Auszeit – Chile – Woche 26

Katharina hatte mich in der Woche zuvor gefragt, ob ich nicht auf die 4×4 Tour nach Maitenes mitkommen möchte. Da sage ich natürlich nicht nein! 😊 Und am Montag-Nachmittag ging es dann mit der Camionetta der Hacienda auf Richtung Maitenes. Zuvor begann die Woche mit einer Frühschicht für mich und da wir am Wochenende ein paar mehr Gäste bei uns gehabt hatten, gab es natürlich jede Menge Wäsche, die zwar bereits gewaschen war, aber auch teilweise noch gebügelt werden musste. Während der Spätschicht am Sonntag hatte ich bereits einen Teil erledigt, jetzt folgte also der zweite Streich. Meine Lieblingsbeschäftigung, nicht! Aber, watt mutt, datt mutt! Macht sich ja leider nicht von alleine – die blöde Wäsche! ☹ Aber so schnell kam ich bei meiner Schicht nicht aus dem Bügeln raus. Zwischendurch mal ins Büro und die E-Mails checken, dann wieder zurück und das nächste Laken wartete schon auf mich. Katharina hatte mir zuvor nochmal gezeigt, wie man die Laken am besten bügeln kann, vielen Dank dafür! 😉 Dennoch brauchte ich für jedes Bettlaken mindestens 20 Minuten und für die Bezüge halb so viel Zeit – gefühlt kam ich aber null voran. Und dann war es draußen auch einfach noch unerträglich heiß. Was wünschte ich mir da eine Abkühlung herbei.

Katharina war noch nach Samo Alto zur Municipalidad gefahren, da sie dort noch etwas für die Hacienda klären musste. Gerade rechtzeitig zum Schichtende kam sie wieder zurück und wunderte sich, dass ich IMMER noch in der Wäsche-Bodega beim Bügeln war. Ja, ich kann mir einfach nichts Besseres vorstellen *hust* – nicht! War ich froh, als diese Schicht zu Ende war. Bevor die wilde Fahrt dann losging, noch schnell ein Snack-Paket geschnürt und noch eine kleine Portion Spaghetti verdrückt. Der Magen will gut gefüllt sein, oder lieber nicht? 😉
Dann ging es los, zunächst nach Serón, denn von dort führt dann die Straße weiter nach Maitenes. Die Strecke kannte ich bisher nur im Dunkeln, denn diese Strecke sind wir auch zum Baile zusammen mit Jaime gefahren. Bei Tag sieht es gleich ganz anders und interessanter aus. Erster Stopp an einer Klippe mit einer wundertollen Aussicht. Da mussten natürlich direkt Fotos geschossen werden. Meine Nikon hatte ich natürlich wieder im Gepäck, schließlich erwarteten mich bestimmt einige Motive, die man besser mit einer Spiegelreflexkamera aufnimmt. Dann ging es weiter nach Maitenes. Für die Strecke benötigt man ca. 30 Minuten. Es ging stetig bergauf, vorbei an der Dorfkirche und ein paar Wohnhäusern. Dann standen wir vor einer Abzweigung und es stellte sich die Frage – links oder rechts rum? Kurz die Unterlagen gecheckt und dann ging es rechts weiter in die Sierra.

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Meilenweit nichts außer Landschaft; Berge, Gegend und eine Straße. Mit Crossbikes und Quads kann man hier sicherlich auch seinen Spaß haben. Mir kam die Strecke allerdings bekannt vor, war ich hier nicht auch schon von Maitenes nach Las Breas geritten? Jawoll, richtig. An einer der nächsten abgehenden Straßen bogen wir dann rechts ab. Hier führt die Tour eigentlich zu einem Ziegenhirten. Wir machten noch einen kurzen Stopp an einem Kupferabbau, der aber zurzeit stillsteht. Die Preise in Chile sind derartig gesunken, dass man auch mit dem Abbau aufgehört hat. Hier konnte man also nun Kupfer in seiner reinsten Form sehen. Gleich mal ein paar kleine leuchtende Steine als Andenken mitgenommen. Hoffe das ist nicht verboten? Wir fuhren noch ein Stück weiter, da Katharina sichergehen wollte, welcher Weg danach zum Ziegenhirten führt. Dann wieder zurück auf die „Haupt“straße. Plötzlich, von jetzt auf gleich, lenkte sie den Wagen von der Straße runter und es ging auf eine erste 4×4 Strecke, einen kleinen Hügel hinauf. Der Turbo der Camionetta jaulte ordentlich auf. Das musste mit einem Video festgehalten werden. Mit einem voll besetzten Auto sicherlich auch noch eine Spur extremer. Weiter auf der Route fuhren wir durch eine karge, aber schöne Landschaft, passierten einige Höfe und immer wieder gab es grüne Weiden und Wiesen, inmitten der Halbwüste. Denn kleine Bäche oder Flussläufe waren wunderbarer Nährboden dafür.

