Auszeit – Chile – Woche 28

Das Wochenende hatte seine Spuren hinterlassen. Somit war der Montag, ein typischer Montag und ich war froh, als die Arbeit geschafft und ich mich der Entspannung widmen konnte. Die Woche hat aber auch viele “To-Dos”. Neben der Arbeit muss ich mich nun schließlich langsam entscheiden, wann ich die Hacienda verlassen will und wo ich in Buenos Aires unterkommen und was ich mir anschauen möchte. Vor einiger Zeit habe ich meine Reisedaten auf Couchsurfing eingetragen und nun trudeln also nach und nach Angebote und Anfragen ein. Nicht nur von Hosts, sondern auch von Personen, die mir anbieten die Stadt zu zeigen, oder einfach direkt Tipps und Tricks mitliefern. Neben den Gruppen auf Facebook einfach eine gute Sache. So kommt man also gut an Informationen, die einem vor Ort direkt weiterhelfen können. Ich fliege z. B. einen Flughafen an, der etwas außerhalb liegt und brauche dann ca. 1 Stunde mit dem Bus zum Zentrum.

Und natürlich habe ich noch meinen Lonely Planet Reiseführer, der mir sicherlich auch noch einige Highlights in Argentinien offenbaren wird. Aber keiner Meinung nach ist es am Besten, wenn man direkt mit “Locals” in Kontakt kommt, denn die wissen meist am besten, was man sich anschauen sollte und welche Aktivitäten lohnenswert sind.

Dienstag hatte ich dann wieder einen freien Tag. Eigentlich war der Mittwoch geplant gewesen. Da wir aber am Mittwoch wieder mehr Gäste hatten, hatte Katharina das kurzer Hand geändert. Ich musste eigentlich dringend noch Geld holen und überlegte, ob ich nun dafür extra nach Ovalle fahren will, oder schaue, dass ich vor dem Wochenende noch irgendwie anders an Geld komme. Meine spontane Entscheidung dann am Morgen – ich fahre nach Ovalle. Dann kann ich mir auch dort noch das Museum ansehen, schließlich steht das auch noch auf meiner Aktivitäten-Liste. Der Bus sollte um 10 Uhr kommen. Aber inzwischen kenne ich ja Chile, da kann es auch gut und gerne mal später sein. Dennoch war ich rechtzeitig vor der Hacienda. Und natürlich hatte er Verspätung, sodass ich überlegte, nochmal schnell zum Haus zurück zu gehen, um mir etwas zu Essen für die Fahrt mitzunehmen. Und ich hatte es ja schon geahnt. Als ich gerade im Haus war und mir eben schnell meine Müsli-Riegel gegriffen hatte, hupte es. Na, wunderbar. Wie von der Tarantel gestochen eilte ich zum Ausgang. So schnell bin ich schon lange nicht mehr gerannt. Aber, es war zu spät. Wieder ein lautes Hupen und dann raste der Bus vor meinen Augen davon. Schicksal? Es sollte wohl nicht sein. Also wieder zurück zum Haus. Steffi hatte Spätschicht und war noch im Haus, dann konnten wir wenigstens noch gemeinsam einen Kaffee trinken. Aber, das Ganze hatte auch etwas Gutes. Denn durch die ganzen Unternehmungen der letzten Tage, hatte ich total vergessen, dass ich mich ja nochmal mit Tanja treffen wollte, um nach Hurtado zu fahren. Und vereinbart war der Dienstag und just in diesem Moment trudelte eine Nachricht ein, dass sie gerade mit ihrer Freundin auf dem Weg zur Hacienda war. Die wollte sie ihr erst zeigen, dann kurz ein Stück am Fluss entlang und danach dann nach Hurtado. Da schloss ich mich dann natürlich gerne an. Mein Tag hatte somit einen Plan, einen Guten!

Nachdem sie ihr die Hacienda gezeigt hatte und wir bis zum Campingplatz mit den Kindern gelaufen waren, setzten wir uns nach dem Rückweg noch zusammen auf die Terrasse der Hacienda. Paty kam noch dazu, so war es eine kleine, gemütliche Runde. Aber die Kinder trieben natürlich ihren Schabernack und Tanja hatte gut zu tun dir Kleinen Wichte im Zaum zu halten. Ja, glaube, wenn ich Kinder hätte, hätte ich damit genauso viel zu tun. Nein, danke! 

