Auszeit – Argentinien – Woche 35

Dienstag, 03.04.2018

Früh am Morgen starteten wir dann also gemeinsam Richtung Esquina, Provinz Corrientes. Eine sehr lange Fahrt stand uns bevor. Gut 12 Stunden! Doch ich war froh, dass ich jetzt nicht umständlich fliegen musste, um weiter Richtung Iguazu zu kommen. Zudem hatte ich noch mit den Folgen des Sturzes zu kämpfen. Zwar hatte ich Medikamente bekommen, die mir halfen bei Laune zu bleiben, aber wirklich „oben auf“ fühlte ich mich nicht. Daher umso besser, dass ich nun Zeit hatte zu entspannen.  Aber schlafen konnte ich auch nicht so wirklich . Iza und ich hatten hinten im Auto Platz genommen, da die Reporterin (ja, Namen….) vorne auf dem Beifahrersitz einfach mehr Platz hatte. Sie hatte deutlich mehr Blessuren von ihrem Sturz davon getragen und somit überließen wir ihr gerne die erste Reihe.

Wie schon auf den Fahrten in Salta erklang wieder typisch argentinische Musik vom mp3 Stick und beim ein oder anderen Lied ließ es Dario sich auch nicht nehmen mitzusingen. Ganz klar, dass ich die Musik natürlich haben musste und ihn bat mir später mal den Stick zu geben, damit ich mir die Musik auf mein Tablet laden kann und somit noch etwas mit nach Hause nehmen kann, was mich an eine besondere Zeit erinnern wird.
Auf der Fahrt war natürlich Matè für alle dabei und die Koka-Blätter wurden wieder munter gekaut. Glaube hier werden diese Blätter konsumiert, wie bei uns die Kaugummis. Um mir die weitere Fahrt zu vertreiben, wies mich Dario noch auf ein Buch hin, dass er mal von Deutschen geschenkt bekommen hatte. Ja, so klein ist die Welt eben!

Die Fahrt war zwar lang, aber irgendwie verging sie dann doch ziemlich schnell. Wenn ich mal so recht überlege, nach Schweden, zum Ferienhaus meiner Eltern, ist man ebenfalls gut 12 Stunden mit dem Auto unterwegs und da kam es mir als Kind doch immer wieder Ewigkeit vor. Schließlich erreichten wir in der Provinz Corrientes auch die Stadt Corrientes. Von dort aus waren es dann aber noch gut 4 Stunden, bis wir endlich die Estancia erreichen würden.

So dachten wir zumindest, aber zur Estancia würden wir dann doch erst am nächsten Tag fahren. Den ersten Abend verbrachten wir dann also in seinem Haus, das gut 45 Minuten von der Estancia entfernt liegt. Als wir sein Haus erreichten erwartete uns schon sein „Hausmeister“ – der sich wohl um Darios Grundstück und Haus kümmert, wenn er auf der Estancia ist oder auf Touren unterwegs in Argentinien. Anlässlich Darios Geburtstag war schon alles für ein Asado vorbereitet – war ja auch irgendwie schon klar! Und selbstverständlich wurde auch nur der beste Wein gereicht. Hatte ich schon erwähnt, dass ich in meinem Leben bisher noch nie so viel Rotwein getrunken habe, wie in Argentinien alleine in 2 Wochen!!! Ja, wie in der Kirche.. unser täglich Wein… :). Nachdem wir uns dann frisch gemacht hatten, unsere Zimmer bezogen hatten, wartete also ein richtig schöner Abend auf uns. Darios Bruder kam noch dazu und zur späteren Stunde wurde noch die Gitarre raus geholt und der Abend klang mit schöner Musik und tollem Gesang aus. Ganz besondere Momente des Glücks. Auch wenn es bisher nicht ganz meiner Vorstellung entsprochen hatte, war ich doch ganz nah dran. Gut 3 Flaschen Wein später, waren wir dann doch alle froh, als wir endlich die Betten fallen konnten.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Mittwoch, 04.04.2018

