Auszeit – Chile – Woche 19

Eine neue Woche – mit vielen Erlebnissen.

Der Montag begann mit einer Frühschicht und den üblichen Tätigkeiten, wie Frühstück bereiten, Rosa assistieren und Abwasch, Abwasch, Abwasch – meine Hände empfinden das inzwischen als nicht mehr soo toll. Gut, dass ich was von meiner Handcreme mitgenommen habe, ansonsten wären sie jetzt auch schon Wüste.

Nach der Frühschicht dann mal wieder ran an die Tasten. Schließlich schreibt sich so ein Blog ja leider auch nicht von allein. Nach getaner Arbeit machte ich mich dann auf zu den Pferden. Struppi begleitete mich und somit war der Weg nicht allzu langwierig. Als ich die Wiese erreichte galoppierten ein paar der Pferde freudig auf mich zu. Chakai wollte unbedingt wissen, ob ich nicht etwas Essbares dabei hatte, musste ihn aber leider enttäuschen. Dem Esel und der Kuh war das aber egal – mein Beutel schien sie trotzdem zu interessieren – den kann ich dann jetzt auch mal wieder waschen. Gott sei Dank wurde er nicht gleich aufgefressen. 😀

Da unser Koch frei hatte, war unsere zweite Köchin mal wieder für das leibliche Wohl zuständig. Schon schön, wenn man jemanden hat, der einen bekocht 😊. Maraike hatte ihren freien Tag und war nach Ovalle gefahren – um sich die Stadt anzuschauen und ein bisschen einzukaufen. Allerdings war sie später gestartet, als gedacht, sodass sie nur den letzten Bus abends zurücknehmen konnte. Die Busse hier fahren zu unregelmäßigen Uhrzeiten – sonntags z.B. nur 2x und von Ovalle aus dann auch nur abends. Die Logik dahinter verstehe ich nicht so ganz. Plötzlich klingelte das Telefon der Hacienda und Maraike war dran. Sie sei irgendwo gestrandet, wäre Dank Hilfe zwar schon weitergekommen, aber von dem Dorf, wo sie jetzt sei käme sie nicht ohne Weiteres weg. Dann musste Katharina also los, um sie abzuholen – Entfernung wahrscheinlich gut eine Stunde! Ja, das sind hier echt andere Entfernungen. Ich hoffe, dass wenn ich mal mit dem Bus fahre, auch den Bus retour erreichen werde! Wie sich hinterher rausstellte, fährt der letzte Bus nicht an der Feria (Markt) ab, sondern an der Alameda (Hauptstr. in Ovalle) – somit hatte sie den Bus nicht verpasst, sondern sie war leider an der falschen Haltestelle gewesen. Das muss man aber auch erstmal wissen, denn so klar ist das hier alles nicht. An den Tagen der Feria fährt der Bus z.B. auch öfter als sonst. Und von uns aus, kommt man recht früh los – aber von Ovalle startet der Bus meist erst gegen 10:30h. Ja, hier lohnt es sich wirklich ein Auto zu haben!

Ich durfte dann also Katharinas Schicht übernehmen und bediente u.a. einen Gast aus Deutschland, der mindestens einmal im Jahr hier ist und dabei so viel Pisco trinkt, wie er hier sonst in einem Monat ausgeschenkt wird. Deswegen wird er auch der „Pisco-Deutsche“ genannt 😊 – gut für uns, dann haben wir ein paar Einnahmen mehr.

Am nächsten Tag hatte ich Spätschicht und konnte somit den Schlaf der vergangenen Nächte etwas nachholen. Gemütlich gefrühstückt und dann hatte ich das Glück unseren Koch bei Übungen im Coral zuzusehen. Er trainiert ja in seiner Freizeit aktuell 2 Pferde und übt mit ihnen erstmal die Grundlagen, denn die beiden sind noch sehr jung und lernen alles von der Pieke auf. Schon interessant, aber Fotos machen durfte ich leider nicht- Stichwort Konzentration. Mein letzter Blogbeitrag musste noch finalisiert und die letzten Bilder geladen werden. Bei der Wifi-Verbindung hier im Haus muss man da schon ein bisschen Zeit einkalkulieren.

