Auszeit – Chile – Woche 18

Der erste Gast den ich bedienen und bei Laune halten durfte war ein Deutscher. Er kommt aus Hamburg und ist mit seiner Honda für ebenfalls 5 Monate in Südamerika unterwegs. Sein Motorrad hatte er nach Valparaiso verschiffen lassen und war inzwischen schon ein paar Tage unterwegs. Bevor zur Hacienda kam, war er im Valle de Elqui gewesen. War zunächst ganz entrüstet darüber, dass in den ersten Tagen er dort wohl der einzige Gast in den Cabanas war, aber zum Wochenende hin kamen dann plötzlich ganz viele Chilenen und da er den Pool direkt vor der Hütte hatte, war es dann schnell vorbei mit der Ruhe. Somit hatte er die Hacienda ausfindig gemacht und war über Vicuna zu uns gereist. Er liebt die Wüste und war ebenfalls begeistert, wie paradiesisch es trotzdem sein kann. Wir konnten ihm sogar eine der Calbatas schmackhaft machen und als „Joined-Venture“ bat er an Fotos von der Tour zu machen und sie der Hacienda zur Verfügung zu stellen – perfekte Werbung sozusagen. Er selbst ist Fotograf (Sönke Lorenzen) und hatte zuvor seine eigene Galerie in Hamburg. Diese hat er nun aber extra für seine Reise geschlossen und hat Partner in Hamburg gefunden, die seine Bilder nun weiterverkaufen werden. Somit kann er sich quasi auch einen Teil der Reise finanzieren – falls die Partner natürlich auch Bilder verkaufen.  Mit seiner Genehmigung darf ich hier auch ein paar seiner Fotos von der Tour veröffentlichen – vielen Dank dafür 😊 !

Gegen 15 Uhr starteten wird dann also zu Pferd auf die „Gold Digger“ Tour – für mich war es auch die erste Tour in Chile und ich war gespannt, wie ich mit dem chilenischen Sattel und den Zügeln so zurechtkommen würde. Die Pferde reagieren sehr gut auf die Zügel und entsprechenden Druck – führt man die Zügel am Hals z.B. nach links, geht das Pferd auch nach Links. Also nicht viel anders, als ich es schon aus Andalusien kannte, wobei die Pferde hier doch etwas sensibler reagieren. Rene, unser Reit-Guide, hatte die Pferde zuvor von der Weide geholt und sie bereits gestriegelt, gesattelt und getrenzt. Da der Anfang der Tour Richtung Weide ging, waren die Pferde ziemlich zügig unterwegs, aber als sie merkten, dass es nicht zurck zur Weide geht, wurden sie spürbar ruhiger – Gott sei Dank 😊. Ich musste ich ja erstmal mit dem Pferd „anfreunden“ und schauen, wie es auf die Hilfen reagiert – ganz anders, als ich gedacht habe. Auf den Anstiegen wurde ich dann ziemlich von Coral, so heisst mein Pferd, durchgeschüttelt. Entlang der Berge wurde es teilweise ziemlich steil und ich schickte kurz ein Gebet gen Himmel und wünschte mir Trittsicherheit für mein Pferd – denn rechts ging es dan auch direkt runter – ein Rutscher und wir wären ein paar Meter den Abhang runter – aber mit welcher Gelassenheit das Pferd den Pfad entlangging, war schon beeindruckend. Ebenso beeindruckend war die Aussicht von den Bergen aus. Man konnte das Tal um den Rio Hurtado zeitweilig wunderbar überblick, irgendwie magisch. Und ja, es hatte für mich wirklich etwas von einer „Wild-West“-Romantik – wobei es dann wohl eher das wilde Chile, statt der Wilde Westen ist. 3-Stunden ging es dann über die Berge und durch kleine Schluchten. Sönke lichtete uns auf vielen Bildern ab und wir bekommen hinterher eine Auswahl zur Verfügung gestellt. Zwar mag ich es nicht so fotografiert zu werden, aber so hat man tolle Erinnerung auf schönen Fotos festgehalten.