Nach einem leckeren Frühstück am nächsten Morgen ging es kurz in die Stadt bevor wir dann endlich Richtung Estancia fuhren. Ich war gespannt, was uns erwarten würde und nach gut 45 Minuten über Straße und Schotterpiste erreichten wir die Toreinfahrt. Weit streckten sich Wiesen und Felder und nach kurzer Weiterfahrt erreichten wir den Hof. Vor dem Haupthaus lebten die Bediensteten der Estancia. Die sogenannten Gauchos! Allerdings lebte hier gleich die ganze Familie und nicht nur die Männer. Also wird es hier doch etwas anders gehalten, als es mir bekannt war. Das Haupthaus ist eine schöne alte Villa mit einem großen Aufenthaltsraum, einigen Zimmern mit eigenen Bädern und das Highlight ist wohl das Turmzimmer, von dem man einen tollen Ausblick auf den Garten und den naheliegenden Fluss hat. Das Essen wird entweder auf der Terrasse oder an einem langen Tisch neben der Küche gereicht. Neben uns war noch eine weitere Urlauberin aus der Schweiz da, die wohl regelmäßig hier ihren Urlaub verbringt. Ich hatte mich immer noch nicht entschieden, wie lange ich nun wirklich bleiben wollte, aber da ich ja leider nicht als „Helfer“ dort mir Kost & Logis verdienen konnte, würden es wohl nur ein paar Tage sein. Allzu viel Zeit hatte ich ja auch gar nicht mehr und das nächste Ziel waren dann schließlich auch schon die Iguacu Wasserfälle. Aber zumindest ein wenig Gaucholeben wollte ich kennen lernen, wenn ich schon mal die Chance bekomme. Ich teilte mir mit Iza ein großes Zimmer, mit schönem Ausblick Richtung Fluss und Garten. Hier kann man es sicherlich auch länger aushalten, nur bei mir würde es doch zu sehr am Budget knabbern. Pro Nacht (allerdings all-in) sollten es dann doch über 100 € sein und das schmälert natürlich doch erheblich die Reisekasse auf den letzten Metern. Aber es waren ja auch mehrere Reittouren dabei inbegriffen. Also, erstmal abwarten und schauen, gehen kann man schließlich immer, wenn es nicht mehr gefällt.

Nach einem vorzüglichen Mittagessen starteten wir dann zu unserer ersten Tour. Es ging in eine Art Sumpfgebiet und die Pferde mussten mit uns dann einige Wasserstellen durchqueren, gut, dass die es keine kleinen Pferde sind, ansonsten hätten wir wohl nasse Beine bekommen. Die „Criollos“ in Argentinien sind auch besonderer Abstammung und Züchtung. Sie sind teils sehr robust, können aber auch wahnsinnig schnell sein, eigentlich perfekte Allround-Talente. So ein Pferd sein Eigen nennen zu können, das ist dann wohl eher nur ein Wunschgedanke. Leisten kann man sich diese Tiere kaum, geschweige denn man bekommt sie in Deutschland. Den ersten Ritt verbrachte ich auf einer Stute und zusammen konnte man uns wohl als kompaktes Duo sehen. Aber irgendwie wurden wir beiden nicht ganz grün miteinander oder ich war nach meinem Sturz nun doch etwas gebrandmarkt. Nach gut 2 Stunden kehrten wir dann zur Estancia zurück. Passend zum Sonnenuntergang ritten wir noch runter zum Fluss, bevor wir dann die Pferde wieder bei den Gauchos abgaben und als nächstes auf dem Programm stand dann auch schon das Abendessen. Für die nächsten Tage waren noch weitere „Erkundungstouren“ geplant, u.a. würden wir die Gauchos auch bei der Arbeit sehen & begleiten.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Donnerstag, 05.04.2018