Gegen späten Mittag machten wir uns dann auf Richtung Hurtado. Im kleinen Opel Corsa ist hinten der Platz für 2 Kindersitze und eine Person doch eher wenig, bis gar nicht gegeben. So quetschte ich mich in die Mitte und musste mich definitiv nicht anschnallen, denn ich saß bombenfest. Zum Glück waren die Kinder so fertig, dass sie schon nach kurzer Zeit Mühe hatten die Augen offen zu halten. Als wir in Hurtado dann am Ort der Begierde angekommen waren, schliefen sie tief und fest. Und wie komme ich jetzt da wieder raus, ohne sie zu wecken??? Zum Glück schlafen kleine Kinder meist bei jeder Gegebenheit und somit einfach schnell raus und weiter schlafen lassen. Die Fahrertür offen gelassen, ging es geradewegs ins Café und auf der Terrasse tranken/aßen wir dann zusammen Mote con Huesillos. Ich schnappte mir noch ein paar Pastelles und zusammen fuhren wir nochmal zur Kirche in Hurtado, doch auch der zweite Besuch war nicht weniger gruselig. Ja, wie bei Friedhöfen, kein Ort für mich. Den weiteren Nachmittag verbrachte ich wieder am Fluss, in altbekannter Gesellschaft. Ein Kaffee war dringend notwendig und da kam der gute Becher, der mir von einer lieben Freundin geschenkt wurde, wieder zum Einsatz. Endlich mal richtig entspannen. Wunderbar. Selbst Struppi war so kaputt, dass man mit ihm nicht viel anfangen konnte, außer Autos hinterher zu jagen. Und selbst als wir zurück am Haus waren, dauerte es nicht lange, bis er wieder alle Viere von sich gestreckt hatte. Der hat’s gut!

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Während der Woche wurde die Arbeit nun mehr und mehr stressiger, denn wir hatten viele Gäste, einige Aktivitäten und demnach auch einiges zu erledigen, von der Wäsche mal ganz zu schweigen. In meiner Freizeit besuchte ich des öfteren die Pferde, nahm mir Chacay zum Ausreiten mit oder versuchte schon mal meine Gedanken für die kommende Zeit zu sortieren. Die letzten Wochen auf der Hacienda sind nun angebrochen, viel Zeit bleibt mir nicht mehr. Da wollen die nächsten 2 Wochen gut genutzt sein. Allerdings hatte ich ein Pad zum Reiten leider vergessen mitzunehmen und Chacay ohne solch ein Pad und Reiten erwies sich im Nachhinein als nicht so gut. Ich habe mir also im wahrsten Sinne des Wortes den Hintern aufgerissen. Gut, dass ich auf solche Fälle vorbereitet bin. Verschiedene Salben habe ich dabei. Aber hey, wieder was gelernt. 

Am Donnerstag hatte ich dann Frühschicht und Katharina bot mir an, mit ihr zusammen mal wieder ausreiten zu gehen. Richtung Serón auf der anderen Talseite und dann zurück über die Straße. Sie war sich allerdings nicht sicher, ob sie den richtigen Abzweig über eine Brücke  finden würde, aber ich war da guter Dinge. Noch einmal konnte ich die herrliche Aussicht zu Pferd auf das Tal genießen. Wir näherten uns schließlich Serón. Aber wo war jetzt der Abzweig? Kommen wir über den Hügel runter, oder doch weiter hoch? Wir entschieden uns einen Abhang hinunter zu reiten und durchquerten ein Flussbett. Ein Ziegenpfad war in Sicht und dann gelangten wir an einen Hof, der Kathi wohl bekannt war. Wunderbar, dann hier also weiter.. Oder auch nicht. Wir waren unsicher und da die Sonne langsam unterging, verkürzten wir unseren Weg über die Quebrada und landeten schließlich auf dem Gelände einer Hacienda vor der Kirche von Serón. Irgendwo querfeldein ritten wir weiter, überquerten den Fluss und hatten schließlich die Kirche wieder im Blick. Der befestigte Weg lud zu einem Galopp ein, doch schneller als gedacht, hatte Coral wieder den Turbo eingeschaltet und nur mit Mühe konnte ich ihn stoppen. Später erfuhr ich, dass Coral hier wohl früher zu Hause war. Dann kannte er das Gebiet mit Sicherheit, aber warum dann so zügig?