Um 15 Uhr startete dann meine Spätschicht und auch an diesem Tag gab es keine besonderen Vorkommnisse. Es waren noch weitere Gäste hinzugekommen. Ein Pärchen aus Italien und eines aus der Schweiz/Frankreich. Beides sehr angenehme Gäste, die keinerlei Sonderwünsche hatten. Abends zu Abendessen wurde der deutsche Gast von dem Pärchen aus der Schweiz/Frankreich dann an den Tisch gebeten, damit er nicht alleine essen muss. Sehr nett, aber ich denke hinterher waren sie froh, als sie ihn wieder los waren, denn der Herr hat SEHR viel redebedarf – das durfte ich auch schon feststellen, denn wenn er einmal anfängt, hört er so schnell nicht mehr auf und hält einen gut und gerne 10-15 Minuten am Tisch fest.

Abends hatte ich dann noch einen Skpe-Call auf dem Programm – mit dem Couchsurfer aus Valapariso. Er wollte mich ja eigentlich schon besucht haben, das hatte aber leider nicht geklappt – man sollte sich eben früh genug informieren, wie man von A nach B und dann weiter nach C kommt! Aber er will mich definitiv an Weihnachten besuchen – aber ich glaube ihm erst, wenn er dann wirklich vor mir steht. Denn hier versprechen die Leute (nicht nur die Männer) viel und meist wird es dann nicht gehalten. Um kurz vor 0 Uhr verabschiedeten wir uns dann in die Nacht. Eigentlich dachte ich, der Herr würde mir als Erster zum Geburtstag gratulieren – leider nein! Hatte er dann wohl vergessen, auch wenn er später deutlich sagte, dass er ihn nicht vergessen hatte, aber dachte, ich würde schon schlafen – ja ne, is klar!

Dann war es also soweit – mein Geburtstag, der 33. Schnapszahl – mal sehen, mit wem ich heute darau anstoßen werde. Ich hatte mir zunächst eine Reittour gewünscht. Früh morgens (8 Uhr!) ging es dann mit Katharina zur Weide. Ich durfte mir auch ein Pferd aussuchen, hatte mich zuvor aber dazu entschieden, die Pferde entscheiden zu lassen. Heisst, das erste Pferd, welches zu mir kommt, sollte es dann sein. Tjaaa, da habe ich dann nicht den Mittwoch bedacht – das scheint hier ein Tag zu sein, an dem die Pferde gerne mal „doll“ sind. Schon als wir der Weide näherkamen, hörten wir die Pferde weg galoppieren. Na wunderbar, das konnte ja was werden. Sie wollten sich partout nicht von uns einfangen lassen, sobald wir in die Nähe kamen ging es weiter quer über die Weide oder in verwinkelte Ecken. Schließlich kam die Herde zur Ruhe und Katharina hatte ihr Pferd schnell eingefangen – nur mich woltle wohl keines der Pferde heute auf dem Rücken haben. Schließlich schafften wir es dann gemeinsam Chakai einzufangen. Allerdings war ich hier auch schon vorgewarnt worden, der „panzert“ gerne die Berge rauf und runter. Sie nennen ihn auch liebevoll „das Kamel“. Ok, mal sehen, wie er sich bei mir heute verhält. Ohne Sattel ist er allerdings aufgrund seines Senkrückens nicht gut zu reiten. Wie sagte Katharina so schön: „Man merkt es deutlich in den Erbanlagen“ (also den eigenen!) Netterweise hat sie mir ihr Pad mitgebracht und sie setzte sich dann ohne Unterlage auf ihr Pferd. Dann ging es schnell zurück zum Hof, denn für den Ausritt sollte zumindest Chakai gesattelt und gezäumt werden. Dann tauchte auch schon unser Koch mit einem seiner Pferde auf. Ich hatte ihn zuvor gefragt, ob er nicht Lust hätte mitzukommen. Zudem kennt er hier noch andere Wege. Dann ging es zu Dritt runter ins Tal – einmal über bzw. durch den Fluß und rauf in die Berge auf der anderen Seite. Von dort hatte man eine wunderbare Sicht entlang des Tals und der Berge. Wirklich sehr malerisch und auch irgendwie wie aus einem Film. Ein toller Start in meinen Ehrentag.

