Auszeit – Chile – Woche 20

Maraike hatte sich eine Mandelentzündung eingefangen und lag nun schon seit Samstag flach. Elke war mit ihr zunächst zum Pasto in Serón gefahren – dem medizinischen Dienst. Die Medikamente die sie allerdings brauchte, kann nur durch einen richtigen Arzt verschrieben werden. Somit ging es dann für sie am Montag nach Ovalle und Katharina übernahm für sie die Schicht. Ich  versuchte mich weiter am Plätzchen und Spritzgebäck backen. Doch bei der Wärme hier gestaltet sich das doch ziemlich schwierig. Vor allen Dingen, wenn einem dafür die richtigen Utensilien fehlen. Denn in der Küche hier gibt es weder einen Fleischwolf, den man umfunktionieren kann, noch richtige Beutel für das Spritzgebäck. Ich versuchte es zunächst mit einer Konstruktion Marke Eigenbau, aber Frischhaltebeutel scheinen da nicht für gemacht zu sein – zumindest sind sie bei mir immer irgendwo gerissen. Gut, dass Katharina und Elke Anfang der Woche einkaufen waren, so hatte ich dann wenigstens die richtigen Beutel zur Hand. Allerdings hatte ich schlussendlich die ganzen Hände voller Butter, die sich während des Pressens wohl vom Teig löste – na, wunderbar. Also, doch wieder Plätzchen. Mit ein bisschen Back-Kakao den Teig marmoriert – da wird man dann halt kreativ.

Dienstag musste Katharina nochmals nach Ovalle fahren, da ein Gast einen Transfer gebucht hatte. Mit diesem Gast, Meri aus Bremen, würde es dann am nächsten Tag für 3 Tage auf eine Cabalgata gehen. Ich war schon gespannt, was mich da so alles erwarten würde. Da Maraike immernoch krank war, musste ich meine Schicht etwas eher antreten. Kümmerte mich um E-Mails, Ablage und weitere Vorbereitungen in der Küche. Dann kam ein Anruf rein, Katharina konnte Meri nicht finden und ich schaute vergebens nach einer Handy-Nr. – Gut, dass Ovalle nicht allzu groß ist und es eigentlich nur zwei Möglichkeiten gibt, wo man Bus-Reisende abholen kann. Also, irgendwie findet man sich dann doch. Gegen späten Nachmittag trafen sie dann endlich auf der Hacienda ein und Meri sah ziemlich erschöpft aus – hoffentlich wird sie fit sein für die Tour. Bei der Discovery-Reittour geht es 3 Tage mit den Pferden durch die Berge und Täler der Umgebung. Man übernachtet draußen, kocht über dem Feuer, oder in der Küche des befreundeten Bauern und erlebt die Natur Chiles und der Anden hautnah.

Um 18:30h trafen wir uns mit Meri zum Vorgespräch. Katharina zeigte uns die Route der nächsten Tage. Von der Hacienda aus geht es zunächst Richtung Süden, entlang der Berge nach Maitenes. Dort wird auf einem Outback-Campingplatz übernachtet, der auf dem Land eines Bauern liegt. Am nächsten Morgen geht es dann weiter nach Las Breas. Dabei überqueren wir einen Berg bei knapp 2500 m und reiten von dort wieder bergab ins Tal. In Las Breas muss dann nicht selbst gekocht werden und das Nachtlager wird dann direkt oberhalb des Rios aufgeschlagen. Der letzte Tag wird dann evtl. nochmal anstrengend, da es die längste Etappe sein wird. Zurück über den Norden und Hurtado bis schließlich wieder zur Hacienda zurück. Dann musste noch die letzten Vorbereitungen für die Tour getroffen werden: Lebensmittel und notwendige Utensilien bereitlegen, sodass am nächsten Morgen nur noch die frischen Sachen zubereitet werden müssen und die Boxen bepackt bepackt werden können. Die meiste Last wird dann die Eselin Mula tragen. Jeder bekommt einen Packsack, dazu ggf. einen Schlafsack + Inlay, sowie eine Isomatte. Dazu kommt dann noch die Verpflegung für die Tage, Geschirr, Isolierkannen und und und.. Ganz schön viel Zeug, dass man da mitnehmen muss. Und wenn ich jetzt bedenke, dass wir ja nur zu Dritt waren – wie sieht es dann aus, wenn wir mit voller Gruppengröße reiten? Unsere arme Mula…

