Auszeit – Andalusien – Woche 1

Am 03. August 2017 begann nun endlich meine spannende Auszeit mit der Reise nach Andalusien. Zwar ist Andalusien nur 3 Flugstunden entfernt, aber man muss ja auch erstmal zum Flughafen hin- und zum Ankunftsort weiterfahren. Schon die Vorbereitungen während der letzten Tage kosteten mich einiges an Nerven. Schließlich war das ja auch mein „1. Mal“ und man will gut vorbereitet sein, wobei man das auch nicht für alle Fälle sein kann. Der wenige Schlaf der letzten Tage tat sein Übriges. Der Flug ging nachmittags, sodass ich vorher noch Zeit hatte bei meinen Eltern vorbei zu schauen. Auf dem Weg zu Flughafen mussten Umwege gefahren werden, denn wenn man eines im Ruhrpott während der Ferien erwarten kann, dann sind es Baustellen und Rentner auf den Straßen! Am Flughafen angekommen, schnell den Rucksack abgegeben und noch die letzten Minuten zu Zweit genießen, bevor es dann zum Gate ging. Ein komischer Abschied, aber dieser ist ja nicht für immer (hoffentlich).

Dann war es nun also so weit, ich „alleine“ unterwegs und ein großes Fragezeichen im meinem Kopf, ob das auch alles seinen Weg gehen wird, oder ob ich auf meiner Reise umkehren werde…

Gelandet in Malaga dauerte es etwa eine halbe Stunde, bis endlich das Band rollte. Schnell den Rucksack gegriffen und auf zum Express Richtung Malaga Stadt, hoffentlich ist er noch da. Zum Glück war er es und ab der zentralen Busstation dauerte es auch keine 10 Minuten mehr, bis der Überlandbus Richtung Nerja startete. Hat also alles genau gepasst, bzw. gerade so eben.

Dann dauerte es noch gut eine Stunde Fahrt und ich war endlich in Nerja. Heidi erwartete mich schon und dann ging es mit dem Auto noch die letzten Minuten bis zu ihrem Hof – Cortijo Hidalgo. Schnell das Gepäck in meinem Zimmer abgelegt, denn es gab noch ein leckeres Essen, was ich nach dieser Anreise auch dringend benötigte. Dabei lernte ich dann auch schon, neben den Pferden, ihre weiteren Tiere kennen: Hunde, Papageien, Schildkröten, Kaninchen…

Hier ist gut was zu tun! Meine Hauptaufgabe liegt aber bei den Pferden. Versorgen tut sie Antonio selbst, aber wenn es auf Reit-Touren geht, muss ich mich darum kümmern, dass die Tiere sauber sind und die Sattelkammer ordentlich ist. Auf den Touren begleite ich zudem und muss mir die Strecken merken, damit ich in Zukunft Antonio auch ein paar Touren abnehmen kann. Aber wie funktioniert das nun mit der Kommunikation? Antonio spricht ein sehr schnelles Spanisch und, wie zu vermuten war, werden hier auch einige Silben einfach weg gelassen oder es werden die Worte gleich ganz verkürzt. Das macht es mir nicht gerade einfach – aber gut, ich habe es ja so gewollt. Dazu kommt ein ganz besonderes Temperament und das ist nicht ohne! Hier wird ordentlich mit Gestik gearbeitet und wenn nochmal jemand sagt, ich wäre laut, der sollte sich hier mal ein paar Tage gönnen. Und wenn man nicht nach seiner Nase tanzt und sich vielleicht anders verhält, wie er es sich gedacht hat, dann kann man mal einen Spanier in Aktion erleben. Ein dickes Fell sollte man also haben. Dennoch erwarte ich von meinem Gegenüber Respekt, schließlich bin ich hier um zu helfen und nicht als Punching-Ball für einen ungeduldigen Gaucho. Mal sehen, ob sich das bessert, denn 2 Monate muss ich das nicht haben!