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In den nächsten Tagen hatte ich abwechselnd Früh- oder Spätschicht. Vereinzelte Gäste erleichterten die Einarbeitung, denn so konnte Katharina mir vieles in Ruhe erklären. An sich funktioniert die Arbeit hier wie in einem Hotel. Die Besonderheiten sind die Pferde- & 4×4 Touren, sowie das Observatorium. Das kann ebenfalls gemietet werden und wird regelmäßig von Astronomen genutzt. Werde sehen, dass ich mich mal einer Astro-Tour anschließe, damit ich mir das Observatorium auch mal ansehen kann. Während meiner Freizeit an den Tagen erkundete ich die Umgebung und fand immer wieder kleine, versteckte Orte. Teilweise hat an das Gefühl, dass die Zeit hier irgendwann stehen geblieben ist. Hier gibt es keine typisch, deutsche Ordnung, jedoch wird rund um die Hacienda alles weitestgehend ordentlich gehalten. Die Männer fluten ab und an die Wiesen und den Garten, leiten dafür das Wasser des Flusses um. Dann kann es also schon mal passieren, dass man bei der Abnahme der Wäsche etwas erfinderisch werden muss, denn die Wiese steht dann z.B. komplett unter Wasser, genau dort, wo die Wäscheleine hängt -.-

An den Abenden wird es noch recht frisch, sodass man nach 20 Uhr auf jeden Fall lange Hosen und ein Sweatshirt tragen sollte. Die aktuelle Mondphase zeigt das Tal in einem besonderen Licht – es ist sogar so hell, dass man auf dem Weg zurück zum Haus keine Taschenlampe benötigt und seinen eigenen Schatten sehen kann. Auch etwas Besonderes und so nah und deutlich habe ich den Mond auch noch nie in Europa gesehen. Faszinierend. Hier werde ich hoffentlich viel für die Nachtfotografie lernen und üben können. Allerdings kann es dann auch schon mal vorkommen, dass man im Halbdunkel eine Stufe übersieht und *zack* – Loch in der Hose und am Knie. Lustiger Weise haben Katharina und Maraike das auch schon geschafft, zwar nicht von der Treppe aus, aber beide hat es hier auch schon zu Boden fallen lassen – Ergebnis: Hosen haben jetzt Löcher und an den Knien haben sie ebenfalls Schürfwunden – lastet da etwa ein kleiner Fluch auf der Hacienda??

Unser Gast war so begeistert von der 3-Stunden zu Pferd, dass er gerne unsere Starlight-Tour auch noch machen wollte. Natürlich schloss ich mich da an. Schließlich bekommt man nicht alle Tage den chilenischen Nachthimmel von den Bergen aus zu sehen. Die Tour wurde zunehmend eine Herausforderung, denn je dunkler es wurde, desto weniger konnte man mit den Augen sehen. Da die Pfade auch gerne mal nah an Kakteen vorbeigehen, war also hier besondere Vorsicht angesagt. Schließich warnten wir uns gegenseitig, sobald wir in der Annahme waren, dass wieder ein Kaktus in der Nähe war. Echt nicht einfach. Aber die Aussicht entlohnte uns für die kleinen Strapazen. Auf einem kleineren Berg machten wir Rast und bestaunten für gut 10 Minuten den Himmel. Man konnte hier sogar teilweise die unterschiedlichen Farben der Sternenlichter erkennen und tatsächlich auch Sternennebel sehen – wie toll muss es dann erst im chilenischen Winter sein? Die Tour dauerte gut 2 Stunden und da es nun langsam Sommer wird, war es auch nicht mehr ganz so kalt in der Nacht. Auf dem Weg runter sah man fast gar nichts mehr. Gut, dass Rene ein weisses Pferd hat, so konnte man wenigstens erahnen wo er lang ritt. Nein, einfach war das wirklich nicht – aber die Pferde kennen ja die Wege. Den Eindruck hatte ich allerdings teilweise nicht, denn ich musste Coral ab und an wieder auf den Weg bringen. Ich bin mir auch immer noch nicht sicher, ob Pferde in der Nacht wirklich gut sehen können. Weiss das zufällig jemand? Dann bitte gerne kommentieren.

