Auszeit – Chile – Woche 24

Die neue Woche begann zunächst unspektakulär. Ich hatte Spätschicht und da aktuell nur Astronomen zu Gast sind, war es tagsüber eher ruhig und man konnte sich anderen Dingen widmen. Und auf der Tafel standen einige Aufgaben parat. Somit machten Maraike und ich uns an die Arbeit den Comedor von Staub und Spinnweben zu befreien, die nicht unbedingt leicht zu erreichen sind. Ich beschloss dann gleich noch all die Gläser zu spülen und die Regale zu wischen, denn hier haette sich ordentlich Staub angesammelt. In der Küche war auch einiges zu säubern, doch im späteren Verlauf des Tages musste unser Koch natürlich auch das Essen für den Abend vorbereiten, der Rest musste dann also von der Frühschicht am nächsten Tag gemacht werden. Steffi wurde von Katharina währenddessen in alle „To-Do’s“ und „Gewusst wie“ eingewiesen. Wie auch bei meinen ersten Tagen war das natürlich alles sehr viel und sie hatte Bedenken, ob sie sich das alles merken kann und nicht viele Fehler macht. Ich versuchte sie da etwas zu beruhigen, denn am Anfang ist immer alles viel und nach und nach stellt sich dann die ein oder andere Routine ein und man weiss immer besser Bescheid. Und auch selbst wenn man mal einen Fehler macht, ist das auch völlig normal und in Ordnung, schließlich sind wir auch alle keine Maschinen. Direkt zu Beginn ihres Aufenthalts hatte Steffi Elke gefragt, ob wir auch mal eine Astronomie-Tour bekommen könnten und uns von ihr den Nachthimmel in Chile erklären lassen könnten. Und natürlich war das kein Problem und eines der ersten Highlights für sie war dann diese Tour. Mit allen Mädels zusammen ging es dann abends gegen 22:30h rauf zum Observatorium. Auf den letzten Metern hieß es dann Lampen aus und Rotlicht an. Die Stirnlampe die Elke mir vorher gegeben hatte, hatte auch rotes Licht. Ansonsten würde man den Astronomen unnötig die Aufnahmen zerstören und das muss ja nicht sein. Langsam gewöhnten sich die Augen an die Nacht und die Sterne wurden immer heller und sichtbarer. Schon ein besonderes Erlebnis die vielen Sterne, Nebel, Galaxien, Satelliten und Sternschnuppen am Himmel von Chile zu sehen. Wir bekamen die Möglichkeit, mittels eines Refraktor-Teleskopes, uns ein paar Sterne, Nebel und weitere Objekte im Universum näher anzuschauen. Ich weiss schon, warum es mich so fasziniert – weil es einfach unglaublich ist. Wie viele Jahrmillionen von Lichtjahren manche Sterne von der Erde entfernt sind und wir deren Licht sehen können und was für ein Unterschied das im Verhältnis der Erde zum Mond und zur Sonne ist.

Am nächsten Tag hatte ich wieder Spätschicht und da lohnte ein Besuch bei den Pferden. Schließlich wollte Einfangen geübt werden. Struppi begleitete mich mal wieder und so zogen wir aus zu einem ausgiebigen Spaziergang. Schon beim ersten Tor wurde ich allerdings stutzig – Warum ist es denn verschlossen? Normalerweise ist das erste Tor immer offen, jetzt war es aber mit einem Strick. Mhhh.. komisch, aber mehr dachte ich mir dann dabei auch nicht. Das nächste Gatter waren ebenfalls verschlossen. Waren die Pferde etwa näher als sonst? Aber bisher hatte ich keine Spur von Ihnen gesehen. Also ging es munter weiter Richtung der üblichen Weiden. Zwischendrin waren auch weitere Gatter verschlossen, somit ebenfalls wie gewohnt. Doch dann am Ende – war das Hauptgatter offen und nachdem ich ein paar Schritte weitergegangen war, stellte ich fest, dass auch keines der anderen Gatter verschlossen waren. Ja, wie jetzt? Wo sind sie denn nun? Etwa ganz am Anfang? Dann hatten sie sich aber gut versteckt. Also ging es retour und ich wählte einen anderen Weg, der oberhalb über weitere Weiden führt, doch auch dort war kein Pferd weit und breit zu sehen. Na hoffentlich sind sie nicht ausgebüchst? Hinter dem zweiten verschlossenen Gatter machte ich mich dann nochmal genauer auf Suche und plötzlich standen vor mir unsere Kuh, Curicana und Sirius. Da waren sie also tatsächlich auf dem ersten Stück oberhalb des Campingplatzes. Hätte mir ja auch mal jemand Vorher sagen können. Nach und nach tauchten dann auch die anderen Pferde auf. Auf dem Campingplatz traf ich auf Chakay, Princessa, Coral und Mula. Na, da haben die Jungs hier aber einiges zu säubern, bevor die nächste Camping Gäste kommen.