hatte eine Liste erstellt, die auch klar darstellt, was an welchen Tagen benötigt wird. Gute Sache! So konnte man eigentlich nichts falsch machen…eigentlich! Unser Guide Rene ist ein absoluter Tee-Liebhaber, sodass auf einer Cabalgata eine Kanne Tee oder heisses Wasser + Teebeutel nicht fehlen dürfen. Denn eine Pause ohne seinen „Tecito“ – undenkbar. Ob ich jedoch die Begleitung der Tour „alleine“ gut organisiert bekomme? Ich wusste ja leider noch nicht so wirklich, was auf mich zukommen wird. Na, ich werde es sehen und zur Not ist Rene ja mit dabei – der kennt sich da ja wohl am besten aus.

Am Mittwoch-Morgen um 8 Uhr war dann das große Packen angesagt. Die bereits vorsortieren Sachen konnten schnell in die Box gepackt werden und dann musste die Tagesverpflegung noch zubereitet werden. Die Vorlaufzeit bis zum Start um 11 Uhr braucht man definitiv, denn irgendwas vergisst man immer und vielleicht klappert hier und dort noch etwas, das noch behoben werden muss. Denn wenn etwas die Tiere stört oder sie erschrecke könnte, sind es klappernde Gegenstände und Dosen in den Boxen oder den Satteltaschen. Meri wurde noch kurz in die Reitweise eingewiesen und dann ging es auch schon los.

Ich hatte mich wieder für Coral entschieden, denn mit ihm war ich schon unterwegs gewesen und meinte ihn gut einschätzen zu können. Zudem geht er recht flott und ist sehr aufmerksam. Bei einem 3-Tagesritt, muss man sich ja auch auf sein Pferd verlassen können und da ist es nie verkehrt, wenn man das Pferd schon mal geritten ist und es einem vertraut ist. Hinter der Hacienda ging es dann also direkt in die Berge, quasi umgekehrt den Abschluss-Teil des „Gold Digger Trails“. Doch schließlich verließen wir das mir bekannte Areal und die Landschaft veränderte sich. Gerade das finde ich hier so interessant. Man geht über den nächsten Hügel und dahinter sieht es plötzlich wieder anders aus. Zwar meist recht karg, aber doch irgendwie malerisch. Auf den Bildern kann man fast nicht zu 100 % zeigen, wie es in Wirklichkeit aussieht. Schaut man sich nach einer Tour die Fotos an, ist es eher so, als wenn alle Bilder gleich aussehen. Eben ganz viel Gegend, aber in der Realität ist es viel beeindruckender. Es ging weiter entlang trockener Flussläufe, an alten Ziegenställen vorbei über Hügel mit den unterschiedlichsten Färbungen. Wie mag es hier wohl im Frühling aussehen? Im August und September entfalten sich auf einigen der Hügel die wunderbarsten Farben. Sogar in der Atacama-Wüste fängt es dann an zu blühen und die Desierto Florido wird zu einer wahren Farbenpracht. Nach gut 1 ½ Stunden zu Pferd machten wir unter einem großen Baum, an einem kleinen Bach dann eine längere Rast. Sandwiches, Snacks und Getränke wurden ausgepackt und man kam etwas ins Gespräch. Mit ein paar Brocken Spanisch, sowie Händen und Füßen konnte man sich ganz gut verständigen. Da wir vorher recht zügig unterwegs gewesen waren, konnte wir die Pause etwas verlängern und dann ging es weiter Richtung Maitenes. Weiter entlang der Berge, wir kreuzten den Weg von weidenden Ziegen und erreichten unser Ziel dann nach gut 2 ½ Stunden Ritt.

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Da wir zu früh dran waren, war das Wasser noch nicht umgeschlossen, aber das war schnell erledigt. Unsere Eselin wurde abgeladen, die Pferde von ihrer Montur befreit und ich begann gleich damit die Verpflegung zu sortieren und die Sachen fürs Frühstück in den Kühlschrank in der Küche zu bringen. Käse, Schinken und Butter sollten dann lieber doch gekühlt werden. Das Outback-Camp der Hacienda befindet sich auf dem Grundstück eines befreundeten Bauerns, direkt unterhalb des Wohnhauses, allerdings auch direkt eben den Hühnern und Hähnen – ich wurde schon vor den frühen Morgenstunden gewarnt. Die Küche konnten wir mitbenutzen, bzw. den Herd/Ofen und zwei Boxen mit notwendigen Utensilien und Ersatzlebensmitteln sind hier deponiert. Dann machte ich mich also daran das Abendessen vorzubereiten, bzw. den Salat zu schnibbeln. Rene wollte natürlich erstmal noch eine Tee-Pause einlegen und vorbereiten könnte ich ja später noch. Naaa gut, dann also noch gemütlich Kaffee, Tee & Kekse naschen.