Ein neuer Tag, ein neuer Ritt, ein neues Pferd. Die Sonne lachte wieder vom Himmel und nach einem, wieder köstlichen, Frühstück ging es auf die nächste Tour. Stilecht mit selbst gedrehten Zigarillos. Dario hatte mir noch ein Tuch aus seiner Sammlung geschenkt und somit näherte ich mich Stück für Stück einem Gaucho-Outfit. Es fehlte eigentlich nur noch eine Hose, entsprechende Schuhe und eine Mütze. Aber ob ich das in der Stadt noch bekommen würde? Zumindest hatte Dario schon gesagt, dass wir nochmal in die Stadt fahren werden und dann auch entsprechend die Kleidung kaufen könnten. Aber auch für meine Figur? Naja, mal abwarten. Der Ritt führte uns vorbei an verschiedenen Bäumen, einer Schonung und kleinen Lichtungen. Schließlich hatten wir freie Sicht auf die Felder und Wiesen der Estancia. Und dann wurde einem noch mehr klar, wie flach und weit das Land hier in Esquina doch ist. Gleicht fast schon den Niederlanden. Kilometer- und stundenlang kann man hier geradeaus reiten und hat das Gefühl, man ist gar nicht voran gekommen. Dennoch freute ich mich über jeden km den ich zu Pferd verbringen durfte. Schon etwas besonderes.

Neben ein paar der knapp 5000 Rindern der Estancia, trafen wir dann auf einen Teil der frei lebende Pferdeherde, angeführt von einem prächtigen Hengst. Mal wieder einer dieser magischen Momente. Den Tieren hier geht es auf jeden Fall gut.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Zum Mittagessen ging es dann wieder zurück zur Estancia. Der nächste Wein wurde gereicht, doch mir reichte das Wasser und der Saft, denn vom Sturz hatte ich immer noch Begleiterscheinungen und da ich Tabletten nehmen musste, verzichtete ich lieber auf den Wein. Die Pause bis zum nächsten Ritt verbrachte ich dann im Garten des Estancia, suchte meiner Hängematte einen Platz und versuchte zu entspannen. Das war aber nicht wirklich so einfach und ich hatte immer noch die Entscheidung zu treffen, wann ich mich denn in Richtung Iguacu auf den Weg machen wollen würde und auch wie? Die wohl beste Möglichkeit war mit den Langstreckenbussen zu fahren. Denn per Anhalter könnte es unter Umständen länger dauern, aber die Zeit hatte ich nun leider nicht mehr. Mein Tablet machte auch immer wieder Mucken, sodass ich schließlich über mein Smartphone nach den Alternativen schauen musste und auch das Internet war auf der Estancia nicht unbedingt sehr stabil. Da musste man sich schon in der Nähe des Routers aufhalten, ansonsten konnte man lange nach Signal suchen.

Nachmittags ging es dann nochmal in die Stadt. Dario musste ein paar Sachen besorgen, wir hatten zuvor unsere Wäsche zum Waschen abgegeben und konnte diese nun wieder abholen. Netterweise hatte seine Mutter das für uns erledigt. Dann ging es noch in zwei Geschäfte für die typische Kleidung und ich wurde zumindest bei einer Hose fündig. Schuhe, dafür hatte ich keinen Platz mehr und einen Hut, den konnte ich mir dann auch nicht leisten. Aber wenigstens schon mal etwas. Zurück an der Estancia wartete man dann schon mit dem fertigen Abendessen auf uns und nach einer kühlenden Dusche ging es dann in die Federn.

