Auszeit – Argentinien – Woche 34

Mit dem Flieger ging es nun also von Córdoba nach Salta. Ein bisschen eingelesen hatte ich mich in meinem Reiseführer schon und auch ein paar Orte gefunden, die ich mir gern anschauen wollte, wenn irgendwie möglich. Auf jeden Fall würde es landschaftlich wieder einen Kontrast werden. Der Flug dauerte etwa 2 1/2 Stunden und aus der Luft hatte man einen tollen Überblick über die wunderbare Landschaft des argentinischen Nordens.

Bei der Gepäckausgabe hielt ich Ausschau nach Reisenden, die ebenfalls nach Salta Stadt fahren wollten. Denn, wenn sich eines hier lohnt, ist es sich ein Taxi zu teilen. Zwei weitere Backpacker mussten ebenfalls in die Stadt und somit schlossen wir  uns kurzer Hand zusammen. Zwei Franzosen –  also doch nicht nur Deutsche unterwegs. 😉
Den Taxi-Fahrer fragte ich nach ein paar Tipps und Tricks und fragte gleich noch nach einer guten und günstigen Autovermietung. Denn um sich die nähere Umgebung anzusehen und vielleicht noch einen Nationalpark anzuschauen, lohnt es sich schon hier ein Auto zu haben. Ansonsten würde nur noch die Möglichkeit bestehen, sich einer Tour anzuschließen und das war ja eigentlich nicht unbedingt mein Plan. Nur hatte ich eines völlig außer Acht gelassen – Semana Santa – die heilige Woche vor Ostern! Natürlich war das Urlaubszeit in Argentinien und in vielen Städten wird sogar groß gefeiert – unter anderem auch in Salta. Also, wieder etwas dazu gelernt, denn diese Woche gibt es so bei uns in Deutschland nicht, aber in Spanien und spanisch geprägten Ländern, wird diese Woche besonders gefeiert.

Salta Stadt machte auf den ersten Blick keinen besonderen Eindruck auf mich. Es war eher eng und wuselig – viele Einbahnstraßen, Stromkabel über den Straßen. Also, wieder eine Stadt, die mir vermutlich nicht gefallen wird. Vielleicht gibt es einen schönen Altstadt-Teil. Aber erstmal wollte ich im Hostel ankommen. Gebucht hatte ich zwei Nächte im Covacha Hostel, am Rande des Zentrums, aber fußläufig zu den nächsten Geschäften und auch der Altstadt. Da ich aber nicht großartig Lust hatte noch loszuziehen und mir etwas für mein Abendessen zu suchen, schloss ich mich spontan bei der Empanada-Bestellung im Hostel an. Die hatte ich auch schon länger nicht mehr gegessen und falsch machen kann man da eigentlich kaum etwas. So endete dieser Tag also gemütlich auf der Dachterrasse des Hostels.


Dienstag, 27.03.2018

Boris hatte sich ja ebenfalls dazu entschlossen nach Salta zu kommen und hatte ein Ticket für einen Bus gebucht, der am nächsten Morgen in Salta ankam. Nach dem Frühstück wartete ich also auf eine Nachricht von ihm, bzw. sein Erscheinen im Hostel. Nachdem er dann endlich angekommen war und anscheinend nicht allzu viel Schlaf im Bus bekommen hatte, machten wir uns auf die Suche nach einem Auto. Aber bei keiner Autovermietung hatten wir noch Glück – wir waren einfach zu spät dran. Keine Verfügbarkeit für die nächsten Tage. Sehr schade. Dann blieb uns also nichts anderes übrig, als eine Tour zu buchen, damit wir uns etwas in der Gegend anschauen konnten. Vom Hotel aus gab es mehrere Möglichkeiten, dennoch schauten wir auch in den Büros in der Stadt nach Alternativen. Boris wollte sich gerne die „Quebrada de las conchas“ ansehen. Die beeindruckender als so manche Canyons in den USA sein sollen. Weiter im Süden der Provinz liegt die Stadt Cafayate, auch bekannt für gute Weinerzeugnisse. Aber ebenso interessant waren für mich die Städte im Norden der Provinz – Purmamarca & Humahuaca, das fast auf 3000 Höhenmetern liegt. Die Berge und Felsen in der Region erstrahlen durch die darin enthaltenen Mineralien je nach Sonneneinstrahlung in verschiedensten Farben. Da mussten dann also wieder mal eine Entscheidung getroffen werden. Zwar hatte ich noch keine Weiterfahrt organisiert, aber ich hatte natürlich schon im Blick, dass ich noch eine große Strecke zu bewältigen hatte und ich nicht mehr allzu viel Zeit hatte. Also war mein Aufenthalt auch für Salta begrenzt.

Bevor wir jedoch die „finale“ Entscheidung für die Tour treffen wollten, schauten wir uns noch ein wenig die Stadt an und der schönste Teil, den ich bisher gesehen hatte, ist in meinen Augen der „Plaza de 9 Julio“. Der Mittelpunkt der Altstadt, wie in so vielen Städten in Chile & Argentinien bisher. Ein paar Geocaches hatte ich auch hier wieder auf der Liste und so machten wir uns nach einer kurzen Pause im Hostel auf den Weg zum Aussichtpunkt oberhalb der Stadt. Uns schloß sich noch Melissa aus den Niederlanden an und zu Dritt ging es zunächst am „Monument General Martin Miguel de Guemes“ vorbei und dann viele Stufen bergauf zum Aussichtpunkt auf dem kleinen Berg San Bernardo. Viele Jogger und Sportler kreuzten unseren Weg, also haben die Spanier und die Südamerikaner dann doch auch noch weitere Gemeinsamkeiten – sportlich aktiv sein um fit zu bleiben.

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Den Weg bergauf nutzen wir derweil, um uns über die aktuellen Reisepläne auszutauschen und Melissa hat noch ein paar Monate vor sich, bevor sie wieder nach Hause zurückkehrt, um einen neuen Job anzutreten. Zwischen uns Dreien funktionierte es auf Anhieb. Es stand also nichts im Wege, die Tour am nächsten Tag zusammen zu machen.
Auf dem Weg kreuzten wir dann einen kleinen Wasserfall – der musste natürlich bestaunt werden! Am Plateau angekommen bot sich uns eine weite Sicht über die Stadt, das umliegende Land und die Berge. Wie in den größeren Städten in Südamerika üblich, erstreckt sich ein Häusermeer zwischen Bergketten. Schon ein kurioses Bild irgendwie.

Auf dem Rückweg noch schnell einen Cache gesucht und auch gefunden. Ein weiterer Smiley auf meiner Weltkarte und auch auf Reisen immer wieder eine spannende Sache wie die Geocaches versteckt werden. Und da Geocaching in Südamerika nicht so weit verbreitet ist, wie in Nordamerika oder Europa, auch gar nicht so einfach zu finden. Auf dem Weg zurück noch diese Straßenhunde gesichtet, die anscheinend eine eindeutige Rangfolge haben. Ein herrliches Bild, wie ich finde.

Wieder in der Stadt angekommen, spazierten wir noch den Nordteil der Stadt, da ich von oben ein Gebäude gesehen hatte, das wie ein Palast aussah und ich es mir gerne näher anschauen wollte. Wie sich herausstellte, handelte es sich dabei um den „Palacio Legislative“ mit dem vorgelagerten  „Plaza nacionales“, leider gerade eine Baustelle und nahe gelegen am „Plaza Gral Don Martin Miguel de Guemes“ (ebenfalls wie das Monument benannt, nach einem General des argentinischen Unabhängigkeitskrieges).

Dann ging es wieder zurück zum Hostel, die Tour für den nächsten Tag musste noch gebucht werden. Wir hatten uns dann entschieden am nächsten Tag die Tour nach Humahuaca zusammen zu machen. Weitere Entscheidungen ließen wir erstmal offen. Beim Asado auf der Dachterrasse ließen wir den Abend gemütlich ausklingen. Ich nutze die Gelegenheit gleich nochmal, um mein Spanisch weiter zu üben, denn jeder am Tisch hat seine Geschichte oder auch andere Reiseberichte zu erzählen.

Lecker Fleisch…

Iza, eine weitere Holländerin auf meinem Zimmer hatte mir derweil von einer Reittour in Salta erzählt, an der sie teilnehmen wird. Da wurden meine Ohren hellhörig und meine Augen größer. Hatte ich jetzt doch noch die Chance, auf den Spuren der Gauchos unterwegs zu sein? Ich war gespannt, ob ich doch noch Glück haben würde auf meiner Suche nach dem „Gaucho argentino“.

Mittwoch, 28.03.2018

Am nächsten Morgen starteten wir früh in den Tag, denn die Tour nach Humahuaca mit dem Bus dauert natürlich eine Zeit, auch weil die Tour auf der Strecke noch weitere Stopps vorsieht. Dann ging es raus  aus der Stadt und weiter Richtung Provinz Jujuy, neben Salta die nördlichste Provinz Argentiniens. Je höher wir kamen, umso mehr veränderte sich die Landschaft. Unser Guide erzählte uns einiges zur Geschichte und den unterschiedlichen Gegebenheiten/Natur der Provinz. Denn auch in Argentinien kann man subtropische Nebel- und Regenwälder finden. Ich hatte zuvor einen Nationalpark entdeckt, der sich in diesem Teil befindet, aber ohne Auto ist es eher schwierig dorthin zu kommen. Zwar fährt ein Bus in die Nähe, aber von dort muss man noch einige KM zu Fuß zurücklegen, bis man zum Eingang des Parks kommt und das war mir alleine dann doch etwas zu ungewiss.

Der Weg der Tour führte uns dann an der Hauptstadt San Salvador de Jujuy vorbei, die auch in einigen Volksliedern Argentiniens besungen wird. Die Einwohner der Provinz sind meist Nachkommen verschiedener Indianerstämme oder Mestizen, gerade auch wegen der Nähe zu Bolivien hat sich die Population hier vermischt.

Weiter ging es auf der RN 9 in den Nordwesten der Region, vorbei an vielen Feldern und mit Blick auf die Quebrada. Eine Pause an einem kleinen Verkaufsgeschäft konnte dann gleich genutzt werden, um den ersten Kaffee des Tages zu sich zu nehmen oder sich für den Tag noch zu verpflegen. Unser nächstes Ziel war dann Purmamarca, ein kleines Dorf auf 2206 Metern, welches als Tor zur Schlucht Quebrada de Humahuaca gilt. Hier befindet sich der Cerro de los Siete Colores > Der Berg der sieben Farben, ähnlich zu den populären Bergen der sieben Farben in Cusco, Peru. In Peru ist der Weg jedoch weitaus beschwerlicher, als hier in Argentinien. Meist sind die Farben nur je nach Sonneneinstrahlung wirklich stark zu erkennen. Und auf vielen Bildern im Internet hat sicherlich ein Bildbearbeitungsprogramm sein Übriges getan.