Die Straße schlängelte sich weiter entlang der Berge und teilweise ruckelte es ordentlich. Mit einem normalen Auto sollte man hier gut überlegen, ob man die Strecke fahren will, eine entsprechende Bereifung ist auf jeden Fall notwendig. Dann tauchten wir zwischen kleinen Bergen in ein Niemandsland ein. Dies sollte auch die Region der Wildpferde sein. Aber zunächst waren weit und breit keine Pferde in Sicht. Dann entdeckte Katharina Hinterlassenschaften der Pferde, weit konnten sie also nicht sein. Dann plötzlich standen sie links von der Straße und schauten uns etwas verwundert an. Die ersten Wildpferde, die ich in der Natur zu sehen bekomme. Faszinierend. Schnell die Kamera gezückt und raus aus dem Wagen. Doch das war den Pferden nicht ganz geheuer und schnell entfernten sie sich weitere Meter. Gut, dass ich mein anderes Objektiv mitgenommen hatte. So konnte ich auch aus der Ferne ein paar Fotos schießen. Aber anscheinend war das nicht die komplette Herde, denn Katharina hatte hier bereits 30 Tiere zusammen gesehen. In dieser Gruppe war sogar ein Fohlen dabei. Schöne Tiere. Warum sie hier leben ist nicht genau überliefert. Vielleicht sind es Tiere, die frei gelassen worden sind. Denn auch das ist hier ziemlich üblich. Meret lässt zum Beispiele ihre Pferde auch frei, wenn sie wieder in die Schweiz für eine Saison fährt, um dort Geld zu verdienen. Spannend, denn die Tiere halten sich immer in einem bestimmten Radius auf und jeder kennt ihre Pferde, sodass sie schnell weiss, wo sie die Tiere wiederfinden kann. Bei der Weiterfahrt tauchten dann hinter der nächsten Kurve weitere Pferde, Mulis und Maultiere auf. Das war dann wohl der andere Teil der Herde. Aber ob das schon alle waren? Nach einer weiteren Fotosession ging die Fahrt weiter Richtung Pausenstopp.

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Vorbei an Bergen und Tälern, vereinzelte Bäume, die wohl auch Ziegen Schatten spenden und dann hatten wir einen herrlichen Ausblick entlang einiger großen Felsen und Klippen. Plötzlich ein Greifvogel direkt neben uns am Straßenrand auf einem Felsen. Leider hatte ich meine Kamera zu spät im Anschlag. Na, vielleicht bekomme ich ihn später nochmal vor die Linse. Unsere Camionetta parkten wir links vom Straßenrand und dann genossen wir die Aussicht, die sich uns bot. Unendliche Weiten, trotz der Berge. Wenn ich mir jetzt vorstelle, dass es noch viel höhere Berge hier gibt, schon ein Gefühl von Erhabenheit. Es tat auch gut endlich mal wieder „raus“ zu kommen, etwas anderes zu sehen und auch mal seine Gedanken sortieren zu können. Bei einer Zigarette plauderten wir über dieses und jenes, aber auch einfach mal die Stille genießen, die hier in den Anden einfach ganz anderes ist. Man hört hier nämlich auch ab und an einfach mal NICHTS. Dann kreiste der Greifvogel wieder über uns, doch auch dieses Mal hatte ich Mühe ihn gut vor die Linse zu bekommen. Ebenfalls die Sonne machte mir da einen Strich durch die Rechnung. Es sollte halt nicht sein. Aber wenigstens habe ich ihn ablichten können, wenn auch nicht perfekt. Ich muss halt auch echt noch üben.

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Weiter ging die wilde Fahrt, nun mehr und mehr abwärts und das in mehreren Serpentinen. Gleich mal versucht dies mittels Selfie-Cam festzuhalten. Für die ersten Versuche gar nicht mal so übel. Aber eine Go-Pro möchte ich mich jetzt dafür nicht extra zulegen. Dafür braucht mir das „Drum-Herum“ einfach zu viel Zeit. Wenn ich überlege, wie viel Zeit mich schon dieser Blog hier kostet. Aber ich mache es ja gerne. 😊 Die Sonne begann langsam zu sinken und tauchte die Berge in schöne Rottöne. Die Landschaft war mir wieder bekannt und schließlich trafen wir wieder auf die Hauptstraße, die von Pichasca aus ebenfalls zur Hacienda führt. Ein toller Nachmittag neigte sich dem Ende zu. Lange nicht mehr so viel Spaß gehabt. Da ich mein Snack-Pack nicht verzehrt hatte, hatte ich also ein Abendessen für mich noch im Gepäck. Gemütlich aufs Bett und den Tag bei einem Film ausklingen lassen – wunderbar.