Freitag, 06.04.2018

Der nächste Tag stand ganz im Zeichen der Arbeit der Gauchos. Wir mussten früh aus den Betten und ritten schließlich dem Sonnenaufgang entgegen. Wieder einer dieser Momente 🙂
Dann ritten wir stundenlang nur geradeaus. Die Bäume am Horizont wurden nur langsam immer größer oder änderten ihre Position. Ja, da ist es wirklich wichtig einen guten Sattel zu haben, wenn man sich mal vorstellt, dass teilweise tagelang geritten werden muss, um etwas zu erreichen. Einige Tore, Seen und KM hatten wir hinter uns gebracht, dann trafen wir endlich auf die Gauchos, die bereits einige Rinder zusammen getrieben hatten. Heute Stand Impfung einiger Tiere auf dem Programm und das wurde in der Nähe in einem eingezäunten Teil durchgeführt. Gleichzeitig auch unser Ort für die Mittagspause. Aber erstmal hieß es dann, die ganze Herde zusammen dorthin zu treiben. Gar nicht mal so einfach, wenn man einige Ausreißer hat, die meinen, dass sie immer wieder gegen die Richtung laufen müssen. Ich hielt mich daher dezent zurück und ließ die Gauchos ihre Arbeit machen. Die anderen hatten sichtlich Spaß am Treiben und schließlich gelang es uns alle Tiere in den abgesperrten Bereich zu bringen. Dann machten die Gauchos eher ein bisschen Show daraus die einzelnen Tiere zu fangen um sie zu impfen, aber was tut man nicht alles, um Touristen zu zeigen, wie toll und lässig sie doch ihre Arbeit machen. Allerdings war die jeder Lasso-Wurf von Erfolg gekrönt. Irgendwann stiegen wir dann von den Pferden ab und das Mittagessen wurde vorbereitet. Mitten im nirgendwo an einer kleinen Hütte. Hier war man wirklich mal ganz weit draußen! Zum leckeren Essen (Kartoffeln, Fleisch, Bohnen, Gemüse) wurde natürlich wieder Wein gereicht, was auch sonst?!

Nach dem Essen ruhten sich alles noch etwas aus und es blieb Zeit noch ein paar Fotos zu machen – ein Glück, dass ich meine Spiegelreflex-Kamera dabei hatte, so konnte ich einige Momente und tolle Motive für mich festhalten. Dann wurde wieder alles verstaut und aufgeräumt und langsam ritten wir zurück zu Estancia, was natürlich nicht weniger lange dauerte, als der Hinritt. So lange hatte ich bisher nur in Chile im Sattel gesessen, wenn wir auf einer Mehrtagestour unterwegs waren.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Samstag, 07.04.2018

Heute sollte es dann nochmal auf einen längeren Ritt gehen, fast bis nach Esquina Stadt, zumindest in diese Richtung. Heute ging die Route also etwas anders aber auch (gefühlt) wieder stundenlang ohne wirklich voran zu kommen. Natürlich machten wir einiges an Strecke, aber mit der flachen Weite dieses Landes bekommt man eben den Eindruck vermittelt, man würde sich fast nur auf der Stelle bewegen und nur gaaanz langsam voran kommen. Dabei kann man dann aber auch gut abschalten. Man muss nicht viel auf andere achten, Autos fahren nicht querfeldein. Man sollte bei Zeiten vielleicht mal schauen, wie weit man von den anderen entfernt ist, damit man den Anschluss dann nicht verliert. Gerne hätte ich auch mal noch andere Teile der Ländereien dieser Estancia gesehen, aber ich war ja nun mal nicht die Einzige. Schließlich erreichten wir dann wieder ein kleines Haus, an dem man uns aber schon erwartete. Das Essen war bereits vorbereitet, die Getränke waren kalt. Natürlich gab es wieder vorzügliches Fleisch und nach dem Essen konnte man in den Hängematten verweilen oder auf der Wiese entspannen. Ja, so lässt es sich doch leben.