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Ja, natürlich war es vom Gefühl schon anders, als wenn ich zu Hause bei meinen Freunden und der Familie wäre, aber gut, warum nicht mal anders? Entlang der Berge kamen wir an alten Häusern vorbei und schließlich ging es am Rio zurück. Der erste Galopp war etwas ungewohnt, aber nachdem Chakai sich eingegroovt hatte, machte es einfach nur Spaß. An der Auffahrt zur Hacienda angekommen, veranstalteten wir dann erneut ein kleines Galopp-Rennen und wie aus dem Nichts schaltete Chakai dann seinen Turbo an und ich musste gucken, dass ich mich im Sattel hielt. Damit hatte ich ja nun gar nicht gerechnet. Aber lustig wars. Katharina und ich unternahmen dann noch einen Versuch einen weiteren Weg in die Berge zu finden, um dann entlang der Straße wieder zurück zu reiten. Jedoch kamen wir dann an einem Punkt nicht weiter und entschieden uns dann doch für einen Teil des „Gold Digger – Trails“, den ich ja schon mal mit geritten war. Über das Observatorium ging es dann zurück. Wir waren gut 2 ½ Stunden unterwegs gewesen – und für mich hatte es dann auch erstmal gereicht. Die Sonne stand inzwischen hoch am Horizont und ich brauchte dringend etwas zu Trinken. Danach brachten wir die Pferde wieder zurück zur Weide. Beim Versuch ein kleines Fotoshooting auf einer der Weiden zu machen, wollte Chakai sich nicht vom Fressen abhalten lassen – dementsprechend ist auch ein lustiges Bild dabei entstanden.

Dann der lange Weg zurück – ich war froh, als wir wieder auf der Hacienda waren. Da ich natürlich den kompletten Tag frei hatte, stand dann erstmal Relaxen auf dem Programm. Inzwischen hatte ich schon einige Glückwünsche erhalten. Schön, dass die Freunde und Familie auch an einen denken, wenn man nicht in der Nähe ist. Dann skypte ich noch mit meiner Mama, denn ohne Handy-Empfang muss man schauen, wie man sich erreicht. Wobei natürlich auch das Telefon der Hacienda benutzt werden kann, aber günstiger ist es dann natürlich über das Internet. Maraike hatte Frühschicht gehabt und somit gesellten wir uns nachmittags zusammen und machten einen kleinen Spielenachmittag – ja, genau nach meinem Geschmack *grins*. Abends bekam ich dann leckeres Seviche aufgetischt. Hatte ich extra bei unserem Koch „bestellt“ – als Hauptgang Lasagne und Nachtisch leckeres selbst gemachtes Eis – perfekt! Ich trank mir dazu einen leckeren Rosè, den mir Katharina extra beim Einkaufen mit besorgt hatte. So lässt es sich doch echt gut aushalten. Richtig angestoßen wird dann am Freitag – beim Asado.

Das ist Seviche

Durch Zufall hatte ich mitbekommen, dass diese Nacht eine der Sternschnuppen-Nächte sein soll. Elke und zwei weitere Astronomen waren ebenfalls im Observatorium. Ein toller Abend und einem wahren Sternenzelt. Natürlich durfte da meine Kamera nicht fehlen. Ich holte mir noch ein paar Tipps von Elke und dann konnte es auch schon losgehen. Ich fokussierte auf den hellsten Stern (die Venus) und tatsächlich hatte ich am Ende ein paar Aufnahmen im Kasten. Elke erklärte uns noch ein paar der zu sehenden Sternenbilder und Positionen an Himmel. Nach und nach tauchte dann die Milchstraße auf – hier kann man sie also doch sehen! Einfach einzigartig – und der absolute Wahnsinn, neben den hellen und vielen Sternschnuppen, kann man hier auch andere Galaxien sehen – unfassbar. Allerdings sollte man die meisten Sternschnuppen zwischen 3 – 5 Uhr am Himmel sehen können. Von der Uhrzeit waren wir noch weit entfernt und so entschlossen wir uns gegen 0 Uhr, dass wir uns erstmal wieder in die Betten begeben, denn es wurde auch langsam richtig kalt. Ich stellte mir dann tatsächlich den Wecker auf 3:30 Uhr, schließlich wollte ich die vielen Sternschnuppen nicht verpassen. Zuvor hatte ich gerade 4 oder 5 innerhalb 1 ½ Stunden gesehen – da geht mehr! Jedoch hatte ich nicht mit meiner Müdigkeit gerechnet. Zwar hörte ich den Wecker, aber dann bin ich wohl relativ zügig wieder eingeschlafen. Das nächste Mal wachte ich dann um 4:45 Uhr auf. Verdammt! Schnell was übergezogen und ab nach draußen. Die Milchstraße war inzwischen in voller Pracht zu sehen. Und ja, es stimmte – innerhalb von nur wenigen Minuten konnte ich 8 Sternschnuppen zählen. Wie viele waren dann wohl zuvor sichtbar gewesen? Ich packte schnell meine Kamera und versuchte noch ein paar Aufnahmen des Himmels zu machen – gar nicht so einfach, denn auf die Venus konnte ich nicht mehr fokussieren. Am Ende hatte ich aber doch ein paar tolle Bilder geschossen. Ja, der Himmel hier ist wirklich unglaublich klar und einzigartig – zumindest ist das mein Eindruck, bisher habe ich noch nie so viele Sterne so deutlich sehen können, nicht mal in Schweden!

