Auszeit – Andalusien – Woche 2

Die erste Woche hat ihre Spuren hinterlassen – gute, als auch weniger gute. Aber ich möchte ja Veränderung und Neues erleben und das ist hier garantiert. Nur stelle ich mir die Frage, ist dies alles so die Mühe wert? Muss ich mich wirklich rum schubsen lassen?

Ein paar klare Worte mussten her, denn mit Respekt sollte jeder Mensch behandelt werden. Ich habe auch wahnsinnigen Respekt davor, was Antonio und Heidi hier sonst alleine stemmen müssen, aber ich als Helfer habe wohl ebenfalls Respekt verdient. Ein Gespräch mit Heidi, da mein Spanisch ja leider noch in den Kinderschuhen steckt, war reif und ich sagte ihr klar, aber höflich, wie ich behandelt werden möchte. Am nächsten Tag ging es dann schon etwas besser, vor allen Dingen, weil die Ausritte jetzt wieder von ihr gemacht werden. Da klappt es dann auch mit der Verständigung.

Die 2. Woche hatte es ebenfalls in sich. Viele Höhen und Tiefen in der Gefühlswelt, Zweifel aber auch Spaß und Fröhlichkeit war mit dabei. Das Wetter machte mir auch weiterhin zu schaffen. Als Deutsche ist man die diese Temperaturen und das Klima an sich nicht unbedingt gewohnt. Abends komme ich kaum in den Schlaf, da sich mein „Bunker“ so aufgewärmt hat, dass ich zusehen muss, wie ich da frische Luft, ohne Staub rein bekomme. Der Ventilator läuft fast den ganzen Tag, damit die Luft wenigstens ein bisschen zirkuliert. Aber viel bringt es nicht, denn den Staub vom Hof kann ich jeden Morgen aufs neue rauskehren.

Morgens geht es meistens um 9 oder 10 Uhr zu den Reittouren, sodass mein Wecker zwischen 7-7:30h klingelt. Da ich aber oftmals nicht vor 0 Uhr schlafen kann, gestaltet sich das Aufstehen immer etwas schwierig. Und dann arbeitet man womöglich wieder mal „zu langsam“ oder einfach nicht „richtig“ – aber Antonio scheint sich das auch jeden Tag wieder anders zu überlegen. Mal darf die Pferde nur striegeln, dann soll ich plötzlich satteln und dann ist er ganz entrüstet, wenn ich nur 1 Pferd schaffe, in der Zeit wo er 3 schafft.. gut, man muss dazu sagen; ich putze die Pferde gründlich, und mit dem Satteln, ist es etwas anders als bei uns, denn hier arbeitet man nach dem Prinzip, mal gucken welche Decke, vielleicht doch ein anderer Sattel und wie mache ich jetzt den Liederriemen zu, damit der Sattel auch hält?! Wenn man hier nicht fragt, hat man auch keine Chance es richtig zu machen. Denn anscheinend wird davon ausgegangen, dass ich schon alles weiss. Aber alles kann ich nun mal nicht wissen und auch erst recht nicht, wie das hier gehandhabt wird. Ich hätte da echt mit mehr Zugang gerechnet, aber gut, soll halt nicht sein.

Während der Siesta bleibt mir meist nichts anderes übrig, als zu lesen, Spanisch zu lernen, Füße hoch oder evtl., falls ich am Haus nicht störe, auch mal ins Internet zu gehen. An den Strand oder in die Stadt zu gehen, lohnt sich nur, wenn die Zeit es erlaubt.
Das durfte ich die Woche auch wieder feststellen, denn einmal an den Playa nahe der Marinas de Nerja und zurück, kostet einen gut eine Stunde und dann noch schwimmen und Sonnen *zack*, schon ist die Siesta um.

Dann heisst es um 16 Uhr oder 17 Uhr wieder Pferde striegeln, satteln und evtl. noch die Sattelkammer aufräumen und fegen.