Am nächsten Morgen ging es dann wieder zur Frühschicht. Diese Woche bestand fast komplett nur aus Frühschicht für mich. Da wir aktuell nur unseren Hobby-Astronomen zu Gast hatten, war die Frühschicht nicht ganz so stressig. Da kann man dann auch mal anderen Aufgaben nachgehen, die man während der Schicht sonst evtl. nicht schafft. Also mal wieder Gärtner gespielt und neben den Äpfeln gleich mal wieder das Unkraut gerupft. Die Blumenvasen mit frischen Blumen befüllt und geschaut, was sonst noch alles in der Küche aufgefüllt werden kann. Am Nachmittag hatte ich mich dann mit Tanja zum Reiten verabredet. Sie konnte so früher als zunächst vereinbart, da sie ihre Kinder doch bei ihrem Freund lassen konnte. Ihre Babysitterin hatte sich ebenfalls Magen-Darm eingefangen und lag damit nun schon ein paar Tage flach. Gut, dass ihr Freund nun aber die Kinder hüten konnte, so hatten wir freie Wahl beim Ausritt. Was lag da näher, als nach Hurtado zu reiten?! Die Idee hatte Tanja auch und so zogen wir erstmal los die Pferde zu holen. Gott sei Dank standen sie auf der Hälfte der Strecke auf der „Isla“, die Weide nah am Noodie Island. An der Weide angekommen, hatte sie ihre Pihuenche schnell am Halfter und ich schaute, welches Pferd sich denn von mir einfangen lassen wollte. Irgendwie zunächst keines. Dann erbarmte sich aber Coral doch noch und ich hatte ihn nach nur 5 Minuten schon im Halfter. Allerdings versuchte er zunächst sich hinter den anderen Pferden zu „verstecken“ – klappte leider nicht so ganz. Sehr gute Quote, denn sonst braucht man gut und gerne mal 15 Minuten bis man ihn hat. Schnell zurück zur Hacienda und die Pferde gesattelt. Unsere Route: entlang des Rivertrails bis zu den Weiden, von dort ab in die Berge und dann oberhalb des Tals Richtung Hurtado. Soweit, so gut!
Auf dem Weg trafen wir noch unseren Gärtner José, der gerade die anderen Pferde auf die große Weide gebracht hatte. Da waren wir ja vorher noch rechtzeitig an der Isla gewesen. Danach wollte mein lieber Coral plötzlich ganz schnell zu den anderen Pferden und aus einem Trab wurde von jetzt auf gleich ein Jagdgalopp. Er war nicht mehr zu zügeln und somit hieß es ducken und möglichst die Bewegungen mit dem Pferd machen. Der Schock war mir glaube ich auch anzusehen. Dann tauchte das geschlossene Gatter zur Weide auf und ich hoffte, dass Coral kein zweiter Chakay war und versuchen würde über das Gatter oder die Mauer daneben zu hopsen. Aber kurz vor dem Gatter kam er dann zum Stehen. Wieherte laut nach seinen Artgenossen und ich musste den Schock kurz verarbeiten. Damit hatte ich ja gar nicht gerechnet. Mir war zwar bekannt, dass die Strecke vor der Weide ab und an von den Mädels hier als Galoppstrecke genutzt wird, aber das Coral gleich so durchstarten würde?! 😮 Nochmal passiert mir das hier aber nicht. Über die Weiden zum nächsten Gatter. Die anderen Pferde wären zu gern mitgekommen, ich konnte sie aber davon abhalten und verschloss das Gatter sicher. Nicht dass Chakay wieder einen seiner Ausbruchkünste zeigt. Dann steil den Berg hinauf und oben angekommen, war die Hektik von kurz zuvor schon fast wieder passé. Träge bewegte sich Coral den Berg hinauf. Na, Pulver schon verschossen? 😉
Tanja ritt voraus und wir kamen mit der Zeit ins Gespräch, über ihre Zeit auf der Hacienda und ihr Leben nun in Chile. Sie lebt mit einem Ziegenbauern zusammen, hat mit ihm zwei Kinder und scheint sehr glücklich zu sein, neben den Alltagslasten, die ja irgendwie jeder von uns hat. Bevor wir eine Pause am Fluss einlegten, mussten wir die Pferde erstmal behutsam über die klapprigen Holzbrücken führen. So ganz sicher fühlten sich beide Pferde nicht. Tanja hatte so ihre Probleme ihre Pihuenche davon zu überzeugen, dass man die Brücke ohne Probleme passieren kann. Also ging ich mir Coral voraus, der auch erstmal skeptisch war, mir aber dann vertrauensvoll folgte. Ein Verschnaufspäuschen am Fluss. Hier könnte man auch wunderbar baden gehen, denn aktuell führt der Fluss hier nicht allzu viel Wasser, denn alle nutzen das Wasser gerade um ihr Land zu Wässern.

Dann ging es weiter Richtung Hurtado, am Agro-Camping vorbei und dann bergauf. Ein perfekter Weg, um die Pferde nochmal galoppieren zu lassen, Gesagt, getan. Tanja startete und da ließ sich Coral nicht lange bitten und lief was seine Hufe hergaben. Aber man merkte zum Ende der Strecke, dass er schon ziemlich aus der Puste war und schließlich ging er in den Trab über. Gut so, dann ist er vielleicht schon ausgepowert und tänzelt mir nicht auf dem Rückweg die ganze Zeit unter dem Sattel. Da ich mir gerne noch die Kirche von Hurtado anschauen wollte, ritten wir noch ins Dorf hinein. Am Hauptplatz angekommen, wollten beide Pferde nicht mehr Vorwärts gehen. Warum denn das? Weit und breit kein Auto oder ähnliches. Ein paar Menschen kreuzten mal unseren Weg, das war es dann aber auch. Dann hörte ich die Fähnchen im Wind flattern. Über die Straße waren bunte Wimpelbänder gespannt und der Wind ließ sie flattern. Also, wieder mal absteigen und die Pferde behutsam drunter herführen. Dabei waren die Bänder sehr weit oben und die Pferde konnten sie nicht berühren. Mit ein paar Stopps gelang es uns schließlich die Pferde zur Kirche zu führen. Tanja wartete draußen auf einer Bank und ich traute mich in die „unheimliche“ Kirche. Kaputte Wände, löchrige Decke und es knarzte an jeder Ecke. Dann entdeckte ich die Särge unterhalb einer Treppe, die zum Dachstuhl führte. Die warten wohl nur darauf befüllt zu werden?! Gruselig. Die Treppe hätte man vielleicht auch noch rauf gehen können, aber weiter oben im Dachstuhl ebenfalls Dielen fehlten, unterließ ich diesen Versuch. Die Kirche machte den Eindruck, als wenn sie beim nächsten größere Beben in sich zusammenfallen würde, aber noch steht sie.

