaschen leerte und mich dann um Christien kümmerte. Eigentlich erwartete ich noch eine Tee-Pause, aber Rene war so in ein Gespräch mit dem Bauern vertieft, dass er nicht merkte,wie die Zeit verging. Der Salat war schnell zubereitet und das Wasser für die Nudeln brauchte so seine Zeit. Schließlich war alles fertig und bevor wir zu Essen begannen, musste natürlich noch das Sonnenuntergangsfoto her. Dabei entdeckte ich ein tolles Motiv, das wunderbar zur Abendstimmung passte.

Nach dem Essen dann schnell abgespült und Rene zauberte uns ein tolles Lagerfeuer. Mit Wein und und den süßen Empanadas ließen wir den Abend gemütlich ausklingen. Ich war gespannt, wie ich wohl die Nacht in der Hängematte verbringen würde, denn das hatte ich zuvor noch nie gemacht. Als der Wein leer und die Gespräche beendet waren, verzogen wir uns in unsere Schlafsäcke. Zusätzlich nutze ich noch eine der Isomatten als Schutz gegen die Kälte der Nacht. Doch dann ordentlich in die Hängematte und in den Schlafsack zu kommen, erwies sich als nicht so einfach. Und aus Angst, die Seile der Hängematte würden nicht halten, versuchten ich mich eher wenig zu bewegen. Aber bequemer als auf dem Boden war es allemal. Nur leider zog es dann nachts ordentlich und auf die Seite konnte ich mich auch nicht wirklich drehen. Die Nacht war also wieder für die Katz. Ich bin dann wohl doch in dem Alter, indem ich ein richtiges Bett für meinen Schlaf bevorzuge.

Am nächsten Morgen ging es dann früh für mich auf die Beine. Wieder ums Frühstück kümmern, schon mal die wichtigsten Sachen packen und ganz wichtig, heißes Wasser bereit stellen. Nicht, dass Rene seinen Tee nicht bekommt. Christien hatte gut geschlafen und freute sich schon wieder darauf aufs Pferd zu steigen. Da am Tag zuvor aber unsere  Pferde eher müde unterwegs waren, überlegte ich, die Reihenfolge zu tauschen, denn Ranjerita giftet gerne, wenn sie noch jemanden hinter sich hat. Und das war sie richtige Entscheidung. Wie, als wenn man einen Hebel umgelegt hat, gingen beide Pferde nun zügig voran. Hätte ich das mal schon den Tag früher probiert.

Dann ging es abwärts immer der Straße entlang. Mit Chacay ist das in etwa so, als wenn man auf einem Kamel abwärts geht,man wird ordentlich durchgeschüttelt. Die geraden Strecken nutzten wir dann für einige Galoppaden und die Pferde schienen froh darüber zu sein. Wir kreuzten ein trockenes Flussbett und dann ging es wieder in die Sierra. Irgendwann kamen wir dann in Seron aus, ritten kurz durch die Stadt und machten dann direkt am Fluss unsere Mittagspause. Die wurde dann gleich noch für ein paar schöne und lustige Erinnerungsfotos genutzt. Denn schließlich war es für mich auch die letzte Tour mit Rene.

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Nach gut einer Stunde machten wir uns auf der anderen Flussseite auf Richtung Hacienda. Ich achtete besonders darauf, wo wir lang ritten, um zu sehen, wo Kathi und ich bei unserem Ritt die Woche zuvor hätten abbiegen müssen. Denn eigentlich wollten wir genau an der Pausenstelle am Fluss auskommen. Und wie ich es gedacht hatte, wären wir dem Weg am Hügel hinter dem Ziegenbauern weiter gefolgt, dann wären wir auch genau richtig gewesen. Allerdings führte der Weg vorher noch weiter durch die Sierra, und dafür hätten wir vorher schon ganz woanders abbiegen müssen. Naja, hinterher ist man halt immer schlauer.

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Zum Abschluss ging es dann wieder durch den Fluss und gut gebraten, die Sonne hatte uns den ganzen Tag begleitet, erreichten wir die Hacienda. Eine Dusche war dringend notwendig!

Für Abends war dann eine kleine Abschlussfeier für Elke geplant gewesen, aber leider hatte sie schon andere Pläne gehabt. Somit wurde es zunächst nur ein gemütliches Sit-In. Meret, Rambo, unsere Köche Luis und Iso (mit neuem Freund), kamen dazu und spät fuhren wir dann noch nach Morrillos zum Baile, Maraike hatte nicht so viel Lust zu tanzen und blieb dann gleich lieber direkt auf der Hacienda. Der Bailey war allerdings nicht so gut besucht und viele der Leute dort kannten wir auch gar nicht. Aber egal, wir hatten aber trotzdem unseren Spaß.

Am nächsten Tag hatte ich wieder Spätschicht, Gott sei Dank. Aber Steffi musste nach Santiago und verabschiedete sich früh, als ich noch im Halbschlaf war, von mir, sie würde ich dann nicht mehr sehen. Ja, so langsam rückt der Abschied von hier auch immer näher. Und so recht wusste ich noch nicht, was ich in Argentinien machen möchte. Ein paar Zielorte waren klar, aber einen Plan, den hatte ich nicht wirklich.