Wir ritten weiter Richtung Straße, könnten aber zunächst keine Ausfahrt finden. Dann entdeckten wir ein Tor zur Straße. Gott sei Dank kein Schloss davor und dann hätten wir es endlich geschafft. Was für ein “Abenteuer”. Über die Straße ging es dann wieder zurück zur Hacienda. Coral tänzelte wieder vor sich hin und wäre wahrscheinlich am Liebsten die ganze Strecke nur gerannt. Aber nicht mit mir. Gut, dass ich meine Handschuhe wieder dabei hatte, sonst hätte ich wahrscheinlich Blasen an den Händen gehabt. Meine Handschuhe werde ich dann wohl auch am Ende meines Aufenthalts hier in die ewigen Jagdgründe schicken. Die ersten Löcher zeigen sich bereits. Wir trafen mit der Dämmerung wieder auf der Hacienda ein. Schnell die Pferde abgesattelt und zur Weide gebracht. Essen stand noch für uns parat und ich war froh, als ich alle Viere von mir Strecken konnte.

Am nächsten Morgen begleitete ich wieder eine Gold-Digger Reittour. Eine Familie aus Santiago kam extra zum Reiten auf die Hacienda. Die Kinder, zwei Mädels, freuten sich wie verrückt auf die Tour und konnten gar nicht genug von den Pferden bekommen. Nachdem alle mit Sombrero, Sonnencreme und Chaps versorgt waren, setzte sich unser lustiger Trupp in Bewegung. Rene führte eines der Pferde und der Vater das Pferd der zweiten Tochter. Dieses Mal war die Strecke mir anfangs wieder bekannt und nach und nach hatte ich die Orientierung wieder gefunden. Zwar war es irgendwie immer noch anders als beim ersten Mal, aber es definitiv die selbe Strecke. Die Sonne brannte schon früh sehr stark vom Himmel, sodass die Pause gerade richtig kam. Rene war froh, dass es chilenische Gäste waren, so konnte er an den Gesprächen teilhaben und von sich und seinem Leben hier erzählen. Immer wieder interessant, wie die Menschen hier im Tal ihr Leben bestreiten und damit sehr glücklich zu sein scheinen. Weniger ist eben doch mehr.

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Nach der Tour half ich Rene dann noch die Pferde zurück zur Weide zu bringen und nach getaner Arbeit gönnte ich mir noch eine Abkühlung im Fluss. Mir war aufgefallen, dass schon den ganzen Nachmittag eine Kettensäge die Ruhe störte. Am Fluss zeigte sich mir dann der Grund. Mehrere Männer waren dabei einen Teil des Flusses zu stauen, sodass mehr Wasser zum Schwimmen vorhanden ist. Hier gilt eben noch in vielen Fällen: Selbst ist der Mann. Mal schauen, ob der Staudamm das Wasser auch halten kann und ob die Konstruktion gut bedacht wurde.

Gen Abend war noch immer nicht ganz klar, wie Maraike und ich nach Pichasca zum Baile kommen würden. Da wir beide netterweise am nächsten Tag frei bekommen hatten, um uns das Rodeo anzuschauen, hatten wir überlegt, ob wir nicht schon abends zum Baile hingehen wollten. Eigentlich hätten wir im Haus von Isos Großmutter bleiben können, aber Iso musste mit ihrem Sohn leider nach Ovalle fahren, da es ihm gesundheitlich nicht sehr gut ging und sie das lieber überprüfen lassen wollte. Und wie kommen wir nun nach Pichasca? Paty war auch wieder für ein paar Tage auf der Hacienda und beim Abendessen erzählten wir ihr von der misslichen Lage. Sogleich bat sie uns an, dass wir ja mit der Camionetta fahren könnten, vorausgesetzt Katharina fährt. Damit hatten wir gar nicht gerechnet und informierten sogleich Katharina. Sie brachte uns dann später nach Pichasca, wollte selbst aber nicht vor Ort bleiben. Schade, aber sie und Steffi wollten eh am nächsten Abend zum Baile fahren. Gut, irgendwie kommen wir schon zurück, schließlich sind einige Leute aus dem ganze Tal auf dem Rodeo und da wird sich schon jemand finden, der uns mitnehmen kann.

