Auszeit – Argentinien – Woche 33

Neben der Entscheidung, ob ich mir in der Region noch etwas anschauen möchte, musste ich noch entscheiden, wo es für mich nach Cordoba hingehen sollte. Für mich stand fest, dass ich mir noch die Hauptstadt der Provinz anschauen wollte, aber dann? Schon Richtung Iguazú oder doch noch eine andere Region? Da die Flüge in Argentinien nicht unbedingt die Günstigsten sind, lohnt es sich natürlich, schon ein paar Tage vorher zu schauen und nicht kurz entschlossen zu buchen. Empfehlungen hatte ich einige bekommen, aber des Öfteren wurde mir Salta ans Herz gelegt. Die nördlichste Region Chiles, mit viel beeindruckender Natur, musikalischem Einfluss aus den angrenzenden Ländern und auch die oder andere Möglichkeit auf Gauchos treffen zu können. Das war natürlich umso verlockender für mich. Schließlich war ich gerade deswegen auch nach Argentinien gereist. Dann wurde ich bei Aerolinas Argentinas auch noch fündig und konnte mir einen Flug für 50 € ergattern. Die Entscheidung war getroffen: Flug von Cordoba nach Salta am 26.03.2018.

Somit konnte ich mich wieder meiner Tagesplanung widmen und da es in der Nähe noch einen Ort gibt, der ebenfalls einen kleinen Wasserfall zu bestaunen hat, war klar, wo meine Reise für diesen Tag hingehen wird. Also ab zum Busterminal und den nächsten Bus nach Santa Rosa de Calamuchita.

Nach gut einer halben Stunde Fahrt südlich, erreichte der Bus das kleine Bus-Terminal. Durch die kleine Stadt fließt ein kleiner Fluss, den man an einigen Stellen mittels Brücken zu Fuß oder einem Fahrzeug überqueren kann. Ich war zur Mittagszeit am Ziel und hatte natürlich nicht bedacht, dass die Südamerikaner ja ebenfalls gerne eine ausgiebige Siesta abhalten. Somit waren die Straßen fast leer, die meisten Läden geschlossen und nur ein paar Autos waren unterwegs. Aber auch mal schön, nicht so viel Trouble um sich zu haben. Also gleich mal ab Richtung Fluß. Und wie schon zuvor aus dem Bus gesehen, lässt es sich da doch sehr gut aushalten. Das Ufer lädt direkt zu einem Picknick und zum Verweilen ein.

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Einen Geocache hatte ich natürlich auch auf der Liste und da ist es eh besser, wenn nicht viele Menschen um einen herum wuseln.
Das Ziel war schnell ausgemacht, auch wenn die Koordinaten an eine ganz andere Stelle zeigten. Aber Hint und Bilder verrieten den eigentlichen Ort. Jedoch, wie mein Vorlogger bereits geschrieben hatte, war kein Cache mehr vor Ort zu finden. Die Stelle war verdächtig gut zu sehen, aber leider war der Cache wohl gemuggelt worden. Gut, dann erstmal schauen, wo ich an Bargeld komme. Am nächsten Tag sollte es für mich schließlich auch weiter gehen und ohne Geld in der Tasche wollte ich nicht weiter ziehen. Die argentinische National-Bank wollte mir kein Geld geben und es blieb nur noch Santander, bei denen einem gut Gebühren abgezogen werden. Was nun?  Ich fragte Cecile schnell, ob sie mir eventuell Geld geben könnte und ich würde es ihr überweisen, doch leider hätte ich ihr das Geld auf ihr Konto dann wohl nicht überweisen können. Gut, dann muss ich wohl in den sauren Apfel beißen. Schon blöd, selbst mit der Santander 1 Plus Kreditkarte hätte ich Gebühren zahlen müssen. Und ob ich da dann die Gebühren erstattet bekomme, war ja auch unklar. Dann lieber direkt mit der Debit-Karte. Ein kleines Hüngerchen meldete sich auch schon, aber die paar Bistros und Restaurants, die geöffnet hatten konnten mich nicht wirklich überzeugen. Dann lieber ein Eis, bei der Wärme eh die bessere Wahl.

Noch einen kleinen Spaziergang durch die Gassen und an Plätzen vorbei und dann machte ich mich auf die Suche nach dem Zugang zum Wasserfall. Ein Blick auf Maps und der Weg führte mich entlang der Hauptstraße zur Zufahrt. Aber wie weit ich noch laufen musste, das war mir nicht klar,  aber wie sagt man auch so schön, der Weg ist das Ziel. Genug Zeit hatte ich noch, denn es war erst früh am Nachmittag. Und ich war froh, wieder ein Stück weit in der Natur zu sein – raus aus den Städten und Dörfern. Auf dem Weg kam plötzlich eine Kuh auf mich zu, kräftige Laute von sich gebend. Wo die wohl ausgebüxt war? Auf den letzten Metern bis zum Ausflugsrestaurant ging es dann noch steil bergauf und dann stand ich schon vor dem „Ingreso“ zum Naturschutzgebiet. Na, dann wollen wir mal los. Ein kleiner Wanderweg führte mich zunächst zu ein paar Informationsschildern und gleich begrüßten mich weitere Rinder. Da kam die andere Kuh also her. Durch ein kleines Tor gelangt man dann schließlich in das Gebiet und taucht weiter in die Natur ein. Gut, dass ich festes Schuhwerk gewählt hatte, mit meinem FlipFlops wäre der Weg doch sehr beschwerlich gewesen. Weitere Kühe und Bullen tauchten in den Büschen auf und ich war ebenfalls froh im Schatten der Wälder zu sein. Obwohl es bereits Ende Sommer war, waren die Temperaturen über den Tag schon noch sehr hoch und die Sonne hat hier einfach eine andere Intensität. An einer Gabelung musste man sich entscheiden – oben entlang der Bergehänge oder dem Bachlauf folgend. Ich entschied mich für den Bach, denn wer weiss, wie lange ich tatsächlich zum Wasserfall brauchen würde. Laut Informationstafel sollte die gesamte Strecke in gut 45 Minuten zu bewältigen sein, je nachdem, wie lange ich mich dann am Ziel aufhalten würde, könnte ich den anderen Weg dann zurück laufen. Der Bachlauf musste ein paar Mal gekreuzt werden und dann musste man plötzlich noch über kleine Felsen klettern. Darauf war ich ja nicht vorbereitet gewesen, aber einen Weg finde ich meistens. Und dann stand ich endlich vor dem kleinen Wasserfall – idyllisch und Natur pur!