Danach versorgte Rene die Pferde, Meri schaute sich in Ruhe um und ich kümmerte mich weiter um die Vorbereitungen für das Abendessen. Dabei fiel mir immer wieder auf, dass ich etwas vergessen hatte. Also lief ich einige Male hin und her, bis ich schließlich alles beisammenhatte. Ja, was man nicht im Kopf hat… Gegen 19:30h war ich dann mit allem fertig und gemeinsam genossen wir zum Essen eine Flasche Rotwein. Passend dazu tauchte die unterergehende Sonne das Tal in ein tolles Licht und das musste natürlich für ein paar Fotos genenutzt werden. Der Abwasch war dann wieder mein Part. Währenddessen kümmerte sich Rene um das Lagerfeuer. Zu späteren Stunde gesellten wir uns um das Lagerfeuer und bereiteten Bananen am Grill zu – mit leckerem Honig aus der Region. Sieht vielleicht nicht ganz appetitlich aus, ist aber sehr lecker. Genau das richtige für die „süßen“ Chilenen.

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Ich hatte mich als Einzige für ein Zelt entschieden, da ich noch keine Freundschaft mit den kleinen Krabbeltieren geschlossen hatte und dann doch lieber in Ruhe schlafen wollte. Aber diese Nacht sollte nicht ruhig werden. Nachdem Meri und ich noch den Sternenhimmel bewunderten, saßen wir zu dritt noch ein bisschen am Feuer zusammen. Dann verabschiedete sich Rene in die Nacht und gegen 23 Uhr machten auch Meri und ich uns auf in die Schlafsäcke. Mein Zelt reicht wirklich nur für eine einzige Person. Großartig viel Raum hat man nicht, aber für kleine Touren reicht so ein Zet allemal. Leider war der Untergrund nicht der Weichste und die kleine, dünne Isomatte war ebenfalls nicht sehr hilfreich. Die Nacht war mehr von wachen Phasen gezeichnet. Irgendwo raschelte immer etwas und auf der Seite konnte ich so gar nicht schlafen. Egal ob rechts oder links – irgendwas tat immer weh. Nächstes Mal kommen Hörspiele mit aufs Handy – dann klappt es vielleicht auch mit dem Schlaf. Denn ohne kann ich manches Mal auch etwas unerträglich werden.

Früh um 6 Uhr klingelte dann der Wecker. Ich hatte kaum gepennt und war dementsprechend geschafft. Neben dem Frühstück musste ich noch die Pausensnacks und Sandwiches vorbereiten, meine Sachen wieder packen, dann noch abspülen und alle Utensilien wieder so verstauen und verpacken, dass es nicht klappert! Danach musste ich mich dann selbst noch umziehen und zog eine Katzenwäsche vor, denn irgendwie war ich gestresst und Rene wollte natürlich pünktlich um 10 Uhr los. Er wartete bereits an den Transportboxen und das machte mich zusätzlich nervös. Natürlich musste ich dann auch wieder doppelt und dreifach laufen, da noch Sachen zurück in die Boxen in der Küche gebracht werden mussten. Beim nächsten Mal muss ich mich da irgendwie anders bzw. besser organisieren. Als Letzte ging es dann für mich aufs Pferd und dann wagte ich einen Blick auf Uhr, erst 9:45 Uhr? Und dafür macht er so einen Stress?? Irgendwann kamen wir an einem Tor an, das geöffnet werden musste – wer hatte den Schlüssel? Ja, natürlich ich – zudem auch das Geld, mit dem wir teilweise die Unterkunft und Essen bezahlen müssen. Auf dem Weg fiel mir irgendwann auf – „Mist, ich habe den Wein vergessen!“ War ja auch wieder klar. Der Weg von Maitenes nach Las Breas führte zunächst über einen sehr sehr sehr langen Weg. Uns kamen auf der Strecke nicht mal 2 Autos entgegen. Schließlich bogen wir nach links ab und Rene erklärte uns, dass der Weg zum Condor-Trail noch weiter über die Straße führt, bevor man in die Berge geht. Wir aber ritten nun linksseitig in die Berge hinein und je höher wir kamen umso beeindruckender war die Landschaft und die Aussicht. Nachdem wir ein paar Berge passiert hatten, erreichten wir schließlich den höchsten Punkt unseres Ritts. Wir legten eine kurze Pause ein, um Inne zuhalten und die Aussicht zu genießen.