Da ich dann am nächsten Tag endlich meinen ersten freien Tag hatte und unser Gast auch etwas besorgen wollte, kam ich endlich in den Genuss Motorrad zu fahren. Ich habe zwar schon mal auf einem Roller gesessen, aber noch nie auf einem Motorrad. Gemeinsam ging es dann nach Sèron, dort wo auch die alte Kirche steht, die von den Papageien hier als Nistplatz genutzt wird. Die wollten wir uns dann aber auf dem Rückweg anschauen und fuhren erstmal weiter, in der Hoffnung einen kleinen „Tante Emma“ Laden oder Ähnliches zu finden. In Séron wurden wir aber nicht fündig und fuhren zum nächsten Ort. Dort schickten sie uns dann noch ein Stück weiter zu einem größeren Ort und im Ort selbst wusste anscheinend auch keiner so wirklich, wo wir eine SIM-Karte von entel bekommen konnten und liefen somit von Pontius zu Pilatus. Der letzte Tipp brachte uns dann endlich zum richtigen Laden. Ich kaufte mir zuvor noch schnell eine neue Zahnpasta und andere Getränke, damit war ich dann erstmal versorgt. Hoffentlich komme ich bald mal nach Ovalle oder Katharina muss mir beim nächsten Einkauf etwas mitbringen. Auf dem Rückweg machten wir dann Halt an der Kirche und versuchten einen Blick ins Innere zu werfen. Perfekter Ort für Lost-Place Fotografie, aber leider waren die Türen fest verriegelt. Durch die Fenster konnten wir kleine Einblicke gewinnen, leider waren um diese Uhrzeit nur Tauben zu sehen. Nach einem kurzen Rundgang ging es dann wieder zurück zur Hacienda.

Den Rest des Tages befasste ich mich mit meinen Bildern und musste dringend an meinem Blog arbeiten. Man Tablet dachte sich allerdings – nö, wenn ich leer bin, bin ich leer. Nachdem ich den ganzen Tag damit gearbeitet hatte, musste es dringend geladen werden und sprang danach erstmal nicht mehr an. Na ganz großes Kino – gerade jetzt! Sönke hatte, genauso wie ich, Probleme mit der Aktivierung der SIM-Karte für Chile. Er hatte sich inzwischen sogar ein chilenisches Handy gekauft, jedoch auch dort sollte die Aktivierung, trotz Hilfe im Shop, nicht erfolgen. Nach mehreren Versuchen wollte er schon aufgeben, denn er war nun im Besitz von Prepaid Karten von fast allen Anbietern und trägt 4 Handys mit sich rum. Elke versuchte ihm dann auch noch zu helfen und selbst sie kam auch nicht weiter. Also entschieden sie sich dazu, nach Ovalle zu fahren und es direkt vor Ort in einem Shop zu klären. Da schloß ich mich dann natürlich an, denn ich brauchte dringend ein paar Lebensmittel und bei den Getränken dringend mal eine Abwechslung zum Wasser, gerne auch mal einen guten Wein und ein paar Bierchen! Also ab ins Auto und auf Richtung Ovalle – dachten wir. Dann hatte Elke aber noch eine Idee und es ging zunächst nah Séron – das nächstgelegene Dorf. Dort wohnt eine Freundin von, eine Schweizerin, und deren Mann hatte wohl noch eine PrePaid Karte von entel abzugeben – übrigens der einzige Anbieter, der Netz und Verbindung im Rio Hurtado Tal hat. Hätte ich das mal eher gewusst – aber da habe ich ja auch echt nicht dran gedacht. Somit habe ich selbst hier keinerlei Empfang und kann mit der „Außenwelt“ nur per Wifi kommunizieren. Das wird dann interessant, wenn es auf die Mehrtages-Touren geht. Dann bin ich also wirklich mal richtig offline!

Wir machten also in Sèron Halt und trafen dann auf Merit und ihren Mann. Sie ist Schweizerin und war zuvor auch mal Praktikantin auf der Hacienda. Dann hat sie sich in die Pferde hier verliebt und ist geblieben. Seit 2012 ist sie nun immer ein halbes Jahr in der Schweiz um Geld zu verdienen und danach dann ein halbes Jahr in Chile, um sich hier ein Zuhause aufzubauen. Weit weg von den Großstädten, mitten in der besonderen Natur Chiles. Das Haus indem sie zurzeit leben müssen sie dringend restaurieren, denn es hat einige Schönheitsfehler und schon viele Jahre auf dem Buckel. Gleichzeitig bauen sie aber schon ihr eigenes Haus und wollen dieses dann für AirBnB Gäste zur Verfügung stellen. Tolle Idee und so lassen sich natürlich auch noch ein paar CLPs verdienen. Ihr Mann kümmerte sich dann schnell um die Aktivierung der SIM-Karte in Sönkes Handy und siehe da, es funktionierte! Endlich! Schade nur, denn so sind wir nach natürlich nicht nach Ovalle gekommen – naja, beim nächsten Mal dann. Wir verbrachten dort einen entspannten Nachmittag, redeten viel über Pferde, das Leben in Chile und sie erzählte uns von ihrer 3-monatigen Cabalgata. Zusammen mit ihrem Mann und einer weiteren Praktikantin von der Hacienda war sie 3 Monate unterwegs, nur zu Pferd. Darüber hat sie auch Tagebuch geführt, das aktuell sogar bei uns auf der Hacienda ist. Spannend, das werde ich mir auf jeden Fall mal näher anschauen. Sie selbst besitzt jetzt zwei Pferde, eine unglaublich süße Hündin, eine kleine Katze, Schweine, ein Kalb und ein paar Ziegen. Die Ziegen sind aber aktuell noch bei ihrem Schwiegervater in den Bergen. Also auch in Chile lässt es sich wunderbar auf dem Land leben, man muss es sich eben nur schönmachen. Mir gefällt es hier auf jeden Fall schon mal sehr gut…und wer weiss, vielleicht zieht es mich ja mal hierhin zurück?! Sag niemals nie!