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Es war Zeit für eine ausgiebige Pause. Ich war schon eine Weile auf den Beinen unterwegs und am Wasserfall war ich tatsächlich alleine. Nur hatte ich mein Badezeug nicht dabei – verdammt. Sollte ich vielleicht…wie Gott mich schuf… neeeeiin, lieber nicht! Dann einfach mal mit den Füßen rein, soweit es eben geht. Das Wasser war herrlich erfrischend, nicht zu kalt und sehr klar. So lässt es sich doch wunderbar aushalten. Doch irgendwann ist auch mal die schönste Pause vorbei. Ich entschied mich den oberen Weg zurück zu gehen um vielleicht noch einen Blick vom Aussichtspunkt werfen zu können. Aber wo führt der Weg denn jetzt genau lang? Die Markierungen waren nur sporadisch angebracht und so musste man schon genauer hinschauen. Dann einfach mal der Nase und Intuition nach – oder wie bei Geocaching, einfach dem Cacherpfad folgen, in diesem Fall dem Wanderpfad. Wenn es denn nur einen geben würde. Hier haben viele Wanderer andere Wege gesucht. Schließlich erreichte ich den Aussichtsplatz und wenn ich noch Zeit gehabt hätte, hätte ich dort auch gut und gerne noch mehr Zeit verbracht. Ein schöner Ort, wenig bis gar keine Touristen, viel Natur und mal die Gelegenheit richtig abzuschalten. Ich glaube die Provinz habe ich nicht zum letzten Mal besucht.

Dann wieder langsam retour. Die Kühe begleiteten mich ein Stück und dann kamen mir doch tatsächlich noch ein paar weitere Wanderer entgegen. Einer schien davon ein ortsansässiger Bauer zu sein, der drei Reisenden den Wasserfall zeigen wollte. Vielleicht ja auch der Herr über die Rinder? Das Tor am Eingang war auch wieder geschlossen und die Kühe anscheinen wieder zurück im Naturschutzgebiet – da gehörten sie wohl auch hin.Noch einen Moment lang die Aussicht vom Restaurant genossen, ein zwei Bilder geknipst und dann wieder zurück zum Bus-Terminal.

Das Ticket war schnell gekauft und da ich doch noch gut 30 Minuten Zeit hatte, beschloss ich nochmal einen Abstecher zum Fluß zu machen. Besser, als am Terminal zu sitzen und zu warten. Ja, ein kleiner beschaulicher Ort. Viele Argentinier kommen hier in die Gegend, um Urlaub zu machen und dem bunten Treiben in der Großstadt zu entfliehen. Kann ich sehr gut verstehen. Hier kann man „mal eben“ in die Natur entfliehen und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. Hier ist die Lebensqualität auf jeden Fall höher als in der Provinz La Pampa, man braucht eben nur das nötige Kleingeld. Ein paar Bilder vom Fluß zum Abschluss.

Als kleines Dankeschön für die nette Aufnahme und die tolle Zeit bei ihr Zuhause, habe ich Cecile und ihren Sohn abends noch zum Essen eingeladen. Natürlich, „typisch“ Deutsch, eine Fleisch-Platte mit lecker watt dabei, u.a. Bratkartoffeln . Ein ganz tolles Duo und ich hoffe, dass wir uns nochmal im Leben treffen werden. Vielleicht schafft sie es ja auch mal nach Deutschland und kann mich dann mal besuchen. Denn irgendwie muss ich mich dafür auch noch revanchieren. Am Ende bestand sie sogar darauf, die Rechnung teilweise mit zu bezahlen. Wäre absolut nicht notwendig gewesen.

 

Donnerstag, 22.03.2018

Am nächsten Morgen setzte ich meine Reise dann fort. Da Cecile auch nach Buenos Aires fahren musste, wollte sie mich gerne ein Stück mitnehmen. Auf meinem Weg nach Córdoba Stadt, wollte ich gerne noch Halt in Alta Gracia machen, Geburtsort vom Revolutionär Che Guevara. Im Lonely Planet Reiseführer hatte ich über die kleine Stadt gelesen. Sie wird als Tagesausflugsziel angepriesen und wenn ich schon mal auf dem Weg bin, kann ich ein Abstecher dahin ja nicht schaden. Cecile brachte mich dann dort zum Busterminal und klärte für mich den Verbleib meiner Rucksäcke am Info-Point ab. So musste ich nicht mein ganzes Zeug mit mir rumschleppen und konnte meinen Mini-Trvlshirt-Rucksack und meine Kamera schultern. Die Verabschiedung war herzlich und wir wünschten uns Glück auf unseren Wegen. Ein weiteres Zwischenkapitel auf meiner Reise war also abgeschlossen. Jetzt ging es weiter – abends sollte es dann nach Córdoba gehen, eine Couchsurfer-Empfehlung hatte ich ja bereits in Buenos Aires von einer anderen Deutschen erhalten. Fede hatte ich zuvor schon kontaktiert und ich konnte bei ihm für zwei Nächte bleiben. Da er aber leider arbeiten musste, würde er sich nicht viel um mich kümmern können. Gut, aber das war für mich auch das kleinste Problem. Hauptsache ich bekomme einen Schlüssel und muss mich nicht wieder mit Absprachen rumärgern, die nicht eingehalten werden. Erstmal stand aber die Tour durch Alta Gracia auf meinem Programm. Am Info-Point im Bus-Terminal erhielt ich eine Karte, mit den wichtigsten Sehenswürdigkeiten, unter anderem das Geburtshaus von Che Guevara, welches heute als Museum dient. Das steuerte ich dann auch zuerst an, vorbei an alten Villen, neuen Häusern und kleinen Vorgärten. Wie auch bei den anderen Kleinstädten/Dörfern, gefiel mir dieser Ort mehr, als der Trouble und die Enge in den Großstädten.

Im Geburtshaus von Ernesto Rafael Guevara de la Serna, genannt Che Guevara, erfährt man einiges über seine Kindheit, Schulzeit und Studium, seine Reisen quer durch Südamerika bis schließlich nach Kuba sowie seine politischen Aktivitäten. Ein sehr gebildeter Mann mit klugem Kopf, der auch Goethe gelesen hat. Sein Einsatz als Anführer der Rebellenarmee während der Kubanischen Revolution ist legendär und seine Schriften und Reden beeinflussten die rebellischen Strömungen weit über Kuba hinaus. Also, wie so oft – einfach mal machen! Heutzutage sind wir doch alle viel zu verkopft.

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Schließlich ging es weiter quer durch die kleine Stadt. Und natürlich hatte ich mir wieder ein paar Geocaches auf die Liste gesetzt. Wenn schon, denn schon. Und gleich den Ersten konnte ich sehr schnell finden, trotz ein paar Mädels, die in der Nähe auf der Mauer saßen. Aber wenn man eben loggt, als wenn es das Normalste von der Welt wäre, interessiert es die Muggel eher weniger. Alta Gracia hat einige Parks, einen See und auch einen sehr schönen Altstadt-Teil zu bieten. Unter anderem eine Jesuiten Estancia aus der Kolonialzeit. Die wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen, vor allen Dingen, weil der Eintritt gratis ist. Gegenüber vom Hauptplatz befinden sich das Hauptgebäude und die Kathedrale, dessen Pfarrei den Namen „Unsere liebe Frau der Barmherzigkeit“ trägt. Im Innenhof wird deutlich, wie großzügig im 18. Jahrhundert gebaut wurde und in den einzelnen Zimmern sind Original-Möbel und Stücke ausgestellt.  Auf einer Miniatur-Ansicht kann man gut sehen, wie die gesamte Estancia früher aufgebaut war und wer in welchem Teil gelebt und gearbeitet hat.