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Der nächste Stopp der Tour führte uns an die nächste Touri-Stätte – eindeutig hauptsächlich für die Touristen waren Souvenir-Läden mit allerhand bunten Sachen geöffnet. Die Koka-Blätter wurden auch hier Pfeil geboten und es bestand die Möglichkeit einen Kakteen-Garten zu bestaunen. Wir entschlossen uns aber lieber dafür einen Blick in das Umland zu werfen und suchten nach einem Möglichen Aufstieg auf den nächsten Berg. Dann war man also mittendrin, statt nur dabei. Die Bevölkerung in den kleinen Dörfern scheint viel vom Tourismus zu leben. In der heutigen Zeit sicherlich eine gute Einnahme-Quelle. Der Weg führte uns dann geradewegs himmelwärts und so „klein“ wie Salta dann auch ist, trafen wir dann auf ein Mädchen, dass zuvor bei uns im Hostel gewesen war. Einfach, irgendwo im nirgendwo. Ja, die Welt ist wirklich klein. Oben angekommen bot sich uns ein toller Blick auf des umliegende Land. Leider hatten wir auch hier wieder wenig Zeit, gerne hätte ich die Aussicht hier noch länge genossen. Aber die Zeit lief auch leider hier weiter…

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Natürlich gab es dann nochmal einen Stopp vor der finalen Station. Und da waren sie dann auch – eine Herde Vikunjas, oder doch Alpakas oder, ne,  Guanakos? – Ach egal, aber die würde ich dann hier aber doch lieber in der Freiheit sehen. Im Hinterhof konnte man dann Töpferei-Produktion im großen Stil sehen. Da lohnt es sich dann die Kamera wieder hervor zu holen. Im Vergleich zur Kunst in La Pampa – Welten Unterschied.
Aber auch nur wieder für die Touristen, aber davon leben sie hier nunmal. Trotz alledem ist Salta eine ganz besondere Region und wie ich finde, bisher die interessanteste für mich in Argentinien. Das nächste Mal, mit mehr Zeit und definitiv mit Auto, werde ich diese Region mal genauer erkunden. Vielleicht findet sich ja auch jemand, der das teilen würde. Ich bin gespannt.

Schließlich ging es also zum letzten Stopp auf der Tour – Humahuaca. Dort hatten wir nun mehr Zeit, um uns das kleine Dorf näher anzusehen, etwas zu essen und natürlich durfte ein Cache auch hier nicht fehlen. Mein eindeutig höchster Cache bisher. Dann bot sich auch endlich mal die Gelegenheit Lamafleisch zu probieren – wenn nicht hier, wo dann?  Jeder von uns hatte etwas anderes von der Karte bestellt und jedes der Gerichte war sehr lecker. Also – nur zu empfehlen! Und da wir an diesem Tag, vielleicht auch von der Höhe, schon zu Scherzen aufgelegt waren, schlug ich noch vor, dass wir uns auf der Treppe vor dem Denkmal auf einem ganz besonderen Foto verewigen. Die Erinnerung werde ich wohl auf Ewig behalten.

Dann noch schnell den Cache gesucht, denn die Zeit war inzwischen auch hier schnell vergangen. Und, schon nach kurzer Suche hatte ich den Cache in den Händen. Schnell eingetragen und wieder sicher versteckt. Ein Quatsch-Selfie und dann mussten wir doch leider wieder Richtung Bus zurück. Ich muss sagen, körperlich war die Höhe nicht sehr extrem spürbar, aber irgendwie geht hier alles dann doch etwas langsamer. Also joggen sollte man ohne Übung auf dieser Höhe nicht.

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Und dann ging es langsam wieder retour. Noch ein kurzer Stopp an einem kleinen Dorf mit einer sehr sehr alten Kirche, wer noch keinen Touri-Kram gekauft hatte, hatte jetzt die letzte Möglichkeit. Und ich hatte inzwischen schon echt die Überlegung getroffen noch einen schönen farbigen kleinen Rucksack mitzunehmen. Aber, wie so oft bei mir, konnte ich nicht den richtigen finden und so ging es mit leeren Händen zurück in den Bus. In der Zwischenzeit hatte ich dann noch eine positive Meldung erhalten – ich konnte mit auf den Osterritt in die Quebrada. Da war die Freude natürlich groß. Am Abend stand dann das Kennenlernen auf dem Programm, in einer der Musikbars, die in Argentinien mit zur Kultur gehören. Also doch noch am richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort gewesen. Aber bis dahin waren es noch ein paar Stunden – dann also erstmal die Rückfahrt genießen. Aber gespannt war ich schon auf die nächsten Tage. Was würde mich da genau erwarten und auf wen werde ich treffen? Aber eines wusste ich – es war auf jeden Fall die richtige Entscheidung gewesen diesen Weg zu gehen.

Wieder zurück in Salta Stadt hieß es dann – erstmal umziehen in ein anderes Zimmer und frisch machen für die Abendveranstaltung. Auf dem Weg zur Peña hatten wir noch die Gelegenheit uns Salta nun bei Nacht und mit entsprechender Beleuchtung anzusehen. So macht die Altstadt gleich einen anderen Eindruck. Der Weg zum Restaurant war dann zu Fuß doch weiter als gedacht und so entschieden wir uns doch ein Taxi ran zu winken. Schließlich wartete man auch schon auf uns. Am Ort angekommen erstmal versuchen sich zu verständigen und klar machen, zu wem man denn genau wollte, denn die Gaststätte war mehr als voll und die Leute standen schon bis nach draußen um einen Tisch zu bekommen, wenn man nicht schon reserviert hatte. Es duftete nach leckerem Essen, von der einen oder anderen Ecke hörten wir Musik, die aber nicht aus irgendwelchen Boxen geduldet kam, sondern live gespielt wurde. Im Verlauf des Abends sollten wir noch mehrere Darbietungen von anderen Musikern und Freizeitmusikern hören und bestaunen dürfen. An mehreren Tischen in einem der hinteren Räume traf ich dann schließlich auf Dario und Iza. Und gleich wurde uns Platz gemacht, ich grüßte in die Runde und freute mich auf einen Abend, der sicherlich als ein weiteres tolles Ereignis auf meiner Reise in und durch Argentinien in meinen Erinnerungen bleiben wird. Sehr leckeres Essen, wirklich sehr nette (hauptsächlich) Argentinier, ein „Gaucho“, der seine Passion nutzt, um Gästen ein besonderes Abenteuer zu bieten und Musik, die absolut charakteristisch für Argentinien ist. Und gerade dann, wenn man nicht damit rechnet, ertönt plötzlich Musik am Nachbartisch. Denn in den Peñas spielen nicht gebuchte Bands, sondern die Menschen treffen sich hier um gemeinsam Musik zu machen, zu Singen und einen schönen Abend in netter Gesellschaft zu haben. Ich kam aus dem Grinsen nicht mehr heraus. Ja, gefühlt war ich an diesem Abend einfach nur glücklich.

Donnerstag, 29.03.2018

Mein Programm für Ostern stand also fest: Irgendwo im nirgendwo in Argentinien auf dem Rücken der Pferde – was für ein Abenteuer.

Am nächsten Morgen ging es dann früh aus dem Bett. Ich verabschiedete mich kurz von Boris, in Kontakt wollten wir auf jeden Fall bleiben und er versprach mir Bilder von der Salzwüste in Bolivien zu schicken. Für ihn ging es nach Salta also weiter Richtung Norden. Für mich und Iza ging es dann mit Dario auf Reittour. Was war ich gespannt. Er holte uns also vom Hostel ab früh um 7 Uhr ab. Dann holten wir noch weitere Gäste ab und schließlich ging es mit mehreren Autos tiefer rein die Cordillera. Unser Ziel lag auf über 3000 Metern und irgendwann führte uns die Straße zwischen den Bergen stetig bergauf und man merkte spürbar die Höhenveränderung. Doch ich war zu sehr damit beschäftigt mir die Landschaft auf der Fahrt anzusehen. Passend dazu lief typische Musik und ich freute mich wie ein kleines Kind auf Weihnachten endlich in die pure Natur abseits der Touristenwege zu gelangen. Iza und ich waren auch die einzigen Europäerinnen in der Truppe. Die meisten Teilnehmern kamen tatsächlich aus Argentinien oder lebten schon seit einiger Zeit in Argentinien. Viele kannten Dario auch schon und waren bereits anderen Touren mit ihm zusammen geritten. Es würde also ein besonderes Erlebnis werden, auch wenn ich es absolut unvorstellbar fand, dass man solch eine Tour mit knapp 20 Personen durchführen kann, aber das spielt ja eben auch wieder Geld ein.

Irgendwann erreichten wir dann die Hochebene und machten eine kleine Pause, denn an die Höhe muss man sich erstmal gewöhnen und dann hatten wir auch noch das Glück eine kleine Herde Guanakos zu sehen. Den Kindern in der Truppe war anzusehen, dass sie mit der Höhe etwas Probleme hatten, einfach nicht für jeden Körper erträglich. Gut, dass ich soweit keine Probleme damit hatte. Dann ging die abenteuerliche Fahrt also weiter. Die Karawane schlängelte sich über einen Berghang in die Steppe der Cordillera in der Provinz Salta. Die Sonne strahlte vom Himmel und vor uns tat sich eine farblich, vielfältige Landschaft auf. Das zu Pferd erkunden zu dürfen, was für eine tolle Vorstellung. Natürlich, was in Argentinien nicht fehlen darf und in den nächsten Tagen würde ich noch mehr davon genießen dürfen, wurde ein Glas Wein brüderlich/schwesterlich geteilt. Das wird hier anscheinend auch nicht so eng gesehen. Guter Wein wird hier eher wie Wasser getrunken.

Eine gefühlte Ewigkeit folgten wir nun einer sandigen Straße, musikalisch begleitet von der hier typischen Musik – ich kam mir vor wie in einem Film. Gespannt auf das, was mich da die nächsten Tage wohl erwarten wird. Wir erreichten schließlich den Familienhof und nach der langen Fahrt wurden dann erstmal die Zimmer bezogen. Da wir ja doch sehr viele waren, durften die Nachzügler, also auch meine Wenigkeit, sich ein Mehrbettzimmer teilen, dass vom Charme her, eher provisorisch wirkte und ich mich fragte, was uns wohl in der Nacht alles besuchen würde. Also ja, hier waren wir wirklich janz weit draußen – weg von jedem Komfort und nun Teil einer Familie, die hier lebt und arbeitet. Fast noch ganz ursprünglich und sie finanzieren eben ihr Leben unter anderem damit, dass sie Touristen und Gäste bei sich aufnehmen. Wahrscheinlich können sich das auch eher nur die gut betuchten Argentinier leisten – zumindest waren die Kosten für die Pferde-Tour schon recht hoch.

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Nach einer Stärkung am Mittag, ging es dann doch noch auf eine Tour zu Pferd. Fast hatte ich schon nicht mehr mit gerechnet. Die Pferde waren doch alle verschiedene Charakterköpfe. Meines war recht zügig unterwegs und ich wusste, es würde ein kleine Aufgabe auf mich warten. Aber in den letzten Monaten hatte ich einiges in puncto Reiten in Südamerika gelernt, so freute ich mich eher auf die nächsten Tage. Der erste Ritt führte uns in einen westlichen Teil des Tals. Ich konnte mich gar nicht genug satt sehen – tolle Landschaft, tolle Farben – meine Kamera hatte ich natürlich mitgenommen – wozu gibt es auch die großen Satteltaschen. Aber auch ein paar Schnappschüsse mit meinem Handy habe ich natürlich gemacht:

Zurück an der Farm hatten wir dann erstmal Pause, bis schließlich zum Abendessen geladen wurde. Das Essen war spitze und das Fleisch einfach der Hammer. Nach dem Essen wurde die Gitarre wieder raus geholt und alte Lieder zum Besten gegeben – ich fühlte mich wirklich gesegnet in diesen Momenten. Ich glaube wirklich nicht mehr an Zufälle – es ist dann doch eher Schicksal – es sollte genauso sein 🙂

Freitag, 30.03.2018

In der Nacht wurde es doch wahnsinnig kalt in unserem Raum. Gut, dass wir genügend Decken/Ponchos hatten, um uns warm zu halten. Wie ist es dann erst, wenn der Winter hier Einzug hält? Der heutige Tag versprach aufregend und interessant zu werden. Der Plan; Wir übernachten in einer Hütte irgendwo draußen zwischen den Bergen, gebaut von der Familie und genutzt, damit die eigenen Tiere, Pferde, Ziegen und Rinder, andere Nährstoffe und Futter bekommen und natürlich um Gästen/Touristen zu zeigen, wie hier draußen in der argentinischen Wildnis gelebt wird. Was uns da wohl erwarten wird? Ich wusste nur, es wird wahrscheinlich kein gewöhnlicher Ausflug werden und man wird sich in etwa wie in einem Jugend- oder Pfadfinder-Lager fühlen.