Mit den Tagen entspannt man sich hier mehr und mehr, denn außerhalb der Stadt geht es hier doch wesentlich gemächlicher zu. Und ja, es dauert eben schon mal, wenn man „mal eben“, was erledigen muss. Die Menschen, die hier leben, haben sich darauf eingestellt und wenn es dann länger dauert, ja dann ist es halt so. Gut, dass muss ich dann eben noch für mich „lernen“. Der Weg vom Haus zur Hacienda rauf ist zwar nicht lang, hat aber eine fiese Steigung und somit kann man am Morgen schon eine kleine Sporteinheit absolvieren. 😀

Im Dezember ist hier anscheinend auch noch nicht so viel los, zumindest hält sich die Gästeanzahl erstmal in Grenzen. Schließlich kamen noch zwei Biker aus Deutschland dazu, mit denen Sönke ein paar der KM in Südamerika zusammenfahren will. Allerdings blieben sie nur für eine Nacht, denn sie wollten sich auf jeden Fall noch Pisco de Elqui anschauen und Sönke wollte sich das nicht nochmal antun. Er blieb also eine Nacht länger und rauschte dann einen Tag später als die anderen Biker wieder ab. Während der Woche hatten wir insgesamt 8 Gäste – es kamen noch ein deutsches Paar aus Santiago und ein chilenisches Paar für jeweils 2 Nächte in die Hacienda. Etwas Leben war als auf Hacienda, jedoch ist das noch sehr sehr wenig. Schauen wir mal, wie es um Weihnachten herum so wird. Ich hatte dann während dieser Tage auch meine erste Schicht komplett alleine, da Katharina frei hatte und mit dem Pferd unterwegs war, Elke hatte ein Seminar in Ovalle und Maraike hatte die Frühschicht gemacht und war dann wohl wandern gegangen. Allerdings gab es eine Lücke im Schichtplan und somit durfte ich dann 2 Stunden eher ran. Und genau da kamen die Biker, hatten noch kein Zimmer gebucht, wollten aber gern den günstigen Preis von booking.com haben – leider konnte ich das nicht entscheiden und konnte auch niemanden erreichen. Was macht man da? Ganz klar – abwarten! Aber Gott sei Dank waren die beiden sehr geduldig und nutzen die Zeit um sich mit Sönke über die letzten Tage auszutauschen. Endlich meldete sich Elke bei mir zurück und wir entschieden uns dafür, dass die beiden dann eben über booking.com noch schnell buchen sollten. Gegen 18 Uhr konnte ich ihnen dann endlich ihr gewünschtes Zimmer geben. Ein weiterer Gast traf spät abends ein – ein Chilene, der wohl immer 1x im Jahr hierherkommt. Allerdings schien er etwas angetrunken zu sein, bzw. verlangte er gleich ein Bier nach der Ankunft – na, toll. Und ich durfte ihn dann noch bedienen. Also möglichst wenig Kontakt, nur das Nötigste sprechen und ab dafür. Abends gab es dann für ein paar der Gäste die Astro-Tour mit Elke – hätte mich gern angeschlossen, aber ich beendete meine Schicht erst, als sie bereits unterwegs waren – hoffentlich beim nächsten Mal! Am nächsten Morgen berichteten die Biker, dass die Tour durch den Chilenen etwas gestört wurde, da er wohl die ganze Zeit nur telefoniert hat und es ihm eher egal war, was die anderen davon halten. Naja, Idioten gibt es halt überall. Da ich Frühschicht hatte konnte ich dann den Nachmittag wieder für private Zwecke verwenden. Inzwischen lief mein Tablet wieder und ich konnte endlich meinen Beitrag für den Blog fertig stellen.