Dann versuchte ich mich auf der oberen Weide noch im Einfangen – allerdings ließ sich nur unsere Mula nach mehreren Streicheleinheiten das Halfter anlegen. Inzwischen war es auch schon Mittagszeit und drum wurde es Zeit für mich zurück zur Hacienda zu gehen. Dann schnell noch etwas gegessen und geduscht und ab zur Spätschicht.

Zum Ende der Spätschicht war dann noch etwas Zeit, sodass ich mich dem Putzplan für unser Haus widmen konnte. Denn jetzt, wo wir zu viert sind, will das alles gut organisiert sein. Die Bäder müssen geputzt, die Mülleimer geleert und der Boden gefegt und gewischt werden. In der Küche sollte sich jeder um seine Sachen kümmern, dann klappt’s auch mit dem Zusammenwohnen. Für mich ist das auch quasi das erste Mal – Leben in einer WG. Und es funktioniert soweit ganz gut. Vielleicht aber auch, weil ich weiss, dass es für eine begrenzte Zeit ist? Oder, es ist genau das, was ich brauche? Klar, man braucht auch irgendwie seine Privatsphäre, aber sobald ich meine Zimmertüre schließe, habe ich meinen Raum für mich und das ist vollkommen ausreichend. Allerdings fehlt mir dann doch ab und dann das „zusammen sein“ – das habe ich zwar mit den Mädels oben an der Hacienda, vor allen Dingen bei Abendessen, aber auch mal abends gemütlich auf der Couch zusammen zu sitzen und sich zu unterhalten, kommt hier eher selten vor.

Am nächsten Morgen ging es dann früh morgen um 8:30 Uhr zusammen mit Katharina mit dem Bus nach Ovalle. Vielleicht hat eine von uns am Ende des Tages ein Tattoo unter der Haut. Erster Anlaufpunkt war die „Feria“ in Ovalle. Die hatte ich dato ja noch nicht gesehen, da an den Tagen, an denen ich in Ovalle bisher war, ich entweder keine Zeit hatte oder der Markt nicht stattgefunden hat. Hier bekommt man alles; Schuhe, Haushaltswaren, Schmuck, Krimskrams, Klamotten, Spielzeug, Kosmetikartikel, Reitzubehör, aber auch Gemüse, Obst, Fisch, Gewürze, Nüsse und getrocknetes Obst uvm. – hier könnte man stundenlang durch die Gänge streifen und würde vielleicht zu dem einen oder anderen Kauf hingerissen werden. Und natürlich fallen auch wir hier wieder auf. Da preisen die Hombres ihr Gemüse natürlich besonders an. 😊 An einem Stand gab es dann auch (endlich) wieder meine „Mani Confitado“ – leckere Erdnüsse im Teigmantel, geröstet und das in verschiedenen Geschmacksrichtungen. Natürlich mussten wir erstmal probieren. Und dann war für mich klar – eine Tüte „Gemischtes“, bitte! 😉 (Die sollten mir später noch eine Wartezeit versüßen)

Nach der Feria ging es dann zu Fuß zur „Open Plaza“ – eine Einkaufsmall mitten in den Straßen von Ovalle. Ein Kontrast der besonderen Art, neben alten und eher herunter gekommenen Bauten tauchte ein großes Gebäude mit Parkplatz auf – modern und hell gestaltet. Ich bin immer wieder verblüfft, wie modern hier Neues gebaut werden kann, aber die Häuser meist sehr einfach sind und statt sie ordentlich zu sanieren, wird immer irgendwie gebastelt. Aber gut, wahrscheinlich können es sich die Bewohner meist nicht anders leisten. In der Mall angekommen, taucht man irgendwie in eine andere Welt ein – so, wie man es von den Einkaufszentren bei uns auch kennt, schön gestaltete Innenhöfe, große Geschäfte, Musik schallt durch die Gänge und sogar Langnese ist dort vertreten. Eigentlich wollte ich für mich noch nach einer langen schwarzen Hose oder Jeans schauen. Im Modegeschäft „Paris“, das in Chile so zahlreich vertreten ist, wie bei uns Karstadt oder Kaufhof, suchten Katharina und ich uns durch die Abteilungen und probierten sämtliche Hosen und Oberteile an, aber es wollte keines so richtig passen. Ich war schon fast in der Überlegung mir ein T-Shirt zu kaufen, was mir von den Farben und dem Motiv her sehr gefiel, aber nur, damit ich etwas kaufe? Ne, dann spar ich das Geld lieber für etwas, was ich wirklich brauche! Schöne Schuhe zum Beispiel. Eigentlich brauchte ich immer noch Schuhe, die ich mal zum Ausgehen anziehen kann. Aber wie so oft, wenn man etwas sucht, findet man es nicht. So sollte ich auch aus dieser Mall wieder ohne chique Schuhe verlassen – aber ein paar Nikes hatten es mir dann doch noch in einem Geschäft angetan. Die kann man sicherlich auch mal beim ein oder anderen Baile anziehen.