Es dauerte gut eine Zeit, bis alle Pferde gesattelt und beladen waren. Dann bekam jeder wieder sein Pferd vom Vortag zugeteilt und wie die Ameisen schlängelte sich unser Weg Richtung der Berge. Die Sonne lachte wieder vom Himmel. Es war auch eine Reporterin aus Buenos Aires mit dabei, die selbst noch nicht oft auf dem Pferd gesessen hatte, aber sich schon in das perfekte Outfit geworfen hatte. Gewusst wie! Da sich eines der Kinder und ich war erstaunt, wie jung und doch schon selbst zu Pferd, nicht ganz wohl auf dem zugeteilten Pferd fühlte, wurde zwischendrin gewechselt und weiter Ging der Ritt in die Berge. Gefühlt eine Ewigkeit, erreichten wir schließlich unseren Pausenplatz. Die Pferde sicher angebunden, wurde eine große Decke ausgebreitet und alles für ein herrliches Picknick bereit gestellt. Ja, so lässt es sich leben. Die Wiese war zudem voller herum springender Grillen – die sich teilweise auch mit anderen Dingen beschäftigten. So viele auf einmal hatte ich auch noch nicht gesehen.

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Nach der Mittagspause ging es dann also an den Aufstieg. Wir waren ja bereits schon auf über 3000 Höhenmetern und würden noch die 4000 erreichen. Der Wahnsinn, unvorstellbar und faszinierend zugleich. Die Landschaft wechselte nun in ein tiefes Grün – kein Sandboden mehr in Sicht – langsam schlängelte sich die Gruppe ihren Weg aufwärts und ich versuchte die Aussicht nicht nur mit der Kamera festzuhalten, sondern jeden Moment zu genießen, was ist die Erde doch für ein toller Ort und so facettenreich. Nur leider, sind wir einer der größten Störfaktoren und sind mehr und mehr dabei den Erhalt dieses Planeten zu zerstören – traurig, aber wahr.

Auf den Höhen weideten Kühe, aber auch Pferde waren unterwegs. Dieser Ort ist noch friedvoll und frei von Eingriffen durch uns Menschen. Mal davon abgesehen, dass wir hier mit 20 Leuten durch die Gegend reiten. Aber das ist weitaus weniger schädlich als die Maschinerie der Menschen.

Ich war gespannt, was hinter den Bergen auf uns warten würde und was wir zu sehen bekommen. Auch die Möglichkeit einen Kondor zu sehen, war relativ hoch, denn wir waren ja auch schließlich sehr hoch. Und auch das Glück sollte mir nicht verwehrt bleiben. Die schmalen Pfade entland der Berge waren teilweise schon etwas bedenklich, doch die Pferde waren sicher unterwegs. Nach einer weiteren Pause ging es langsam weiter, denn dann wurde die gesamte Konzentration der Pferde benötigt. Die Wege wurden enger, waren teilweise unterbrochen und dann passierte es. Eine der Pferde verlor den Halt und rutschte den Hang ein Stück herunter. Der Schock saß tief. Ausgerechnet das Pferd der Reporterin hatte sich vertreten. Bei allem Unglück hatte sie doch noch Glück gehabt. Das Pferd war zwar über sie gerollt, aber ein Schutzengel war auf ihrer Seite gewesen. Aber was nun? Sie war schon ordentlich verletzt worden. Nur „mal eben“ ins Krankenhaus fahren, das konnte man natürlich nicht. So wurde entschieden, dass wir weiter reiten werden, zu unserem Ziel im Tal, irgendwo im Yunga. Aber sie bekam das Pferd von Dario, unserem Guide, das sicher auf den Beinen war. Für mich war es schwierig mit dieser Situation umzugehen, denn sie war kurz hinter mir gerutscht – also hatte ich noch Glück im Unglück? Da waren meine Ängste natürlich wieder ganz Vorne mit dabei und meine Stimmung war erstmal danieder. So schnell kann es eben gehen – von einem auf den anderen Moment, das sollte man sich wirklich immer vor Augen führen. Aber das sollte einen auch nicht daran hindern hinaus in die Welt zu gehen, zu reisen, neue Kulturen und Länder kennen zu lernen. Es ist eben nicht alles eitel Sonnenschein, Regenbogen und Ponyhof da draußen! Nur sind wir alle zu sehr auf Sicherheit bedacht, was nicht verkehrt ist, aber manches Mal lohnt es sich, sich aus seiner Komfort-Zone zu bewegen, denn es gibt viel Schönes und Einzigartiges zu entdecken.

Wir verweilten nach dem Schock noch für eine Pause und sammelten neue Energie für den Abstieg ins Tal hinab. Denn das würde nochmal ein besonderes Erlebnis werden. Anscheinend war hier schon länger niemand mehr die Wege entlang geritten, denn mit der Machete schlug einer der Begleiter uns immer wieder den Weg frei. Das Grün der Berge entpuppte sich zusehends als Birkenwald sowie andere Sträucher und Bäume, also wirklich kein „Dschungel“ wie ich vermutet hatte. Man hörte Vögel überall und ich war erstaunt, wie anders die Natur doch an den Bergen in dieser Höhe sein kann, anstatt nur kahl und ohne große Lebewesen, wie in Chile.

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Nach einem langen Tag erreichten wir schließlich die Hütte im Tal. Selbst erbaut von der Familie und auch genutzt wenn sie mit den Tieren dorthin wandern und eine gewisse Zeit in der Umgebung verbringen. Errichtet aus dem, was die Natur einem gibt. Zimmer waren nur wenige vorhanden, sodass die Familien mit den Kindern diese bekamen und der Rest der Gruppe durfte es sich dann auf dem Boden des „Wohnzimmers“ für die Nacht bequem machen. Wie macht man das in Südamerika? Man nutzt die Decken, die unter den Sätteln sind bereitet sich damit sein Nachtlager + mitgebrachten Isomatten und eben der eigene Schlafsack. Wer wollte, konnte auch den Sattel des Pferdes als „Kopfkissen“ nutzen. Einer der Begleiter zeigte dann gleich den Jugendlichen, wie man das richtig macht.

Aber zunächst wurde Wein gereicht – nachdem ereignisreichen Tag keine schlechte Idee, besonders für die Reporterin, um den Schock noch weiter zu verdauen. Und dann brachen auch bei ihre alle Dämme, die Schmerzen kamen durch und sie war froh, dass diesen Sturz überlebt hatte. Wir waren alle voller Sorge und ehrlich gesagt, ich hätte an der Stelle des Guides die Tour abgebrochen oder hätte sie mit einem der Begleiter zurück geschickt. Aber in Argentinien geht man mit sowas anscheinend anders um.

Dann ging es an die Vorbereitungen für das Abendessen und was gab es? natürlich Empanadas, fleißig von den Begleitern zubereitet. Ich wollte mich nützlich machen und half den beiden Jungs, schließlich wollte ich selbst mal richtig lernen, wie die Empanadas gefüllt und auch geschlossen werden. Bisher sah es bei mir immer nicht sehr schön aus, aber mit der richtigen Technik geht eben doch alles.

Gemeinsam wurde gegessen, geredet und das Erlebte verarbeitet. Die Jugendlichen trollten sich zusammen und fingen an Karten zu spielen – verstanden hatte ich das Spiel aber nicht.

Mit der Zeit hatte ich jetzt auch schon einen Überblick über unsere Gruppe gewonnen. Zwei Familien waren dabei, wovon eine Mutter mit zwei Töchtern aus den USA war und die anderen direkt aus Buenos Aires kamen. Anscheinend kannten sich auch schon einige der Teilnehmer untereinander, von anderen Touren oder waren eben Freunde und Bekannte. Eine bunter, aber auch tolle Truppe und ich war froh, ein Teil davon sein zu dürfen. Und Dario, ja er faszinierte mich irgendwie. Hatte den Charme von einem „Lonesome Gaucho“ und verkörperte für mich das Lebensgefühl, was ich in Argentinien vermutet hatte. Teilweise rau und ruppig, aber dann doch wieder sehr gefühlvoll darauf bedacht, dass es allen gut geht. Aber anscheinend macht er auch gut Geld mit seinem „Gaucho Argentino“ Unternehmen, was das Ganze dann doch wieder etwas relativiert, für mich zumindest. Aber meiner Euphorie tat dies zu diesem Zeitpunkt nichts ab.

Samstag, 01.04.2018

Die Nacht war kurz, denn wer ist es schon gewohnt irgendwo in einem Tal in der Natur zu übernachten und das noch mit 10 anderen Menschen in einem Raum. Aber die Sonne lachte wieder vom Himmel, sodass die kurze Nacht schnell vergessen war. Es war mehr die Sorge, wie geht es unserem Unfall-Opfer? Sie hatte doch einige Blessuren davon getragen und allzu gut ging es ihr am letzten Abend leider auch nicht. Aber, ein Indianer kennt kein Schmerz – so heisst es ja meistens. Wirklich taff, wie sie die ganze Sache gemeistert hat. Weiss nicht, ob ich das gekonnt hätte.

Nach dem Frühstück wurde dann langsam wieder alles verstaut, verpackt und die Pferde wieder gesattelt. Nahe der Unterkunft nahm ein Fluss seinen Lauf und ich versuchte ein paar Minuten der Ruhe, inmitten der Natur mitzunehmen, bevor der beschwerliche Weg zurück angetreten wurde.
Dann ging es also wieder zurück, zunächst bergauf, durch den Matsch und das Unterholz des Yungas. Die Kinder bekamen teilweise etwas Angst, da die Tiere sich eben ihre Wege suchten, um die Berge zu erklimmen. Wer das ohne Reiterfahrung mitmacht, muss ziemliches Vertrauen in die Tiere haben, ansonsten würde ich diese Tour nur fortgeschrittenen Reitern empfehlen.

Zwischen den Bergen legten wir wieder ein paar Stopps ein und neben der beeindruckenden Natur hatten wir auch dieses Mal das Glück Kondore zu sehen, sogar ganz nah, aber immer einen Moment zu früh für mich und meine Kamera oder weit oben in den Lüften – da hätte ich ein ganz anderes Objektiv gebraucht.