Die nächste Frühschicht kam und ich kümmerte mich darum endlich mal einen Plätzchenteig zu erstellen. Da ich aber noch weitere Aufgaben zu erledigen hatte (wie bei jeder Frühschicht: Frühstück bereiten, Abwaschen, evtl. Rosa helfen, ggf. Gäste bedienen, Früchte ernten..) musste der Teig erstmal ruhen und ich wollte am Nachmittag ran und endlich mal ein bisschen Weihnachtsstimmung verbreiten. Ist allerdings bei gefühlten 28 Grad gar nicht so einfach. Dann musste ich mich auch noch beeilen, denn nachmittags kommt unser Koch und bereitet das Abendessen vor. Da musste ich ihn dann noch um 15 Minuten vertrösten und dann durfte er in unsere Kochecke. Zauberte wieder ein leckeres Menü für die Gäste und wir durften dann am Ende natürlich auch was davon haben. Immer wieder sehr sehr lecker. Da muss man glatt aufpassen, dass man bei dieser Vollwert-Nahrung nicht wieder zunimmt.

Am Wochenende sollten nun mehrere Bailes in den umliegenden Dörfern stattfinden. Freitag in Séron und Samstag in Meitenes. Von den letzten Bailes wurden mir interessante Geschichten erzählt und die Mädels waren froh, dass sie endlich mal von der Hacienda runterkommen und feiern gehen können. Na, ich war gespannt, was uns da wohl erwarten würde. Zuvor trafen wir uns bei den Mädels im Haus und starteten gemütlich in den Abend – eigentlich wollte unsere zweite Köchin noch mitkommen, doch irgendwann meldete bekamen wir von ihr die Meldung, dass sie doch zu müde sei – na toll, das hätte sie uns ja auch mal früher schreiben können.

Als schließlich alle fertig waren, ging es gemeinsam Richtung Séron. Da der Baile zwar schon gestartet war, aber leider noch nicht so viel los war, saßen wir erst mit weiteren Gästen/Freunden zusammen im „Pub“ – was eher ein Restaurant für mich war – und vertrieben uns noch etwas die Zeit. Schließlich ging es dann zum Tanzsaal – und anders als erwartet, war die Veranstaltung alles andere als gut besucht. Ein paar Tische waren besetzt und zu 90% saßen dort nur Männer, die uns verwundert anschauten. Die Band spielte unerträglich laut und die Tanzfläche war leer. Der Raum glich einer Turnhalle und war hell erleuchtet – ohje, so sieht also ein Baile hier aus. Ja, anscheinend bin ich echt zu verwöhnt, was das angeht. Kaum Platz genommen, hatte ich schon das erste Cerveza in der Hand. Es war auch den ganzen Abend nicht nötig selbst etwas zu kaufen, denn der Tisch war immer voll mit Getränken und wir durften immer zugreifen – das war aber auch nötig, sonst hätte ich es hier nicht lange ausgehalten. Schließlich machte der Mann von Merit den Anfang und forderte Elke zum Tanzen auf – das war dann der Startschuss für alle weiteren Gäste und von da an war die Tanzfläche immer mit ein paar Pärchen belegt – zwar wenig, aber immerhin. Natürlich dauerte es nicht lange und ich wurde auch zum Tanzen aufgefordert. Allerdings scheint hier auf dem Land NUR Cumbia getanzt zu werden und ein traditioneller chilenischer Tanz, Name habe ich leider wieder vergessen. So verging die Zeit dann doch recht fix und gegen 3:30 Uhr hatte die Band dann ausgespielt und man wurde aus dem Raum gebeten – das Licht wurde dann einfach mal ausgemacht. Dann fuhr ich zusammen mit Elke zurück und die Mädels zusammen mit unserem Koch– hier ist es übrigens Gang und Gebe, dass man sein Auto nach Hause fährt, auch wenn man Alkohol getrunken hat. Wahrscheinlich gibt es deswegen so viele Denkmäler an der Straße, die Leute kennen anscheinend leider ihre Grenzen nicht. Zuvor hatte ich auch überlegt, ob ich überhaupt mitkommen soll, denn Bedenken bezüglich der Fahrerei hatte ich schon. Gegen 4:30 Uhr landete ich dann endlich im Bett – leider musste ich aber am nächsten Morgen um 8 Uhr zur Frühschicht. Also, dann musste ich wohl schneller schlafen – und das kann ich ja so waaahnsinnig gut!