Das Rodeo in Pichasca ist um einiges größer als die anderen Rodeos hier im Tal. Die Besucher und Teilnehmer kommen aus vielen anderen Regionen Chiles, aber natürlich kommen die meisten aus dem Norden. Ein kurzer Rundgang, dann ging es auch schon gleich in die Halle. Gut gefüllt mit vielen tanzfreudigen Menschen und natürlich Huasos, die es sich nicht nehmen lassen an solch einem Abend in Montur auf den Baile zu gehen. Schon direkt in der Nähe des Eingangs tauchten bekannte Gesichter auf und nach nicht mal 5 Minuten wurden wir von einer Gruppe an einen Tisch gebeten. Typisch für Bailes: zuerst sichert man sich einen Tisch, damit darauf die Getränke abgestellt werden können und dann bildet sich darum meist ein Trupp. Die Einladung nahmen wir natürlich gerne an und dann entdeckten wir gleich auch Juvenal und seinen Bruder Jano. Und wie ich es schon gedacht hatte, sogleich startete der Baile für mich mit einem Tanz mit Juvenal. Allerdings ging es dieses Mal nicht dem ganzen Abend so, denn der ein oder andere Kerl wollte natürlich auch mit mir tanzen. Die Männer/Jungs an unserem Tisch waren sehr interessiert, wollten wissen was wir in Chile machen, wie lange wir schon da sind, wo wir herkommen, ob und Chile gefällt und und und..

Langweilig konnte es einem also nicht werden. Auch um die Getränke mussten wir uns keine Sorge machen, dafür wurde natürlich gesorgt. Einerseits zum Glück, denn mein Geld für das Wochenende war knapp und hier im Tal funktionieren meistens andere Karten als die von Banco de Chile nicht, sodass man leider keine Möglichkeit hat, an Geld zu kommen und nach Ovalle hatte ich es die Woche nicht geschafft. Nach vielen Tänzen machten sich die Füße langsam bemerkbar und auch die Müdigkeit ließ nicht allzu lange auf sich Warten. Wir hatten noch die Schweizer Mädels aus der Nachbarschaft getroffen und uns zu ihnen gesellt. Dann bemerkte ich jemanden, den ich aus Serón vom Baile kannte und sogleich erkannte er mich, natürlich. Und da er mit seinem Auto nach Pichasca gefahren war und auch wieder zurück fuhr, war der Transfer geregelt. Allerdings würde ein Freund von ihm fahren, er selbst hatte Alkohol getrunken und setzt sich dann nicht mehr ans Steuer – vernünftig! Doch es wurde später und später und immer wenn wir nachfragten hieß es nur “un ratito” – ne, nicht schon wieder. Eine Uhrzeit war ausgemacht, aber auch zu der wollte er dann noch nicht los. Ja, wir kennen das ja inzwischen bei den Chilenen. Gut, dass wir am nächsten Tag nicht arbeiten mussten und ausschlafen konnten. Dann endlich ging es los Richtung Auto. Das wurde dann aber auch Zeit. Juvenal war auch schon verschwunden, gut, dann musste ich mich da nicht auch noch verabschieden. Schließlich saßen wir zu Sechst in der Camionetta – Hinten 4, vorne 2. Die Tür bekamen wir gerade so zu und dann ging die wilde Fahrt auch schon los. Ich vermute, dass der Freund und Fahrer in seiner Freizeit gern offroad unterwegs ist und auch gerne mal schneller fährt, als sie Polizei erlaubt. Ein, zwei brenzlige Situationen gab es in den Kurven, da war der Puls kurz in die Höhe geschnellt. Was waren wir froh, als wir heile an der Hacienda angekommen waren. Die Uhr zeigte irgendwas um 5 Uhr und ich sank schließlich geschafft in die Kissen.