Zurück am Hof der Familie war bereits eine besondere Veranstaltung im Gange. Die junge Generation übte sich im Kühe fangen und das lautstark und unter dem Beifall der Zuschauer. Für uns hieß es dann aber erstmal Absteigen, Satteltaschen entleeren und dringend frisch machen. Natürlich hatten wir in der Hütte keine große Möglichkeit gehabt uns zu waschen – daher stand für mich erstmal eine Dusche auf dem Programm. Den Nachmittag konnten man nun also nutzen, um sich von dem langen Ritt zu erholen, bevor abends zunächst zusammen gegessen wurde und die Veranstaltung mit einer ordentlichen Party ihr Ende fand. Und, drei Mal darf geraten werden, welche Musik gespielt wurde. Natürlich Cumbia! Aber eben in der argentinischen Version. Denn wenn ich eins mit der Zeit gelernt habe, dann, dass jedes Land in Südamerika seine eigene Art und Interpretation von Cumbia hat – allerdings muss man da schon genau hinhören und etwas von Musik verstehen!

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Sonntag, 02.04.2018

Ein neuer sonniger Tag inmitten der Berge in Salta. Nach dem Frühstück hieß es dann wieder aufgesattelt und los geritten. Der Weg heute führte uns durch das Tal, aber weiter Richtung Norden. Das Ziel unseres Ritts heute war ein neues Gästehaus, was allerdings noch im Bau war und dann nur zur Besichtigung geplant war zu besuchen. Die Pferde würden dann dort vor Ort bleiben und wir würden dann am nächsten Tag von dort aus starten, somit wäre dann am nächsten Tag die Runde durch das Tal wieder am Hof der Familie enden. Ich freute mich auf neue Eindrücke, tolle Motive und einzigartige Momente, denn die sind in dieser Landschaft wirklich zu erleben – zumindest für mich.

Wir starteten gen Westen vom Hof, ähnlich der Route wie am ersten Tag. Dann ging es aber weiter Richtung Norden und schließlich tat sich eine Landschaft vor uns auf, die ich mir so eigentlich eher in Nordamerika vorgestellt hatte. Roter Sandstein, riesige Felsen und eine weiter Ebene. Fast wie in einem Western. Es fehlten jetzt nur noch Banditen zu Pferd oder auch Indianer, die von den Felsen nach Feinden spähen. Wir legten schließlich nach gut 2 Stunden Ritt eine Pause inmitten einer Felsformation ein und ich versuchte auch hier wieder die Momente auf mich wirken zu lassen. Zu Essen gab es die leckeren gefüllten Humitas en Chala – typisch für die Region und einfach zuzubereiten. Dabei werden die Blätter des Maiskolben vorher in Wasser eingelegt, damit sie weicher werden. Man legt sie so zusammen, dass sich daraus ein Päckchen schnüren lässt. Gefüllt werden die Blätter schließlich mit einem Brei gekocht/gebraten aus Mais, Zwiebeln, Paprika, evtl. etwas Kürbis und entsprechend gewürzt. Um dem Gericht noch ein gewisses Etwas zu geben, wird noch eine scharfes Dressing hinzu gegeben, das dem Ganzen einen interessanten Geschmack, wenn man Mais mag! Die Blätter halten das Essen nur warm, sollen also nicht mit gegessen werden. Soweit der kleine Exkurs für argentinische Küche 🙂

Nach der Pause setzten wir unsere Tour fort und ritten weiter in den Nordosten des Tals. Plötzlich änderte sich das Wetter und Regenwolken zogen auf. Die Temperatur fiel und schnell wurden die Jacken wieder angezogen. Der Herbst hielt hier wohl langsam seinen Einzug, aber gut, auf über 3000 Metern sind die Temperaturen eh anders.

Am Gästehaus angekommen, zeigten uns die Begleiter der Tour die einzelnen Räume und erklärten uns, wie diese Häuser errichtet werden. Finanziert wird das unter anderem durch die Gäste und Touristen, die den Weg zu der Familie in diesem Tal finden. Dario ist ein guter Freund und hat wohl ein Sondervereinbarung getroffen, denn sonst hätten sie wohl nicht so viele Gäste gleichzeitig beherbergt. Sobald dieses Haus fertig ist, werden in Zukunft auch Gäste hier auf den Touren übernachten können. Es gibt Schlafräume, mit Hochbetten, eine „Küche“ mit Feuerstelle, sowie ein entsprechendes Badezimmer, den Gegebenheiten angepasst. Die Pferde wurden inzwischen schon abgesattelt und dann zusammen auf eine Weide in der Nähe gebracht. Für uns war die Tour hier erstmal beendet und es ging per Autobus wieder zurück zum Hof.

Dann stand wieder ein leckeres Abendessen auf dem Programm, der letzte Abend wurde wiederum mit gemeinsam Singen und Gitarrenmusik verbracht – ein schöner letzter Abend.

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Montag, 03.04.2018

Ein letzter Ritt – mit fatalen Folgen.

Nach dem Frühstück hieß dann also erstmal die Sachen packen, bevor wir zur letzten Reittour aufgebrochen sind. Dario hatte uns zuvor gefragt, ob wir denn nochmal Reiten wollen würden, dann würde es aber nur noch eine kleinere Runde geben. Leider musste uns eine der Familien dann schon verlassen, denn sie hatten noch einen weiten Weg zu fahren, bis nach Buenos Aires! Das Wetter hatte sich wieder gebessert, zwar war es noch kalt und windig, aber der Regen war weg gezogen und auch die Sonne ließ sich ab und an blicken. Mein Pferd hatte mir die ganzen Tage über schon ordentlich gezeigt, dass es willig war mehr zu tun, als nur im Schritt und Trab zu gehen. Also wollte ich ihm gerne am letzten Tag noch einen Gefallen tun, ok auch für mich, und schön Galoppieren. Dabei hatte ich dann aber nicht bedacht, dass diese Pferde eine 4. Gangart besitzen und das ist alles andere als einfach zu Händeln.

An der Hütte angekommen standen die Pferde schon gesattelt für uns parat. Die Tour startete weiter ostwärts ins Tal durch ein Flussbett, vorbei an Wiesen, Sträuchern und Kakteen und einer etwas anderen Landschaft als am Tag zuvor. Schon beeindruckend, wie unterschiedlich die Natur auf 3000 Metern Höhe sein kann. Sicherlich auch gefördert, durch das Handwerk der Bauern und Menschen die hier vor Ort leben.

Dann schlugen wir unseren Weg Richtung Süden ein und hatten einen wahnsinnigen Blick auf die Bergkette, die sich entlang des ganzen Tals streckte. Die unterschiedliche Landschaft war unglaublich kontrastreich und Fotografen haben hier sicherlich große Freude sich auszutoben.

Die letzte Tour also vorerst zu Pferd. Aber ich hatte Dario schon am ersten Abend in der Peña gesagt, dass ich gerne mit auf die Estancia kommen würde, auf der er lebt und arbeitet. Und da diese Estancia auch noch in Esquina liegt, wäre das eine optimale Routenoption für mich, denn von dort sind es „nur“ noch gut 9 Stunden mit dem Bus zum Iguazu. Und falls ich nicht mit auf die Estancia könnte, hatte ich zumindest einen Transfer in die richtige Richtung. Iza hatte aber wohl auch bei ihm angefragt und jetzt war ich mir nicht sicher, was nun am Ende dabei rauskommen würde.

Ich genoss aber erstmal den letzten Ausritt in Salta und hätte noch viel länger im Sattel bleiben können. Die Begleiter der Tour angelten und Kaktusfrüchte von den Kakteen, die wirklich sehr sehr süß schmecken, aber auch sehr viele kleine Kerne enthalten. Weiter auf der Route überlegte ich mit einem der anderen Mädels zusammen, dass wir doch jetzt endlich mal galoppieren könnten. Wir hielten unsere Pferde etwas zurück und los ging der Ritt. Der Spaß war aber nur von kurzer Dauer, da der Abstand zur Gruppe einfach nicht so groß war. Also noch ein weiteres Mal, denn schließlich ging die Tour auch ihrem Ende zu.

Und dann passierte es, mein Pferd legte die 4. Gangart ein und ich wusste gar nicht so recht, wie mir in diesem Moment geschah. Ich sah mich schon mit voller Wucht in das Ende unserer Truppe schnellen, denn bremsen konnte ich mein Pferd leider gar nicht mehr. Und ehe ich mich schlug ich plötzlich hart auf dem Boden auf.

Was war passiert? Der Sattel hatte sich leider gelöst, da die Sättel hier eher so befestigt werden, dass die Riemen an Ösen verknotet werden und leider lockert sich das gerne eher, als dass es gut hält. Meine Mitreiterin war ebenfalls auf dem Boden gelandet hatte aber auch wohl noch Glück im Unglück gehabt. Ich stand reflexartig wieder auf und versuchte mich zu sortieren. Mein Kopf hatte auf einen Fall eine Erschütterung abbekommen und ich merkte, wie ich leichte Wahrnehmungsstörungen hatte. Ich versuchte mich zu beruhigen und war froh, dass ich auf Darios Pferd den letzten Teil der Strecke zurück legen konnte. Kein besonders schöner Abschluss dieser Tour. Aber wie heisst es so schön – Übermut tut selten gut!

Jetzt hatte ich einfach nur Angst, dass ich mir etwas gebrochen oder eben ein Kopfverletzung zugezogen hatte. Doch das konnte erst in Salta Stadt geklärt werden.

Auf halber Strecke zwischen Hof und Ausfahrt Richtung Salta Stadt warteten wir dann auf die Autos mit denen es wieder retour in die Zivilisation ging. Mein Kopf machte sich nun deutlich bemerkbar, mir war zwar nicht richtig schwindelig aber trotzdem komisch, etwas schlecht, eben einfach unwohl vor allen Dingen noch ohne Gewissheit, ob ich nun eine ernsthafte Verletzung vom Unfall hatte. Die Rückfahrt dauerte somit eine halbe Ewigkeit und leider konnte ich die Fahrt dann nicht so genießen.

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In Salta angekommen ging es dann direkt ins Krankenhaus. Wie froh ich war, dass ich spanisch sprechende Personen bei mir hatte. Und da die Reporterin sich ebenfalls untersuchen ließ, ihr ging es auch noch nicht viel besser, warteten wir gemeinsam auf die Untersuchung und die Ergebnisse.

Gleichzeitig hatte ich die Möglichkeit meinen Wuchs am Hals untersuchen zu lassen – wie sich dann rausstellte, war es nur ein Grützkorn und das könnte ich mir auch erst in Deutschland entfernen lassen. Also, schon mal eine positive Nachricht. Ich wurde also im Krankenhaus dann geröntgt und es wurden keinerlei Brüche o.ä. festgestellt. Ich war mir da aber gar nicht so sicher, denn mein Hinterkopf wies wirklich eine ziemliche Delle auf. Aber gut, wenn sie nichts finden können, muss ich erstmal damit leben. Dann noch ein paar Medikamente abgeholt und schnell ins Hostel – da teilte ich mir dann das Zimmer mit der Reporterin und Dario zusammen. Zum Abendessen ging es in ein sehr gutes Restaurant, nach richtiger Gaucho-Manier. Iza kam wieder dazu und die ältere Dame aus Buenos Aires war auch mit dabei.  Ein Lied hat uns drei „Mujeres“ besonders verbunden und immer wenn es lief, ging fing eine von uns an „Havanna nananan…“ – Dario verfluchte uns nach den langen Fahrten zusammen schon ;). Wir ließen den Abend gemütlich und bei leckerem ausklingen und es ging nicht allzu spät ins Bett, denn schon am nächsten Morgen wollte Dario früh Richtung Heimat starten.