Dann ging es wieder retour Richtung Feria und auf dem Weg stoppten wir ein Collectivo, denn der Weg zum Tattoo-Shop war doch etwas weiter zu Fuß. An der Straße angekommen, mussten wir dann aber in die entgegengesetzte Richtung laufen, denn es schien eine Einbahnstraße zu sein und der Fahrer war weiter vorne abgebogen. Aber nach gut 5 Minuten waren wir am Ziel. Die Tätowierer wollten gerade zur Mittagspause aufbrechen. Wir erklärten kurz, dass wir über Iso auf ihn aufmerksam geworden sind und da er leider nur nachmittags Zeit hatte, hatte sich Iso entschlossen doch nicht mitzukommen (wie leider so oft) und jetzt mussten wir schauen, was denn da für uns machbar ist. Ich erklärte kurz, was ich haben möchte und wir verabredete uns für 15:30h, so hatten sie Zeit zum Mittagessen zu gehen und wir konnten noch durch die umliegenden Straßen und Läden ziehen. Kurz in eine kleine Halle, wo es angeblich auch Artesan/Kunst zu kaufen gibt, aber die meisten Läden hatten leider geschlossen, schien gerade Siesta zu sein. Da ich noch Geld abheben musste, ging es zum Hauptplatz in Ovalle und dort gibt es neben Essens und Getränkeständen eben auch ein paar Schmuckstände und Handwerkskunst zu kaufen. Dann fanden wir einen Stand der wunderschönen Silberschmuck verkaufte, ebenfalls auch Schmuck der Mapuche und Lapislazuli, der hier in Chile abgebaut wird. Ein optimales Andenken für mich und vielleicht findet sich ja hier auch ein Geschenk für eine sehr gute Freundin, die diese Woche noch Geburtstag hat. 😊 Da es so viele schöne Schmuckstücke gab, konnte ich mich zunächst nicht entscheiden und wir verbrachten gut 20 Minuten am Stand und die Verkäuferin bemühte sich sehr, damit sie auch ja einen Verkaufsabschluss erzielen kann. Schließlich entschied ich mich für ein schönes Armband und fand auch noch etwas für meine Freundin, hoffe sie freut sich darüber?! 😉

Dann mussten wir auch schon wieder zurück zum Tätowierer und er machte sich sogleich an den Entwurf für mich. Schließlich wurde es doch anders, als ich es mir zu Anfang vorgestellt und gedacht hatte. Eigentlich wollte ich nur fliegende Papageien, sozusagen als Paspartout haben deren Gefieder dann aber bunt ausläuft. Dann zeigte mir Manuel, so heisst der Tätowierer, seinen Entwurf und ich hatte mir zuvor schon überlegt, dass es dann nur zwei Papageien werden sollten, symbolisch für die Liebe, denn schließlich bleiben sie ein Leben lang zusammen. Dann ging es an die Positionierung und schließlich konnte er mit seiner Arbeit beginnen. Am Innenarm war noch alles recht erträglich, aber als es dann in die Elle ging und nach Außen, hatte ich schon gut Schmerzen auszuhalten. Die Outlines sind da meist der größere Schmerz. Wichtig war mir allerdings, dass die Outlines farbig sind und man im Endeffekt diese als solche nicht mehr erkennt, da sie mit Schattierungen versehen werden. Aber Manuel verwendete dann immer mehr Schwarz, was nicht mein Ansinnen war und ich versuchte ihm zu erklären, wie ich es gerne haben möchte. Da war sie wieder, die Sprachbarriere. Gut, dass ich Katharina dabei hatte, die wesentlich besser Spanisch spricht. Doch dann verwendete er fast gar kein Schwarz mehr und der zweite Papagei ähnelte nicht mehr wirklich einem Papagei. Aber gut, mal abwarten – sieht ja eigentlich ganz gut aus, aber dann fiel mir im Nachhinein auf, dass der zweite Papagei perspektivisch falsch gesetzt worden war. Das hatte ich bei der Positionierung gar nicht mehr bedacht. ☹ Irgendwas geht aber auch immer schief. Dann tickte die Uhr immer lauter, denn um 19 Uhr würde ja schließlich der letzte Bus Richtung Hacienda fahren. Um 18:35 beendet er dann sein Werk und nach einer schnellen Bezahlung ging es per Collective zur Alameda. Ich hatte mich noch gewundert, warum er keinen Zettel von mir ausgefüllt haben wollte, auch wegen der Hygiene-Bestimmungen und dass ich über die Risiken und Nebenwirkungen aufgeklärt bin. Aber gut, vielleicht so nicht notwendig? Obwohl, eigentlich schon.