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Weiter auf den Suche nach Geocaches ging es für mich durch die kleine Einkaufsstraße der Stadt. Der nächste Cache war schnell gefunden und weiter ging es Richtung alter Bahnstation. Noch schlief das Städtchen seinen Mittagsschlaf und nur ein paar Menschen waren in den Straßen unterwegs oder saßen in den Cafès. Schon auf der Hinfahrt hatte ich eine interessante Statue entdeckt, die ich mir gerne noch näher ansehen wollte. Nah zum nächsten Cache – wie passend.

Auf dem Rückweg genoss ich die Nachmittagssonne noch bei einem leckeren Eiskaffee im Bonafide. Allerdings musste der Kaffee wohl noch gepflückt werden, zumindest dauerte es eine Weile, bis das kalte Getränk endlich vor mir stand. Aber, wie ich ja schon festgestellt habe, hier geht man alles etwas gemütlicher an. Also braucht es auch mal ein Weilchen, bis der Eiskaffee den Tisch erreicht. Ich musste vor 18 Uhr wieder am Bus-Terminal sein, denn die Information schließt um diese Uhrzeit und an meine Rucksäcke käme ich dann nicht mehr heran. Nachdem ich also gemütlich meinen Eiskaffee getrunken hatte, machte ich mich langsam wieder auf den Weg Richtung Terminal. Der nächste Bus nach Córdoba fuhr um 18:35 Uhr und meinem Couchsurfer hatte ich bereits Bescheid gegeben, dass ich mich melden würde, sobald ich bei ihm in der Nähe wäre. Er schlug eine Bar vor seiner Haustür vor, da er selbst auch noch unterwegs war. Die Fahrt dauerte etwa eine Stunde, dem Busfahrer konnte ich in etwa erklären, wohin ich musste und so hatte ich nur noch wenige Meter bis zum Ziel. Treffpunkt Locos por la cerveza – natürlich passend zur Happy Hour. Zwei für günstig. Fede war dann einer Stunde später auch vor Ort und zusammen ließen wir den Abend entspannt ausklingen. Später ging es dann in seine Wohnung (klingt jetzt komisch, oder?), eine kleine Bude, aber nett eingerichtet und alles notwendige vorhanden. er bot mir sogar sein Schlafzimmer an und er würde dann die Nächte auf der Couch verbringen. Er musste morgens raus zur Arbeit und würde mich dann nicht stören. Das Angebot wollte ich erst nicht annehmen, aber er ließ mir keine Wahl :). Dann konnte ich meine Viere auf einem großen Bett ausstrecken und schlummerte irgendwann seelig den Schlaf der Gerechten.

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Freitag, 23.03.2018

Córdoba Stadt wollte nun von mir entdeckt werden. Fede hatte mir angeboten, dass ich alles in seiner Küche nutzen kann. Sehr nett. Also erstmal ein kleines Frühstück zubereitet und den Plan für den Tag schmieden. Ich hatte auch noch ein Tattoo ausstehend, welches ich mir hier stechen lassen wollte. Fede hatte ich vor meiner Anreise noch gefragt, ob er jemanden kennen würde oder eine Idee für mich hätte. Er selbst hat es nicht so mit Tattoos, hatte dann aber tatsächlich ein Mädel, von dem er mir die Kontaktdaten zugeschickt hatte. Dann mal schnell kontaktieren, meine Ideen formulieren und einen Termin ausgemacht. Der Termin war für heute Abend angesetzt. Somit hatte ich den ganzen Tag Zeit mir einen ersten Eindruck von der Stadt zu verschaffen und ein paar Geocaches zu finden. Córdoba hatte mir schon auf den ersten Blick besser gefallen als Buenos Aires. Mittendurch geht ein kleiner Fluss, leider nutzen das viele Einwohner wohl als Müllsammler – nicht so schön, aber auch das habe ich in Südamerika schon festgestellt, Sauberkeit und Umweltschutz sind hier nicht ganz so groß geschrieben.
Da die Wohnung von Fede sehr zentral liegt, konnte ich mich gleich zu Fuß auf den Weg machen. Über den Boulevard San Juan führte mich der Weg zum Plaza Ex.Vélez Sársfield, auf dem sich der erste Cache auf meiner Liste befand. Allerdings zeigten die Koordinaten eine völlig andere Stelle, als es das Bild im Hint auswies. Gut, dass ich meinem Cacher-Instinkt gefolgt bin und schon nach kurzer Zeit hatte ich den Cache in der Hand. Weiter ging es über die Avenida Vélez Sarsfield, kurze Orientierung, dann gen Osten zur Francisco N. de Laprida. Doch der Cache vor dem schönen Gebäude wollte sich nicht finden lassen. Aber es war auch zu muggelig, um diesen Cache unauffällig zu suchen. Also gab ich nach kurzer Zeit schon auf, schaute mir lieber die Gebäude und Kirche in der Nähe an und machte mich auf zum Mercado Sud. Auch dort sollte ein Cache zu finden sein, nahe am Eingang. Aber natürlich fuhren dort direkt die Busse ab un die Leuten gingen ein und aus. Und selbst der Hint und Fotos brachten den Cache nicht in meine Hände. Vielleicht an der falschen Stelle gesucht? Na, ich versuche es sonst die Tage nochmal. Weiter auf dem Boulevard Arturo Illia, zum nächsten Cache. Dieser war laut Beschreibung leicht und gut zu finden. Gut, dann mal los. Mit Sicht auf die Büste eines Herrn nahm ich Platz und hatte schon nach kurzer Zeit den Cache in der Hand – perfekt. Mein nächster Stopp war die Iglesia San Francisco de la Inmaculada. Auf dem Weg dorthin drehte ich noch eine Runde durch die kleine Markthalle. Hier bekommt man ebenfalls alles, was das Herz und der Magen begehrt. Von Fleisch, Käse, Obst und Gemüse über Pasteten und eingelegtes Irgendwas bis hin zu gaanz viel süßem Zeug. Ich ließ mich aber nicht verführen und machte mich weiter auf zum nächsten Cache. Vor Ort gestaltete sich das Suchen aber etwas schwierig, denn es saßen einfach zu viele Leute in der Nähe der Zielkoordinaten – ok, dann auch hier nochmal die Tage hin. Weiter ging’s – auf zur Banco de la Provincia de Córdoba. An den Zielkoordinaten wurde ich vor eine kleine Herausforderung gestellt. Der Bordstein war sehr schmal und auf den ersten Blick konnte ich nichts entdecken. Nochmal um die Ecke, vielleicht bin ich an der falschen Seite? Nein, die Koordinaten waren eigentlich eindeutig. Mhhh.. wie stell ich das jetzt an? Ok, wir tun mal so, als wenn wir die Schuhe binden müssen und schauen dabei hinter die Fassade. Ah, da ist ja der kleine Schlawiner. Nur hatte mich dabei wohl leider jemand beobachtet und gleich mal behauptet, dass ich Fotos von der Bank machen würde – bitte?! Sehe ich etwa so aus, als würde ich einen Einbruch planen? Den Herrn, der vor mir stand und mich eindringlich fragte, was ich denn da tue, musste ich dann erstmal darüber aufklären, was Geocaching ist. Aber, Gott sei Dank, akzeptierte er dies dann. Es hätte ja auch anders enden können, schnell weiter. Ohje, das war mir ja noch nie passiert. Dann steuerte ich den Plaza San Martin an, der den Mittelpunkt der Altstadt in Córdoba bildet. Hier versteckte sich auch ein Cache, den ich ebenfalls nach kurze Suche in meinen Händen hielt. Gar keine schlechte Ausbeute bisher. Der Platz hat, wie die meisten Plätze in Stadtzentren, ein Monument in der Mitte. Die zeigt den General San Martin, repräsentativ für die Befreiungskampagnen der argentinischen Soldaten in Amerika. Die Gebäude um den Platz, unter anderem eine Kathedrale, die Santa Catalina Passage und die Santa Teresa Klosterkirche zeigen eine typische Bauart der spanischen Kolonialzeit. In der Passage waren Fotos an an Seilen aufgespannt, die die Opfer/Verschwundenen unter der Militärdiktatur von 1976 an zeigen. Bis heute ist der Verbleib von tausenden Menschen unklar. Jedes Jahr gehen die Bürger in ganz Argentinien seither auf die Straßen und gedenken dieser Menschen und der „Mütter der Plaza de Mayo“. 