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Dann begann der Abstieg Richtung Las Breas. Und der hatte es definitiv in sich. Nicht nur, dass es steil bergab ging, ebenfalls spürte man kaum ein Lüftchen und die Sonne brannte ordentlich. Meri und ich sehnten uns nach der Mittagspause im Schatten, aber an jedem möglichen Platz ritt Rene weiter. Langsam wurde meine Konzentration auch schlechter und der wenige Schlaf machte sich wieder bemerkbar. Die Bremsen nervten mich und mein Pferd. Am Liebsten wäre ich geradewegs ins kühle Nass gesprungen, aber der Bachlauf zwischen den Bergen hätte wahrscheinlich nur für die Füße gereicht. Endlich erreichten wir unseren Pausenplatz. Ich lädierte meinen Arm, weil Coral meinte, einfach mitten durch einen Zweig laufen zu müssen – ja, danke auch! Nachdem wir die Satteltaschen geleert hatten, stellte ich noch fest, dass die Sandwiches vom Vortag in die Transportboxen gepackt worden sind und ich hatte somit KEIN Mittagessen – yeah! Ich hatte echt den Kaffee auf für den Tag – erst keinen Schlaf, dann die Hetzerei, dann den Wein vergessen, dann die nervenden Viecher, dann den Stock im Arm .. und dann auch noch KEIN Sandwich. Da hatta Murphy wohl richtig Spaß gehabt. Ja, meine Stimmung war sowas von im Ar…! Aber ich musste mich natürlich zusammenreißen – schließlich ist man ja Profi und sowas sollte einen nicht aus der Ruhe bringen. Aber wer sagt denn, dass ich Profi bin?! Ich stecke sowas nicht einfach weg und ja ich ärgere mich darüber und es regt mich auf – und ist das schlimm? Jeder ist eben wie er ist und ich schlucke meine Gefühle nicht runter und sage was ich denke oder lasse die Gefühle raus. Trotzdem wahrt man nach Außen sein Gesicht, ansonsten wäre ich wohl wie der Tasmanische Teufel durch die Gegend gepoltert. Dazu fehlte mir dann allerdings auch die Kraft und ich wäre am liebsten im Selbstmitleid versunken. Zum Glück wurde das von den anderen verstanden und nach einer entspannten Pause im Schatten ging es weiter Richtung Las Breas. Laut Renes Aussage sollten wir jetzt noch gut eine Stunde bis zum Campingplatz benötigen. Naja, chilenische Stunden sind da glaube ich etwas anders.. mas y menos!

Da der Tag ja eh gelaufen war, konnte eigentlich nicht mehr viel passieren – eigentlich. Dann verlor ich aber bei einem Windstoß meinen Sombrero und musste kurz vom Pferd steigen und zurücklaufen. Davon war mein Pferd aber nicht gerade begeistert. Als ich wieder aufsteigen wollte und das Pferd in der anderen Richtung stand als die Mitreiter, entschloss es sich kurzer Hand eine Wende zu machen und *zack* war ich wieder unten – natürlich landete ich auf den Steinen am Wegesrand. Das war zuviel des Guten, jetzt hatte ich die Schnauze endgültig voll. Aufsteigen wollte ich erstmal nicht mehr und somit ging es erstmal zu Fuß weiter. Rene wollte mir immer wieder Stellen zeigen, an denen ich gut aufsteigen könnte, aber ich wollte einfach nicht. Coral bekam meinen Missmut zu spüren und jeder seiner Versuche sich meiner zu widersetzen wurde mit kurzem kräftigem Zug am Zügel abgewehrt. Irgendwann stieg ich wieder auf – wer wusste, wie weit es wirklich noch war. Am Campingplatz angekommen wurde wie am Tag zuvor erst das Muli abgeladen. Dann nahm Rene aber die Pferde samt Montur mit, denn sie wurden in einem Stall für die Nacht untergebracht, der etwas entfernt war. Meri und ich entschlossen uns kurzerhand dazu uns im Rio abzukühlen. Das würde meinem Bein sicherlich auch guttun, denn ich war auf die rechte Seite gefallen und hatte mir dort eine Prellung der Kniescheibe zugezogen. Wir suchten den Weg zu einer guten Stelle am anderen Ufer und dann ging es langsam Stück für Stück ins eiskalte Wasser hinein. Gefühlt gefror einem das Blut in den Adern..aber egal..der Schweiss der letzten Tage musste definitiv abgewaschen werden. Und nach dem ersten Schrecken traute ich mich ganz hinein, wenn auch nur kurz. Die Sonne trocknete einen allerdings auch wieder recht schnell, somit ging es noch ein paar Mal ins Wasser. Dann tauchte Rene auch wieder auf und nutze ebenfalls die Gelegenheit um sich abzukühlen und zu waschen. Danach sammelte er das Holz für unser Lagerfeuer und wir schlugen unser Lager wieder auf.