An der Straßenecke, an der der Bus abfährt warteten schon einige Leute. Auch der andere Bus nach Pichasca stand schon parat. Aber unser Bus war noch nicht vor Ort. Eher ungewöhnlich. Und es wurde 19 Uhr – kein Bus in Sichtweite, 19:15 Uhr – einer der Busbegleiter versuchte wohl via Telefon etwas in Erfahrung zu bringen. Der andere Bus fuhr irgendwann ab, aber ohne Fahrgäste. Was wird denn jetzt? Die anderen Fahrgäste wurden auch langsam unruhig. 19:30 Uhr – wir suchten uns einen Platz etwas weiter hinten in der Straße, denn der Gestank aus Fisch und Ziegenkäse war nicht gut auszuhalten. Da wir keine andere Wahl hatten, als auf den Bus zu warten, beschloss ich ein paar meiner Erdnüsse zu naschen – so kann man sich die Wartezeit auch verkürzen. Schließlich um kurz vor Acht bog der Bus nach Pichasca wieder in die Straße und ich war verwundert, denn der andere, mir schon bekannte, Busbegleiter stieg aus. Fahren wir jetzt etwa alle mit  dem Bus? Ja, tatsächlich – alle rein in den kleinen Bus und wer zuletzt einstieg, musste eben stehen. Katharina und ich hatten Glück und konnten jeweils einen Sitzplatz ergattern. Dann ging die Fahrt also endlich um 20 Uhr los. Na toll, da hätten wir uns also gar nicht so beeilen müssen. Und vielleicht wäre dann ach ein zweiter Termin beim Tätowierer nicht notwendig gewesen – aber, wie so oft – Erstens kommt es anders und Zweitens, als man denkt!

Die Rückfahrt war zunächst nicht so angenehm, da der Platz in so einem Micro eben auch begrenzt ist und wenn dann noch Personen im kleinen Gang stehen…na, man kann es sich sicherlich vorstellen. Nach der ersten Stunde Fahrt war dann endlich mehr Platz im Bus und später konnten Katharine und ich uns auch wieder zusammensetzen. Die Fahrt glich wieder einer Kirmesattraktion, denn der Fahrer wollte natürlich etwas Zeit rausholen, mit einem vollen Bus nicht so einfach. Wir erreichten die Hacienda dann gegen 22 Uhr und waren froh, es endlich geschafft zu haben. Da ich noch nichts zu Abend gegessen hatte, entschied ich mich noch schnell ein paar Nudeln zu kochen und ab ins Bett. Denn am nächsten Tag stand für mich wieder Frühschicht auf dem Programm und da wollte ich einigermaßen fit sein. Jetzt hatte ich aber das Problem, auf der rechten Seite konnte ich mit dem Tattoo natürlich nicht schlafen – also wenn, dann links. Ohje, das kann ja was werden. Aber irgendwie schaffte ich es durch die Nacht und die Frühschicht war auch eher eine angenehme Schicht. Den Nachmittag nutze ich dann mal zum Entspannen und da ich mein Tattoo eh vor der Sonne schützen musste, blieb ich einfach mal im Haus. Die Zeit mal nutzen um mit Freunden und Familie zu schreiben, das neue Tattoo zu zeigen und sich mal zu sortieren. Der nächste Tag – erneut stand für mich die Frühschicht auf dem Plan. Und was macht man, wenn man soweit alles erledigt hat? Man probiert Neues aus – und so kam ich auf die Idee, selbst mal Pflaumeneis herzustellen. Aktuell sind diese massig in unserem Garten zu finden und Rosa stellt meist Saft oder Marmelade her. Also chefkoch.de befragt und schließlich ein machbares Rezept gefunden – ohne Eismaschine. Dazu kocht man die Pflaumen mit Zimt zusammen ein, schlägt zuvor Eier mit Zucker über dem Wasserbad schaumig und fügt beides zusammen, nachdem alles gut abgekühlt ist, d.h. dann etwa nach gut 2 Stunden. Schließlich noch steif geschlagene Sahne unter und dann ab ins Gefrierfach – für mindestens 4-6 Stunden. Das Eis testen wollte ich eh erst am nächsten Abend, denn dann stand wieder ein Asado auf dem Plan. Eigentlich wäre wir auch schon an diesem Abend zu einem anderen Asado eingeladen gewesen, da aber Elke leider nicht auf der Hacienda war und unser Koch sein Auto verkauft hatte, hätten wir eh keine Möglichkeit gehabt dorthin zu kommen.