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Dann ging es weiter zum  Plaza Jerónimo Luis de Cabrera Plazoleta, auf der Rückseite der Kathedrale. Hier verbringen viele Menschen eine Mittagspause oder sitzen sich bei einer Partie Schach gegenüber. Hier spielt auch Jung gegen Alt, gespannt beobachtet von weiteren Anwärtern.
Durch den Paseo de las Flores setze ich meinen Weg fort durch die kleinen Einkaufsgassen, vorbei an der Basílica de Santo Domingo. Hier soll es auch einen Cache geben, doch finden kann ich ihn zunächst nicht. Auch einfach zu viele Beobachter. Zwei weitere Caches auf meiner Liste führten mich wieder südlich. Aber der erste schien sich mir nicht zeigen und zu wollen un der zweite war wohl aktuell nicht mehr vorhanden, zumindest war die Straßenlaterne, in der er angeblich versteckt sein sollte, nicht mehr an Ort und Stelle. Gut, dann weiter zum Monument „Malvinas Heroes Memorial“, das erinnert an die „Helden der Falklandinseln“. Das Monument zeigt 7 Soldaten, die ersten drei Figuren vor der Flagge repräsentieren die Army. Hier sollte sich ein Cache in der nahe gelegenen Mauer befinden. Aber auch hier wurde ich leider nicht fündig. Ebenso störten bei der Suche zwei Personen die auf einer Bank mit bester Sicht zu mir saßen. Joa, dann mal weiter entlang der Hauptstraße. Die Zeit schritt auch langsam voran. Wie wäre es mal mit Essen? Aber was? Mhh.. nach einer Weile entschied ich mich für Subway – da weiss man ja, was man bekommt. Ich wusste, dass mich der Weg zum Tattoo-Studio außerhalb des Zentrum führen würde. Da ich noch Zeit hatte und das Wetter gut war, entschied ich mich zu laufen. Eine Karte für den Bus wollte ich mir nicht extra kaufen und ein Taxi auch nicht bezahlen. Es ging also raus aus dem Zentrum, über eine Brücke in den nächsten Stadtteil. Ab dann wurde es etwas zwielichtig und man sah den Unterschied zum Zentrum. Es folgte also der nicht so schöne Teil der Stadt. Aber gut, wenn man mal unsere Städte so bedenkt, da gibt es auch viele Stadtteile, nicht wirklich sehenswert sind. Ich brauchte gut 1 1/2 Stunden, bis ich schließlich die Adresse erreichte. Aber ein Hinweis auf das Studio suchte ich vergebens. Gut, dann einfach mal klingeln. Aber, ich war richtig. Die Tätowierererin öffnete mir und es ging hinein in einen recht schönen Innenhof und ein hübsches Studio. Allerdings war ich wohl wirklich die einzige Kundin, oder sie arbeitet nur nach Termin? Wir unterhielten uns kurz und sie zeigte mir ihren Entwurf, der allerdings so gar nichts mit meinem Vorstellungen zu tun hatte. Ja, ich hatte ihr gesagt „typisch für Argentinien“, aber ebenfalls, dass es etwas in Richtung Gaucho werden sollte, evtl. Maté mit dabei. Sie setze mit dann eine Zeichnung von einem Teekessel und Matéblättern vor die Nase. Ähm, nein! Sah zwar schön aus, war aber definitiv nicht das, was ich wollte. Ich zeigte ihr dann Bilder, was mir in etwa vorschwebte. Allerdings hatte ich auch auf ihre Kreativität gesetzt. Bisher hatte das bei den anderen Tätowierern ja auch immer funktioniert. Wir suchten gemeinsam nach Bildern. Schließlich hatten wir eine Idee – aber das Ergebnis war mir noch zu „wenig“ und wirkte eher verloren auf meinem Arm. Die Zeit war inzwischen schon weit fort geschritten und schließlich meinte sie, ich würde wohl noch keine genaue Vorstellung von dem haben, was ich mir tätowieren lassen wollte. Dann ging es also für mich zurück zur Wohnung, ohne Tattoo. Ok, der ganze Driss also für nix? Sie orderte mir noch ein Taxi, denn inzwischen war es dunkel und mit dem Taxi wäre ich schnell wieder im Zentrum. Wahrscheinlich wirklich besser, dass ich mich nicht dort habe tätowieren lassen. Es wird noch etwas Besseres geben und zur Not – ich fliege ja noch nach Salta. Da wird sich bestimmt auch noch ein gutes Studio finden lassen.