 

Kurz sortiert und in frische Klamotten geschmissen, dann ging es auch schon los zum Abendessen. Denn heute mussten wir nicht selbst dafür sorgen, sondern bekommen ein Menü bei Danisa. Gut, ich dachte mir, vielleicht in einer kleinen Bar oder auf einem Hof. Nein, nach gut 20 Minuten zu Fuß landeten wir in einem kleinen privaten Haus, mitten im Wohnbereich. Der Küchentisch war für uns gedeckt und Salate standen schon bereit. Damit hatte ich ja nun wirklich nicht gerechnet. Der Fernseher lief und Rene begann direkt sich mit Danisa zu unterhalten. Zu erwähnen wäre noch, dass Rene bei den Ausritten wohl die Unterkunft und Verpflegung selbst regelt. D.h. er kennt eine Menge Leute – wobei in dieser Gegend hier gibt es jetzt nicht allzu viele Leute und in den Dörfern kennt man sich. Aber unter einem Abendessen mit 3-Gängen habe ich mir wahrhaftig etwas anderes vorgestellt. Zumindest dachte ich nicht, dass wir bei jemandem zu Hause essen würden. Aber wie heisst es so schön: Erstens kommt es anders und Zweitens…! Wie oft sich dieser Satz auf meiner Reise wohl noch bewahrheiten wird? Gott sei Dank hatte Danisa auch noch einen unserer Weine auf Reserve – der Abend war also gerettet. Viel konnte ja nun auch wirklich nicht mehr passieren. Als Hauptgericht gab es Schweinefleisch mit Spaghetti und zum Nachtisch eingelegte Früchte. Einfach, aber lecker. Trotzdem war es alles irgendwie anders als erwartet. Vielleicht sollte ich mir über meine Erwartungen mal Gedanken machen?!

Auf dem Rückweg machten wir noch kurz Halt bei den Pferden, weil ich gerne wissen wollte, wo sie untergebracht sind. Am Stall angekommen begrüßte uns eine Horde Hunde und neben ein paar weiteren Pferden meckerten uns Ziegen an. Ja, so ist das hier – Ziegen, Carreras, Rodeos und Bailes.

Dann fiel mir noch ein ganz besonderer Weihnachtsbaum auf den ich unbedingt für die Nachwelt festhalten musste – hübsch, nicht wahr?

Am Gatter zum Weg zu unserem Lager wurden wir dann leider gestoppt. Der Besitzer des Grundstücks hatte leider das Gatter bereits verschlossen. Also machte sich Rene nochmal auf den Weg zu seinem „conocido“ und besorgte den Schlüssel. Derweil betrachteten Meri und ich den Sternenhimmel, der leider an diesem Abend nicht allzu viel Sterne zeigte. Nach gut 10 Minuten kam Rene wieder zurück und somit konnten wir dann im stockdunkeln endlich zurück zum Lagerplatz gehen. Ein kurzer Stopp bei den Ziegen und dann weiter über den Fluss. Am Platz angekommen entfachte Rene schnell das Feuer und gemeinsam genossen wir die letzten Schlucke Wein. Dann versuchten wir Rene zu erklären, dass man sich in Deutschland bei der Sichtung einer Sternschnuppe etwas wünscht – aber anscheinend drückten wir uns so unglücklich aus, dass es mehrere Versuche brauchte, bis er es verstanden hatte. Allerdings sagte er auch immer „ya“…wie soll man da wissen, ob er es jetzt verstanden hat? In Chile wird sich nichts gewünscht, aber eine bestimmte Bedeutung haben die Sternschnuppen hier auch, das habe ich dann aber nicht so ganz verstanden. Irgendwas mit „mas cerverza para la fiesta“ – aber das bezog sich wahrscheinlich eher auf unsere Weihnachtsfeier am übernächsten Abend. 😉 Da es am Fluss in den Morgenstunden feucht werden kann, entschloss ich mich dann doch noch dazu mein Zelt aufzubauen, aber auch weil zuvor eine Spinne über meine Iso geklettert war – ne, brauche ich nicht. Dann verzogen wir uns langsam alle in unsere Schlafsäcke und mit dem Blick auf den Sternenhimmel fand ich auch endlich meinen Schlaf. Auch wenn ich etwas am Hang lag, aber das war mir dann auch egal – Hauptsache schlafen!