Nach der Schicht machte ich mich dann zusammen mit Maraike auf zu den Pferden. Gleichzeitig hatte ich noch meine Hängematte im Gepäck, denn diese hatte ich bisher ja noch kein Mal benutzt und ein guter Platz muss noch gefunden werden. Am Campingplatz wird sich sicherlich eine Stelle finden. Da die Pferde immernoch im ersten Bereich standen, hatten wir keinen weiten Weg vor uns. Maraike fing für sich Ranjerita ein und ich hatte schließlich Pihuenche im Halfter. Nur wo steigen wir jetzt auf? Hier hatten wir bisher die Pferde ja noch nicht eingefangen. Dann fiel mit ein, dass oberhalb des zweiten Tores ein paar Steine lagen, dort konnte man mit Sicherheit gut aufsteigen. Dachte ich! Aber Pihuenche fand die Idee nicht so gut und so hatte ich einige Mühe, sie überhaupt in Position zu bekommen. Und wenn ich dann mal versucht war aufzusteigen, hatte sie gleich wieder genug Abstand hergestellt. Ok, dann anders. Inzwischen waren die anderen Pferde uns gefolgt und da wir hinter dem zweiten Tor über das Gelände reiten wollten, war es eh besser, wenn ich erst nach dem Tor aufsteige. Schließlich mussten wir zusehen, dass die Pferde uns nicht folgen. Aber da Ranjerita halt das Leittier ist, gestaltete es sich etwas schwierig und trotz guter Abschirmung hatten wir dann Chakay und Campesino, die die Gunst der Stunde nutzen und   richtigen Moment durchs Gatter huschten. Na, toll! Nehmen wir die jetzt mit, oder können wir sie auf dem nächsten Stück belassen? Erstmal noch ein weiteres Gatter geschlossen und dann der Versuch die beiden wieder zurück zu treiben. Ich war immer noch zu Fuß und Maraike saß zu Pferd. Sie nahm dann Pihuenche noch an die Hand und ich versuchte mich daran die Pferde zurück Richtung Gatter 2 zu treiben. Aber das wollte nicht so recht funktionieren. Schließlich hatten wir die Idee: Maraike reitet mit Ranjerita nochmal zurück vor das zweite Gatter und dann folgen die zwei ihr vielleicht. Aber auch das wollte nicht so recht funktionieren. Dann band ich also mein Pferd fest und versuchte Chakay und Campesino durch das offene Gatter 2 zu treiben. Maraike stellt sich mit Ranjerita als Blocker dahinter, sodass die anderen Pferde nicht auch noch konnten. Dann endlich den richtigen Moment abgepasst und die Herde war wieder zusammen. *puh* – nochmal Glück gehabt. Das zweite Gatter wieder ordentlich verschlossen, konnte es dann auch endlich losgehen. Wir ritten bis zum Ende des Gebietes, drehten noch eine Runde auf der Weide und machten uns dann wieder auf den Weg zurück. Bis dato alles entspannt. Dann plötzlich, einer der Zwischenweiden, nachdem ich absteigen musste, weil sich ein Strickende vom Halfter gelöst hatte, meinte Maraike – „Was machen die Pferde denn hier?“ – Oh nein, nicht wirklich, oder? Doch! ☹ Und wie bekommen wir sie jetzt gemeinsam von der Wiese runter? Runter von den Pferden und von zwei Seiten treiben – das funktionierte erstaunlich gut. Sich groß machen und laut rufen – schließlich hatten wir die Herde beisammen und konnten sie zumindest schon mal durch das nächste Gatter treiben. Aber unsere Tiere hier sind ja nicht blöd. Viele kleine Wege führen vom Hauptweg ab an den Fluß und auch auf die Weide, auf der unser Koch seine Pferde immer laufen lässt, wenn er seine freien Tage hat. Und natürlich war das Gatter dort auch offen. Also, ab durchs Gestrüpp und die Pferde erneut einsammeln. Schließlich hatten wir wieder alle beisammen, doch dann ergriff Mula nochmals die Flucht. Nein, nicht mit mir, meine Liebe! Ich lief ihr entgegen und konnte sie so wie retour treiben. Wir führten unsere Pferde das letzte Stück zum zweiten Gatter und jetzt musste der Trick vom Anfang nochmal her. Erst die Herdenführerin hinein und dann der Rest hoffentlich hinterher. Naja, klappte nicht so wirklich. Also doch wieder treiben – Maraike stellte sich auf den Weg, sodass sie nicht mehr ausweichen konnten und ich trieb sie oberhalb auf der Wiese zusammen und runter zum Gatter. Dabei wieder laut rufen und schon setzten sich alle in Bewegung. Pihuenche hatte ich zuvor festgebunden, sodass sie nicht auch noch flüchten konnte. Jetzt kam ich mir mal wie ein richtiges Cowgirl vor. Und leider hatte ich vor dem Ritt auch meinen kleinen Rucksack in die Bäume gehängt und vergessen das Smartphone mitzunehmen – das wären sicherlich tolle Fotos gewesen! Schon toll die Herde zusammen rennen zu sehen. 😊  Zum Abschluss der Tour ging es dann noch auf den Campingplatz. Kleine Abkühlung am Fluss und dann gleich mal einen schönen Platz für die Hängematte suchen. Struppi hatte noch seine dollen 5 Minuten und wetzte wie ein Bekloppter um uns rum. Schon ein kleiner Spinner. Er hat zwischendrin auch echt das Verhalten einer Katze – macht sogar einen Katzenbuckel, wenn er sich mal streckt und wenn er Grillen oder Echsen sieht, versucht er sie zu fangen. Ob er sich das bei Simba abgeschaut hat? Auf jeden Fall lustig anzusehen.