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Wieder an der Wohnung angekommen, dachte ich ich würde meinen Couchsurfer wieder treffen. Aber er hatte zuvor schon gesagt, dass er nicht wüsste, wann er genau wieder zu Hause ist. Ich wollte aber den Abend nicht alleine in der Wohnung verbringen und Hunger hatte ich auch. Also raus und nach dem Essen für den Abend suchen. Es gab einige Möglichkeiten, aber in ein Restaurant oder Bar wollte ich auch nicht unbedingt alleine gehen. In einem Einkaufszentrum gab es eine „Fressmeile“ – na, da wird doch was zu finden sein. Dann schrieb mit Fede und fragte mich, wo ich denn sei? Gut, vielleicht kann ich doch mit ihm zusammen essen? Doch er schrieb mir nur eine Möglichkeit, wie ich den Abend nicht alleine verbringen müsste. In einem der vielen Parks fand ein Festival statt, da wäre ich dann ja nicht mehr allein. Ja, danke auch. Er selbst hatte keine Lust dazu. Ich hatte irgendwie das Gefühl, dass er nicht so recht die Zeit mit mir verbringen wollte. Ok, dann zieh ich eben alleine weiter. Immer grob Richtung Park, aber sicher war ich mir nicht, ob ich alleine zu dem Festival gehen wollte. Erstmal etwas Essbares finden. Dann wurde ich auf den Burgerladen „Black Pan“ aufmerksam. Genau mein Stil. Alles in Schwarz und Weiss gehalten und die Burgerbrötchen und Wraps waren ebenfalls schwarz – aber nicht, weil sie verbrannt waren! 😉 Wie bei Vapiano bekam man einen „Summer“ und sobald die Bestellung fertig war, summte der Kleine laut vor sich hin.
Allerdings war der Wrap nicht wirklich warm, wie ich es erwartet hatte, aber das war mir dann auch egal. Hauptsache etwas zu Essen. Dann ging es weiter, entlang der Hauptstraße. Einige der Gebäude in Córdoba sind nachts nett beleuchtet, das gefällt mir natürlich. Als ich in der Nähe des Parks angekommen war, kamen mir plötzlich hunderte Menschen mit Decken, Körben, Matè und leeren Kästen entgegen. Tja, da war die Nummer wohl schon vorbei. Anscheinend hatte das Festival den ganzen Tag über statt gefunden. Na, wenn ich das mal eher gewusst hätte. -.- Durch die Seitenstraßen ging es dann grob wieder Richtung Fluß. Ein, zwei Mal verweilte ich noch an Bars und lauschte der Musik und da ich mich nicht alleine irgendwo hinsetzen wollte, um etwas zu Trinken, beschloss ich dann doch wieder in die Wohnung zu gehen. Fede war bei Freunden zum Nachtessen eingeladen – schade, dann eben Füße hoch und versuchen zu schlafen.

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Irgendwann tauchte Fede auf und war ganz verwundert, dass ich schon wieder in der Wohnung war. Er hatte vermutet, dass ich noch irgendwo unterwegs war. Wir unterhielten uns eine Zeit, er schenkte uns noch etwas zu trinken ein und irgendwann nachts sank ich müde in die Kissen. Da er mir gesagt hatte, dass ich nur zwei Nächte bleiben könnte, hatte ich zuvor schon nach einem Hostel Ausschau gehalten. Die US-Amerikanerin die ich Montevideo getroffen hatte, hatte mir erzählt, dass sie in einem Hostel in Còrdoba arbeiten wird und da war für mich klar, dass ich in der restlichen Zeit dann in dieses Hostel gehen würde – La Terraza de Còrdoba.

Samstag, 24.03.2018

Am nächsten Morgen brauchte ich aber keine Eile, denn es war nun Wochenende und Fede musste nicht arbeiten. Wir frühstückten zusammen und leider spielte das Wetter erstmal nicht mit. Es regnete und es schien auch erstmal nicht mehr aufzuhören. Fede bat mir an, mich zum Hostel zu fahren, ich müsste ja nicht durch den Regen laufen. Wäre aber für mich kein Problem gewesen, denn ich war ja bestens ausgerüstet 🙂 ! Aber auch hier ließ er sich nicht davon abbringen und als wir am Hoste ankamen, hatte es sich beinahe ausgeregnet – Mal wieder Murphys Gesetz! Wir verabschiedeten uns herzlich und wer weiss, vielleicht sieht man sich ja nochmal wieder.