Ich hätte nie gedacht, dass das so anstrengend wird. Aber die Sättel sind teilweise auch einfach verdammt schwer und wenn man die dann mindestens 2x am Tag alle rauf und wieder runter nimmt, merkt man, welche Muskeln man die letzten Jahre NICHT aktiv benutzt hat. Dazu kommt die Wärme und das alles zusammen, kann einem ganz schön Kraft kosten. Verständlich, dass man da eine lange Pause am Tag macht. Ich ziehe da auch definitiv meinen Hut vor, diese Arbeit möchte ich nicht mein Leben lang machen wollen, denn es kommen ja noch weitere Tiere dazu, sie Füttern, pflegen und sauber halten. Aber für die beiden war das ein Traum und Heidi ist vor gut 19 Jahren aus der Schweiz hierher gezogen. Sie beide gehen meist auch ruppig aber auch liebevoll mit einander um. Aber eine schöne Sache, wenn man zusammen einen Traum leben kann. Sie haben zwar nicht viel und ihr Einkommen bestreiten sie unter anderem über Reittouren, aber teilweise scheint es doch so, als wenn sie glücklich wären. Zumindest betont Heidi das immer laut und stark, bei Antonio bin ich mir da nicht ganz so sicher.

Eine der Hündinnen hat Welpen bekommen und die sind zuckersüß. Erst hatte sie sie noch sichtbar platziert, aber dann waren es ihr doch zu viele Menschen ab und an in der Nähe, sodass sie sie nun vor uns versteckt hat. Ich hoffe den Kleinen geht es gut und bin schon ganz gespannt, wenn die Kleinen das erste Mal ans Tageslicht kommen.

Bei einem der Ausritte habe ich zwei Mädels, bzw. eine Mutter und ihre Tochter (habe sie zunächst für zwei Freundinnen gehalten) aus Karlsruhe kennengelernt. Wir waren uns auf Anhieb sympathisch, sodass wir auch gleich nach dem Ausritt die Nummern austauschten. Mit ihnen verbrachte ich teilweise meinen nächsten freien Sonntag zusammen und darauf am Montag gleich ebenfalls noch den Abend. Dabei ging es dann auch zur „Fiesta blanca“, eine Party am Strand. Sicherlich nicht zu vergleichen mit Ibiza, dennoch schön, zur Musik barfuß am Strand zu tanzen. Eine sehr gute Abwechslung und endlich mal Leute, die mich verstehen 😊

Wir waren zunächst zusammen am Strand, zwischen Torrox und Nerja, und nach der Siesta ging es dann noch nach Nerja. Zur Hochsaison drängen sich die Massen abends durch die Straßen. Unglaublich viele Engländer, Holländer, Deutsche und wer hätte es gedacht, Spanier! Schon bei den Reittouren konnte ich bisher feststellen, dass viele Touristen nicht unbedingt nur aus Deutschland sind. Aber schon interessant, denn die Engländer vermehren sich ja anscheinend in allen südländischen Urlaubsorten und gerade in Spanien haben die Einheimischen die „Sauf-Touristen“ satt. Verständlich, wenn diese nicht mehr wissen, wo Ihnen der Kopf steht und sie alkoholisiert in den Gassen liegen.

In Nerja bin ich bisher noch nicht auf diese Art von Touristen getroffen, aber spät nachts war ich ja auch noch kaum in Nerja unterwegs, denn der Weg zu Fuß zurück dauert gut eine halbe Stunde bis 40 Minuten, je nachdem, wo man sich gerade aufhält. Nerja ist eine Kleinstadt an der Costa de Sol, die aber schon an dritter Stelle auf der Beliebtheitsskala liegt. Das mag an den schönen Buchten, kleinen Gassen und dem bunten Treiben liegen. Hier außerhalb hat man sonst nicht viel und ja, wer will kann in der umliegenden Gegend sicherlich auch ungesehen verschwinden…

Oberhalb etwas in den Bergen befindet sich noch eines der „weissen Dörfer“ – Frigiliana. Ein kleine, süßes Dörfchen, mit schmalen Gassen und natürlich auch das ein oder andere Lädchen. Ich habe damals in meinem Urlaub dort ganz leckere und ausgefallene Pizza gegessen. Vielleicht schaffe ich es die Tage nun auch endlich nochmal dorthin.