Mit dem Flieger ging es nun also von Córdoba nach Salta. Ein bisschen eingelesen hatte ich mich in meinem Reiseführer schon und auch ein paar Orte gefunden, die ich mir gern anschauen wollte, wenn irgendwie möglich. Auf jeden Fall würde es landschaftlich wieder einen Kontrast geben. Der Flug dauerte etwa 2 1/2 Stunden und

Bei der Gepäckausgabe hielt ich Ausschau nach Reisenden, die ebenfalls nach Salta Stadt fahren wollten. Denn, wenn sich eines hier lohnt, ist es sich ein Taxi zu teilen. Zwei weitere Backpacker mussten ebenfalls in die Stadt und somit schlossen wir  uns kurzer Hand zusammen. Zwei Franzosen –  also doch nicht nur Deutsche unterwegs. 😉
Den Taxi-Fahrer fragte ich nach ein paar Tipps und Tricks und fragte gleich noch nach einer guten und günstigen Autovermietung. Denn um sich die nähere Umgebung anzusehen und vielleicht noch einen Nationalpark anzuschauen, lohnt es sich schon hier ein Auto zu haben. Ansonsten würde nur noch die Möglichkeit bestehen, sich einer Tour anzuschließen und das war ja eigentlich nicht unbedingt mein Plan. Nur hatte ich eines völlig außer Acht gelassen – Semana Santa – die heilige Woche vor Ostern! Natürlich war das Urlaubszeit in Argentinien und in vielen Städten wird sogar groß gefeiert – unter anderem auch in Salta. Also, wieder etwas dazu gelernt, denn diese Woche gibt es so bei uns in Deutschland nicht, aber in Spanien und spanisch geprägten Ländern, wird diese Woche besonders gefeiert.

Salta Stadt machte auf den ersten Blick keinen besonderen Eindruck auf mich. Es war eher eng und wuselig – viele Einbahnstraßen, Stromkabel über den Straßen. Also, wieder eine Stadt, die mir vermutlich nicht gefallen wird. Vielleicht gibt es einen schönen Altstadt-Teil. Aber erstmal wollte ich im Hostel ankommen. Gebucht hatte ich zwei Nächte im Covacha Hostel, am Rande des Zentrums, aber fußläufig zu den nächsten Geschäften und auch der Altstadt. Da ich aber nicht großartig Lust hatte noch loszuziehen und mir etwas für mein Abendessen zu suchen, schloss ich mich spontan bei der Empanada-Bestellung im Hostel an. Die hatte ich auch schon länger nicht mehr gegessen und falsch machen kann man da eigentlich kaum etwas. So endete dieser Tag also gemütlich auf der Dachterrasse des Hostels.

Dienstag, 27.03.2018

Boris hatte sich ja ebenfalls dazu entschlossen nach Salta zu kommen und hatte ein Ticket für einen Bus gebucht, der am nächsten Morgen in Salta ankam. Nach dem Frühstück wartete ich also auf eine Nachricht von ihm, bzw. sein Erscheinen im Hostel. Nachdem er dann endlich angekommen war und anscheinend nicht allzu viel Schlaf im Bus bekommen hatte, machten wir uns auf die Suche nach einem Auto. Aber bei keiner Vermietungsstelle hatten wir noch Glück – wir waren einfach zu spät dran. Keine Verfügbarkeit für die nächsten Tage. Sehr schade. Dann blieb uns also nichts anderes übrig, als eine Tour zu buchen, damit wir uns etwas in der Gegend anschauen konnten. Vom Hotel aus gab es mehrere Möglichkeiten, dennoch schauten wir auch in den Büros in der Stadt nach Alternativen. Boris wollte sich gerne die „Quebrada de las conchas“ ansehen. Die beeindruckender als so manche Canyons in den USA sein sollen. Weiter im Süden der Provinz liegt die Stadt Cafayate, auch bekannt für gute Weinerzeugnisse. Aber ebenso interessant waren für mich die Städte im Norden der Provinz – Purmamarca & Humahuaca, das fast auf 3000 Höhenmetern liegt. Die Berge und Felsen in der Region erstrahlen durch die darin enthaltenen Mineralien je nach Sonneneinstrahlung in verschiedensten Farben. Da mussten dann also wieder mal eine Entscheidung getroffen werden. Zwar hatte ich noch keine Weiterfahrt organisiert, aber ich hatte natürlich schon im Blick, dass ich noch eine große Strecke zu bewältigen hatte und ich nicht mehr allzu viel Zeit hatte. Also war mein Aufenthalt auch für Salta begrenzt.

Bevor wir jedoch die „finale“ Entscheidung für die Tour treffen wollten, schauten wir uns noch ein wenig die Stadt an und der schönste Teil, den ich bisher gesehen hatte, ist in meinen Augen der „Plaza de 9 Julio“. Der Mittelpunkt der Altstadt, wie in so vielen Städten in Chile & Argentinien bisher. Ein paar Geocaches hatte ich auch hier wieder auf der Liste und so machten wir uns nach einer kurzen Pause im Hostel auf den Weg zum Aussichtpunkt oberhalb der Stadt. Uns schloß sich noch Melissa aus den Niederlanden an und zu Dritt ging es zunächst am „Monument General Martin Miguel de Guemes“ vorbei und dann viele Stufen bergauf zum Aussichtpunkt auf dem kleinen Berg San Bernardo. Viele Jogger und Sportler kreuzten unseren Weg, also haben die Spanier und die Südamerikaner dann doch auch noch weitere Gemeinsamkeiten – sportlich aktiv sein um fit zu bleiben.

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Den Weg bergauf nutzen wir derweil, um uns über die aktuellen Reisepläne auszutauschen und Melissa hat noch ein paar Monate vor sich, bevor sie wieder nach Hause zurückkehrt, um einen neuen Job anzutreten. Zwischen uns Dreien funktionierte es auf Anhieb. Es stand also nichts im Wege, die Tour am nächsten Tag zusammen zu machen.
Auf dem Weg kreuzten wir dann einen kleinen Wasserfall – der musste natürlich bestaunt werden!

Am Plateau angekommen bot sich uns eine weite Sicht über die Stadt, das umliegende Land und die Berge. Wie in den größeren Städten in Südamerika üblich, erstreckt sich ein Häusermeer zwischen Bergketten. Schon ein kurioses Bild irgendwie.

Auf dem Rückweg noch schnell einen Cache gesucht und auch gefunden. Ein weiterer Smiley auf meiner Weltkarte und auch auf Reisen immer wieder eine spannende Sache wie die Geocaches versteckt werden. Und da Geocaching in Südamerika nicht so weit verbreitet ist, wie in Nordamerika oder Europa, auch gar nicht so einfach zu finden. Auf dem Weg zurück noch diese Straßenhunde gesichtet, die anscheinend eine eindeutige Rangfolge haben. Ein herrliches Bild, wie ich finde.

Wieder in der Stadt angekommen, spazierten wir noch den Nordteil der Stadt, da ich von oben ein Gebäude gesehen hatte, das wie ein Palast aussah und ich es mir gerne näher anschauen wollte. Wie sich herausstellte, handelte es sich dabei um den „Palacio Legislative“ mit dem vorgelagerten  „Plaza nacionales“, leider gerade eine Baustelle und nahe gelegen am „Plaza Gral Don Martin Miguel de Guemes“ (ebenfalls wie das Monument benannt, nach einem General des argentinischen Unabhängigkeitskrieges).

Dann ging es wieder zurück zum Hostel, die Tour für den nächsten Tag musste noch gebucht werden. Wir hatten uns dann entschieden am nächsten Tag die Tour nach Humahuaca zusammen zu machen. Weitere Entscheidungen ließen wir erstmal offen. Beim Asado auf der Dachterrasse ließen wir den Abend gemütlich ausklingen. Ich nutze die Gelegenheit gleich nochmal, um mein Spanisch weiter zu üben, denn jeder am Tisch hat seine Geschichte oder auch andere Reiseberichte zu erzählen.

Lecker Fleisch…

Iza, eine weitere Holländerin auf meinem Zimmer hatte mir derweil von einer Reittour in Salta erzählt, an der sie teilnehmen wird. Da wurden meine Ohren hellhörig und meine Augen größer. Hatte ich jetzt doch noch die Chance, auf den Spuren der Gauchos unterwegs zu sein? Ich war gespannt, ob ich doch noch Glück haben würde auf meiner Suche nach dem „Gaucho argentino“.

Mittwoch, 28.03.2018

Am nächsten Morgen starteten wir früh in den Tag, denn die Tour nach Humahuaca mit dem Bus dauert natürlich eine Zeit, auch weil die Tour auf der Strecke noch weitere Stopps vorsieht. Dann ging es raus  aus der Stadt und weiter Richtung Provinz Jujuy, neben Salta die nördlichste Provinz Argentiniens. Je höher wir kamen, umso mehr veränderte sich die Landschaft. Unser Guide erzählte uns einiges zur Geschichte und den unterschiedlichen Gegebenheiten/Natur der Provinz. Denn auch in Argentinien kann man subtropische Nebel- und Regenwälder finden. Ich hatte zuvor einen Nationalpark entdeckt, der sich in diesem Teil befindet, aber ohne Auto ist es eher schwierig dorthin zu kommen. Zwar fährt ein Bus in die Nähe, aber von dort muss man noch einige KM zu Fuß zurücklegen, bis man zum Eingang des Parks kommt und das war mir alleine dann doch etwas zu ungewiss.

Der Weg der Tour führte uns dann an der Hauptstadt San Salvador de Jujuy vorbei, die auch in einigen Volksliedern Argentiniens besungen wird. Die Einwohner der Provinz sind meist Nachkommen verschiedener Indianerstämme oder Mestizen, gerade auch wegen der Nähe zu Bolivien hat sich die Population hier vermischt.

Weiter ging es auf der RN 9 in den Nordwesten der Region, vorbei an vielen Feldern und mit Blick auf die Quebrada. Eine Pause an einem kleinen Verkaufsgeschäft konnte dann gleich genutzt werden, um den ersten Kaffee des Tages zu sich zu nehmen oder sich für den Tag noch zu verpflegen. Unser nächstes Ziel war dann Purmamarca, ein kleines Dorf auf 2206 Metern, welches als Tor zur Schlucht Quebrada de Humahuaca gilt. Hier befindet sich der Cerro de los Siete Colores > Der Berg der sieben Farben, ähnlich zu den populären Bergen der sieben Farben in Cusco, Peru. In Peru ist der Weg jedoch weitaus beschwerlicher, als hier in Argentinien. Meist sind die Farben nur je nach Sonneneinstrahlung wirklich stark zu erkennen. Und auf vielen Bildern im Internet hat sicherlich ein Bildbearbeitungsprogramm sein Übriges getan.