Bevor es dann wieder zurück zur Estancia ging, zeigte uns Dario noch ganz stolz einen neuen Hengst seiner Herde. Ein wirkliches Pracht-Tier. Den Eigensinn des Tieres konnte man schon an seiner Körperhaltung sehen, sehr besonders aber auch mit Vorsicht zu genießen.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Auf dem Weg zurück nochmal die Landschaft und die Momente genossen. Gleichzeitig ging mir aber der letzte Teil meiner Reise nochmal durch den Kopf. Ich muss weiterziehen, denn schließlich habe ich nur noch ein paar Tage Zeit und auf den letzten Drücker kann sicherlich auch noch einiges schief gehen. Plan also für den Abend; schauen, wie ich am schnellsten Richtung brasilianische Grenze komme. Am 15.04. geht schließlich mein Flug zurück nach Deutschland und vorher will ich mir auf jeden Fall noch den Iguazu, wenn möglich von beiden Seiten, anschauen. Da es natürlich auch in Argentinien viele Busse gibt, die weite Entfernungen fahren, war dies dann auch die Einzige Möglichkeit um dorthin zu gelangen. Dabei hatte ich zwei Möglichkeiten, entweder mit einem Zwischenstopp in einer anderen Stadt und einem Umstieg oder eine Direktfahrt, die dann aber etwas länger dauern würde. Ich entschied mich dann für die Direktfahrt, dann muss ich mich nicht neu orientieren und bin etwas entspannter unterwegs. Nur die Frage, wie komme ich von der Estancia zum Busbahnhof? Der Besitzer der Estancia war zum Glück vor Ort und so organisierte Dario den Transfer für mich am nächsten Tag. Da der Bus aber erst mittags fahren würde, könnte ich noch den Morgenritt mitmachen – ein guter Abschluss für diesen Teil der Reise. Am Abend war dann also wieder Packen angesagt, mit einem lachenden und auch weinenden Auge.

Sonntag, 08.04.2018

Der nächste Morgen war etwas kühler und auch gut bewölkt. Nach dem Frühstück ging es dann nochmal an den nahe gelegenen Fluss, durch das Sumpfgebiet und schließlich an den Strand. Immer wieder ein schönes Erlebnis auf dem Rücken der Pferde reiten zu dürfen und die Landschaft zu entdecken. Auf dem Sand am Fluss wurde es dann aber doch noch kurz brenzlich, denn plötzlich versank eines der Pferde im Sand, also vermutlich Treibsand. Ein kurzer Schock-Moment für Iza, denn nur mit Hilfe von Dario gelang es ihr dem Sand zu entkommen. Denn in solchen Momenten muss man ruhig bleiben und sich langsam bewegen, ansonsten zieht einen der Sand nach unten. Sofort kam mir wieder mein Sturz in den Sinn und die Angst war wieder da. Wie schnell sowas passieren kann, wird einen dann innerhalb von Sekunden bewusst. Aber solche Dinge passieren und man darf sich davon nicht verrückt machen lassen. Allerdings werde ich sicherlich noch etwas Zeit brauchen, bis dahin heisst es im Schritt reiten.

Nach dem Mittagessen ging es dann also los zum Busbahnhof. In den letzten Tagen war die Stimmung allerdings zwischen uns allen etwas kühl geworden. Was genau passiert ist, kann ich gar nicht genau sagen. Vielleicht war Iza verwundert, dass ich ebenfalls mit zur Estancia wollte und Dario auch mir angeboten hatte mitzukommen? Allerdings wollte ich ja eigentlich gegen Kost & Logis mithelfen, da dies aber nicht möglich war, konnten wir ja wenigstens zu einem etwas vergünstigten Tarif dort bleiben. Aber auf Dauer wäre das schon ein ordentlicher Einschnitt in meiner Reisekasse gewesen, daher war es die richtige Entscheidung schon die Weiterreise anzutreten. Auf der Fahrt zum Busbahnhof versuchte ich dem Besitzer nochmal Work & Travel bzw. Urlaub gegen Hand „schmackhaft“ zu machen. Es hat einiges an Mehrwert für beide Seiten, man bekommt Hilfe und im Gegenzug hat der Helfende einen tollen Aufenthalt, lernt Sitten und Gebräuche kennen etc. Aber gut, nicht jeder versteht davon etwas oder sieht den Sinn darin. Am Busbahnhof angekommen, half mir der Besitzer der Estancia noch das richtige Busticket zu kaufen. Er wartete noch kurz mit mir und dann trennten sich unsere Wege. Gespannt auf Iguazu ging es für mich dann auf eine 10 -stündige Busfahrt. Also würde ich früh am Morgen am nächsten Tag in Iguazu sein.