Samstag, Rodeo-Tag!

Zwar hätte mein Körper noch gut und gerne länger im Bett liegen bleiben können, doch mein Geist weigerte sich dagegen. Ok, dann steh ich halt schon mal auf. Steffi hatte Spätschicht und war auch gerade dabei in den Tag zu starten. Zusammen tranken wir einen Kaffee, knuddelten Struppi ausgiebig und ich erzählte ihr vom letzten Abend. Sie wollte natürlich wissen, ob ich wieder mit Juvenal getanzt habe und was es noch Spannendes zu berichten gab. Also erzählte ich ihr was wir erlebt hatte und das der Baile am Samstagabend sicherlich nochmal voller sein wird. Mit Maraike hatte ich mich für den Mittagsbus verabredet. Die Busse davor waren einfach zu früh und es war ausreichend um noch genug vom Rodeo mitzubekommen.

Früh genug ging es dann zur Straße und der Bus stand schon parat. Mittags ist der Bus meist früher da und der Fahrer wartet auf den Bus aus der anderen Richtung, da die Fahrer hier anscheinend tauschen. Pünktlich ging es los und dann ruckelten wir durch das Tal. Wie immer laut hupend, wenn man in die Nähe eines Dorfes oder einer Haltestelle kam. Der Busbegleiter war mir schon bekannt, so fragte ich ihn gleich, ob er uns am Zugang zum Rodeo raus lassen konnte. Natürlich kein Problem. Und nach gut einer Stunde stiegen wir aus dem Bus aus, machten noch ein kurzes Fotoshooting an der neuen Streetart-Wandverzierung und dann ging es direkt zum Rodeo. Unser Koch war schon am Abend zuvor gefahren und zeltete dort jetzt zusammen mit Freunden und Bekannten. Der Campingplatz lag sowohl direkt am Rodeo, als auch auf der anderen Seite des Flusses. Der wurde gleich von Vielen zur Abkühlung genutzt, denn wie schon den letzten Tagen war es sehr sehr heiß.

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Auf dem Gelände des Rodeos hatten Händler ihre Stände aufgebaut und es gab eine Auswahl an kleinen Imbissbuden, die Mais, Empanadas, Mote con Huesillos und andere Leckereien verkauften. Ich hatte mir vorher allerdings meinen Rucksack gut mit Essen und Getränken bestückt, damit ich nicht mehr Geld als nötig ausgeben muss. Um beim Rodeo dann zuzuschauen, hatte man die Möglichkeit direkt auf die Tribüne oder die Galerie zu gehen. Dabei sitzt man auf der Tribüne direkt am kleinen Teil des Media Lunas und die Galerie bietet Plätze entlang des großen Teilstücks. Wir entschieden uns für die Galerie, erstens billiger und zweitens hätte man von dort mehrere Möglichkeiten sich eine gute Sichtposition zu suchen. Meine Kamera hatte gleich im Anschlag und konnte direkt ein paar gute Rennen ablichten. Und wie es der Zufall so wollte, kamen wir genau richtig, um unseren Koch reiten zu sehen. Auf seiner kleinen Stute wirkte er etwas deplatziert. Er ritt zusammen mit einem Freund, doch leider war auch dieses Mal die Kuh keine Gute und entwischte den beiden immer wieder. Da purzelte es dann leider “puntos malo”, statt “puntos bueno”. Na, er muss halt noch ein bisschen üben.