Der Wecker klingelte schließlich um 6:30 Uhr. Dann erstmal Jacke drüber und versuchen das Feuer wieder zu entfachen, denn ich musste Wasser für das Frühstück kochen, für Kaffee und Tee! Natürlich wollte das Feuer nicht so, wie ich wollte. Die Streichhölzer hatten über Nacht auch draußen gelegen und somit verbrauchte ich einige, bis diese überhaupt mal brannten. Dann war das Holz teils natürlich feucht und die Flammen loderten so gar nicht. Schließlich kam ich dann mal auf die Idee das Toilettenpapier zu nehmen und siehe da, ein Feuer war entfacht. Hat mich ja auch nur gut eine halbe Stunde gekostet. Ich hätte vorher definitiv einen Kaffee gebraucht, aber ohne heisses Wasser, schwierig. Rene war auch schon auf den Beinen und war früh zu den Pferden aufgebrochen. Als er dann mit den Pferden angeritten kam, war ich schon dabei das Frühstück vorzubereiten. Meri krabbelte langsam aus ihrem Schlafsack und bei der aufgehenden Sonne über den Bergen konnte ich endlich den ersten Kaffee des Tages genießen. Was sehnte ich mich da schon nach einer ordentlichen Dusche und einer Matratze! Aber ich freute mich auch auf den letzten Tag. War gespannt, was wir noch zusehen bekommen würden und hoffte, dass mein Hintern den Tag im Sattel überstehen würde. Da dieser Ritt der Längste war, brachen wir schon gegen 9:30 Uhr auf. Entlang der anderen Seite des Dorfers ritten wir Richtung Norden. Coral war schon putzmunter und hatte so gar keine Lust ganz hinten zu laufen. Rancherita, das Pferd auf dem Meri ritt, wollte sich die Stachelein von Coral aber auch nicht gefallen lassen und zeigte deutlich ihre Missgunst. Ich musste also sehen, dass ich ihn auf Abstand zu ihr halte. Aber davon hielt Coral überhaupt nichts. Schließlich suchte ich Hilfe bei Rene, der mir nur sagte, dass ich Coral kurze kräftige Züge am Zügel geben sollte, aber das stachelte ihn noch mehr an. Dann entschloss ich mich dazu ihn mal Galoppieren zu lassen, damit er seine Nervosität und Energie loswerde kann. Lenkte ihn dann rechts gegen Wände, an denen er dann natürlich nicht weiterkam – aber er stand so unter Strom, dass ich Mühe hatte ihn zu halten. Als es dann endlich in die Sierra ging, hatte er keine Chance mehr und musste sich dem Gang der anderen anpassen. Ich war froh, denn jetzt konnte ich auch wieder entspannen. Gut, dass wir nicht weiter an der Straße unterwegs waren, sonst wäre ich abends sicherlich total fertig gewesen.

Wir stiegen weitere Hügel hinauf und näherten uns Schritt für Schritt weiter dem Norden der Region. Nach gut 3 Stunden Ritt legten wir dann eine Pause ein. Dieses Mal hatte ich für alle vorgesorgt. Da es aber tierisch heiss war und irgendwie für mich noch zu früh für Mittag, setzte ich mit meinem Sandwich aus und bediente mich nur am Obst und Gemüse. Ein weiterer Kaffee und jetzt hätte eine Siesta sicherlich gutgetan. Die Pferde und Mula bekamen von mir dann noch Karotte- und Apfelstücke, denn was die Tiere hier leisten ist schon echt Wahnsinn! Nach der Pause ritten wir kurz bei Rene vorbei, der im nächsten Dorf wohnt, und füllten unser Wasser auf. Dann ging es wieder in die Berge und wir näherten uns langsam Hurtado. Oberhalb machten wir Halt an einem kleinen Aussichtspunkt und stiegen dann wieder die Berge hinab. In Hurtado angekommen begrüßten uns die Papageien lautstark. Die können echt ganz schön Krach machen. Hurtado ist ein kleines, hübsches Örtchen, mit ein paar ausgefallenen Häusern, Bars und schönem Hauptplatz. Hier werde ich sicherlich nochmal hinreiten. Durch das Tal des Rios ging es dann schließlich Richtung Hacienda. Vorbei an einem anderen Agro-Campingplatz, überquerten wir dann Fluss dann problemlos und ritten wieder entlang größerer Hügel hinauf auf die Berge hinter der Hacienda. Dabei trafen wir auf einen Ziegenhirten und seine Hunde, die uns prombt in die Herde mit aufnahmen. Wir passierten einen alten Bauern, der in den Bergen hier zu leben scheint, Weitere verlassene Hütten lagen auf dem Weg und endlich erreichten wir den äußersten Teil der Hacienda und kamen dann an den Weiden der Pferde an.