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Gerne hätten wir in Hurtado noch etwas getrunken und gegessen, aber ohne Pesos, eher schwierig. Dann müssen wir wohl nochmal herkommen, denn in einer kleinen Bar soll es hier wunderbares Essen und „Dulces“ geben. Das darf ich natürlich nicht unprobiert lassen. 😉 Wir vereinbarten ein erneutes Treffen, dann kommt auch eine Freundin von Tanja zu Besuch und der wollte sie Hurtado eh zeigen.
Über die Hauptstraße ging es dann zurück zur Hacienda. Eine aufregende Sache, denn die Chilenen sind hier nicht gerade bekannt vorsichtig zu fahren. Dann kam noch ein Bus um die Ecke und Coral war das Geräusch des Motors anscheinend total fremd und begeistert war er von dem Gefährt so überhaupt nicht. Gut, dass er kurz stoppte und uns vorbeireiten ließ. Auf dem Weg zurück liegt auch das Haus von Rosa, unserer guten Seele der Hacienda. Vielleicht hat sie ja eine Empanada für uns? Das Glück war uns leider nicht holt, denn sie war leider nicht zu Hause. Wir trafen ihre Tochter Karina an, die uns aber ein Glas Saft anbot. Genau richtig. Tanja unterhielt sich kurz mit ihr und dann machten wir uns wieder auf den Weg, schließlich wollten wir auch wieder auf der Hacienda ankommen. Die Straße wurde breiter und dann passierte das, was ich von Coral schon gewöhnt war. Er fing wieder an auf der Stelle zu tippeln. Da wollte wohl jemand schnell nach Hause? Er legte einen weiteren Gang ein und es war anstrengend ihn im Zaum zu halten. Gut, dass ich mein Reithandschuhe angezogen hatte. Die dicken Zügel brennen sonst mit der Zeit an den Händen. Und da meine Hände eh schon vom ganzen Abwasch etwas in Mitleidenschaft gezogen sind, passe ich da lieber auf.

Entlang des Rückwegs. Ein Steinmetz bietet hier seine Werke an.

Kurz vor der Hacienda ging es dann wieder ab durch den Fluss. Ebenfalls eine kleine Abkühlung für die müden Pferdebeine. Ein letzter Abschluss-Galopp zur Hacienda und Pihuenche zeigte Coral sogleich mal, was sie davon hält, wenn man ihr zu nah auf die Pelle rückt. Ein kurzer Tritt und Coral war klar, da halte ich lieber Abstand. Schnell die Pferde abgesattelt und wieder zurück zur Weide. Das war genug Sport für den Tag. Das Abendessen hatten wir uns verdient. Zum Glück war genug für beide übrig. Leckeren Quinoa-Salat und eine Zucchini-Suppe. Die Mädels leisteten uns noch Gesellschaft. Ein schöner aber auch anstrengender Tag ging zu Ende.

Nach der Frühschicht am nächsten Tag hatte ich mich mit Iso verabredet. Endlich mal zum Fluß und eine Abkühlung von der Hitze nehmen. Katharina hatte ebenfalls Frühschicht und gesellte sich noch zu uns. Wir trafen uns vor der Einfahrt zur Hacienda und Iso brachte noch ihren Sohn mit. Der Kleine muss schon sehr tapfer sein. Er hat Probleme mit seiner Leber und muss daher ständig Medikamente nehmen und alle paar Wochen nach Santiago. Im Mai dieses Jahres wird Iso einen Teil ihrer Leber für ihn spenden, damit er hoffentlich schnell wieder gesund wird. Da drücke ich natürlich alle Daumen und hoffe, dass ihm die Transplantation helfen wird. Aufgrund eines Zugangs, der nach Außen gelegt wurde, kann er leider nicht schwimmen gehen und freut sich, wenn er dann wenigstens mal Planschen kann. Ein Schiff an einer Schnurr, dass er ins Wasser werfen konnte und ebenfalls Steine im Fluß versenken machten ihm schon mal riesig Spaß. Das zeigt mal wieder, wie wichtig Kleinigkeiten sein können. Und wir wollen alle immer weiter, höher und schneller sein.. total unnötig!