Die Highlights dieser Woche:

  • Nette Mädels aus Karlsruhe kennen gelernt
  • Mein ersten Litschis geschält und gegessen 😉
  • Eine Tour mit einem Mädel alleine durch die Berge und an den Strand
  • Das Essen! Da Antonio Koch war zaubert er wahrlich ein tolles Essen auf den Tisch
  • Strand & Siesta

Zum Ende der Woche kam es dann auch, wie es kommen musste. Ich hatte es ja schon im Gespür. Heidi sagte mir beim Essen, dass es wohl besser wäre, wenn ich mir eine Alternative suchen würde. Die Chemie zwischen Antonio und mir würde eben einfach nicht passen. Gut, dann hat sie mir die Entscheidung schon mal abgenommen. Ich hätte sonst noch die Woche abgewartet um dann zu entscheiden, ob ich im September wiederkomme, aber jetzt ist die Entscheidung eben schon gefällt worden. Aber wie komme ich jetzt so schnell an eine Alternative? Ich erinnerte mich daran, dass mich über workaway.info eine Deutsche angeschrieben hatte, die in Spanien einen Campingplatz leitet und jemanden braucht, der tagsüber die Kinder betreut. Ihr habe ich dann gleich mal geschrieben und wie es der Zufall so will, sucht sie jemanden ab Anfang September. Super, aber das ist gut 5-6 Stunden mit dem Auto von hier entfernt und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln braucht es fast doppelt so lang, da es keine direkte Verbindung gibt.

Jetzt stellt sich die nächste Frage, lasse ich meine Sachen erst einmal auf dem Hof? Ich hatte für die Stippvisite in Deutschland ja nur Flüge ohne Gepäck gebucht, also auch schon einen retour nach Malaga. Aber würde sich das dann noch lohnen? Oder soll ich noch Gepäck dazu buchen und direkt nach Valencia, liegt ca. 45 Minuten von dort entfernt, fliegen? Fragen über Fragen… und die muss ich jetzt schnellst möglich klären..

Einchecken für den Rückflug ab Sonntag und bis dahin sollte meine Entscheidung stehen, zumindest, ob ich mir für den Flug nach Deutschland noch Gepäck dazu buche.

Aber erst einmal möchte ich aus den letzten Tagen noch das Beste machen. Dazu muss ich mobiler sein. Also, muss ein Mietwagen her. Aber wo bekomme ich den, sodass ich ihn auch am Flughafen wieder abgegeben kann und es sollte mich nicht allzu viel Geld kosten! Nach einiger Recherche im Internet, bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass es am günstigen ist, wenn ich mir ein Auto bei malagacar.com am Flughafen miete und es dort auch wieder abgeben kann.

Also, auf nach Malaga, den Weg kenne ich ja jetzt schon. Ticket an der Busstation gekauft und Samstagnachmittag ging die Fahrt dann los.

Der Bus war dieses Mal schneller unterwegs als bei der Hinfahrt, sodass ich eher in Malaga und direkt den Shuttle zum Flughafen nehmen konnte. Jetzt nur wieder mit dem Shuttle des Mietwagenunternehmens weiter und dann endlich hatte ich meinen Mietwagen unterm Hintern. Wie beim letzten Mal ist es auch wieder ein Opel Corsa, aber in Weiss. Und dann ging es auch schon direkt retour Richtung Nerja und das OHNE Navi! Aber das schaffe ich ja wohl.. wenn man nur nicht zunächst die falsche Richtung genommen hätte :-/ Aber dank meiner guten Orientierung und dem Wissen, wo die Autobahn hinführen muss, war ich nach 10 Minuten auch auf dem richtigen Weg.

Jetzt sind es noch ein paar Tage, die ich mir so angenehm wie möglich gestalten kann.

Als nächstes schaue ich mir Maro an: Naturstrand, Wasserfall.. da muss meine Kamera auf jeden Fall mit!

 

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