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Leider passieren auch bei dieser Art von Rodeo Unfälle. Und direkt vor unseren Augen ging ein Pferd zu Boden und begrub den Reiter unter sich. Der war anscheinend so schwer getroffen worden, dass er bewusstlos war und schnell mit dem Krankenwagen nach Ovalle gebracht werden musste. Das Rodeo wurde dann erstmal für 2 Stunden unterbrochen, denn erst, wenn der Krankenwagen wieder vor Ort und verfügbar ist, kann auch das Rodeo fortgeführt werden. Der Schock saß erstmal tief und wie schlimm es nun um ihn stand konnte uns auch niemand sagen. Wir drücken die Daumen, dass er wieder auf die Beine kommt. Während der Pause suchten wir nach unserem Koch, fanden dann aber zunächst nur sein Auto. Auf dem Weg passierten wir einige campende Huasos und Besucher, die sogleich auf sich aufmerksam machten. Aber was uns am Meisten interessierte, waren natürlich die Pferde. Eines schöner als das andere, in allerhand Farben. Allerdings waren die Pferde meist an den Transporten, Bäumen oder ähnliches angebunden und das wohl auch in der Nacht, nicht wirklich angenehm für die Tiere. Auf dem Parkplatz trafen wir dann auch einen der Jungs vom Baile am Abend zuvor. Er brachte gerade eines der Pferde zurück und lud uns auf ein Getränk zu ihrem Platz ein. Die Einladung nahmen wir natürlich auch gerne an und nach unserem Rundgang gesellten wir uns zu der Truppe hinzu. Dabei lernten wir noch weitere Freunde kennen, unter anderem Pancho, der allerdings die ganze Zeit nur geschlafen hat. 😂

Sergio und Marco nahmen ebenfalls zusammen am Rodeo teil, Matthias, ein junger Bursche aus Santiago hatte sein Glück schon an den Tagen zuvor versucht und sich dabei wohl etwas am Knöchel verletzt, er setzte somit lieber aus. Langsam versammelten sich die Huasos wieder vor dem Media Luna und als Marco bereits schon auf seinem Pferd durch die Gegend ritt, entschuldigte sich auch Sergio und sattelte sein Pferd. Das Getränk war geleert und wir machten uns wieder auf zum Media Luna. Die Sonne war inzwischen gewandert und damit ich ein paar gute Fotos machen konnte, mussten wir bis ans andere Ende der Galerie gehen. Das Rodeo war wieder im vollem Gange und schließlich entdeckte ich auch Juvenal, der beim Treiben der Kühe mithalf. Als er mich und meine Kamera entdeckte, war die Freude groß. Gleich mal nett rüber gewunken, wir wollen ja nicht so sein.

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Das Rodeo wurde noch von zwei Unfällen überschattet und nachher habe ich dann noch erfahren, dass es bereits schon an den Tagen zuvor kleinere Unfälle gegeben hat. Aber bei der Schnelligkeit und wie die Tiere hier eigentlich gegen ihrer Natur für einen Sport verwendet werden, passiert das sicherlich des Öfteren. Ich kann schon verstehen, dass einige diesem Sport eher kritisch gegenüber stehen. Teilweise versuchen sich die Kühe und Stiere mit einem Sprung über die Bande zu retten, auch für die Zuschauer sehr gefährlich.

Dann trafen wir auf Meret und Rambo, die ebenfalls zum Zuschauen nach Pichasca gekommen waren. Wenn wir das mal eher gewusst hätten. Allerdings wollten sie auf ihrer Camionetta übernachten und konnten uns nicht mit zurück zur Hacienda nehmen. Sie luden uns ein mit zum Campingplatz zu kommen und an ihrem Asado teilzunehmen. Fleisch hatten sie genug dabei. Da sie selbst aber noch Feuer brauchten, gesellten wir uns zusammen zu den Freunden und der Familie von Jano und Juvenal. Rambo kümmerte sich um das Fleisch und Maraike und ich wärmten uns am Lagerfeuer auf. Inzwischen war es recht kalt und windig geworden und mein Pulli reichte dafür nicht aus. Rambo gab mir seine Jacke, sonst hätte ich mir sicherlich noch eine Erkältung eingefangen.

Dann ging es endlich auf den Baile. Jaime aus Vicuña wollte auch kommen und Maraike und mich dann mit zur Hacienda nehmen. Aber so ganz klar, war noch nicht, wann er kommen würde. Na, Hauptsache er kommt überhaupt.

Schnell ein Ticket für den Baile gelöst und auf in die Menge. Bis wir einen Tisch hatten dauerte es einen Moment. Und nur kurze Zeit später ging es schon auf die Tanzfläche. Wir schauten nach bekannten Gesichtern, doch von Juvenal fehlte zunächst jede Spur. Aber es waren auch so viele Leute und dann noch so viele Huasos, da sieht man schon mal den Wald vor lauter Bäumen nicht. Dann entdeckten wir Jano und ein paar der Freunde, allerdings standen sie fast direkt an den Boxen neben der Bühne, das war uns dann doch zu laut.