Da wir Reitgäste für die nächsten Tage erwarteten und eine Besprechung für 18 Uhr angesetzt war, ging es nach 2 Stunden wieder zur Hacienda zurück. Aber eine kleine Auszeit und mal auf andere Gedanken kommen, absolut notwendig. Nur David wollte so gar nicht nach Hause und wäre gerne mit auf die Hacienda gekommen. Aber dafür war leider keine Zeit. Das tat uns zwar im Herzen weh, aber er musste auch seine Medikamente nehmen und das hat natürlich Vorrang. Am nächsten Tag ging es dann für Steffi auf ihre erste Mehrtagestour. Mit Sack und Pack startete die Truppe um 10 Uhr. Ein Pärchen aus der Schweiz hatte „Andean Wilderness“ gebucht, eine 2-Tages-Reittour mit Übernachtung in Maitenes. Ich war gespannt, wie Steffi sich mich Rene verständigen würde. Aber inzwischen wusste er, dass er sich sprachlich etwas „anpassen“ muss, damit wir ihn auch verstehen. Und sie nahm etwas mit, was ich auch hätte mitnehmen sollen – ihre Hängematte! Statt in einem Zelt auf dem harten Boden zu schlafen, ist es wahrscheinlich eine viel bequemere Alternative. Der riesige Feigenbaum auf dem Hof bietet da den perfekten Platz.

Kurz danach startet Katharina mit einer einer Gold-Digger Tagestour. Ich hielt die Stellung bei der Frühschicht und Maraike kümmerte sich somit um die Spätschicht. Der Nachmittag musste dann für den Blog genutzt werden. Der Beitrag war noch nicht fertig und die Fotos mussten auch noch hinzugefügt werden. Schon eine Menge Arbeit. Und ich frage mich inzwischen schon, ob ich das Schreiben nicht reduzieren sollte und doch eher auf 2-Wochen Basis umstellen sollte. Denn oftmals fehlt mir die Zeit, um täglich zu dokumentieren und dann noch die Bilder entsprechend zu sichten, zu bearbeiten und hinzuzufügen. Wenn ich dann wieder auf Reise bin, lässt sich das vielleicht einfacher umsetzen. Wobei ich dann auch eine stabile Internetverbindung benötige und das W-Lan hier lässt oftmals zu wünschen übrig. So hatte ich dieses Mal richtige Probleme die Fotos in den Beitrag einzufügen. WordPress verlor immer wieder die Verbindung zum Server und ich konnte Änderungen nicht speichern und musste immer wieder Warten. Das nervt dann natürlich noch zusätzlich und irgendwann verliert man die Lust vielleicht auch gänzlich. Gerade auch, weil ich nicht gerade die geduldigste Person auf Erden bin. Dann eben den Reiseführer für Argentinien schon mal nach möglichen Zielen durchsuchen. Ein paar Markierungen habe ich mir schon mal gesetzt. In Buenos Aires wird es umso schwieriger alles, was sehenswert ist auch wirklich zu Gesicht zu bekommen. Aber ich hoffe auf Tipps von Locals und Couchsurfern. Ein paar Kontakte habe ich auch dahin schon geknüpft.

Auf Empfehlung von ehemaligen Gästen der Hacienda habe ich eine Estanzia ausfindig gemacht, auf dem die Gäste das Leben der Gauchos hautnah miterleben können. Sogar Viehtrieb kann man knapp dort mitmachen. Elke hatte mir den Namen genannt, also gleich mal einen Text auf Spanisch verfasst und angefragt, ob die Möglichkeit besteht, dass ich bei Ihnen für 1-2 Wochen auf der Estancia aushelfen kann. Bei meiner Recherche im Internet bin ich noch auf eine weitere Estanzia im Süden gestoßen, die ebenfalls Gäste empfängt, also ebenfalls mal kontaktiert. Mal sehen, ob und was sie antworten. Ansonsten werde ich nach der Comunidad in der La Pampa Region eben nur noch Reisen. Dann sind es ja wahrscheinlich auch nur noch knapp 2 Wochen und da schaue ich mir vielleicht lieber das Land an. Im Lonely Planet Reiseführer wurde ich dann noch auf eine Stadt in der Nähe von Buenos Aires aufmerksam, San Antonio de Areco. Hier findet einmal im Jahr, leider im November, der „Dia de la Tradicion“ statt. Hätte ich das mal eher gewusst! Dann kommen alle Gauchos der Region dort zusammen und stellen ihr Können, ihr Pferde und ihre Kleidung zur Schau. Die Stadt beherbergt ebenfalls ein Museum zur argentinischen Gaucho-Kultur. Das sollte ich mir also auf jeden Fall anschauen. Und wenn ich das nächste Mal nach Südamerika fliege, plane ich die Reise so, dass ich dieses Fest besuchen kann. Bestimmt ein tolles Spektakel.