Kurz vor dem Wecker wurde ich dann tatsächlich wach. Quälte mich aus dem Bett, schnell Zähne geputzt, Wasser ins Gesicht und los. Auf dem Weg traf ich dann auf Katharina, die sich netter Weise als Unterstützung angeboten hat. Denn wir hatten Gäste und mit mehreren Leuten geht das dann natürlich schneller. Zwar war Rosa auch da, aber die Bedienung der Gäste ist unsere Aufgabe.  Irgendwie schaffte ich es durch meine Schicht und dachte mir „Sobald die fertig bist, gehst du Schlafen“ – aber natürlich kam es anders. Erst noch schnell was gegessen und dann bekam ich die Info, dass ganz in der Nähe ein „Carrera“ stattfinden wird – ein nicht ganz legales Pferderennen – würde ich behaupten. Das wollte ich mir natürlich mal anschauen und die Mädels waren ebenfalls mit von der Partie. Unser Koch wollte ebenfalls dorthin gehen und somit machten wir uns zusammen auf den Weg. Die Mädels folgten kurze Zeit später. 10 Minuten zu Fuß und der Ort der Carrera war erreicht, mitten auf einem Stück Land. Ein kleines Eintrittsgeld von CLP $ 2.000 mussten wir zahlen, dann konnten wir das Gelände betreten. Und dann war man mittendrin statt nur dabei – genauso hatte ich mir das vorgestellt. Fernab der touristischen Ecken. Die Männer sitzen zusammen und reden über… keine Ahnung,  wahrscheinlich ich Pferde, Höfe und was es Neues zu berichten gibt.. trinken sich ein paar Bier dabei, Fleisch gibt es direkt vom Grill und natürlich kann man auch wieder Empanadas bekommen. Auch hier sind wieder Alt und Jung versammelt, die Männer tragen ihren typisch chilenischen Sombrero und stellen sich etwas zur Schau. Ein paar Pferde sind im Schatten unter den Bäumen angebunden und dann heisst es erstmal abwarten. Denn in Chile hat man ja bekanntlich ganz viel Zeit und bis sich dann mal zwei gefunden haben, die ihre Pferde gegeneinander antreten lassen und hohe Summen setzen, kann es dauern. Genauer gesagt 2 ½ Stunden! Wir wollten aber unbedingt sehen, wie diese Rennen hier ablaufen und schlugen uns tapfer. Unterhielten uns mit ein paar der Nachbarn und schließlich war es dann soweit. Meine Kamera hatte ich extra mitgenommen – denn so etwas muss man mit der Kamera festhalten, bzw. es zumindest versuchen. Es wurde beschlossen, dass die Pferde ein 160 Meter Rennen absolvieren müssen und die Zuschauer stellten sich dann entlang der Strecke auf. So ein Carrera hat hier wohl Tradition und führt die Leute aus den umliegenden Dörfern zusammen – finde ich eine schöne Sache, aber die Warterei kann die Nerven dann schon etwas strapazieren – außer bei den Chilenen – die können stundenlang an einer Stelle hocken, Bierchen trinken, quatschen und gut is`. Bis die Pferde dann soweit waren, dass sie das Rennen starten konnten, mussten wir wieder gut 10 Minuten warten. Und dann ging alles ganz schnell. Es dauerte nicht mal mehr eine Minute und das Rennen war vorbei. Das Pferd was vorher schon total unter Strom gestanden hatte, hatte sein Pulver anscheinend schnell verschossen und verlor leider um Längen. Die Freude der Leute die auf das richtige Pferd gesetzt hatten, war entsprechend groß und der Jockey wurde umjubelt. Dann machten wir uns auch wieder auf den Weg, denn abends wollten wir dann noch zum Baile in Maitenes – eventuell, je nach Verfassung und ob wir einen Fahrer haben. Auf dem Weg trafen wir noch eine junge Schweizerin – deren Eltern waren vor einigen Jahren mit ihr und ihrer Schwester nach Chile ausgewandert.  Ihr gefällt es hier sehr gut und demnächst wird sie ein Studium beginnen. Wie man also sieht, ist Chile für die Europäer sehr beliebt und dann doch nicht nur der Süden.