Knapp 3000 Leute

Jaime meldete sich dann irgendwann, kam aber zunächst nicht rein. Dann verkündete er die “frohe Botschaft” des Abends: sein Cousin, mit dem er nach Pichasca gefahren war, musste seinen Bruder aus Ovalle abholen und somit war klar, früh kommen wir nicht zur Hacienda. Der Abend war für Maraike gelaufen. Sie hatte sich auf Jaime verlassen und war auch eigentlich nur aus diesem Grund bis zum Baile geblieben. Jetzt musste eine Alternative her. Meret hatte noch ein Ass im Ärmel: Fernando, der Lechuga genannt wird, aus Serón! Nur war da auch noch nicht klar, wann er fahren würde. Inzwischen war Juvenal aufgetaucht und als er mich sah, kam er direkt angelaufen und forderte mich zum Tanzen auf. Danach hatte ich dann keine Chance mehr und irgendwie hatte ich das Gefühl, dass alle um uns herum mehr wussten, als ich. Zumindest wurde mir von allen Seiten freundlich zugenickt. Habe ich da etwa irgendwas verpasst?? Anscheinend bin ich echt schon eine Bekanntheit im näheren Umkreis. Wie komme ich da jetzt wieder raus? 😇

Maraike wollte dann gerne zur Hacienda und wir suchten nach Lechuga, denn der Cousin von Jaime war immer noch nicht aufgetaucht. Aber auch Lechuga wollte noch nicht wirklich fahren. Inzwischen lagen die Nerven schon blank, Juvenal fragte inzwischen schon bei einem Bekannten nach und dann plötzlich meinte Lechuga, dass er fahren würde – Männer!

Juvenal begleitete uns noch zum Parkplatz und dann verabschiedeten wir uns – “Nos vemos” – wann auch immer das sein wird.

Die Fahrt zur Hacienda war ein weiteres Abenteuer. Lechuga hatte einiges getrunken und fuhr entsprechend langsam. Dann versuchte er noch witzig zu sein und meinte er würde nur bis Serón fahren und dann müssten wir schauen, wie wir zur Hacienda kommen. Aber für Späße waren wir nicht mehr zu haben. Maraike sagte schon gar nichts mehr und als er dann meinte “una broma” – war ich kurz erleichtert. Denn nachts von Serón zur Hacienda zu laufen, das wäre noch die Krönung gewesen. Gegen halb 6 waren erreichten wir dann endlich die Hacienda. Schnell ab ins Bett. Gut, dass ich am Sonntag Spätschicht hatte, so konnte ich wenigstens ein paar Stunden mehr schlafen.

Mittags hörte ich dann wie Steffi und Kathi Richtung Straße zum Bus gingen, denn heute war ihr freier Tag und gemeinsam mit unserem Gast Elke fuhren sie dann zum Rodeo. Ich machte mich für die Arbeit fertig, machte mir ein Katerfrühstück und dann ging es an die Arbeit. Maraike hatte es morgens nicht ganz pünktlich zur Arbeit geschafft, der Körper war von den zwei kurzen Nächten wohl sehr müde gewesen. Da wir einige Gäste hatten, hatte ich einiges zu tun und war froh, als ich abends dann das Büro und die Küche schließen konnte. Die Mädels und unser Gast waren gegen 20 Uhr wieder an der Hacienda und berichteten von interessanten Vorführungen, unter anderem Cueca mit Pferden und einer Parade. Das hätte ich ha schon gern live gesehen, aber man kann halt leider nicht alles haben.

Jetzt sind es nur noch gut 9 Tage bis ich dir Hacienda verlasse. Wenn möglich werde ich mir dann noch Vicuña und Pisco de Elqui anschauen. Vielleicht kann Katharina mich ja dorthin fahren. Aber am gleichen Tag wird auch die neue Praktikantin direkt aus La Serena abgeholt. Da muss ich mal abklären, ob sie vielleicht über Vicuña fahren könnten.

 

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