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Der nächste Stopp der Tour führte uns an die nächste Touri-Stätte – eindeutig hauptsächlich für die Touristen waren Souvenir-Läden mit allerhand bunten Sachen geöffnet. Die Koka-Blätter wurden auch hier Pfeil geboten und es bestand die Möglichkeit einen Kakteen-Garten zu bestaunen. Wir entschlossen uns aber lieber dafür einen Blick in das Umland zu werfen und suchten nach einem Möglichen Aufstieg auf den nächsten Berg. Dann war man also mittendrin, statt nur dabei. Die Bevölkerung in den kleinen Dörfern scheint viel vom Tourismus zu leben. In der heutigen Zeit sicherlich eine gute Einnahme-Quelle. Der Weg führte uns dann geradewegs himmelwärts und so „klein“ wie Salta dann auch ist, trafen wir dann auf ein Mädchen, dass zuvor bei uns im Hostel gewesen war. Einfach, irgendwo im nirgendwo. Ja, die Welt ist wirklich klein. Oben angekommen bot sich uns ein toller Blick auf des umliegende Land. Leider hatten wir auch hier wieder wenig Zeit, gerne hätte ich die Aussicht hier noch länge genossen. Aber die Zeit lief auch leider hier weiter…

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Natürlich gab es dann nochmal einen Stopp vor der finalen Station. Und da waren sie dann auch – eine Herde Vikunjas, oder doch Alpakas oder, ne,  Guanakos? – Ach egal, aber die würde ich dann hier aber doch lieber in der Freiheit sehen. Im Hinterhof konnte man dann Töpferei-Produktion im großen Stil sehen. Da lohnt es sich dann die Kamera wieder hervor zu holen. Im Vergleich zur Kunst in La Pampa – Welten Unterschied.
Aber auch nur wieder für die Touristen, aber davon leben sie hier nunmal. Trotz alledem ist Salta eine ganz besondere Region und wie ich finde, bisher die interessanteste für mich in Argentinien. Das nächste Mal, mit mehr Zeit und definitiv mit Auto, werde ich diese Region mal genauer erkunden. Vielleicht findet sich ja auch jemand, der das teilen würde. Ich bin gespannt.

Schließlich ging es also zum letzten Stopp auf der Tour – Humahuaca. Dort hatten wir nun mehr Zeit, um uns das kleine Dorf näher anzusehen, etwas zu essen und natürlich durfte ein Cache auch hier nicht fehlen. Mein eindeutig höchster Cache bisher. Dann bot sich auch endlich mal die Gelegenheit Lamafleisch zu probieren – wenn nicht hier, wo dann?  Jeder von uns hatte etwas anderes von der Karte bestellt und jedes der Gerichte war sehr lecker. Also – nur zu empfehlen! Und da wir an diesem Tag, vielleicht auch von der Höhe, schon zu Scherzen aufgelegt waren, schlug ich noch vor, dass wir uns auf der Treppe vor dem Denkmal auf einem ganz besonderen Foto verewigen. Die Erinnerung werde ich wohl auf Ewig behalten.

Dann noch schnell den Cache gesucht, denn die Zeit war inzwischen auch hier schnell vergangen. Und, schon nach kurzer Suche hatte ich den Cache in den Händen. Schnell eingetragen und wieder sicher versteckt. Ein Quatsch-Selfie und dann mussten wir doch leider wieder Richtung Bus zurück. Ich muss sagen, körperlich war die Höhe nicht sehr extrem spürbar, aber irgendwie geht hier alles dann doch etwas langsamer. Also joggen sollte man ohne Übung auf dieser Höhe nicht.

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Und dann ging es langsam wieder retour. Noch ein kurzer Stopp an einem kleinen Dorf mit einer sehr sehr alten Kirche, wer noch keinen Touri-Kram gekauft hatte, hatte jetzt die letzte Möglichkeit. Und ich hatte inzwischen schon echt die Überlegung getroffen noch einen schönen farbigen kleinen Rucksack mitzunehmen. Aber, wie so oft bei mir, konnte ich nicht den richtigen finden und so ging es mit leeren Händen zurück in den Bus. In der Zwischenzeit hatte ich dann noch eine positive Meldung erhalten – ich konnte mit auf den Osterritt in die Quebrada. Da war die Freude natürlich groß. Am Abend stand dann das Kennenlernen auf dem Programm, in einer der Musikbars, die in Argentinien mit zur Kultur gehören. Also doch noch am richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort gewesen. Aber bis dahin waren es noch ein paar Stunden – dann also erstmal die Rückfahrt genießen. Aber gespannt war ich schon auf die nächsten Tage. Was würde mich da genau erwarten und auf wen werde ich treffen? Aber eines wusste ich – es war auf jeden Fall die richtige Entscheidung gewesen diesen Weg zu gehen.

Wieder zurück in Salta Stadt hieß es dann – erstmal umziehen in ein anderes Zimmer und frisch machen für die Abendveranstaltung. Auf dem Weg zur Peña hatten wir noch die Gelegenheit uns Salta nun bei Nacht und mit entsprechender Beleuchtung anzusehen. So macht die Altstadt gleich einen anderen Eindruck. Der Weg zum Restaurant war dann zu Fuß doch weiter als gedacht und so entschieden wir uns doch ein Taxi ran zu winken. Schließlich wartete man auch schon auf uns. Am Ort angekommen erstmal versuchen sich zu verständigen und klar machen, zu wem man denn genau wollte, denn die Gaststätte war mehr als voll und die Leute standen schon bis nach draußen um einen Tisch zu bekommen, wenn man nicht schon reserviert hatte. Es duftete nach leckerem Essen, von der einen oder anderen Ecke hörten wir Musik, die aber nicht aus irgendwelchen Boxen geduldet kam, sondern live gespielt wurde. Im Verlauf des Abends sollten wir noch mehrere Darbietungen von anderen Musikern und Freizeitmusikern hören und bestaunen dürfen. An mehreren Tischen in einem der hinteren Räume traf ich dann schließlich auf Dario und Iza. Und gleich wurde uns Platz gemacht, ich grüßte in die Runde und freute mich auf einen Abend, der sicherlich als ein weiteres tolles Ereignis auf meiner Reise in und durch Argentinien in meinen Erinnerungen bleiben wird. Sehr leckeres Essen, wirklich sehr nette (hauptsächlich) Argentinier, ein „Gaucho“, der seine Passion nutzt, um Gästen ein besonderes Abenteuer zu bieten und Musik, die absolut charakteristisch für Argentinien ist. Und gerade dann, wenn man nicht damit rechnet, ertönt plötzlich Musik am Nachbartisch. Denn in den Peñas spielen nicht gebuchte Bands, sondern die Menschen treffen sich hier um gemeinsam Musik zu machen, zu Singen und einen schönen Abend in netter Gesellschaft zu haben. Ich kam aus dem Grinsen nicht mehr heraus. Ja, gefühlt war ich an diesem Abend einfach nur glücklich.

Donnerstag, 29.03.2018

Mein Programm für Ostern stand also fest: Irgendwo im nirgendwo in Argentinien auf dem Rücken der Pferde – was für ein Abenteuer.

Am nächsten Morgen ging es dann früh aus dem Bett. Ich verabschiedete mich kurz von Boris, in Kontakt wollten wir auf jeden Fall bleiben und er versprach mir Bilder von der Salzwüste in Bolivien zu schicken. Für ihn ging es nach Salta also weiter Richtung Norden. Für mich und Iza ging es dann mit Dario auf Reittour. Was war ich gespannt. Er holte uns also vom Hostel ab früh um 7 Uhr ab. Dann holten wir noch weitere Gäste ab und schließlich ging es mit mehreren Autos tiefer rein die Cordillera. Unser Ziel lag auf über 3000 Metern und irgendwann führte uns die Straße zwischen den Bergen stetig bergauf und man merkte spürbar die Höhenveränderung. Doch ich war zu sehr damit beschäftigt mir die Landschaft auf der Fahrt anzusehen. Passend dazu lief typische Musik und ich freute mich wie ein kleines Kind auf Weihnachten endlich in die pure Natur abseits der Touristenwege zu gelangen. Iza und ich waren auch die einzigen Europäerinnen in der Truppe. Die meisten Teilnehmern kamen tatsächlich aus Argentinien oder lebten schon seit einiger Zeit in Argentinien. Viele kannten Dario auch schon und waren bereits anderen Touren mit ihm zusammen geritten. Es würde also ein besonderes Erlebnis werden, auch wenn ich es absolut unvorstellbar fand, dass man solch eine Tour mit knapp 20 Personen durchführen kann, aber das spielt ja eben auch wieder Geld ein.

Irgendwann erreichten wir dann die Hochebene und machten eine kleine Pause, denn an die Höhe muss man sich erstmal gewöhnen und dann hatten wir auch noch das Glück eine kleine Herde Guanakos zu sehen. Den Kindern in der Truppe war anzusehen, dass sie mit der Höhe etwas Probleme hatten, einfach nicht für jeden Körper erträglich. Gut, dass ich soweit keine Probleme damit hatte. Dann ging die abenteuerliche Fahrt also weiter. Die Karawane schlängelte sich über einen Berghang in die Steppe der Cordillera in der Provinz Salta. Die Sonne strahlte vom Himmel und vor uns tat sich eine farblich, vielfältige Landschaft auf. Das zu Pferd erkunden zu dürfen, was für eine tolle Vorstellung. Natürlich, was in Argentinien nicht fehlen darf und in den nächsten Tagen würde ich noch mehr davon genießen dürfen, wurde ein Glas Wein brüderlich/schwesterlich geteilt. Das wird hier anscheinend auch nicht so eng gesehen. Guter Wein wird hier eher wie Wasser getrunken.

Eine gefühlte Ewigkeit folgten wir nun einer sandigen Straße, musikalisch begleitet von der hier typischen Musik – ich kam mir vor wie in einem Film. Gespannt auf das, was mich da die nächsten Tage wohl erwarten wird. Wir erreichten schließlich den Familienhof und nach der langen Fahrt wurden dann erstmal die Zimmer bezogen. Da wir ja doch sehr viele waren, durften die Nachzügler, also auch meine Wenigkeit, sich ein Mehrbettzimmer teilen, dass vom Charme her, eher provisorisch wirkte und ich mich fragte, was uns wohl in der Nacht alles besuchen würde. Also ja, hier waren wir wirklich janz weit draußen – weg von jedem Komfort und nun Teil einer Familie, die hier lebt und arbeitet. Fast noch ganz ursprünglich und sie finanzieren eben ihr Leben unter anderem damit, dass sie Touristen und Gäste bei sich aufnehmen. Wahrscheinlich können sich das auch eher nur die gut betuchten Argentinier leisten – zumindest waren die Kosten für die Pferde-Tour schon recht hoch.

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Nach einer Stärkung am Mittag, ging es dann doch noch auf eine Tour zu Pferd. Fast hatte ich schon nicht mehr mit gerechnet. Die Pferde waren doch alle verschiedene Charakterköpfe. Meines war recht zügig unterwegs und ich wusste, es würde ein kleine Aufgabe auf mich warten. Aber in den letzten Monaten hatte ich einiges in puncto Reiten in Südamerika gelernt, so freute ich mich eher auf die nächsten Tage. Der erste Ritt führte uns in einen westlichen Teil des Tals. Ich konnte mich gar nicht genug satt sehen – tolle Landschaft, tolle Farben – meine Kamera hatte ich natürlich mitgenommen – wozu gibt es auch die großen Satteltaschen. Aber auch ein paar Schnappschüsse mit meinem Handy habe ich natürlich gemacht:

Zurück an der Farm hatten wir dann erstmal Pause, bis schließlich zum Abendessen geladen wurde. Das Essen war spitze und das Fleisch einfach der Hammer. Nach dem Essen wurde die Gitarre wieder raus geholt und alte Lieder zum Besten gegeben – ich fühlte mich wirklich gesegnet in diesen Momenten. Ich glaube wirklich nicht mehr an Zufälle – es ist dann doch eher Schicksal – es sollte genauso sein 🙂

Freitag, 30.03.2018

In der Nacht wurde es doch wahnsinnig kalt in unserem Raum. Gut, dass wir genügend Decken/Ponchos hatten, um uns warm zu halten. Wie ist es dann erst, wenn der Winter hier Einzug hält? Der heutige Tag versprach aufregend und interessant zu werden. Der Plan; Wir übernachten in einer Hütte irgendwo draußen zwischen den Bergen, gebaut von der Familie und genutzt, damit die eigenen Tiere, Pferde, Ziegen und Rinder, andere Nährstoffe und Futter bekommen und natürlich um Gästen/Touristen zu zeigen, wie hier draußen in der argentinischen Wildnis gelebt wird. Was uns da wohl erwarten wird? Ich wusste nur, es wird wahrscheinlich kein gewöhnlicher Ausflug werden und man wird sich in etwa wie in einem Jugend- oder Pfadfinder-Lager fühlen.