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Dann ging es wieder zurück zur Hacienda – langsam war auch Abendessenzeit. Unser Koch zauberte wieder etwas Leckeres und entspannt ging es in den Abend. Ich fragte die Mädels, ob wir nicht zusammen den Abend ausklingen lassen wollte und so trafen wir uns zum Karten spielen bei den Mädels im Haus. Jetzt kenne ich noch ein weiteres Spiel, was aber doch einige Zeit braucht, bis man es verstanden hat, denn es gibt einige Regeln und die behält man nicht unbedingt. Aber ein lustiges Spiel – „Shit head“.

Nur mein Tattoo machte mir etwas Sorgen. Es entwickelte sich nicht so, wie ich es bisher gewohnt war. Ich hatte auch ziemliche Schmerzen, wenn ich es mal aus Versehen berührte. Dabei behandelte ich es nicht anders, als auch schon das andere Chile Tattoo zuvor. Viel eincremen, nicht waschen und vor der Sonne schützen. Aber die Creme schien hier nicht zu helfen.

Da ich am nächsten Tag wieder Spätschicht hatte, entschlossen Steffi und ich uns zusammen zu den Pferden zu gehen und wieder mal das Einfangen zu üben und evtl. schaffen wir es dann auch nochmal eine Runde zu Reiten. Wir wurden früh am Morgen von einem Erdbeben aus den Schlaf geschüttelt. Während meiner Zeit hier habe ich ja schon ein paar kleine Erdbeben mitbekommen, aber das war schon anders. Gut 30 Sekunden lang wurde man durchgerüttelt – aber selbst das ist nur ein „Kleines“ gewesen. Dann erstmal Kaffee gegen den Schock. Nach einem kleinen Frühstück machten wir uns dann auf den Weg, an der Hacienda noch schnell Halfter und Hut mitgenommen und weiter ging`s. Leider waren die Pferde aber wieder ganz am Ende des Gebiets und Arbeiter hatten mal wieder den Fluß umgeleitet und einige Teile des Weges waren ordentlich überschwemmt. Selbst, wenn man einen Weg durchs Gestrüpp wählte, das Wasser was überall. Dann waren die Schuhe also nass – auf dem Rückweg mussten wir uns da etwas einfallen lassen. Bei den Pferden angekommen, hatte Steffi schnell einen guten Draht zu Curicana gefunden. Es dauerte keine 5 Minuten und sie hatte sie für sich gewonnen. Coral hatte mal wieder keine Lust und wendete sich schnellst  möglich von mir ab. Dann sah ich Sirius, der ganz entspannt in einiger Entfernung stand und keine Anstalten machte weg zu laufen. Gut, dann heute mal er? Ich näherte mich langsam und ruhig. Er schaute interessiert überlegte kurz, ob er die Flucht ergreifen wollte, blieb dann aber doch stehen. Mit Streicheleinheiten gewöhnten wir uns aneinander und schließlich konnte ich ihm das Halfter anlegen. Cool, so einfach kann das also sein. Jetzt nur noch einen Stein zum Aufsteigen finden. Der war nach kurzer Zeit gefunden und dann ritten wir über die offenen Weiden, Struppi natürlich wie immer an unserer Seite. Ich war früher nie wirklich ohne Sattel geritten und muss mich bei jedem Pferd erstmal dran gewöhnen, vor allen Dingen, weil einige der Pferde doch einen ziemlichen Senkrücken haben (leider). Und jedes Pferd reagiert ja auch wieder anders – aber schön ist es trotzdem. Hoffe ich kann bald mal wieder richtig ausreiten, denn wir dürfen hier leider als Aushilfen nur auf dem Gelände reiten und ich würde schon gerne mal nach Hurtado reiten, oder die nähere Umgebung erkunden und das geht zu Pferd einfach besser. Nach unserem kurzen Ausflug ging es dann wieder zurück, denn bevor es Schicht ging, wollte ich schon noch gern duschen und etwas essen. Abends stand zudem das Asado noch an und da wollte ich nicht nach der Schicht erst duschen und mich fertigmachen müssen. Dann stand aber noch das Problem des überschwemmten Weges vor uns. Einfache und schnelle Lösung – Schuhe aus und ab durchs Wasser. Ging super und war eine gute Erfrischung.