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Von dort waren es noch gut 10 Minuten. Allerdings waren die anderen Pferde nicht zu sehen, wie eigentlich erwartet. Plötzlich tauchten sie auf einer der anderen Weiden direkt vor uns auf. Chakay unser Ausbruchkönig hatte es mal wieder geschafft und alle anderen waren ihm anscheinend gefolgt. Da hat Rene im Anschluss dann noch was zu tun. Er verschloss eines der Gatter hinter uns, doch das störte Chakay überhaupt nicht und plötzlich tauchte er wieder hinter uns auf. Keine Ahnung wie, aber er findet immer einen Weg. Beim nächsten Gatter musste Rene dann zu härteren Mitteln greifen und warf kleine Steine nach ihm. Das hielt ihn dann zumindest erstmal davon ab uns weiter zu folgen.

Dann erreichten wir endlich die Hacienda – total verschwitzt, aber voller Eindrücke von einer aufregenden und interessanten Tour. Das muss jetzt erst einmal sacken.

Gut, dass das Wochenende nun vor der Tür stand. Am nächsten Tag hätte ich eigentlich frei gehabt, da ich aber am Sonntag ja Besuch erwartete, hatte ich Katharina gebeten, mir am Sonntag frei zu geben. Somit arbeitete ich Samstag dann zur Spätschicht. Abends ging es dann zum Weihnachtsessen der Hacienda. Ich bereitete nochmal eine PortionBrownies für alle zu und verpackte meine Plätzchen in kleine Tüten. Gegen 20 Uhr wollten wir eigentlich die Hacienda schließen, da wir zum Essen nach Serón fahren mussten. Wir erwarteten aber noch Gäste, die unterwegs zu uns waren. Sie erreichten die Hacienda schließlich um 19:30 Uhr und wollten natürlich noch etwas essen. Wir konnten ihnen etwas aus der Mittagskarte anbieten und schloßen die Küche dann um 20:20h ab. Dann also schnell zurück und ab unter die Dusche. Maraike war leider noch nicht soweit fit, dass sie mitkommen konnte. Unsere Ersatzköchin Iso war auch (mal wieder) verhindert, da sie niemanden hatte, der auf ihren Sohn in der Zeit aufpassen konnte. War irgendwie zu erwarten, denn bisher hat sie uns immer versetzt.

In Serón angekommen waren Rene und Rosa bereits vor Ort und dann ging es in einen Nebenraum des Pubs. Dort war extra nur für uns gedeckt. Als Begrüßungsgetränk gab es Mango Sour – mal eine eine andere Variante, aber doch sehr lecker.

Zum Essen gab es dann:

  • Salat mit Muscheln
  • Ganz viel Beiwerk
  • Verschiedene Fleischsorten, verschieden zubereitet
  • Leckeres Gemüse
  • Nachtisch: Irgendwas Kuchen-Ähnliches mit Limón, wobei die wohl nur am Kuchen vorbeigelaufen ist…

Alles in Allem aber sehr lecker und es war schön mal mit allen an einem Tisch zu sitzen. Aber gesprochen wurde zunächst nicht viel. Eine etwas komische Stimmung. Woran es lag, keine Ahnung. Irgendwann holte der Besitzer der Bar seine Gitarre raus und fing an zu spielen und zu singen. Animierte die anderen zum Mitsingen und schließlich sollten wir dann auch mal etwas anstimmen. Natürlich fiel uns da nichts Gescheites ein. Nebenan lief im Restaurantbereich laut Latino-Musik, da will einem aber auch nichts einfallen. Da lauschten wir lieber den Beiträgen der Einheimischen. Ja, genau deswegen bin ich hierhergekommen. Abseits der Touristenwege das Leben der Menschen hier kennen lernen und das tue ich hier mit jedem Fall. Und ich bin erstaunt, wie die Menschen hier leben und ihren Alltag bestreiten. Ganz anders, aber sie sind trotzdem glücklich – irgendwie.