Dann ab ins Hostel und ich war netter Weise im gleichen Zimmer wie Kim untergebracht. Also schnell die Sachen abgestellt und sie begrüßt. Abends wollten wir schauen, ob wir zusammen etwas unternehmen können, bevor sie dann in der Nachtschicht arbeiten muss. Eine Möglichkeit war ein abendlicher Markt in einem anderen Stadtteil mit anschließendem Cocktail-Trinken. Das klang doch nach einem guten Plan. Erstmal musste ich aber für die nächsten Tage etwas zu Essen einkaufen. Denn für mittags und abends muss ich mich schließlich selbst versorgen. Da Kim auch einkaufen musste, zogen wir dann zusammen los. Was schnelleres und leckeres für die nächsten Tage war nach kurzer Suche im Einkaufskorb, eine halbe Wassermelone ebenfalls in meinen Armen. Was fällt mir da ein .. „Ich habe eine Wassermelone getragen!“ Ja, weiter im Text. Als die Sonne sich wieder von Wolken frei gemacht hatte, zog ich nochmal los in die Altstadt. Die Caches die ich noch nicht gefunden hatte, wollte ich nochmal versuchen. Aber auch an diesem Tag war mir das Glück nicht hold. An der Kirche saßen wieder Leute GENAU am Cache. Und auf dem Platz hinter der Kathedrale saß ebenfalls jemand wieder AUF der Bank, unter der der Cache versteckt sein sollte. Ob ich es wohl noch schaffen werde? Mittig vor dem Platz San Martin stand ein riesiger Schriftzug „AMOCBA“ – bitte? Was soll einem das sagen? Die Menschen fotografierten sich davor. Mal bei Gelegenheit recherchieren. Dann bemerkte ich, dass sich immer mehr Menschen mit Plakaten, Fahnen, Kostümen auf den Straßen versammelten. Was war denn hier los? Habe ich irgendwas NICHT mitbekommen? Anscheinend. Später erfuhr ich dann, dass es sich um den Straßenumzug anlässlich der Gedenken an die Verschwunden der Militärdikatur handelte – ebenfalls in Buenos Aires fand dieser Umzug durch die Straßen statt – für die „Mütter“ und auch ein Stück weit für die Frauen – Feminismus sei Dank! Der Umzug endet wohl auf einem großen Straßen, wo später auch Live-Musik gespielt wird. Gleich mal Kim mitgeteilt, vielleicht könnten wir uns das Spektakel ja zusammen ansehen. Als ich wieder im Hostel war, hatten sich ein paar der Gäste im „Wohnzimmer“ zusammen gefunden und schließlich waren wir für die Abendplanung zu Fünft. Ein weiterer Deutscher aus Bayern, ein Franzose, ein weiterer Mitarbeiter des Hostels, Kim und meine Wenigkeit. Erst schauten wir uns das Treiben auf der Straße an und dann ging es entlang des Umzugs zum begehrten Stadtteil der Stadt. Wie sich heraus stellte, war das auch der Stadtteil, wo ich den Abend zuvor schon unterwegs gewesen war. ein Kurzer Abstecher zur Endstation des Umzugs. Bisher war hier noch nicht so viel los, dann also später nochmal her. Kim zeigte uns dann die Straßenzüge, in denen man Cocktailbars, Kneipen, Restaurants findet und wo der abendliche Markt statt findet. Dann verabschiedete sie sich plötzlich von uns und ging mit dem Arbeitskollegen wieder zurück zum Hostel. Eigentlich hatte ich gedacht, sie würde noch auf ein Getränk bleiben. Aber anscheinend hatte sie doch noch andere Pläne. Ok, so viel dazu. So schnell kann jemand dann seine Meinung ändern. Zu Dritt ging es dann über den Markt, der vieles Alte, Kurioses und Malereien, Kunsthandwerk zu bieten hatte. Die Cocktailbar, die sie uns empfohlen hatte, war noch geschlossen (wie sich später heraus stellte, waren wir nur zu blöd den richtigen Eingang zu finden). Dann ab in eine andere Roof-Top Bar. Der nette „Catcher“ von der Straße komplimentierte uns nett zum Aufzug und wir sollten doch bitte sagen, von wem wir kommen. Ähm, ok. Oben war es aber doch sehr windig und kühl, sodass wir uns einen Platz eine Etage tiefer auf der Terrasse suchten. Ein leckeres Cocktail und die Stimmung war gleich besser. Wir unterhielten uns über dies und jenes, unsere Reisen, Pläne und und und.. schon interessant, wen man auf seinem Weg so trifft. Aber immer ist irgendwo ein Deutscher dabei – neben einem selbst! Ich wollte immer noch gerne zurück zur Bühne, um zu sehen, was für Musik gespielt wurde und wie man eben in den Straßen von Córdoba so feiert. Also ging es dann zusammen zurück zur Bühne und hier waren die Abschlussfeierlichkeiten in vollem Gange. Interessante Musik und Chorizo von provisorischen Grills am Straßenrand, genannt Pancho. Ähnlich wie die Completos in Chile, kann man sich hier alle Beilagen selbst aussuchen und muss am Ende aufpassen, dass man nicht die Hälfte beim Essen verliert. Die Musik klang teilweise sehr gewöhnungsbedürftig und alternativ. Viele Menschen um uns herum waren auch eher alternativer Natur und es roch überall verdächtig nach Marihuana. Boris, der Franzose, organisierte uns ein Bier, das bekommt man hier nur in großen Glasflaschen – also hieß es dann teilen. Irgendwann leerte sich der Platz so langsam und die Show auf der Bühne war zu Ende. Nochmal zurück ins Bar-Viertel. Vielleicht hat die Cocktailbar jetzt geöffnet? Ja, hatte sie – wahrscheinlich auch vorher schon. Dann also gemütlich noch ein Cocktail getrunken. Ich wollte unbedingt noch Tanzen gehen. In Córdoba bestand sogar die Möglichkeit Salsa tanzen zu gehen, ganz in der Nähe vom Hostel. Das wollte ich mir doch mal ansehen. Wenn es ähnlich wie die Cuba Lounge in Essen ist, wäre das auf jeden Fall einen Besuch wert. Zusammen schauten wir nach der Adresse und vor Ort war schnell klar – ich komme rein, die Jungs in ihren Outfits leider nicht. Boris ging schnell zurück zum Hostel und wechselte sein Outfit. Der Bayer, Name vergessen, verabschiedete sich derweil ins Bett. Ich wagte dann schon mal den Schritt hinein in die Bodegita. Und wie in Südamerika üblich, gab es einige Tische mit Sitzgelegenheiten, die um die Tanzfläche standen, eine Bühne, auf der Sänger auftreten und in der Ecke ein kleine Cocktailbar. Für den Eintritt wurde gut Geld verlangt, dafür gab es dann aber einen Longdrink oder ein Cocktail dazu. Gut, dann gleich ab zur Bar und der Mojito war bestellt. Ich hatte ganz vergessen, dass diese in Südamerika typischer Weise in einer Art Long-Drinkgläser ausgeschenkt werden. Da hatte man also nicht viel Getränk für viel Geld. Nun gut, irgendwas ist ja immer. Die Gäste waren auch eher höheren Alters, dafür aber nicht minder begabt und hatten Freude am Tanzen. Eine Sängerin gab ebenfalls ihr Können zum Besten. Ja, ein netter Abschluss des Abends. Boris stand dann auch wieder plötzlich vor mir und zusammen verbrachten wir noch eine nette Zeit. Leider konnte er aber weder Salsa, noch Bachata tanzen. Irgendwann kamen wir aber in Kontakt mit den „Nachbarn“ und so kam ich auch endlich noch zum Tanzen. Allerdings fand mein Tanzpartner mit der Zeit immer mehr Gefallen an mir. Irgendwann war es dann aber auch Zeit zu gehen und früh morgens verließen wir die Bodega. Schnell ab ins Bett, ob ich es am nächsten Morgen zum Frühstück schaffen würde, war noch ungewiss. Boris und ich wollten am nächsten Tag auch einen Ausflug in die umliegende Gegend machen, aber das Ziel stand noch nicht fest.

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Sonntag, 25.03.2018

Wie schon vermutet, schaffte ich es gerade noch so zum Frühstück. Ausgeschlafen, nicht wirklich. Einen leichten Kater konnte ich nicht verleugnen. Dabei hatte ich nicht viel getrunken, aber etwas durcheinander – Cocktail – Bier – Cocktail – Cocktail. Und die Cocktails waren definitiv nicht ohne! Aber wer feiern kann…