Es dauerte gut eine Zeit, bis alle Pferde gesattelt und beladen waren. Dann bekam jeder wieder sein Pferd vom Vortag zugeteilt und wie die Ameisen schlängelte sich unser Weg Richtung der Berge. Die Sonne lachte wieder vom Himmel. Es war auch eine Reporterin aus Buenos Aires mit dabei, die selbst noch nicht oft auf dem Pferd gesessen hatte, aber sich schon in das perfekte Outfit geworfen hatte. Gewusst wie! Da sich eines der Kinder und ich war erstaunt, wie jung und doch schon selbst zu Pferd, nicht ganz wohl auf dem zugeteilten Pferd fühlte, wurde zwischendrin gewechselt und weiter Ging der Ritt in die Berge. Gefühlt eine Ewigkeit, erreichten wir schließlich unseren Pausenplatz. Die Pferde sicher angebunden, wurde eine große Decke ausgebreitet und alles für ein herrliches Picknick bereit gestellt. Ja, so lässt es sich leben. Die Wiese war zudem voller herum springender Grillen – die sich teilweise auch mit anderen Dingen beschäftigten. So viele auf einmal hatte ich auch noch nicht gesehen.

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Nach der Mittagspause ging es dann also an den Aufstieg. Wir waren ja bereits schon auf über 3000 Höhenmetern und würden noch die 4000 erreichen. Der Wahnsinn, unvorstellbar und faszinierend zugleich. Die Landschaft wechselte nun in ein tiefes Grün – kein Sandboden mehr in Sicht – langsam schlängelte sich die Gruppe ihren Weg aufwärts und ich versuchte die Aussicht nicht nur mit der Kamera festzuhalten, sondern jeden Moment zu genießen, was ist die Erde doch für ein toller Ort und so facettenreich. Nur leider, sind wir einer der größten Störfaktoren und sind mehr und mehr dabei den Erhalt dieses Planeten zu zerstören – traurig, aber wahr.

Auf den Höhen weideten Kühe, aber auch Pferde waren unterwegs. Dieser Ort ist noch friedvoll und frei von Eingriffen durch uns Menschen. Mal davon abgesehen, dass wir hier mit 20 Leuten durch die Gegend reiten. Aber das ist weitaus weniger schädlich als die Maschinerie der Menschen.

Ich war gespannt, was hinter den Bergen auf uns warten würde und was wir zu sehen bekommen. Auch die Möglichkeit einen Kondor zu sehen, war relativ hoch, denn wir waren ja auch schließlich sehr hoch. Und auch das Glück sollte mir nicht verwehrt bleiben. Die schmalen Pfade entland der Berge waren teilweise schon etwas bedenklich, doch die Pferde waren sicher unterwegs. Nach einer weiteren Pause ging es langsam weiter, denn dann wurde die gesamte Konzentration der Pferde benötigt. Die Wege wurden enger, waren teilweise unterbrochen und dann passierte es. Eine der Pferde verlor den Halt und rutschte den Hang ein Stück herunter. Der Schock saß tief. Ausgerechnet das Pferd der Reporterin hatte sich vertreten. Bei allem Unglück hatte sie doch noch Glück gehabt. Das Pferd war zwar über sie gerollt, aber ein Schutzengel war auf ihrer Seite gewesen. Aber was nun? Sie war schon ordentlich verletzt worden. Nur „mal eben“ ins Krankenhaus fahren, das konnte man natürlich nicht. So wurde entschieden, dass wir weiter reiten werden, zu unserem Ziel im Tal, irgendwo im Yunga. Aber sie bekam das Pferd von Dario, unserem Guide, das sicher auf den Beinen war. Für mich war es schwierig mit dieser Situation umzugehen, denn sie war kurz hinter mir gerutscht – also hatte ich noch Glück im Unglück? Da waren meine Ängste natürlich wieder ganz Vorne mit dabei und meine Stimmung war erstmal danieder. So schnell kann es eben gehen – von einem auf den anderen Moment, das sollte man sich wirklich immer vor Augen führen. Aber das sollte einen auch nicht daran hindern hinaus in die Welt zu gehen, zu reisen, neue Kulturen und Länder kennen zu lernen. Es ist eben nicht alles eitel Sonnenschein, Regenbogen und Ponyhof da draußen! Nur sind wir alle zu sehr auf Sicherheit bedacht, was nicht verkehrt ist, aber manches Mal lohnt es sich, sich aus seiner Komfortzone zu bewegen, denn es gibt viel Schönes und Einzigartiges zu entdecken.

Wir verweilten nach dem Schock noch für eine Pause und sammelten neue Energie für den Abstieg ins Tal hinab. Denn das würde nochmal ein besonderes Erlebnis werden. Anscheinend war hier schon länger niemand mehr die Wege entlang geritten, denn mit der Machete schlug einer der Begleiter uns immer wieder den Weg frei. Das Grün der Berge entpuppte sich zusehends als Birkenwald sowie andere Sträucher und Bäume, also wirklich kein „Dschungel“ wie ich vermutet hatte. Man hörte Vögel überall und ich war erstaunt, wie anders die Natur doch an den Bergen in dieser Höhe sein kann, anstatt nur kahl und ohne große Lebewesen, wie in Chile.

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Nach einem langen Tag erreichten wir schließlich die Hütte im Tal. Selbst erbaut von der Familie und auch genutzt wenn sie mit den Tieren dorthin wandern und eine gewisse Zeit in der Umgebung verbringen. Errichtet aus dem, was die Natur einem gibt. Zimmer waren nur wenige vorhanden, sodass die Familien mit den Kindern diese bekamen und der Rest der Gruppe durfte es sich dann auf dem Boden des „Wohnzimmers“ für die Nacht bequem machen. Wie macht man das in Südamerika? Man nutzt die Decken, die unter den Sätteln sind bereitet sich damit sein Nachtlager + mitgebrachten Isomatten und eben der eigene Schlafsack. Wer wollte, konnte auch den Sattel des Pferdes als „Kopfkissen“ nutzen. Einer der Begleiter zeigte dann gleich den Jugendlichen, wie man das richtig macht.

Aber zunächst wurde Wein gereicht – nachdem ereignisreichen Tag keine schlechte Idee, besonders für die Reporterin, um den Schock noch weiter zu verdauen. Und dann brachen auch bei ihre alle Dämme, die Schmerzen kamen durch und sie war froh, dass diesen Sturz überlebt hatte. Wir waren alle voller Sorge und ehrlich gesagt, ich hätte an der Stelle des Guides die Tour abgebrochen oder hätte sie mit einem der Begleiter zurück geschickt. Aber in Argentinien geht man mit sowas anscheinend anders um.

Dann ging es an die Vorbereitungen für das Abendessen und was gab es? natürlich Empanadas, fleißig von den Begleitern zubereitet. Ich wollte mich nützlich machen und half den beiden Jungs, schließlich wollte ich selbst mal richtig lernen, wie die Empanadas gefüllt und auch geschlossen werden. Bisher sah es bei mir immer nicht sehr schön aus, aber mit der richtigen Technik geht eben doch alles.

Gemeinsam wurde gegessen, geredet und das Erlebte verarbeitet. Die Jugendlichen trollten sich zusammen und fingen an Karten zu spielen – verstanden hatte ich das Spiel aber nicht.

Mit der Zeit hatte ich jetzt auch schon einen Überblick über unsere Gruppe gewonnen. Zwei Familien waren dabei, wovon eine Mutter mit zwei Töchtern aus den USA war und die anderen direkt aus Buenos Aires kamen. Anscheinend kannten sich auch schon einige der Teilnehmer untereinander, von anderen Touren oder waren eben Freunde und Bekannte. Eine bunter, aber auch tolle Truppe und ich war froh, ein Teil davon sein zu dürfen. Und Dario, ja er faszinierte mich irgendwie. Hatte den Charme von einem „Lonesome Gaucho“ und verkörperte für mich das Lebensgefühl, was ich in Argentinien vermutet hatte. Teilweise rau und ruppig, aber dann doch wieder sehr gefühlvoll darauf bedacht, dass es allen gut geht. Aber anscheinend macht er auch gut Geld mit seinem „Gaucho Argentino“ Unternehmen, was das Ganze dann doch wieder etwas relativiert, für mich zumindest. Aber meiner Euphorie tat dies zu diesem Zeitpunkt nichts ab.

Samstag, 31.04.2018

Die Nacht war kurz, denn wer ist es schon gewohnt irgendwo in einem Tal in der Natur zu übernachten und das noch mit 10 anderen Menschen in einem Raum. Aber die Sonne lachte wieder vom Himmel, sodass die kurze Nacht schnell vergessen war. Es war mehr die Sorge, wie geht es unserem Unfall-Opfer? Sie hatte doch einige Blessuren davon getragen und allzu gut ging es ihr am letzten Abend leider auch nicht. Aber, ein Indianer kennt kein Schmerz – so heisst es ja meistens. Wirklich taff, wie sie die ganze Sache gemeistert hat. Weiss nicht, ob ich das gekonnt hätte.

Nach dem Frühstück wurde dann langsam wieder alles verstaut, verpackt und die Pferde wieder gesattelt. Nahe der Unterkunft nahm ein Fluss seinen Lauf und ich versuchte ein paar Minuten der Ruhe, inmitten der Natur mitzunehmen, bevor der beschwerliche Weg zurück angetreten wurde.
Dann ging es also wieder zurück, zunächst bergauf, durch den Matsch und das Unterholz des Yungas. Die Kinder bekamen teilweise etwas Angst, da die Tiere sich eben ihre Wege suchten, um die Berge zu erklimmen. Wer das ohne Reiterfahrung mitmacht, muss ziemliches Vertrauen in die Tiere haben, ansonsten würde ich diese Tour nur fortgeschrittenen Reitern empfehlen.

Zwischen den Bergen legten wir wieder ein paar Stopps ein und neben der beeindruckenden Natur hatten wir auch dieses Mal das Glück Kondore zu sehen, sogar ganz nah, aber immer einen Moment zu früh für mich und meine Kamera oder weit oben in den Lüften – da hätte ich ein ganz anderes Objektiv gebraucht.