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An der Küche dann die Reste vom Vorabend mitgenommen und schnell zu unserem Haus. Dann gab es lecker Kartoffelbrei mmit Spiegelei – es fehlte nur noch Apfelmus, dann wäre es ein perfektes Mittagessen gewesen. Da Steffi den kompletten Tag frei hatte, verabschiedete ich mich dann zu meiner Spätschicht. Sie half Maraike dann bei den Vorbereitungen für das Asado und ich ging der gewohnten Arbeit nach. Eigentlich sollten abends noch Gäste kommen, zumindest hatten sie zuvor mit Katharina telefoniert und wollten sich nochmal melden – zwar klingelte das Telefon oft, doch es waren andere Gäste oder Interessenten. Und mein Spanisch wollte an diesem Tag auch so gar nicht funktionieren und so musste ich Luis bitten die Telefonate zu führen. Bei einer Buchung verguckten wir uns beide noch im Kalender, doch im Nachgang konnte die Buchung doch noch gerettet werden – Gott sei Dank! Nicht, dass aufgrund meines „Nicht-Verstehens“ Buchungen verloren gehen.

Gegen 21 Uhr schloß ich dann das Büro, den Comedor und die Küche ab. Das Frühstück war wie gewohnt vorbereitet, da ich aber am nächsten Tag auch Frühdienst hatte, was das nicht ganz schlimm, wenn etwas fehlt, kann an das schnell holen, schließlich hatten wir auch nur einen Frühstücksgast. Die anderen Astronomen aßen lieber gleich zu Mittag. Es fehlten noch ein paar Sachen für das Asado aus der Küche, das brachte ich den Mädels noch kurz vorbei, Katharina half mir dabei, und dann ging es doch erstmal noch ins Haus, denn die Jungs, die zum Asado eingeladen waren, meldeten schon an, dass sie wahrscheinlich erst gegen 22 Uhr da sein werden. Geladen war für 21 Uhr. Aber, in Chile ist es Gang und Gebe, dass man eine Stunde später erst erscheint. Also wird hier meist „früh“ eingeladen, so fängt man Wartezeiten ab. Dann nochmal Füße hoch für 30 Minuten und „chique“ machen für den Abend. Es stand auch noch im Raum, ob wir nicht noch zu einem Baile fahren, denn während des Sommers finden an den Wochenenden gleich mehrere in der Region statt. Aber da wäre ich eh raus gewesen, da ich am nächsten Morgen wieder früh raus musste und ich wusste, dass so ein Abend sehr lang werden kann und man erst „früh“ zu Hause ist. Ne, das brauchte ich an diesem Wochenende nicht. Gegen 22 Uhr machten Elke, Steffi und ich uns auf den Weg zum Haus der anderen Mädels und siehe da, wir waren (natürlich) die Ersten. Typisches Bild – alle Deutschen sind da, die Chilenen lassen auf sich warten. Iso wollte auch kommen, aber ob sie das wirklich tut? Naja, sie wusste, dass wir wegen der Tattoo-Aktion nicht gut auf sie zu sprechen waren. Gegen 22:30h tauchte zunächst unser Koch auf, der konnte sich gleich ums Fleisch kümmern und dann endlich kurz vor 23 Uhr tauchte der Rest der Bande auf, inklusive Iso. Na, schau mal einer an – geht ja doch. Das Fleisch war inzwischen auf dem Grill und wir unterhielten uns in gemütlicher Runde über dies und jenes. Gegessen wurde dann gegen kurz vor 0 Uhr – aber das ist hier eben so. Das Fleisch war wie immer sehr gut und auch die Salate, die die Mädels zubereitet hatten, waren sehr lecker. Dazu gab es wieder die super Knofi-Butter von Katharina, danach möchte dich garantiert niemand mehr küssen 😉. Als Nachtisch hatte ich ein Teil des leckeren Pflaumen-Eises beigesteuert und ich muss sagen, für mein erstes Eis ist es echt gut geworden 😊