Boris tauchte auch beim Frühstück auf und sah irgendwie ausgeschlafener aus als ich. Wie macht der das nur? Er hatte mindestens genauso viel wie ich getrunken. Aber gut, er ist auch sportlicher als ich, da kann er das vielleicht auch besser kompensieren. Bevor es dann für uns aber zum Bus-Terminal ging, wir hatten ein paar Ziele ins Auge gefasst, versuchte ich noch einen Tattoo-Termin zu bekommen. Allerdings haben am Sonntag nicht viele Studio geöffnet. Eines, Eternal Tattoo, hatte aber gute Rezensionen und war nicht weit entfernt. Also schnell einen kleinen Spaziergang eingelegt und ab zum Studio. Wie ich bemerkte, war ich hier die Tage schon mal wegen eines Geocaches in der Nähe gewesen. Wenn ich da schon gewusst hätte, dass die Stube gut ist, hätte ich da auch schon mal vorstellig werden können. Aber vermutlich sollte es da einfach noch nicht sein. Ich stelle meine Idee vor und nach kurzer Besprechung war in etwa klar, was ich mir vorstellte und was machbar wäre. Der Tätowierer versicherte mir, dass es nicht länger als 1 1/2 Stunden dauern wird, aber der Termin wäre erst am nächsten Morgen möglich. Ok, wenn das die einzige Möglichkeit ist. Aber am nächsten Tag würde eben auch mein Flug nach Salta gehen. Da will das gut geplant sein. Gut, dass ich meine Sachen im Hostel lassen kann und nicht alles mit mir rum schleppen muss. Den Termin in der Tasche, ging es wieder zurück zum Hostel. Boris wartete schon auf mich und zusammen ging es dann Richtung Bus Terminal. Je nachdem, welche Bus wann fahren und wie lange er brauchen würde, wollten wir entscheiden, wo unser Tagesausflug hingehen würde. Eigentlich hatten wir schon einen Favoriten, aber leider stellte sich heraus, dass es sich nicht lohnen würde, nur für ein paar Stunden den Weg auf sich zu nehmen. Ich hätte mir gerne Nationalpark „Quebrada de Condorito“ in der Nähe angeschaut, aber zeitlich lohnte es sich eben einfach nicht mehr, denn mit dem Bus ist es eine Himmelfahrt. Dann entschieden wir uns für die zweite Alternative und nahmen den nächsten Bus nach Villa Carlos Paz – DER Ausflugsort in der näheren Umgebung. Die Fahrt dauerte ca. eine Stunde und wir suchten erstmal die Touristeninformation auf. Dort beschrieb uns ein sehr nettes Mädel, was man sich an einem Tag in der Kleinstadt angucken sollte und was interessant sein könnte. Da wir leider nur noch einen halben Tag hatten, bzw. ein paar Stunden, mussten wir uns auf wenig reduzieren. Da ich es mag gerne etwas zu laufen, zu hiken und die Landschaft von Oben zu sehen, entschieden wir uns zunächst zum Cerro de la Cruz zu gehen. Von dort solle man einen schönen Überblick haben und ein paar Geocaches waren auch in der Nähe. Dann also für mich noch einen Kaffee und Boris schnappte sich noch ein Sandwich für den Weg. Nach gut 15 Minuten erreichten wir den Zugang. Die Gegend schien ein Ausflugsziel zu sein, fast direkt gegenüber lag ein interessantes Hostel und der Komplex Aerosilla. Ein kleine Freizeitanlage, mit Sessellift, einem Spaßbad, einer Wellenrutsche, einem kleinen Unterwasser-Museum, ein paar kleinen Shops und Restaurants. Gut, dass die Hauptsaison schon vorbei war, sonst wäre wahrscheinlich noch mehr los gewesen. Wir entschieden uns aber gegen den Sessellift und für den Wanderweg zum Kreuz. Der Lift wäre es zu einem andere Punkt gefahren. Bevor man sich auf den Weg machen darf, muss man sich zunächst am Eingang registrieren und bekommt eine „Lauf“-Nummer. Nicht, dass da einer mal verloren geht – gute Idee. Dann darf man sich aber ruhig alleine auf den Weg machen. Aber auch hier sollte man festes Schuhwerk haben, denn einfach ist die Strecke nicht unbedingt und teilweise gut steil. Je höher man kommt, desto mehr bekommt man zu sehen und bekommt einen ersten Eindruck von der hübschen Kleinstadt. Besonders schön ist der See, auf dem einige Segler und Boote  ihre Runden drehen. Hat auch ein bisschen was vom Baldeneysee in Essen. Hier könnte ich sicherlich ein paar Tage mehr verbringen. Es gibt in der Gegend, der Sierra von Córdoba, einige tolle Landschaften und Möglichkeiten die Natur zu erleben. Hier hatte ich das erste Mal das Gefühl auch einen Urlaub verbringen zu können oder vielleicht sogar zu leben?! Nach gut einer Stunde waren wir am Gipfel angekommen. Das Kreuz streckt sich weit in den Himmel – ganz nah der Sonne, so wird auch Werbung dafür gemacht – cerca del sol!

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Nach einer kurzen Pause und einer erfolglosen Suche nach einem Geocache, machten wir uns wieder auf den Rückweg. Noch zwei weitere Caches hatte ich auf der Liste; trotz waghalsigem Einsatz von Boris, wollte sich der Erste nicht zeigen, doch beim nächsten hatte ich die richtige Vermutung. Am Fuße des Berges dann wieder ordnungsgemäß abgemeldet und für uns ging es dann zunächst zurück Richtung Stadtzentrum. Eine „Sehenswürdigkeit“ der Stadt war angeblich auch die Kuckucks-Uhr. Eine der Größten der Welt! Na, die wollte ich mir doch mal in Natura anschauen. Es ging durch eine kleine Einkaufsstraße, mit ein paar Läden, Cafés und Restaurants. Hier waren mehr Menschen unterwegs und machten anscheinend Urlaub dort. Dann ging es über eine Brücke auf die andere Seite des Sees. Durch kleine Gassen erreichten wir dann schließlich DIE Attraktion der Stadt. Naja, und was soll ich dazu nur sagen. Ich hatte mir unter der Uhr ja eher etwas anderes vorgestellt. Und immer zur vollen Stunde passiert eben das, was bei solch einer Uhr immer passiert. Aber man sollte jetzt nicht denken, dass der gewohnte Ruf des Kuckucks ertönt – nein, es war lediglich ein Piepsen, wenn man es als solches überhaupt beschreiben kann. Der WAHNSINN, oder? Die Touristen lassen sich vor, mit und an der Uhr schön fotografieren und ansässige machen ihr kleines Geld damit, dass man sich entsprechend in Szene setzen lassen kann. Da kann man echt nur noch mit dem Kopf schütteln.

Zurück auf die andere Seite ging es über eine andere Brücke und wir hielten Ausschau nach einen Tretboot-Verleih. Denn eine Runde über den See wollten wir auf jeden Fall noch drehen. Wie auch bei uns, gibt es immer nur Bereiche, in denen die Boote fahren dürfen und somit wollte ich gerne vor den Brücken fahren, um noch einen Weitblick auf die Gegend zu bekommen. Nach kurzer Suche hatten wir uns entschieden und ab ging es aufs Wasser. War schon einige Zeit her, dass ich mal in einem Tretboot gesessen habe. Aber Spaß hatten wir mit jedem Fall. Die halbe Stunde verging natürlich sehr schnell und bevor es dann leider wieder zum Bus-Terminal ging, spazierten wir noch etwas am Ufer entlang. Boris kaufte sich noch einen Snack am Straßenrand und schließlich machten wir uns wieder auf zum Terminal. Das Rückfahr-Ticket hatten wir schon in der Tasche, sodass wir einfach nur den nächsten Bus nehmen mussten. Am Hostel wieder angekommen, musste ich nun noch meinen Rucksack packen, denn am nächsten Morgen stand schließlich noch mein Tattoo-Termin auf dem Plan, bevor es für mich mit dem Flugzeug weiter in den Norden in die Provinz Salta gehen würde.