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Nach einer kurzen Nacht war ich gegen 9:20 Uhr schon wieder wach. Aber aufstehen wollte ich noch nicht. Somit das Tablet gegriffen und einfach ein bisschen rumgammeln und gemächlich in den Tag starten. Gegen 12:30 Uhr verschwand ich dann mal in die Dusche – meine Schicht begann dann schon um 14:30 Uhr. Katharina hatte festgestellt, dass sie sich in der Vergangenheit wohl etwas vertan hatte mit den Schichten. So lauten die neuen Zeiten jetzt:

Frühschicht: 8:00 – 14:30

Spätschicht: 14:30 – 21:00

Bevor ich dann meine Arbeit antrat, ging es erstmal noch zum Fluß. Die Temperaturen hier sind inzwischen bei gut 30 Grad – da tut eine Abkühlung im kalten Fluß sicher gut – aber leider war der Rand voll mit Bienen, Wespen und anderem Getier, dass die selbe Idee hatte wie ich – ok, dann nur kurz mal Hände und Füße rein – eine Wohltat! Ich hatte mir zuvor hier aus dem Bücherregal einen Roman genommen, indem ich immer mal wieder ein paar Seiten lese – „Fünf am Meer“ – Emma Sternberg. Ich bin ja nicht so der Lesekasper, aber ab und an ist das zum Abschalten ganz gut. Die letzten 30 Minuten vor Schichtbeginn verbrachte ich dann in der Hängematte – Entspannung pur! Da hätte ich auch gut drin liegen bleiben können. Meine eigene Hängematte habe ich bisher leider noch nicht eingeweiht – mal sehen, wann ich dazu komme! Aber bei uns direkt am Haus habe ich auch noch keinen guten Platz gefunden, der auch wirklich schön ist.

Meine Schicht begann mit Aprikosen pflücken, Wäsche abhängen und sortieren. Allerdings hatte ich keine Ahnung, von wem die Kleidung war, denn  Rosa hatte Maraike nicht darüber informiert, von wem denn nun die Wäsche sei. Gut, dann mal abwarten, ob jemand nach der Wäsche fragt. Da ich am 20.12 – 22.12. die erste Mehrtagestour begleiten werde, hatte ich natürlich noch ein paar Fragen und löcherte gleich mal Maraike. Sie hatte den Condor Trail schon gemacht und konnte mir direkt Rede und Antwort stehen. Ist auch eine Premiere für mich, zwar war ich schon mit den Pfadfindern auf Tour, auch mit Zelt aufbauen etc, aber zu Pferd ist das dann doch nochmal was anderes. Aber einen Tag vorher gibt es eh noch eine Besprechung, da kann ich dann noch alle offenen Fragen klären.

Im späteren Verlauf des Nachmittags trafen dann noch Camping-Gäste bei uns ein. Natürlich waren es Deutsche und sie sind inzwischen schon zum dritten Mal in Chile. Hatten sich bei Holiday for Rent einen Pickup mit Wohnmobilaufsatz gemietet und fahren nun durch den Norden Chiles. Da das Mobil doch eine beträchtliche Höhe hatte, war es etwas schwierig die richtige Position zu finden, damit das Mobil auch nicht an der Hacienda und dem Privathaus der Besitzer anschlägt – aber zu zweit konnten wir den Fahrer dann gekonnt durch die enge Gasse lotsen. Was nicht passt, wird eben passend gemacht 😊

Dann ging es für mich wieder in die Küche – es musste Frühstückskuchen gebacken werden, weiteres Geschirr musste gespült werden und nach dem Abendessen musste natürlich auch wieder alles für das Frühstück vorbereitet werden – the same procedure…