Morgens geht es meist um 10 Uhr auf eine Tour und nach der Siesta dann abends um 17 oder 18 Uhr. Das heisst, mindestens eine Stunde vorher holt Antonio die Pferde aus dem Offenstall und dann geht es ans Säubern, Satteln und Aufzäumen. Wichtig: Die Trensen sind anders als bei uns in Deutschland, d.h. die Zügel müssen mit wenig Bewegung benutzt werden, ansonsten tut es den Pferden im Maul ziemlich weh und ein Andalusier zeigt dir dann, was er davon hält! Das ist eine Sache, die man den Reitern mindestens 5x sagen muss, denn die meisten sind „englisches“ Reiten gewohnt und das verhält sich nun mal ganz anders…

Da es jetzt in der Zeit in Andalusien wahnsinnig warm ist, wird meist um 13 Uhr zu Mittag gegessen und dann heisst es Siesta bis um 16/17Uhr, je nachdem, wann eine Tour geplant ist. Die meisten buchen 1 oder 11/2 Stunden, in der man kurz auch am Strand reitet, leider nur im hinteren Bereich, denn wegen der Touristen ist das nicht gern gesehen. Jedoch ein traumhafter Blick. Hier ein paar Eindrücke aus den ersten Tagen:

An die Wärme und einen ganz anderen Rhythmus man sich erstmal gewöhnen. Im Zimmer stand die Luft und da ich direkt bei den Pferden bin, ist an ruhige Nächste erst einmal nicht zu denken. Denn Fenster auf um ein bisschen zu lüften, heisst natürlich auch, dass man alle Geräusche von draußen mitbekommt. Aber immer noch besser als an einer belebten Straße, wo die Autos von links oder rechts rasen. Die ersten Tage waren echt nicht ohne, denn ich durfte natürlich direkt ran an die Arbeit und bei den Temperaturen muss der Körper ganz schön schwitzen. Da ich sonntags aber frei habe (zum Glück), wie auch die Pferde, ist Heidi mit mir zum Strand gefahren, schon früh am Vormittag, da sind noch wenige Touristen am Strand. Das Wasser ist herrlich angenehm und eine gute Abkühlung für die Hitze der letzten Tage. Am Mittag ging es zurück, denn Heidi und Antonio hatten Freunde und Verwandte zum Essen eingeladen – na, das kann ja was werden! Ein befreundetes Pärchen aus Schweden und ein Teil seiner Familie. Dafür hat er extra zwei seiner Hühner geschlachtet und diese dann mit Knoblauch angereichert. In einem großen Topf auf Gas gekocht und dazu gab es leckere Folienkartoffeln – dazu darf natürlich nicht fehlen – Knoblauchmayonnaise. Ich frage mich inzwischen, ob die hier ohne Knoblauch überhaupt überleben würden?! Eine illustre Runde kam zusammen und es gab ein Gemisch aus Spanisch, Englisch, Schwedisch und schwizer Dutsch – das nenne ich mal multi-europäisch!

In den nächsten Tagen standen einige Reittouren auf dem Programm, ich unternahm während der Siesta Spaziergänge nach Nerja in die Stadt als auch zum Strand und habe mich inzwischen ganz gut eingelebt – auch wenn es mit dem Rhythmus noch nicht ganz funktioniert. Abends komm ich nicht in den Schlaf und morgens mehr schlecht als recht aus dem Bett, denn durch die Wärme ist an einen Tiefschlaf noch nicht zu denken. Einen Ventilator hatte ich noch angefragt und diesen habe ich nun nach Tagen auch ENDLICH erhalten – eine Wonne, aber jetzt werden die Nächte auch wieder kühler, dann klappt es hoffentlich auch bald wieder mit dem Schlafen!

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Die Highlights dieser Woche waren: 

  • Ein Vollmond-Ausritt in die Berge mit einem wahnsinnigen Ausblick auf die Stadt bei Nacht. Schon mal versucht nachts ein Panorama-Foto auf einem Andalusier zu machen? Hier das Ergebnis:
    DSC_0132
  • Süße, kleine Hundebabies, die, für mich, überraschend auf die Welt gekommen sind
    (Bild folgt)
  • Siesta, die beste Erfindung!
    A Spaniard naps in Valdeavellano, near Soria.

 

Nach einer Woche kann ich nun folgendes Fazit ziehen:

Nie wieder mit Sandalen einen Weg laufen, der mit Trekking-Schuhen oder Sneakern besser zu bewältigen wäre

Reiten macht KEINE schönen Beine! Vor allen Dingen nicht, wenn man wie ich ein Lipödem hat und jeder kräftigere Stoß gleich zu einem blauen Flecken wird…

Meistens kommt es anders und zweitens, als man denkt! 🙂

 

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