Falls Interesse besteht, Urlaub auf dieser Estancia zu machen oder einen der tollen Mehrtages-Ritte in Mendoza oder Salte mitzuerleben, hier die Web-Adresse: http://www.gaucho-argentino.com/en/

Montag, 09.04.2018

Die Sonne lachte wieder vom Himmel und die Vegetation war wieder eine andere. Sattes Grün, viel Regenwald, Lehmstraßen. Eine Vorstellung dazu hatte ich mir vorher irgendwie gar nicht gemacht. Ein Hostel hatte ich mir schon ausgeguckt, so musste es dann bei Ankunft nur noch gefunden werden.

Das Klima war gleich ein anderes, wieder viel wärmer und auch eine feuchtere Luft. Aber, so sollte es im Regen- bzw. Tropenwald ja auch sein.

Nach kurzer Suche hatte ich mein Hostel gefunden. Da ich aber noch nicht einchecken konnte, musste ich mein Gepäck erst einmal im Aufbewahrungsraum verstauen. Schnell frisch gemacht und gleich mal informiert, wie man zu den Wasserfällen gelangt. Da der Tag noch recht jung war und ich am nächsten Tag dann gleich weiter nach Brasilien fahren wollte, irgendwie ja auch musste, machte ich mich zeitig auf den Weg zu den Wasserfällen. Mehrere Busse fahren vom Busbahnhof dorthin und auch wieder retour. Also, auch dort weise entscheiden und gleich das Hin- und Rückfahrt-Ticket kaufen. Am Bahnhof sprach mit dann ein junger Mann an, ob ich wüsste welcher Bus zu den Wasserfällen fahren würde. Also nicht nur zu Hause in Deutschland scheine ich Anlaufpunkt für allerhand Info-Anfragen zu sein. Nach kurzer Unterhaltung stellten wir fest, dass wir beide aus Deutschland sind, er allerdings aus München. Da wir beide das selbe Ziel hatten, beschlossen wir zusammen zu fahren und somit war ich nicht alleine an diesem für mich denkwürdigen Tag – schließlich war das schon ein langer Traum von mir, einmal direkt vor den größten Wasserfällen der Welt zu stehen. Nach kurzer Fahrt erreichten wir den Haupteingang. Schnell ein Ticket gesichert und hinein. Die argentinische Seite hat wesentlich mehr zu bieten, als die Brasilianische. Man kann viel mehr selbst laufen, kann sich verschiedene Teile und Wasserfälle ansehen und wenn man Glück hat, hüpft noch der ein oder andere Affe vorbei, aber die Vielfalt an Schmetterlingen, die es hier zu bestaunen gibt, habe ich bisher nur in Schmetterlingshäusern gesehen. Leider war die vorgelagerte Insel wegen Räumungsarbeiten gesperrt, aber jeder Wanderweg brachte neue tolle Aussichten und dann kamen wir dem Herzen der Wasserfälle langsam aber sicher näher. Ich glaube die Freude und das Glück darüber da sein zu dürfen waren mit deutlich ins Gesicht geschrieben, oder?