Nach der Schicht war ich so gegen 22 Uhr wieder in meinem Zimmer und machte mir Notizen zu den letzten Tagen (nicht, dass ich etwas vergesse) und hörte plötzlich ein Klackern auf dem Boden – was war das? Kurz Stille, dann wieder das Klackern. Das klang so, als wenn irgendwo was über den Boden laufen würde – aber wo? Schließlich entdecke ich etwas links neben meinem Schrank in der Ecke. Da saß doch tatsächlich ein Skorpion in meinem Zimmer. Nicht auch das noch! Jetzt fehlt ja eigentlich nur noch eine Schlange und ich hier fast alle gesehen! Aber wie bekomme ich den jetzt heile aus meinem Zimmer, ohne dass er mich sticht? Gut, dass Elke ebenfalls noch wach bzw. gerade ins Haus gekommen war. Sie griff sich einen größeren Glasbecher und ein Stück Papier und nach kurzem Kampf war der Kleine wieder in Freiheit – gut, dass sie das direkt gemacht hat – ich hätte mich vermutlich zu duselig angestellt und wäre vermutlich noch gestochen worden. Zwar sind die Skorpione hier nicht sehr giftig, aber so einen Stich möchte man trotzdem nicht haben und dann entzündet der sich vermutlich noch – nein danke! Das war dann also das Highlight des Tages – beruhigt schlafen konnte ich erstmal nicht! Hat mittlerweile hier echt was von Jumanji!

Am nächsten Morgen ging es wieder früh raus zur Frühschicht. Dieses Mal hatten sich mehrere Gäste zum Frühstück angesagt – dachte ich! Allerdings war das für die Camping-Gäste doch nicht der Fall. Da hatte ich dann wohl was durcheinandergebracht. Zusammen mit Rosa ging es dann an unsere Aprikosen, daraus wird hier meist Saft oder Marmelade gemacht. Da ich das noch nie gemacht habe, habe ich mir das gleich mal von Rosa zeigen lassen. Eigentlich gar nicht so schwierig – Früchte ab in kochendes Wasser, danach durch ein Sieb reiben, die Kerne entfernen und falls ggf Schale überbleibt, diese entsorgen. Dann wird der Saft in abgekochte Gläser gefüllt, diese werden dann auf den Kopf gestellt – fertig. Achja, natürlich muss jede Menge Zucker rein, damit der Saft auch haltbar ist. Und da die Chilenen es gerne süß mögen, geht dann schon mal der ein oder andere Löffel mehr an Zucker hinein. Die Chilenen haben zudem noch weitere Eigenarten, was das Essen angeht:

  • Rührei macht hier seinem Namen alle Ehre, denn die Eier werden hier tatsächlich erst in der Pfanne gerührt – also Eier rein und dann laaaangsam umrühren
  • Gurken werden hier NUR ohne Schale gegessen
  • Salat wird schön separiert auf dem Teller, oder man bekommt grob gehackte Zutaten auf einem Haufen
  • Und wenn möglich – alles Süße „más dulce“!

Die Camper wollten unseren Rundwanderweg gerne wandern und fragten nochmal den genauen Einstieg hinter der Hacienda ein. Ich selbst bin den Weg noch nicht komplett gelaufen, vielleicht komme ich da an einem freien Tag mal zu. Leider waren die Gäste von unserem Campingplatz nicht so begeistert, sodass sie auf dem Parkplatz ihr Lager aufschlugen und das ein oder andere Manko musste nochmal erwähnt werden. Dann werde ich mir die Tage mal die Beschreibung auf der Website anschauen, denn die soll etwas anderes versprechen. Das sollte natürlich nicht so sein.

Gäste müssen bei uns bis 12 Uhr auschecken. Und laut Plan (dachte ich) würde unser „Pisco-Deutscher“ heute abreisen. Also noch schnell die Rechnung erstellen. Aber bei den Übernachtungen ging das hinten und vorne nicht auf. Ich holte mir Rat bei Katharina und die klärte mich dann kurzer Hand auf, dass der Gast erst morgen auschecken würde. Ups, die ganze Mühe also umsonst – aber so kann man am besten lernen. Jetzt weiss ich, dass die Kalendereintragungen besagen, dass wenn er nicht mehr eingetragen ist wird er an diesem Tag auschecken. Das werde ich dann so schnell nicht mehr vergessen. Nach meiner Schicht half ich dann noch bei den Vorbereitungen für unser Asado am Abend. Da die Jungs eigentlich so gut wie alles mitbringen wollten (Fleisch, Gemüse, Getränke), blieb für uns nicht mehr viel übrig. Somit entschied ich mich dann für Nachtisch und versuchte eine Brownie-Variante mit Dekor-Schokolade, da wir leider keine Bitterschokolade vorrätig hatten. Das klappt erstaunlich gut und sie waren der Renner am Abend – neben dem wahnsinnig leckeren und übermäßig vielen Fleisch.