Montag, 26.02.2018

Da war er also, mein letzter Arbeitstag auf der Hacienda. Ich hatte Spätschicht und da ich wusste, dass Rene und Maraike zusammen auf eine 2-Tagestour, ebenfalls Maitenes, reiten würden, musste ich mich natürlich noch von beiden verabschieden. Die Reitgäste, ein Paar, kamen aus England, ursprünglich aber aus Ungarn. Beide waren bestens ausgerüstet, aber die Frau war bisher nur in der Halle geritten und war sich unsicher, ob sie es im Gelände schaffen würde. Schließlich überwogen die Ängste und ihr Mann ritt dann alleine mit. Dann war, zu meinem Glück, aber ein Pferd übrig und ich nutzte die Gelegenheit nochmal zum Ausreiten. Und wie es der Zufall so wollte war es natürlich Coral. Zusammen mit Struppi ging es dann auf eine letzte Runde im Sattel. Ja, etwas Wehmut war mit dabei.

Dann brachte ich ihn wieder zur Weide und verabschiedete mich ebenfalls von den anderen Pferden, Tortellita, dem Mula und natürlich auch der Kuh. Auf zur letzten Schicht auf der Hacienda. Wir hatten nur einen Gast und ich backte nochmal die Brownies, die alle hier so gerne gemocht haben, zum Abschied. Ein letztes Mal in den Garten, um die Wäsche auf- und abzuhängen. Ein letztes Mal bügeln. Ein letztes Mal Iso in der Küche helfen und den Tisch für das Abendessen vorbereiten. Wie ein ganz gewöhnlicher Tag eben, nur halt der Letzte. Und da die Mädels ja teilweise unterwegs waren und ich alleine die Spätschicht hatte, war es recht einsam.

Gut, so konnte ich mich schon mal auf die kommenden Tage seelisch einstellen; wieder allein auf unterwegs!

Wenn ich eines in der Zeit schon bemerkt habe und es eigentlich auch vorher ja schon gewusst habe, alleine reisen erfüllt mich nicht. Ich möchte Erlebnisse teilen und zwar nicht nur mit irgendwem, sondern mit Menschen, die mir wichtig sind und umgekehrt. Bin gespannt, wann ich in diesem Leben auf meinen Reisebuddy treffen werde.

Den letzte Abend habe ich dann zusammen mit Katharina verbracht. Eigentlich wollten wir einen Film schauen, aber dann kam Elke noch vorbei und zusammen wurde noch ein wenig gequatscht. Gut, dann keinen Film mehr. Dann wurde es auch Zeit fürs Bett. Eigentlich wollte ich schon abends alles gepackt haben, aber da ich den gesamten Dienstagvormittag Zeit hatte, konnte ich das beruhigt verschieben. Eine Ladung Wäsche hatte ich noch gewaschen und die war dann mit Sicherheit trocken.

Dienstag, 27.02.2018 – Tag X oder auch der Tag meiner Ab- und Weiterreise.

Auf die Plätze, fertig, rollen und einpacken. Aber wie habe ich das Zeug bitte alles in meinen Rucksack und mein Daypack bekommen? Ein paar Sachen konnte ich beruhigt aussortieren. Die Reithandschuhe waren sowas von durch, die brauchte ich nicht mehr einstecken. Ein T-Shirt war reichlich ausgeleiert und hatte Löcher, weg damit. Mhhh.. Na gut, ich hatte ja auch noch weiteres hier eingekauft. Aber irgendwie sollte es doch passen. Und dann fiel mir noch der Trockenständer ein. Oh Gott, noch mehr Sachen…

Irgendwie schaffte ich es dann alles zu verstauen. Gut, dass ich noch einen Beutel für Wasser und meine Essenssachen hatte. Das muss dann eben so mit. Einiges blieb aber auch in der Küche.

Da ich mich auch noch von Rosa und verabschieden wollte, ging es nochmal hoch zur Hacienda. Ein letztes Frühstück in der Küche, ein letzter Plausch und dann überreichte mir Kathi eine kleine Überraschung zum Abschied. Eine kleine Collage mit ein paar Bildern von der gemeinsamen Zeit auf der Hacienda. Ein kleines rotes Hufeisen, als Schlüsselanhänger, ein kleines Portemonnaie aus Pichasca und zwei der selbst gemachten Marmeladen. Das wäre ja gar nicht nötig gewesen, aber umso mehr habe ich mich darüber gefreut. Ein paar nette Zeilen zum Abschied, schöne Idee. Danke auch nochmal auf diesem Wege – a las chicas! Ich werde euch nicht vergessen und wir sehen uns wieder, ob in Hamburg, Hannover, Essen, Österreich oder sonst wo auf der Welt.

Der Abschied fiel dann natürlich nicht ganz so einfach. Aber ich freute mich auch auf meine Weiterreise, es wurde auch langsam Zeit. Gegen 13 Uhr starteten wir dann Richtung Vicuña. Und wie es der Zufall so wollte, trafen wir auf dem Weg noch unseren Koch. Noch eine herzliche Verabschiedung auf dem Weg und dann ging es auch schon weiter, durch Hurtado, weiter auf der “Ruta de Estrellas”…

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