Seit ein paar Tagen quälen mich nun auch noch Zahnschmerzen. Ausgerechnet auch noch einer meiner Schneidezähne. Dabei ist mir nicht bewusst, dass ich mir beim Essen irgendwo was abgebrochen hätte, o.ä.. Es könnte natürlich auch sein, dass unterhalb an der Innenseite des Zahns sich Karies gebildet hat, aber sehen konnte ich nichts. Kein Loch, keine Verdunklung, nichts. Naja, aber der chilenische Süßkram enthält natürlich auch viel Zucker, das kann die Zähne mit Sicherheit gut angreifen. Aber falls es sich nicht bessert, muss ich dann wohl nach Ovalle fahren. Mir graut es allerdings davor, hier in Chile zu einem Zahnarzt zu gehen. Ich brauche ja wirklich einen „guten“ Zahnarzt. Denn wenn gebohrt werden muss, muss ich eine Betäubung haben, die den Schmerz auch wirklich betäubt. Unser Koch hatte dann eine Idee und einen Kontakt für mich. Wunderbar. Netterweise hat er direkt auch mal angerufen und für mich angefragt, allerdings ohne zuvor mit mir zu sprechen. Termine für Montag oder Mittwoch wären möglich. Natürlich je früher, desto besser. Also dann nochmal anrufen und da es inzwischen Freitagnachmittag war, war natürlich niemand mehr zu erreichen. ☹ Gut, dann wohl Montag früh nochmal anrufen. In der Hoffnung, dass ich dann noch einen Termin bekommen kann.

Während der Schicht konnte ich dann endlich meinen Blogbeitrag finalisieren und hochladen. Die Verbindung ist einfach besser an der Hacienda. Da wir inzwischen wieder mehr Gäste auf der Hacienda hatten, hatte ich während der Spätschicht gut zu tun. Maraike war wieder mit mir zusammen eingeteilt. Zu Zweit lässt sich die Spätschicht besser bewältigen, wenn man viele Gäste hat. Denn die Wäsche und die Arbeit im Büro bleibt sonst meist liegen, weil man es zeitlich einfach nicht schafft. Nächste Woche habe ich dann auch wieder ein paar mehr Spätschichten, teilweise aber auch alleine, mal sehen, ob ich da pünktlich Feierabend machen kann. Der Start ins Wochenende begann dann erstmal ohne Zahnschmerzen. Am Abend zuvor hatten mich die Schmerzen so sehr gequält, dass ich meine letzte Ibuprofen 400 akut nehmen musste. Die hatte ich mal nach einer Behandlung von meiner Zahnärztin bekommen und gut, dass ich sie noch aufbewahrt und mitgenommen hatte. Einige Hausmittelchen hatte ich inzwischen auch schon probiert, mit mehr oder weniger Erfolg:

  • Petersilie kauen (auf Empfehlung unseres Kochs); außer Schmerzen brachte mir das so gar nichts
  • Dann mal Tante Google befragt:
    > Kamillentee trinken oder damit spülen; lieber spülen, Kamillentee gehört ja so nicht zu meinen Favoriten, aber er kann durchaus helfen
    > Zwiebelsäckchen auflegen in der Nacht; naja, auf den Mund direkt dann, oder wie? Ich probierte eine Zwiebel einfach direkt auf dem Zahn, das half aber nicht so wirklich
    > Getrocknete Nelken zerkauen: DAS Mittel gegen Zahnschmerzen. Ich hätte es ja nicht gedacht. Die ersten Momente waren zwar noch schmerzerfüllt, aber dann wurden die Schmerzen plötzlich betäubt. Ebenfalls ein Teil meiner Lippe war taub. Das Nelken diese Wirkung haben, wusste ich zuvor auch nicht.

Also lief ich abends mit Nelke im Mund herum und der ein oder andere Kommentar von meinen lieben Kollegen ließ natürlich nicht lange auf sich warten. Aber wartet nur ab, bei der nächsten Gelegenheit…
Da Rosa auf dem Rodeo in El Chañar aushalf, hatte sie ihre Tochter für die Frühschicht auf die Hacienda geschickt. Karina hatte ich schon mal ein Praktikum absolviert und kannte sich somit perfekt aus. Ich half ihr noch bei den Vorbereitungen fürs Frühstück und machte mich danach gleich an die Vorbereitungen für die heutige Cabalagata, die ich endlich wieder begleiten durfte. Wieder ein Gold-Digger Trail, der wird einfach am häufigsten gebucht. Mag an den Stunden liegen, die man reitet, denn für die meisten reichen 3-Stunden zu Pferd. Für mich war wieder Coral mit von der Partie und gegen halb 11 starteten wir von der Hacienda aus. Rene war ebenfalls auf dem Rodeo in El Chañar und somit führte Katharina wieder die Tour an. Dieses Mal nahm ich die Strecke aber komplett anders wahr. Allerdings ritt ich sie ja auch erst zum 2. Mal. Der Anfang war mir natürlich noch bekannt, doch schon nach der Goldmine waren die Wege mir etwas fremd. Klar, die Umgebung kannte ich, aber ich hatte im Gefühl, dass wir beim ersten Mal anders geritten sind. Aber anscheinend war das schon die richtige Route. Schon interessant, wie sich die Wahrnehmung verändern kann. Gut, ich war die Tour natürlich ganz zu Anfang meines Aufenthalts hier geritten, da war ja eh noch alles neu und aufregend für mich. Jetzt nach gut 2 Monaten sieht die Welt anscheinend schon anders aus. 😊 Vergleicht man die Fotos, sieht man aber schon die Ähnlichkeiten, aber auch ein paar Unterschiede. Den Berg, wo Sönke damals die Fotos von uns gemacht hat, habe ich zum Beispiel bis zum Ende der Tour gesucht und einfach nicht mehr gefunden. Verirren möchte ich mich hier auf jeden Fall nicht!