Zutaten für die Brownies

Doch bevor es dann abends an die letzten Vorbereitungen ging, nahm ich mir nochmal eine kurze Pause, nahm eine Dusche und schaute mir danach die Bilderbücher von Meret und ihrer 3-Monats-Toour zu Pferd an. Sie war mit ihrem Freund (jetzt Mann) und einer anderen Praktikantin von der Hacienda zu einem 3-Monats-Ritt gen Süden aufgebrochen und hat dies mit tollen Bildern und einem Tagebuch festgehalten. Schon ein besonderes Erlebnis. Eigentlich wollte sie das für ein Jahr machen, aber das wollte ihr Mann dann nicht. Dann hatten sie sich also auf 3 Monate geeinigt und waren samt bepacktem Esel durch die Berge geritten. Haben viel erlebt in der Zeit, neue Freunde getroffen und natürlich jede Menge Erfahrung. Mussten zwischendrin sogar ein neues Pferd kaufen, da das Pferd von Rambo Probleme hatte. Wahnsinnige Aktion – Hut ab! Als ich die Bilder gesehen hatte, wäre ich am liebsten direkt aufs Pferd und ab dafür. Aber wer weiss, ob das überhaupt was für mich wäre – wobei, ich als ehemaliger Pfadfinder…

Dann ging es zurück zu dem Haus der Mädels. Maraike musste noch arbeiten, somit half ich Katharina bei den letzten Vorbereitungen. Gegen 22 Uhr wollten die Jungs eigentlich aufschlagen, aber natürlich verspäteten sie sich – kündigten das aber wenigstens per Telefon rechtzeitig an. Die ersten Gäste trudelten ein (Meret & Rambo) und schließlich waren die Jungs dann auch kurz nach 23 Uhr da. Das Feuer war schnell entfacht und Rambo kümmerte sich dann um die Glut. Dann stand man beisammen am Grill, es wurde gequatscht, gelacht und getrunken. Gegessen wurde schließlich gegen 0:30h – nicht ganz so gut für den Magen, das sollte ich am nächsten Tag merken. Wir saßen noch lange gemütlich zusammen, irgendwann verabschiedeten sich Meret & Rambo und danach ging es dann ans Pokern – gerade erst gelernt, hatte ich gar nicht mal soo schlechte Karten – dachte ich. Das erste Spiel war allerdings schnell verloren, bzw. das Geld gesetzt. Aber bei der zweiten Runde sahnte ich den kompletten Pott ab! Schade, dass wir nicht wirklich um Geld gespielt haben! Gegen 5:20h lag ich dann ziemlich müde in der Koje – gut, dass ich am nächsten Tag keinen Frühdienst hatte!

Backe, Backe…Plätzchen..

Zur Weihnachtszeit wollten wir wenigstens Backen und Dekorieren. Somit stand das Wochende ganz im Zeichen von Teig-Vorbereitung und Dekoration der Hacienda. Allerdings hatten wir nicht wirklich viel Dekoration zur Auswahl – aber wenigstens gab es welche! Ich hatte freie Hand und Katharina und ich entschieden uns dann dazu eine Palme zur Weihnachtspalme umzudekorieren. Ich finde, das ist mir gut gelungen – oder?

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Ich wollte dann endlich mal Spritzgebäck machen. Hatte mir extra das Rezept von meiner Mama zuschicken lassen und war optimistisch, dass es klappen würde. Aber mit den Zutaten und der Wärme hier verhält sich so ein Teig irgendwie anders. Zudem muss der Teig auch noch ruhen – und der Kühlschrank ist so kalt, dass der Teig erst wieder in der Wärme stehen musste, damit man ihn irgendwie verarbeiten kann. Leider haben wir hier auch weder einen Fleischwolf, noch eine Teigspritze, mit der man den Teig gut verarbeiten könnte. Dann muss also eine Eigenkreation her. Kanüle also an der Ecke einer Frischhaltetüte befestigt und das Glück herausgefordert. Am Ende hatte ich 2 Tüten, die in den Müll konnten, meine Hände waren voller Butter und die Plätzchen sahen aus wie… naja, ich will mal nicht näher drauf eingehen. Es musste eine Alternative her – nur wie? Gut, dass Elke am Montag wieder einkaufen geht und mir hoffentlich entsprechende Beutel mitbringen kann.

 

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