Inzwischen war es nach 1 Uhr und die Überlegung war nun – Baile oder nicht? Erstmal wurden die Karten zum Spielen wieder ausgepackt und Steffi wollte ihr Spiel gern den Chilenen beibringen. Katharina als Übersetzerin und siehe da, es funktionierte recht gut. Nach 2 Spielen hatten dann aber alle genug und ich merkte, dass ich so langsam in mein Bettchen musste, schließlich muss ich für die Frühschicht auch früh raus und die Uhr zeigte inzwischen schon 2:45 Uhr an. Ohje, eigentlich schon viel zu spät. Aber gut, kommt ja nicht so oft vor. Zusammen mit Elke machte ich mich dann auf den Weg zurück. In den Schlaf wollte ich zunächst nicht recht finden, doch irgendwann war die Entspannung da und ich konnte endlich schlafen. Die Nacht war natürlich viel zu kurz und ich musste ich schon sehr dazu zwingen aufzustehen. Zudem hatte Paty noch 8 Personen zum Mittagessen angekündigt und diese hatten auch noch besondere Wünsche. Wahrscheinlich hatte sie dies mit ihnen schon so besprochen?! Auf jeden Fall mussten Papas Majo und Ensalada Chilena vorbereitet werden und unser Koch hatte am Abend zuvor schon das Fleisch aus dem Gefrierschrank genommen und vorbereitet. Die Schicht an sich lief sehr gut und Rosa bereitete schließlich die Salate vor, da unsere Köchin erst um 13:30 Uhr zum Dienst erscheint und die Familie sich ebenfalls für diese Zeit angekündigt hatte. Eine Stunde drauf war sowieso mitberechnet, aber sicher ist eben sicher. Ich begann nach Abbau des „Astronomen“-Frühstücks, welches auf der Hacienda dann bis 12:30 Uhr geht, direkt damit den Tisch für die Gäste vorzubereiten, dekorierte noch schön ein paar Blumen dazu und fertig. Die Gäste konnten kommen. Es wurde 13:30 Uhr und Iso stand bereit. Es wurde 14 Uhr – noch keine Gäste weit und breit. Dann tauchten Steffi und Katharina auf, die die Spätschicht zusammen machten und um 14:30 Uhr war für Maraike und mich dann Schichtende – und immer noch keine Gäste in Sicht. Inzwischen war Elke auch wieder im Hause, sie hatte unseren Koch zu seinen Eltern gebracht, denn er hatte sein Auto verkauft und war auf ihre Hilfe somit angewiesen. Wir scherzetn schon darüber, dass sie ja wahrscheinlich, wie Chilenen halt so sind, erst spät auftauchen werden, vielleicht so um 15 Uhr? Und ich meinte dann noch – „Falls Sie überhaupt auftauchen?“ – Denn das kann durchaus auch passieren und außer Paty hatte niemand mit ihnen gesprochen und es gab auch keine Telefonnummer unter der man sie eventuell erreichen konnte. Ich verschwand in meinen Feierabend und nutzte die Zeit mal wieder für Wäsche waschen und einem ausgiebigen Telefonat mit meiner lieben Christina. Sie hatte am Samstag Geburtstags gefeiert, ihren 30sten und da ich leider nicht dabei sein konnte, hatten wir uns zu einem Skype-Gespräch verabredet. Vor einem Monat hatten wir anlässlich meines Geburtstages gesprochen und jetzt war sie dran 😊. Tut gut, mal wieder mit jemandem zu reden, der einem vertraut ist! Danach ging es wieder rauf zus Hacienda, denn es war langsam Zeit für das Abendessen und es interessierte mich natürlich, ob die Gäste denn nun zum Mittagessen da gewesen sind. Elke traf ich zuvor im Haus und sie hatte die Botschaft schon parat – nein, sie waren nicht gekommen. Da war unsere Arbeit also wahrlich für die Katz gewesen? Tja, so kann es eben auch kommen, vor allen Dingen in Chile. Aber so hatten wir ein super Abendessen, aber ich kann jetzt eigentlich erstmal die nächsten Tage kein Fleisch mehr sehen, da muss ich dann wohl auf Obst und Gemüse umsteigen und mal wieder etwas mehr Vollwertkost essen. Fleisch – das kann ein paar Tage warten.

Mein Tattoo entwickelte sich eher schlecht statt recht und so langsam mache ich mir da echt Sorgen. Gleich mal den Tätowierer angeschrieben und Fotos mitgeschickt. Er war der Meinung es würde wohl an der Creme oder gar der Sonne liegen. Dabei habe ich bei meinem ersten chilenischen Tattoo nichts anders gemacht. Vielleicht liegt es an der Farbe?! Iso wird mir ihre Creme am Montag mitbringen, hoffen wir mal, dass ich es damit in den Griff bekomme, aber so wie sich das jetzt schon zeigt, wird es ordentliche Narben geben…

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