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Auf der Tour hatten wir dieses Mal 4 Gäste dabei. Ein chilenisches Paar, die letztes Jahr wohl schon mal zu Gast gewesen sind und ein chilenisch-deutsches Pärchen, dass in Deutschland lebt. Maria ist Chilenin und lebt nun mit ihrem Mann in Deutschland. Besucht gerade ihre Familie und hat ihre Mutter gleich mal mit zur Hacienda genommen, damit sie auch mal einen kleinen Urlaub hat. Eigentlich wollte sie nur für das Studium nach Deutschland, aber die Liebe hat sie dann doch dort gehalten. Die Hacienda hat sie von ihrem Bruder empfohlen bekommen. Er war hier wohl campen und total begeistert. Ja, Mund zu Mund Propaganda funktioniert hier eben auch. Trotz der aufkommenden Hitze war es eine tolle Tour und die Gäste waren begeistert. Es ist eben auch eine faszinierende Landschaft. Doch mich zieht es so langsam weiter. Schließlich gibt es auf der Welt noch viel zu entdecken und ich hoffe ich kann noch viele Möglichkeiten nutzen, um die Welt zu bereisen.

Zurück an der Hacienda waren wir dann gegen 14 Uhr. Schnell die Tiere abgesattelt und mit kühlem Wasser abgespritzt. Dann erstmal eine Runde im Corral wälzen lassen. Bevor die Pferde wieder auf die Weide gebracht wurden, noch schnell was Trinken und Elke kontaktiert. Da Katharina und ich uns gerne das Rodeo anschauen wollten, hatte Elke uns angeboten, uns dorthin zu fahren, Da wir aber noch keine Uhrzeit abgemacht hatten, rief ich sie schnell an. Ich kündigte uns für in ca. 1 – ½ Stunden zur Abfahrt an. Dann hieß es – 6 Pferde zurück zu Weide bringen. Ohje. Wie machen wir das jetzt am Geschicktesten? Katharina beschloss, dass wir am besten zurückreiten und die anderen Pferde zusammenführen. Okay, sie also auf Chakay und ich auf Pihuenche. Sie führte dann Princessa, Sirius und Curicana und ich hatte noch Coral im Schlepptau. Zurückreiten wollte ich ihn nicht, denn da kann er unter Umständen echt unausstehlich sein. Geführt am Strick ist er hingegen ganz handzahm. Gegen kurz vor 16 Uhr waren wir dann erst wieder an der Hacienda. Jetzt aber schnell. Ich eitle zu unserem Haus, denn Duschen wollte ich natürlich gerne noch, bevor es dann zum Rodeo ging. Gegen Viertel nach war ich dann abfahrbereit. Katharina musste aber nochmal ins Büro und ein paar Angelegenheiten regeln. Also wurde es (natürlich) später, als angekündigt. Elke versuchte noch Meret und Rambo zu erreichen, da die beiden ebenfalls zum Rodeo fahren wollten und uns hätten mitnehmen können. Da Meret aber nicht ans Telefon ging, fuhr Elke uns dann später doch noch zum Rodeo. El Chañar liegt ca. 11 km Richtung Norden hinter Hurtado. Mit dem Auto braucht man ca. 20 Minuten. Wie wir abends zurückkommen würden, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar. Aber es gab ja noch Meret und Rambo. Die trafen wir dann auch gleich eine kurze Zeit später auf dem Rodeo. Also viel später konnten sie nicht gefahren sein. Wir waren gerade rechtzeitig zu einem Wettkampf angekommen und unser Koch ritt auf einem Pferd eines Freundes. Dann ging es auch schon los. Ein Kommentator gab sein Bestes und zählte laut die Plus- und Minuspunkte auf. Wie genau die sich zusammensetzen ist uns noch nicht ganz klar. Aber zumindest treten die Reiter immer zu zweit an und müssen dann eine Kuh entsprechend treiben und gegen die Band stellen, richtig zum Stehen bringen. Die „Arena“ wird hier „Media Luna“ genannt, da sie wie ein Halbmond aussieht. Erst starten die Reiter im kleinen Bereich und danach geht es in den großen Bereich. Auf traditionelle Kleidung und Montur wird dabei viel Wert gelegt, ist quasi Pflicht. Leider auch die großen Sporen. Schon beim Hinsehen tut es einem selbst weh. Und auch die Kühe werden hier nicht unbedingt verschont. Zwar eine ganz andere Nummer, als beim Stierkampf in Spanien oder beim Rodeo in den USA, aber dennoch ein Stück weit brutal. Die Kühe werden vorher in einen engen Gang getrieben und wer nicht spurt, bekommt einen Schlag mit dem Stock. Nur was bringt es, die letzte Kuh zu verprügeln, wenn die erste Kuh sich nicht bewegt? Naja, „sin piensa“, die Chilenen! Aber die Rodeo-Pferde sind eine wahre Pracht. Tolle Farben und Staturen. Da kann ich schon verstehen, dass die Huasos viel auf ihre Tiere geben und man sich in das ein oder andere Pferd auch verlieben kann. 😉  Nach einer Pause gab es eine weitere Runde. Mit insgesamt 10 Paaren kann es dann schon mal länger dauern und die ein oder andere Kuh sucht nach Fluchtwegen. Unser Koch war leider in beiden Runden nicht sonderlich erfolgreich. Die Gewinner bekommen kleine Geschenke und die Anerkennung der anderen Huasos, die lautstark von der Tribüne rufen. Aber das Rodeo hier ist eher nur eine Übung. Das große in Pichasca hat da mehr Bedeutung. Ja, hier ist man mitten im Leben. Ein Glück, dass ich das hier erleben durfte!