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Zurück auf der Hacienda ging es dann erstmal kurz ins Haus, frisch machen. Denn die Sonne wird langsam immer kräftiger und über den Tag kann es dann doch schon sehr warm werden. Wir trafen uns dann zunächst in der Küche, um für uns Essen zu kochen und Katharina löste Elke wieder ab, die netter Weise die Stellung gehalten hat. Schließlich war es schon 22 Uhr und plötzlich tauchte ein Auto auf der Hacienda auf. Da waren tatsächlich die Chilenen gekommen, um uns abzuholen. So ganz klar war das vorher nicht gewesen und wir waren noch lange nicht fertig, um mitzufahren. Katharina entschuldigte uns und sagte dann, dass wir später mit nachkommen werden – aber das war noch gar nicht geklärt. Unsere zweite Köchin wollte auch mitkommen und kündigte sich für 22:30 Uhr an. Also schnell zum Haus der Mädels und erstmal abklären, ob unser Koch überhaupt fahren möchte. Nach kurzer Zeit kam dann die Rückmeldung, dass er nicht fahren wird und dann hatten wir schon fast entschieden, dass wir dann auch in der Hacienda bleiben würden. Zwar hatte Katharina noch versucht den Chilenen zu erreichen, jedoch hatte das Handy keinen Empfang. Somit hatten wir keine Chance zum Baile zu kommen, denn dorthin braucht man ein Auto und der Weg dauert gut 30 Minuten. Doch dann klingelte plötzlich ihr Handy und Jaime sagte, dass es absolut kein Problem wäre und er uns gerne abholen kann. Dann hatten wir also noch ca 40 Minuten Zeit uns fertig zu machen – wobei die Müdigkeit schon ihr Übriges getan hatte. Ein Kaffee musste her – der half ganz gut und dann ging die abenteuerliche Fahrt auch schon los. Da Jaime leider nur einen Pick-Up hatte, mussten wir nun schauen, dass wir zu viert irgendwie Platz finden. Schließlich setzte sich Maraike dann auf meinen Schoß und ab ging es Richtung Maitenes. In Séron führte es dann steil bergauf und zwar über eine richtige Huckelpiste – so viel wie auf dieser Fahrt habe ich noch nie gelacht – ja, ich habe sogar Tränen gelacht. Abenteuer pur! Oder wie sagt man so schön: Nach müde kommt bekloppt.

In Maitenes angekommen landeten wir in einer Art Vereinsheim. Zuvor wurde dort ein Fußballspiel im Dorf ausgetragen und der Gewinner würde hier gleich noch den Pokal empfangen. Endlich waren mal mehr Leute und vor allen Dingen auch mal jüngere Leute da. Ein paar waren zuvor auch auf der Carrera gewesen oder am Abend zuvor in Séron. Also mit der Zeit kennt man sich. Wir wurden wieder mit Getränken versorgt und die Band des Vorabends spielte hier ebenfalls. Also, stand auch wieder nur Cumbia auf der Songliste – den kann ich dann jetzt richtig gut tanzen! 😊 Ein feucht fröhlicher Abend geht auch irgendwann mal zu Ende – so wurden wir dann gegen 5 Uhr wieder zur Hacienda gebracht. Als Dankeschön für die Fahrerei luden wir die Jungs dann zu uns auf die Hacienda ein – kommenden Freitag wird es also ein Asado bei uns geben. Mein Erstes auf dieser Reise – wird also mal Zeit! 😉

Gott sei Dank hatte ich Sonntag frei, so konnte den fehlenden Schlaf der letzten Tage etwas nachholen. Den Tag nutze ich dann für Skype Telefonat, u,a. in meine Heimat. Ja, nach ein paar Wochen ist es dann auch mal schön, wenn man wieder vertraute Gesichter sieht und ein bisschen über die vergangene Zeit quatschen kann. Sei es die Familie oder eben auch Freunde – mein soziales Umfeld ist mir sehr wichtig und ohne dies wäre mein Leben nicht dasselbe. Also, hiermit mal ein: Danke, dass ihr da seid!

Meine Erkenntnisse der Woche:

  • Auch im Halbdunkel stets die Augen offen halten, sonst kann man zwei Treppenstufen schon mal für Eine halten.
  • Gute Gespräche sind Gold wert!
  • Die Männer in Chile sind auch nicht viel anders…vielleicht ein bisschen mehr Macho
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