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Man kann in diesem park locker einen ganzen Tag verbringen und hat vermutlich dann noch nicht alles gesehen. Zusätzlich kann man noch Bootstouren buchen und mit kleinen Booten sogar ganz nah ran fahren. Aber mir reichte es alles selbst zu erkunden und freute mich über jeden noch so kleinen Wasserfall wie ein kleines Kind. Mag komisch klingen, ist aber so! Insgesamt gibt es 3 Routen, Wanderwege, die man laufen kann. Das Highlight, welches wir uns dann auch für den Schluss aufgehoben haben, war dann „Garganta del Diablo“, also der Schlund des Teufels und so nah ran, wie auf der argentinischen Seite, kommt man ihm auf der brasilianischen Seite nicht. Zunächst aber ging es von der blauen Route, auf die rote Route. Hier zeigten sich neben den tollen Blicken auf die großen Wasserfälle auch kleine Nebenflüsse und Wasserfälle und da aktuell auch Nebensaison war, waren nicht so viele Menschen und Touris vor Ort, sodass man sich seine Zeit überall nehmen konnte. Sicher, an den „Hotspots“ für Fotos durfte man schon mal einen Augenblick warten, aber ich denke zur Hochsaison ist da einiges mehr los. Dann entdeckten wir auch endlich die Affen und auch die sehr zutraulichen Nasenbären streiften unseren Weg. Einfach zum Knuddeln diese Tiere – aber Vorsicht, die Biester beißen anscheinend sehr gerne, somit ist es auch nicht gestattet, die Tiere zu füttern. Aber sie sollen sich ja auch nicht zu sehr an den Menschen gewöhnen, denn den Respekt verlieren diese Tiere dann sehr schnell. Bei den Affen hingegen muss man aufpassen, dass sie einem nicht das Sandwich oder glatt die Kamera aus der Hand klauen. Wir verbrachten also den halben Tag damit zu wandern, zu schauen, zu fotografieren und einfach zu bewundern. An einigen Stellen hätte ich durchaus länger verweilen können, aber es lag noch ein wenig Strecke vor uns, bis es dann schließlich mit einer kleinen Bahn Richtung Highlight des Ausflugs ging.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Nach der kleinen Bahnfahrt erreichten wir also den Zugang zum größten und wohl auch lautesten Wasserfall. Bevor es auf den angelegtem Weg zur Aussichtsplattform ging, entdeckte ich noch einen Schwarm an Schmetterlingen, der wie wild umher flog. Allerdings sehr nah am Boden. Dann, so sagt man, sind sie aber kurz davor zu sterben. Also ein wunderschönes Bild, mit einem sehr traurigen Hintergrund. Aber so sind sie, die Gesetze der Natur. Wenn man bedenkt, dass die Schmetterling auch nur ein paar Tage leben, ist es eine besondere Momentaufnahme. Auf dem Foto allerdings nicht ganz so gut zu erkennen, wenn man es nicht weiss.

Dann waren es nur noch wenige 100 Meter zur Aussichtsplattform und ich war schlichtweg begeistert von der Aussicht und dem Tosen des Wasserfalls. Meine Kamera stand in den nächsten Minuten nicht mehr still und ich versuchte jeden Winkel und Sicht abzulichten. Dann verweilte ich einfach und ließ den Moment auf mich wirken. Es war genauso magisch, besonders und einzigartig, wie ich es mir vorgestellt hatte. Meine Erwartungen wurden eigentlich noch übertroffen und das kommt eher selten vor. Die Naturgewalten, immer wieder faszinierend. Der Tag neigte sich aber dann dem Ende zu und schließlich mussten wir schauen, dass wir zum Ausgang kommen. Dieser Tag hätte durchaus länger dauern können.

Dann ging es also wieder zurück zum Hostel. Für den nächsten Tag hatte ich noch zu organisieren, wie ich nach Brasilien komme und welches Hostel ich buchen wollte. Da erinnerter ich mich an eine Empfehlung aus Cordoba – das Tetris Hostel, nur gebaut aus Containern sollte ich mir anschauen. Das Ziel für den nächsten Tag war dann also gesteckt.  Da der Tag doch recht heiss und anstrengend war, drehte ich noch ein paar Runden im Pool, dann trafen Micha und ich uns nochmal für einen Abendrundgang, organisierten uns ein Abendessen und dann gab es noch ein Abschlussbierchen. Er gab mir noch Tipps für den nächsten Morgen, denn natürlich musste ich mir auch das Drei-Länder-Eck anschauen, wenn ich schon mal da bin. Müde aber zufrieden fiel ich spät ins Bett.

Please follow and like us:

Gerne hier kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.