In der Nacht machte sich schließlich auch Richy aus Valparaiso auf den Weg zu mir. Er musste noch bis 21 Uhr arbeiten und nahm dann den Bus um 21:55h Richtung Ovalle. Ich an seiner Stelle wäre zwar erst am nächsten Morgen gefahren, da absolut nicht klar war, wie er von Ovalle zu Hacienda kommt. Er hätte einen Transfer von uns haben können, aber das war ihm zu teuer. Gut, kann ich verstehen. Aber dann muss er trotzdem auch selbst schauen, wie er die letzten KM fährt. Aber nein, er hatte keine Ahnung und fragte mich andauern. Die Möglichkeiten die ich kannte hatte ich ihm schon 1000 Mal genannt, aber anscheinend ist der Herr etwas vergesslich. In Ovalle kam er schließlich gegen 3 Uhr an und verbrachte dann die Nacht im Bus-Terminal, weil es natürlich kein Hostel oder Hotel mehr gab, dass ein Zimmer frei hatte. Das glaubte ich ihm aber nicht recht, vermutlich hat er einfach nach kurzer Suche aufgegeben?! Ich sagte ihm, dass er mich ja kurz anrufen könnte, wenn er aus Ovalle weg fährt, damit ich auch wach bin, wenn er dann ankommt. Wie zu erwarten war, war meine Nacht natürlich sehr kurz. Wir hatten noch geschrieben, als er bereits in Ovalle war und dann klingelte mein Handy auch schon wieder um 7:30 Uhr. Jaaaa, die Nacht war gelaufen. Denn natürlich gab es zunächst keine Möglichkeit um zur Hacienda zu kommen. Die Collectivos fahren nur nach Pichasca und von dort müsste er dann per Anhalter weiter, das war ihm aber zu riskant. Das konnte ich dann nicht verstehen. Hier in Chile ist es eigentlich, neben den Bussen, Gang und Gebe, auch mal per Anhalter weiter zu fahren. Und ein Einheimischer traut sich das dann nicht? Wahrscheinlich hatte er einfach nicht den Nerv sich noch an die Straße zu stellen und wer weiss wie lange auf eine Mitfahrgelegenheit zu warten. Nach gut 2 Stunden saß er dann endlich in einem Bus, der von der Feria in Ovalle abfährt (nicht, dass ich ihm das vorher mal gesagt hätte). Allerdings erst um 12 Uhr – dann wäre er also um 14 Uhr an der Hacienda. Ich war gespannt. Am Tag zuvor hatte noch ein US-Amerikaner bei uns angerufen, der gerne bei uns Campen wollte und auch er hatte das Problem zu uns zu finden. Lustiger Weise saß er dann aber im gleichen Bus und somit war klar, Richy sitzt im richtigen Bus. Sollte er es also tatsächlich schaffen?

Tatsächlich war er dann um kurz nach 14 Uhr da. Schwer bepackt mit einer Reisetasche. Ich geleitete den Camper noch zur Hacienda und ging dann zurück zum Haus. Richy wartete schon und ich dachte jetzt wollte er vielleicht erstmal eine Runde schlafen – nein, erstmal Kochen! Gut, auch genehm.

Er zauberte leckere Spaghetti und machte aus einer Fertigsauce noch einen leckeren Schmaus. Danach zeigte ich ihm dann die Hacienda, unser Observatorium und später noch die Pferde. Uns beiden hing die letzte Nacht ohne viel Schlaf in den Knochen und die Stimmung war etwas bedrückt. Die Hitze tat ihr Übriges – was für ein Weihnachten. Mal so ganz anders! Aber, er war da und ich hatte es nicht für möglich gehalten. Abends kochte er dann leckeres Hähnchen mit Risotto, dazu Gemüse, ich zauberte einen kleinen Avocado-Salat und als Nachtisch gab es dann noch ein paar Plätzchen und Brownies. Den Abend ließen wir auf der Terrasse ausklingen, bei Kerzenschein und entsprechender Musik. Ja, doch schöner, als Weihnachten hier alleine zu verbringen.

In diesem Sinne – Feliz Navidad!
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