Montag, 26.03.2018

Am nächsten Morgen hatte ich dann meinen Termin um 10 Uhr bei Mat. Mein Flug ging am Nachmittag und fast direkt vom Hostel aus konnte ich einen Bus nehmen, der auch am Flughafen Halt macht. Zeitlich war alles gut getaktet und laut der Aussage von Mat hatte ich genügend Zeit,  um 15 Uhr wollte ich spätestens am Flughafen sein. Ich war gespannt, wie er meine Vorstellungen und seine Ideen zusammen aufs Papier bringen würde. Dabei war mir wichtig, dass entsprechende Details erkennbar sein sollten. Nach kurzer Besprechung machte er sich ans Werk und schließlich hatte er Design auf dem Papier, was meine Zustimmung fand und ebenfalls hohen Anspruch an seine Künste stellte, denn das Motiv war sehr detailreich. Zur richtigen Positionierung musste ich mich dann auf die Liege stellen und dann war der richtige Winkel, die richtige Höhe am Bein gefunden. Ich hatte mich vorher schon dazu entschieden, dass Tattoo nicht am Innenarm stechen zu lassen. Das Motiv musste einen Platz haben, an dem es sich bei Bewegung nicht großartig verändert und da war schnell klar – Außenseite, unteres Bein. Dann begann Mat mit der Arbeit und Schritt für Schritt bekam ich nun endlich meine Tattoo-Erinnerung für Argentinien. ein paar Details auf dem Original waren in Gold gefasst, aber er riet mir davon ab, diese Details farblich zu machen, dass würde mit der Zeit nur „unschön“ werden, lieber setzt er ein paar Highlights mit weisser Farbe. Schattierungen am „Rasta“ (Gürtelschnalle) wurden dann mit einer besonderen Maschine gesetzt, die ich so noch nie im Einsatz gesehen hatte. Schnell und präzise arbeitete er sein Werk und nach gut 1 Stunde war das Tattoo fertig. Ich war begeistert, denn eigentlich hatte ich nicht mehr damit gerechnet, noch ein Tattoo als Erinnerung an die Zeit in Argentinien mitzunehmen.

Mat erzählte mir, dass seine Familie wohl eigentlich aus Spanien kommt und er ab und an auch mal nach Europa reist. Wenn er dann mal nach Deutschland kommt und vielleicht mal irgendwo Gast-Tätowierer sein wird, wollen wir uns mal wieder sehen und er meinte, dann würde ich von ihm ein Tattoo gratis erhalten. Das wäre natürlich mega, aber wir kennen das ja mit den Aussagen hier in Südamerika. Aber ein tolles Tattoo von ihm habe ich ja jetzt schon in meiner Haut. Mit genügend Zeitpuffer im Rücken machte ich mich auf den Weg zurück zum Hostel. Boris, Kim und weitere Gäste waren auf der Terrasse und wollten natürlich das Ergebnis sehen. Sie waren ebenfalls begeistert vom Tattoo – alles richtig gemacht. 🙂
Boris hatte sich dann auch noch dazu entschieden, ebenfalls nach Salta zu fahren, allerdings mit dem Bus, somit würde er am nächsten Morgen erst in Salta Stadt sein. Dann eine Verabschiedung in kleiner Runde, ich schulterte meine Rucksäcke und dann ging es los zur Bushaltestelle. Eine entsprechende Fahrkarte, wie man sie auch in Buenos Aires braucht, hatte ich bereits von Fede erhalten und wie es sich heraus stellte, war auch noch Guthaben für eine Fahrt vorhanden – perfekt. Jetzt musste nur noch ein Bus kommen. Die Zeit verging und es kamen viele Busse, aber leider nicht der Bus, der auch zum Flughafen fuhr. Endlich, nach einer gefühlten Ewigkeit, tauchte der Bus im dichten Verkehr auf. Doch als ich dann den Bus betreten wollte, schaute mich der Fahrer etwas zornig an – „Próxima vez tome el otro bús“. Ich war etwas verdutzt. Wie jetzt, anderen Bus? Ja, der Bus war voll und ich war schwer beladen, aber vermutlich wird der nächste Bus nicht weniger voll sein. Da soll mal einer sagen, die Fahrer in Deutschland sein unfreundlich. In Buenos Aires und anscheinend auch in Córdoba wurde man auch nicht gerade mit besonderer Nettigkeit behandelt. Meinen kleinen Rucksack nahm ich dann zu meinen Füßen und versuchte mit irgendwie zwischen den Stehenden Fahrgästen nach Hinten zu bewegen. Normalerweise muss man in den Bussen hier seine Rucksäcke von den Schultern nehmen und zwischen die Füße oder anderweitig tragen. Das war natürlich mit meinem großen Backpack nicht möglich. Und es gab vom Busterminal aus wohl noch einen Shuttle-Bus, der NUR zum Flughafen fährt, aber eben auch entsprechend teurer ist. Per Anhalter hätte ich in der Stadt nicht viel erreichen können und somit hatte ich mich für den normalen Bus entschieden. Dann muss man aber wohl auch mit dem Groll der Bevölkerung rechnen. Gut, ist dann eben so. Ich versuchte mich so schmal wie möglich zu machen und kam ins Gespräch mit einem der Fahrgäste. Egal wo ich auf meiner Reise Leute traf, die meisten waren sehr interessiert, wollten wissen woher ich komme, wohin mich mein Weg führt und für wie lange ich denn unterwegs sei. Für einige auch unvorstellbar, da sie es sich entweder nicht leisten konnten oder meinten den Mut nicht zu besitzen. Dabei ist es eine tolle Sache, man muss eben nur mal den Schritt „raus“ wagen. Und zum gefühlten 1000sten Mal wurde mir geraten, dass ich auf meine Sachen Acht geben sollte, meine Wertsachen nicht offen mit mir herum tragen sollte. Boris und ich hatten uns darüber schon lustig gemacht, denn wir beide hatten bisher noch keine Erfahrung damit gemacht, dass uns irgendwer bestehlen wollte. Aber anscheinend war das in Südamerika Gang und Gebe und wir hatten das Glück, noch alles in unserem Besitz zu haben. Dennoch gilt – „Watch out your things!“

Am Flughafen angekommen, wog ich erstmal meinen großen Backpack, denn mehr als 15 kg durfte er laut Vorgabe nicht wiegen. Gut, etwas drüber war er, aber wie ich die Gelassenheit hier kenne, werden da vermutlich keine Anstalten gemacht. Und ich sollte Recht behalten. Problemlos funktionierte also die Gepäckabgabe, die Sicherheitskontrolle war ebenso schnell erledigt. Dann hatte ich noch ein bisschen Zeit bevor es dann in die Maschine ging. Ein Platz am Fenster war gesichert und dann verabschiedete ich mich von der Provinz Córdoba, voller Spannung, was mich in Salta, einer der interessantesten Provinzen Argentiniens, erwarten würde.

Hier jetzt ein Cut. Genug geschrieben für diese Woche und sicherlich im Zusammenhang besser zu lesen, wenn ich meinen nächsten Beitrag direkt mit dem Start in die neue Provinz beginne.

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