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Am Abend fand natürlich auch ein Baile mit Live-Musik statt. Und das sogar unter dem Sternenhimmel. Könnte zur späteren Stunde etwas kalt werden. Zuvor wollten Meret und Rambo aber noch etwas essen und bevor wir alleine auf dem „noch“ leeren Baile sitzen, gesellten wir uns natürlich dazu. Dabei trafen wir noch auf Fernando, ein Freund von Meret und Rambo. Zusammen aßen es dann eine große Portion Pommes mit: Fleisch, Zwiebeln und Ei durcheinander. Komischen Geschmack haben die Chilenen. Danach zurück zum Baile. Inzwischen waren schon ein paar mehr Gäste da, aber den Eintritt von 3000 CLP wollten Meret und Rambo dann nicht mehr zahlen, da sie eh nicht mehr lange bleiben wollten. Ok, bleiben wir und hoffen, dass die anderen Mädels und Elke noch kommen, oder fahren wir erstmal wieder zurück zur Hacienda?! Es war noch nicht klar, wann und ob die Mädels noch kommen würden und ob wir dann auch später wieder zur Hacienda kommen würden? Ein Bus fährt hier ja nicht mehr. Gut, dann erstmal zurück. Die Mädels saßen mit Elke und Iso zusammen und nach kurzer Beratungszeit ging es dann doch wieder zusammen zum Baile nach El Chañar. Zwar hätten wir auch nach Morrillos oder Seròn fahren können, aber ein Baile unter freiem Himmel und mit richtigen Huasos war einfach mal was anderes. Elke war wieder unserer Fahrerin. Auf dem Baile war allerdings immer noch nicht viel los. Ob das noch was wird? Hätten wir doch auf einen der anderen fahren sollen? Nach und nach begannen die Gäste dann zu tanzen und auch wieder wurden dann irgendwann mal nach und nach aufgefordert. Irgendwann machte sich Elke dann wieder auf dem Heimweg. Sie war noch ziemlich geschafft von der Rückreise aus San Pedro, dort hatte sie wieder ihre Bekannte besucht. Wie wir wieder zur Hacienda kommen würden, war dann wieder offen. Aber da Iso noch dabei war, hatten wir Hoffnungen, dass ihr Vater uns vielleicht abholen würde.

Je später der Abend, desto tanzfreudiger die Gäste und dann kam ich nicht mehr aus dem Tanzen raus. Selbst die jungen Chilenen trauen sich an uns ran. Doch dann später, stand plötzlich einer der Brüder von Rene vor mir und forderte mich auf. Ok, dann mal los.. Cumbia, Cumbia.. und Cumbia. Und das dann den ganzen weiteren Abend, die ganze Nacht lang. Bei jedem 2. Tanz stand er wieder vor mir. Sagte mir irgendwann, dass er mich toll finden würde, ich hätte so schöne Augen … OMG! Ehrlich jetzt? Dachte ja, dass ich davon verschont bleiben würde. Aber lustig war es ja schon irgendwie. Er selbst ist auch ein richtiger Huaso, hat ein richtig schönes Pferd und nimmt an den Rodeos ebenfalls teil. Aber so ein Mann vom Berg? Ne, glaube das wäre jetzt nicht der richtige Typ. Und da merkt man die kulturellen Unterschiede schon extrem. Dann endlich war Abfahrt angesagt. Iso hatte ihren Vater gefragt und gegen ein kleines Entgelt brachte er uns dann auch zur Hacienda. Inzwischen war es dann schon 5 Uhr morgens! Ich landete erschöpft im Bett und war froh, dass ich am Sonntag Spätschicht hatte. Gegen 11 Uhr erwachte ich aus meinem nicht allzu guten Schlaf und versuchte langsam in den Tag zu starten. Die Spätschicht war, Gott sei Dank, nicht so stressig. Aber meine Zahnschmerzen machten sich wieder deutlich bemerkbar. Hoffentlich habe ich nächste Woche Glück in Ovalle und der Zahnarzt ist gut und kann mir helfen…

Achja, meinem Tattoo geht es inzwischen besser, bzw. es verheilt ganz gut. Wie Rosa so schön bemerkte; jetzt habe ich eben zwei alte Vögel auf meinem Arm. Irgendwie hat sie Recht. Aber so können sie wirklich nicht bleiben. Also gleich mal für Horror Tattoos in Deutschland angemeldet. Im Juni findet das Casting dann in Herten statt. Mal sehen, ob ich das Glück habe ein schönes „Cover up“ zu bekommen.

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