Zurück am Hof der Familie war bereits eine besondere Veranstaltung im Gange. Die junge Generation übte sich im Kühe fangen und das lautstark und unter dem Beifall der Zuschauer. Für uns hieß es dann aber erstmal Absteigen, Satteltaschen entleeren und dringend frisch machen. Natürlich hatten wir in der Hütte keine große Möglichkeit gehabt uns zu waschen – daher stand für mich erstmal eine Dusche auf dem Programm. Den Nachmittag konnten man nun also nutzen, um sich von dem langen Ritt zu erholen, bevor abends zunächst zusammen gegessen wurde und die Veranstaltung mit einer ordentlichen Party ihr Ende fand. Und, drei Mal darf geraten werden, welche Musik gespielt wurde. Natürlich Cumbia! Aber eben in der argentinischen Version. Denn wenn ich eins mit der Zeit gelernt habe, dann, dass jedes Land in Südamerika seine eigene Art und Interpretation von Cumbia hat – allerdings muss man da schon genau hinhören und etwas von Musik verstehen!

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Sonntag, 01.04.2018

Ein neuer sonniger Tag inmitten der Berge in Salta. Nach dem Frühstück hieß es dann wieder aufgesattelt und los geritten. Der Weg heute führte uns durch das Tal, aber weiter Richtung Norden. Das Ziel unseres Ritts heute war ein neues Gästehaus, was allerdings noch im Bau war und dann nur zur Besichtigung geplant war zu besuchen. Die Pferde würden dann dort vor Ort bleiben und wir würden dann am nächsten Tag von dort aus starten, somit wäre dann am nächsten Tag die Runde durch das Tal wieder am Hof der Familie enden. Ich freute mich auf neue Eindrücke, tolle Motive und einzigartige Momente, denn die sind in dieser Landschaft wirklich zu erleben – zumindest für mich.

Wir starteten gen Westen vom Hof, ähnlich der Route wie am ersten Tag. Dann ging es aber weiter Richtung Norden und schließlich tat sich eine Landschaft vor uns auf, die ich mir so eigentlich eher in Nordamerika vorgestellt hatte. Roter Sandstein, riesige Felsen und eine weiter Ebene. Fast wie in einem Western. Es fehlten jetzt nur noch Banditen zu Pferd oder auch Indianer, die von den Felsen nach Feinden spähen. Wir legten schließlich nach gut 2 Stunden Ritt eine Pause inmitten einer Felsformation ein und ich versuchte auch hier wieder die Momente auf mich wirken zu lassen. Zu Essen gab es die leckeren gefüllten Humitas en Chala – typisch für die Region und einfach zuzubereiten. Dabei werden die Blätter des Maiskolben vorher in Wasser eingelegt, damit sie weicher werden. Man legt sie so zusammen, dass sich daraus ein Päckchen schnüren lässt. Gefüllt werden die Blätter schließlich mit einem Brei gekocht/gebraten aus Mais, Zwiebeln, Paprika, evtl. etwas Kürbis und entsprechend gewürzt. Um dem Gericht noch ein gewisses Etwas zu geben, wird noch eine scharfes Dressing hinzu gegeben, das dem Ganzen einen interessanten Geschmack, wenn man Mais mag! Die Blätter halten das Essen nur warm, sollen also nicht mit gegessen werden. Soweit der kleine Exkurs für argentinische Küche 🙂

Nach der Pause setzten wir unsere Tour fort und ritten weiter in den Nordosten des Tals. Plötzlich änderte sich das Wetter und Regenwolken zogen auf. Die Temperatur fiel und schnell wurden die Jacken wieder angezogen. Der Herbst hielt hier wohl langsam seinen Einzug, aber gut, auf über 3000 Metern sind die Temperaturen eh anders.

Am Gästehaus angekommen, zeigten uns die Begleiter der Tour die einzelnen Räume und erklärten uns, wie diese Häuser errichtet werden. Finanziert wird das unter anderem durch die Gäste und Touristen, die den Weg zu der Familie in diesem Tal finden. Dario ist ein guter Freund und hat wohl ein Sondervereinbarung getroffen, denn sonst hätten sie wohl nicht so viele Gäste gleichzeitig beherbergt. Sobald dieses Haus fertig ist, werden in Zukunft auch Gäste hier auf den Touren übernachten können. Es gibt Schlafräume, mit Hochbetten, eine „Küche“ mit Feuerstelle, sowie ein entsprechendes Badezimmer, den Gegebenheiten angepasst. Die Pferde wurden inzwischen schon abgesattelt und dann zusammen auf eine Weide in der Nähe gebracht. Für uns war die Tour hier erstmal beendet und es ging per Autobus wieder zurück zum Hof.

Dann stand wieder ein leckeres Abendessen auf dem Programm, der letzte Abend wurde wiederum mit gemeinsam Singen und Gitarrenmusik verbracht – ein schöner letzter Abend.

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Montag, 02.04.2018

Ein letzter Ritt – mit fatalen Folgen.

Nach dem Frühstück hieß dann also erstmal die Sachen packen, bevor wir zur letzten Reittour aufgebrochen sind. Dario hatte uns zuvor gefragt, ob wir denn nochmal Reiten wollen würden, dann würde es aber nur noch eine kleinere Runde geben. Leider musste uns eine der Familien dann schon verlassen, denn sie hatten noch einen weiten Weg zu fahren, bis nach Buenos Aires! Das Wetter hatte sich wieder gebessert, zwar war es noch kalt und windig, aber der Regen war weg gezogen und auch die Sonne ließ sich ab und an blicken. Mein Pferd hatte mir die ganzen Tage über schon ordentlich gezeigt, dass es willig war mehr zu tun, als nur im Schritt und Trab zu gehen. Also wollte ich ihm gerne am letzten Tag noch einen Gefallen tun, ok auch für mich, und schön Galoppieren. Dabei hatte ich dann aber nicht bedacht, dass diese Pferde eine 4. Gangart besitzen und das ist alles andere als einfach zu Händeln.

An der Hütte angekommen standen die Pferde schon gesattelt für uns parat. Die Tour startete weiter ostwärts ins Tal durch ein Flussbett, vorbei an Wiesen, Sträuchern und Kakteen und einer etwas anderen Landschaft als am Tag zuvor. Schon beeindruckend, wie unterschiedlich die Natur auf 3000 Metern Höhe sein kann. Sicherlich auch gefördert, durch das Handwerk der Bauern und Menschen die hier vor Ort leben.

Dann schlugen wir unseren Weg Richtung Süden ein und hatten einen wahnsinnigen Blick auf die Bergkette, die sich entlang des ganzen Tals streckte. Die unterschiedliche Landschaft war unglaublich kontrastreich und Fotografen haben hier sicherlich große Freude sich auszutoben.

Die letzte Tour also vorerst zu Pferd. Aber ich hatte Dario schon am ersten Abend in der Peña gesagt, dass ich gerne mit auf die Estancia kommen würde, auf der er lebt und arbeitet. Und da diese Estancia auch noch in Esquina liegt, wäre das eine optimale Routenoption für mich, denn von dort sind es „nur“ noch gut 9 Stunden mit dem Bus zum Iguazu. Und falls ich nicht mit auf die Estancia könnte, hatte ich zumindest einen Transfer in die richtige Richtung. Iza hatte aber wohl auch bei ihm angefragt und jetzt war ich mir nicht sicher, was nun am Ende dabei rauskommen würde.

Ich genoss aber erstmal den letzten Ausritt in Salta und hätte noch viel länger im Sattel bleiben können. Die Begleiter der Tour angelten und Kaktusfrüchte von den Kakteen, die wirklich sehr sehr süß schmecken, aber auch sehr viele kleine Kerne enthalten. Weiter auf der Route überlegte ich mit einem der anderen Mädels zusammen, dass wir doch jetzt endlich mal galoppieren könnten. Wir hielten unsere Pferde etwas zurück und los ging der Ritt. Der Spaß war aber nur von kurzer Dauer, da der Abstand zur Gruppe einfach nicht so groß war. Also noch ein weiteres Mal, denn schließlich ging die Tour auch ihrem Ende zu.

Und dann passierte es, mein Pferd legte die 4. Gangart ein und ich wusste gar nicht so recht, wie mir in diesem Moment geschah. Ich sah mich schon mit voller Wucht in das Ende unserer Truppe schnellen, denn bremsen konnte ich mein Pferd leider gar nicht mehr. Und ehe ich mich schlug ich plötzlich hart auf dem Boden auf.

Was war passiert? Der Sattel hatte sich leider gelöst, da die Sättel hier eher so befestigt werden, dass die Riemen an Ösen verknotet werden und leider lockert sich das gerne eher, als dass es gut hält. Meine Mitreiterin war ebenfalls auf dem Boden gelandet hatte aber auch wohl noch Glück im Unglück gehabt. Ich stand reflexartig wieder auf und versuchte mich zu sortieren. Mein Kopf hatte auf einen Fall eine Erschütterung abbekommen und ich merkte, wie ich leichte Wahrnehmungsstörungen hatte. Ich versuchte mich zu beruhigen und war froh, dass ich auf Darios Pferd den letzten Teil der Strecke zurück legen konnte. Kein besonders schöner Abschluss dieser Tour. Aber wie heisst es so schön – Übermut tut selten gut!

Jetzt hatte ich einfach nur Angst, dass ich mir etwas gebrochen oder eben ein Kopfverletzung zugezogen hatte. Doch das konnte erst in Salta Stadt geklärt werden.

Auf halber Strecke zwischen Hof und Ausfahrt Richtung Salta Stadt warteten wir dann auf die Autos mit denen es wieder retour in die Zivilisation ging. Mein Kopf machte sich nun deutlich bemerkbar, mir war zwar nicht richtig schwindelig aber trotzdem komisch, etwas schlecht, eben einfach unwohl vor allen Dingen noch ohne Gewissheit, ob ich nun eine ernsthafte Verletzung vom Unfall hatte. Die Rückfahrt dauerte somit eine halbe Ewigkeit und leider konnte ich die Fahrt dann nicht so genießen.

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In Salta angekommen ging es dann direkt ins Krankenhaus. Wie froh ich war, dass ich spanisch sprechende Personen bei mir hatte. Und da die Reporterin sich ebenfalls untersuchen ließ, ihr ging es auch noch nicht viel besser, warteten wir gemeinsam auf die Untersuchung und die Ergebnisse.

Gleichzeitig hatte ich die Möglichkeit meinen Wuchs am Hals untersuchen zu lassen – wie sich dann rausstellte, war es nur ein Grützkorn und das könnte ich mir auch erst in Deutschland entfernen lassen. Also, schon mal eine positive Nachricht. Ich wurde also im Krankenhaus dann geröntgt und es wurden keinerlei Brüche o.ä. festgestellt. Ich war mir da aber gar nicht so sicher, denn mein Hinterkopf wies wirklich eine ziemliche Delle auf. Aber gut, wenn sie nichts finden können, muss ich erstmal damit leben. Dann noch ein paar Medikamente abgeholt und schnell ins Hostel – da teilte ich mir dann das Zimmer mit der Reporterin und Dario zusammen. Zum Abendessen ging es in ein sehr gutes Restaurant, nach richtiger Gaucho-Manier. Iza kam wieder dazu und die ältere Dame aus Buenos Aires war auch mit dabei.  Ein Lied hat uns drei „Mujeres“ besonders verbunden und immer wenn es lief, ging fing eine von uns an „Havanna nananan…“ – Dario verfluchte uns nach den langen Fahrten zusammen schon ;). Wir ließen den Abend gemütlich und bei leckerem ausklingen und es ging nicht allzu spät ins Bett, denn schon am nächsten Morgen wollte Dario früh Richtung Heimat starten.

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